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Mittwoch, 18. Februar 2026

Garmus, Bonnie "Eine Frage der Chemie"

Garmus, Bonnie "Eine Frage der Chemie" (Englisch: Lessons in Chemistry) - 2022

Ein Mitglied meines deutschen Lesekreises hatte dieses Buch vorgeschlagen, und obwohl zunächst alle einverstanden waren, wurde es letztendlich nicht ausgewählt. Da ich es aber bereits bestellt hatte, wollte ich es unbedingt lesen.

Es wäre sicherlich eine gute Wahl für eine Diskussion gewesen. Ich bezweifle, dass ich es ausgewählt hätte, wenn ich nur das Titelbild gesehen hätte. Andererseits könnten Leserinnen und Leser, die romantische Frauenliteratur suchen, enttäuscht sein.

Es ist schwer, dieses Buch zu beschreiben. Ich würde es wohl als Frauenliteratur einstufen, obwohl es tiefere Bedeutungen hat. Ich mochte die Protagonistin sehr. Ich wünschte, ich hätte in meiner Jugend eine Elizabeth Zott gehabt. Obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin als sie, gab es all die Hindernisse, die Frauen im Weg standen, schon damals. Und es gab niemanden, absolut niemanden, der mich in meiner Ausbildung unterstützte, weder meine Eltern noch meine Lehrer (außer dem Grundschullehrer, der später aber nicht mehr da war). Im Gegenteil, alles, was ich hörte, war: "Du wirst heiraten und brauchst keinen Job." Und mein Chef hat einen externen Kandidaten eingestellt, anstatt mich zu befördern. Aus demselben Grund.

Genau wie Elizabeth hatte ich mein ganzes Leben lang das Gefühl, für Männer zu arbeiten, die weniger intelligent waren als ich.

Das Buch wird als humorvoll beschrieben, und es enthält auch einige humorvolle Elemente, aber insgesamt überwiegt die Traurigkeit und bleibt uns stärker im Gedächtnis.

Vielleicht spricht diese Geschichte eher ein jüngeres Publikum an; sie hat bei mir einfach zu viele schlechte Erinnerungen geweckt. (Wobei das ja auch für das Buch spricht.) Ich würde nicht sagen, dass mir das Buch völlig missfallen hat, aber es hat mich in eine Zeit zurückversetzt, die ich lieber vergessen würde. Ich hätte es gern mit meinem Lesekreis besprochen und die Meinungen der anderen Frauen dazu gehört.

Und zu guter Letzt: Manches hat sich verändert, aber nicht genug. Was meinst du?

Buchbeschreibung:

"Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Doch es ist 1961, und die Frauen tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden. Außer Calvin Evans, dem einsamen, brillanten Nobelpreiskandidaten, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber auch 1961 geht das Leben eigene Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show 'Essen um sechs' wieder. Doch für sie ist Kochen Chemie. Und Chemie bedeutet Veränderung der Zustände..."

"Eine Frage der Chemie" wurde 2022 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Freitag, 7. Juni 2024

Wahl, Caroline "22 Bahnen"

Wahl, Caroline "22 Bahnen" [22 Lanes] - 2023

Eine sehr rührige Geschichte. Tilda lebt mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer kleinen Schwester in einer Wohnung. Sie studiert und arbeitet nebenher. Das Problem ist, die Mutter ist Alkoholikerin und somit ist Tilda nicht nur die Erzieherin ihrer Schwester als auch die Pflegerin ihrer Mutter. So etwas sollte niemandem zugemutet werden, schon gar nicht einem jungen Mädchen, das noch am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn, am Anfang ihres Lebens steht.

Eine gut geschriebene Geschichte, in der man nachvollziehen kann, wie es in Tilda aussieht, wie sie eigentlich nichts anderes wünscht als ein normales Leben, erst recht für ihre kleine Schwester.

Wenn man die Beschreibung so sieht, denkt man, dieses Buch könne seicht und kitschig sein. Ist es aber nicht. Man fühlt mit Tilda mit.

Buchbeschreibung:

"Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern - und an schlechten Tagen auch um die Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, mit dem Tilda früher befreundet war. Viktor, der - genau wie sie – immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

'22 Bahnen' ist eine raue und gleichzeitig zärtliche Geschichte über die Verheerungen des Familienlebens und darüber, wie das Glück zu finden ist zwischen Verantwortung und Freiheit."

"22 Bahnen" wurde 2023 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Freitag, 3. Mai 2024

Melandri, Francesca "Alle, außer mir"

Melandri, Francesca "Alle, außer mir" (Italienisch: Sangue giusto) [Right Blood or Everyone but me] - 2017

Wieviel wissen wir von Äthiopien? Dass es in Nordostafrika liegt, am Horn von Afrika. Dass die Hauptstadt Addis Abeba ist. Dass es mal Abessinien hieß. Das die Italiener dort eine Kolonie hatten. Dass der letzte Kaiser Haile Selassie hieß. Und damit hört es dann auf, das ist dann wohl schon viel.

Ich hätte das Buch vielleicht nicht gefunden, hätte es nicht den Buchpreis der unabhängigen Buchhandlungen bekommen. Ich habe bisher alle als Taschenbuch erschienenen Bücher gelesen und fand sie alle fantastisch.

Was ist nun mit diesem? Eine interessante Erzählweise. Die Geschichte einer italienischen Familie, die mehr in die Geschichte Äthiopiens/Abessiniens verstrickt ist, als sie vermuten.

Ich habe mit diesem Buch viel über die Geschichte dieses Landes erfahren. Das war schon sehr gut.  Die Personen haben mich nicht wirklich gefesselt, irgend etwas fehlte. Würde ich es trotzdem weiterempfehlen? Unbedingt.

Ein Zitat muss ich aber noch erwähnen:

"Ich glaube, mein Vater hatte wie alle Menschen, die einen Krieg erlebt haben, ganze Räume mit Büchern in sich, in die er nie wieder hineingeschaut hat. Und wir Nachgeborenen, die diese Kriege nicht erlebt haben, hätten sie, selbst wenn wir sie gelesen hätten nicht verstehen können. Denn sie sind einer Sprache geschrieben, die uns fremd ist, ein Vehikel weit zurückliegender Erlebnisse."

Buchbeschreibung:

"Der große Roman der römischen Autorin Francesca Melandri: eine Familiengeschichte, ein Porträt Italiens im 20. Jahrhundert, eine Geschichte des Kolonialismus und seiner langen Schatten, die bis in die Gegenwart reichen.

Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Kennen Sie seine Vergangenheit? Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit 'ja' beantwortet, und auch ihre Angehörigen glaubte sie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters … Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.

Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im 'richtigen' Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?"

"Alle, außer mir" wurde 2018 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Wells, Benedict "Vom Ende der Einsamkeit"

Wells, Benedict "Vom Ende der Einsamkeit" - The End of Loneliness - 2016

Ein leises Buch über eine Familie, die plötzlich keine mehr ist. Wie werden Kinder mit dem Tod ihrer Eltern fertig, wie kommen sie zurecht?

In dieser Geschichte können wir erleben, wie es weitergeht. Oder auch nicht. Wie so einem Kind dieser Verlust sein ganzes Leben lang begleitet, wie er das Leben prägt.

Die Kinder wachsen nach dem Tod der Eltern in einem Internat auf, das auch sehr eindrucksvoll geschildert wird. Hier hat der Autor wohl auf seine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen, denn auch er war schon mit sechs Jahren im Internat.

Dies ist ein sagenhaftes Buch, dass alle Facetten erfasst, das von einem (bzw. mehreren) ganzen Leben erzählt. Wunderbar geschrieben, eine faszinierende Familiengeschichte, die so umfangreicht ist, obwohl sie nur knapp über 350 Seiten lang ist. Hervorragend.

Ich denke, ich werde noch mehr von diesem jungen Autoren lesen.

Buchbeschreibung:

"Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Jahre später glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch als sie erwachsen sind, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte."

"Vom Ende der Einsamkeit" wurde 2016 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt und erhielt den Literaturpreis der Europäischen Union.

Samstag, 29. Juli 2023

Myers, Benjamin "Offene See"

 Myers, Benjamin "Offene See" (Englisch: The Offing) - 2019

Als 2020 das neueste "Lieblingsbuch der Unabhängigen" angekündigt wurde, sah ich es in meiner Buchhandlung und fand es interessant, aber da mein SUB immer größer wurde, hatte ich es nicht gleich gekauft. Dies ist aber auch das einzige Mal, dass ich froh bin, dass ich in meiner neuen Heimatstadt keine englischen Bücher in der Bücherei ausleihen kann, weil ich sie jetzt besitze. Es ist definitiv ein Buch zum Behalten.

Ich bin froh, dass dies den Preis erhalten hat, denn bisher war "Der Gesang der Flusskrebse" (
Where the Crawdads Sing) (das letztes Jahr den Preis erhalten hatte) mein Lieblingsbuch des Jahres. Ich denke, es wurde durch dieses ersetzt.

Robert ist erst sechzehn Jahre alt. Er soll seinem Vater als Bergmann folgen, wie jeder andere kleine Junge in seinem Dorf in Durham im Norden Englands. Der Zweite Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen und Robert möchte ein wenig von der Welt sehen. Das England der Nachkriegszeit ist nicht gerade ein Traum, aber da er stark ist und viele Männer vermisst werden, findet er hier und da Arbeit und zieht dann weiter ins nächste Dorf.

Bis er in Yorkshire das Meer und das Cottage von Dulcie erreicht.
Dulcie ist älter, viel älter als Robert, lebt allein, hatte aber ein interessantes Leben. Sie teilt ihre Erfahrungen mit dem jungen Findling, weckt sein Interesse an Literatur und zeigt ihm, dass es im Leben noch viel mehr gibt als das, was sein Heimatdorf zu bieten hat.

Dies ist ein wunderbares Buch über so viele Dinge: England und Europa, das Meer, Literatur, Poesie, das einfache Leben, die Natur. Er schreibt es als eine Art Memoiren aus seiner Zeit als er selbst alt war.

Es beginnt bereits mit einem tollen Zitat: "Denn niemand gewinnt wirklich einen Krieg: Manche verlieren nur etwas weniger als andere."
Ich begreife nicht, warum es Leute gibt, die das nicht verstehen.


Um seinen brillanten Sprachgebrauch zu zeigen, hier eine seiner Naturbeschreibungen (von mir übersetzt).
"Das Land floss jetzt in einem grasbewachsenen Mosaik aus Feldern voran, die bewirtschaftet und beweidet wurden, und wurde durch staubige Wege und dicht gepackte, mit Bäumen bewachsene Lichtungen geteilt."

Dieses Buch ist einfach wunderschön geschrieben.
Ein fantastisches Beispiel großartiger Literatur.

Der Autor stammt selbst aus Durham.
Er hat bereits viele renommierte Preise erhalten. Ich werde noch mehr seiner Bücher lesen müssen.


Buchbeschreibung:

"Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will."

"Offene See" wurde
2020 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Mittwoch, 19. Juli 2023

Owens, Delia "Der Gesang der Flusskrebse"

Owens, Delia "Der Gesang der Flusskrebse" (Englisch: Where the Crawdads Sing) - 2018

Dieses Buch wurde mir von so vielen Freunden empfohlen, und obwohl mein SUB ständig wächst, musste ich es einfach in die Hand nehmen, als ich es in einem örtlichen Buchladen entdeckte. Die Auswahl an englischen Büchern ist dort nicht immer groß, das sagt also schon viel. Normalerweise bin ich sehr skeptisch gegenüber Büchern, die jeder lobt, weil ich sie oft nicht mag, aber das war hier anders.

Ich denke, die Bewertung dieses Buches gehört zu den schwierigsten, die ich je machen musste.
Ich möchte es niemandem verraten, aber es ist nicht einfach, darüber zu schreiben, nachdem man alles gelesen hat. Ich hätte meine Rezension schreiben sollen, bevor ich das letzte Kapitel gelesen habe.


Wie auch immer, eine großartige Geschichte über Kya, ein Mädchen, das von ihrer Familie ganz allein gelassen wird, einer nach dem anderen geht, und im Alter von neun Jahren ist sie ganz auf sich allein gestellt. Die Dorfbewohner sehen sie, gelinde gesagt, "nicht wohlwollend" an.

In gewisser Weise gibt es zwei Geschichten, eine, in der Kya ein Kind ist, und eine, in der Kya 19 ist und ein Mord passiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass es nicht lange dauert, bis sie die Hauptverdächtige ist. Die beiden Geschichten werden abwechselnd erzählt, bis sie schließlich miteinander verschmelzen. Ich liebe diese Art des Geschichtenerzählens.

Wir lernen Kya nicht nur als eine sehr einfallsreiche und bodenständige Person kennen, sondern auch als eine wunderbare Künstlerin, die am Ende ihre gebührende Anerkennung erhält.

Ich werde jetzt im Spoiler-Bereich weiter über den Rest des Buches sprechen. Wer das Buch noch nicht gelesen haben, auf keinen Fall öffnen.


Spoiler:

Wer auf der Suche nach einem fesselnden Buch ist, das man nicht aus der Hand legen kann, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Ich hoffe, dass Delia Owens weitere Bücher schreiben wird. Vielleicht versuche ich es mit einer ihrer Memoiren, "Cry of the Kalahari" (Der Schrei der Kalahari), "The Eye of the Elephant" (Das Auge des Elefanten), or "Secrets of the Savanna" (Geheimnisse der Savanne).

Buchbeschreibung:

"Die berührende Geschichte von Kya, dem Marschmädchen, von der Zerbrechlichkeit der Kindheit und der Schönheit der Natur

Chase Andrews stirbt, und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Schuld ist das Marschmädchen. Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben - mit dramatischen Folgen. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.
."

"Der Gesang der Flusskrebse" wurde 2019 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Freitag, 16. Juni 2023

Arenz, Ewald "Der grosse Sommer"

Arenz, Ewald "Der grosse Sommer" [The Big Summer] - 2019

Unser Lesekreisbuch für den Monat Mai. Ein sehr netter Roman, der auch viele Fragen aufwirft. Man kann es als Grundlage zu Diskussionen zum Thema Erziehung, Familie, Freundschaft, Liebe im Wandel der Zeit, und und und.

Mich selbst hat dieses Buch auch in die Zeit versetzt, als meine Kinder noch zur Schule gingen. Frieder wird ja zu seinem Großvater geschickt, um für seine Nachprüfungen zu büffeln. Ich habe nämlich auch lange Zeit Schüler unterstützt, deren Versetzung gefährdet war und die für das ein oder andere Fach nachlernen mussten, z.B. Französisch. Hat auch immer geklappt, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe.

Zurück zum Buch. Frieder und seine Freunde machen so manches durch in diesem Sommer, aber die Geschichte wird zu keiner Zeit kitschig.

Ewald Arenz hat schon einige Bücher geschrieben und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. Frieder begegnet alles in dieser Zeit: die Liebe und der Tod, Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird."

Der Roman war 2021 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen das "Lieblingsbuch der Unabhängigen". Es ist somit das vierte der ausgezeichneten Veröffentlichungen, das unser Lesekreis gelesen hat. Sie sind es aber auch wirklich Wert.

Samstag, 12. November 2022

Hansen, Dörte "Altes Land"

Hansen, Dörte "Altes Land" - This House is Mine - 2015

Ich glaube nicht, dass ich dieses Buch jemals gefunden hätte, wenn es nicht von einer Amerikanerin im Lesekreis vorgeschlagen worden wäre. Ich hatte es gesehen, fand aber, dass es eher wie ein seichtes Buch (Chick-Lit) aussah, und ich hatte bereits viele Bücher auf meinem SUB.

Jedenfalls habe ich es gelesen und geliebt. Eine großartige Beschreibung einiger Frauen, die versuchen, sich in dieser Welt zurechtzufinden, angefangen bei der Mutter, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen fliehen muss, der Tochter, die in dem neuen Teil Deutschlands, in dem sie leben, immer die Ausländerin sein wird, die  Enkelin, die versucht, ihre Wurzeln zu finden. Viele Frauenprobleme werden im Roman erwähnt, aber auch der ländliche Wandel, das deutsche Wort "Landflucht" beschreibt es wohl am besten. Die Kinder von Bauern, die seit Generationen ihr Land bewirtschaften, verlassen ihre Heimat und sich siedeln sich in den Städten an, sie wollen keine Bauern mehr sein. Wer zurückbleibt, muss viele Kämpfe führen, gegen die Natur und ihre Härte, aber auch gegen Gesetze und Neuankömmlinge, die am liebsten alles anders, neu gemacht hätten,
bis sie feststellen, dass das manchmal einfach nicht geht.

Ich komme aus einer Gegend nicht allzu weit entfernt vom "Alten Land" und bin mit dem Plattdeutschen aufgewachsen, das von den älteren Menschen im Roman gesprochen wird. Daher war die Lektüre dieses Buches für mich ein bisschen wie Heimat. Der englische Titel stammt von der Inschrift am Giebel des alten Hauses: "Dit Huus is mien und doch nich mien, de no mi kummt, nennt' t ook noch sien." (Dies Haus ist mein und doch nicht mein, der nach mir kommt, nennt es auch noch sein.) Die Autorin ist Journalistin und dies ist ihr erstes Buch. Auch ihr nächstes Buch, "Mittagsstunde", ist hervorragend. Ich hoffe, dass weitere folgen werden, weil ich beabsichtige, sie alle zu lesen.

Wir haben dieses Buch im März 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie

Das 'Polackenkind' ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen - und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.
"
 
"Altes Land" wurde 2015 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Montag, 14. März 2022

Leky, Mariana "Was man von hier aus sehen kann"

Leky, Mariana "Was man von hier aus sehen kann" - What You Can See From Here - 2017

2017 wurde dieser Roman als Das Lieblingsbuch der Unabhängigen ausgezeichnet und ich wurde nur deshalb darauf aufmerksam. Ich mochte das erste Buch, das ich von dieser Liste las, und alle anderen, die danach kamen. Da der Preisträger vom letzten Jahr noch nicht als Taschenbuch erhältlich ist, bin ich zu einem der älteren gegangen, diesem hier.

Und ich bin froh, dass ich es getan habe. Das war so ein schönes Buch, die Geschichte eines kleinen Dorfes, in dem alle zusammenhalten, egal wie schwer es manchmal ist, wo sich jeder um jeden kümmert, ob er will oder nicht. Eine großartige Beschreibung einer funktionierenden kleinen Gemeinschaft. Der Roman wurde als "warm" beschrieben. Ja, das ist er, aber er ist so viel mehr. Es ist sowohl eine Liebesgeschichte als auch eine philosophische Suche, eine Geschichte einer Heranwachsenden sowie eine über das Alter.

Dieses Buch wird als "magischer Realismus" beschrieben und ich habe es entsprechend gekennzeichnet, obwohl es in meinen Augen wirklich eher ein Hauch von Aberglauben ist.

Es ist schwer, das Buch zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten, nur das, es gibt viel zu sagen über Verlust und wie man damit umgeht, und dieses Buch macht es wunderbar.


Mariana Leky ist sicherlich eine Autorin, die man im Auge behalten sollte, ich werde weitere ihrer Romane lesen, bisher hat sie neun geschrieben. Wo soll ich anfangen?

Buchrücken:

"Von der unbedingten Anwesenheitspflicht im eigenen Leben.

Immer, wenn der alten Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Wen es treffen wird, ist allerdings unklar. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, handelt dieser Roman. Vor allem aber erzählt er von Menschen, die alle auf ihre Weise mit der Liebe ringen: gegen Widerstände, Zeitverscheibungen und Unwägbarkeiten - ohne jemals den Mut zu verlieren.
"

"Was man von hier aus sehen kann" wurde 2017 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.