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Mittwoch, 4. November 2026

Oates, Joyce Carol "Die Verfluchten"

Oates, Joyce Carol "Die Verfluchten" (Englisch: The Accursed) - 2013

Wie bereits in meinem "Hello September"-Beitrag und meiner Ankündigung zum "Buddy Read" angekündigt, haben Lisa @Capitvated Reader und ich im Oktober 2026 ein gemeinsames Lese-Projekt (einen sogenannten "Buddy Read") veranstaltet.

Ich habe jede Woche einen Beitrag dazu verfasst – inklusive Spoilern; hier sind sie zu finden (in englisch):

Buddy Read Part 1 
Buddy Read Part 2 
Buddy Read Part 3 
Buddy Read Part 4 

Lisa's Beiträge:
Part 1
Part 2
Part 3 
Part 4  

Hier ist eine kurze Zusammenfassung für diejenigen Leser, die dieses Buch nicht gelesen haben und nicht die Spoiler lesen möchten, bevor sie es selbst lesen.

Ich bin kein großer Fan von Fantasy oder fantastischen, mythischen Figuren. Ich hätte mir das Buch wahrscheinlich nicht einmal angesehen, wenn es nicht von einer meiner Lieblingsautoren geschrieben wurde und ich von einer lieben Blogger-Freundin mich eingeladen worden wäre, dies gemeinsam mit ihr zu lesen und zu besprechen.

Dies ist definitiv eine Kombination aus einer Vampirgeschichte, einer sozialen Erhebung, einer Satire, einer fiktiven Geschichte und einer Gothic-Geschichte. Ich habe versucht, mich auf die soziale Seite und die Satire zu konzentrieren, denn das liebe ich am meisten, und zwar nicht nur bei JCO. Aber es enthält auf jeden Fall all diese Elemente. Und auch etwas Horror, ich kann mir vorstellen, dass Tim Burton daraus einen Film machen würde.

Alles in allem bin ich wirklich froh, dieses Buch gelesen zu haben. Und ich freue mich auch, dass ich das mit meiner Freundin Lisa gelesen habe. Wenn ihr vorhaben, dies in Zukunft zu lesen, folgt unserem Leseplan und beteiligt euch an der Diskussion, sobald ihr einen Teil gelesen habt, egal wie schnell ihr seid. Solltet ihr kein Englisch sprechen, sagt mir Bescheid, wir können das dann gemeinsam durchgehen.

Das ist auf jeden Fall eine herausfordernde und hochinteressante Lektüre!

Buchbeschreibung:

"Princeton 1905 – das Jahr des Fluches. Die beschauliche Universitätsstadt wird in ihren Grundfesten erschüttert, als Annabel auf der Schwelle zum Altar von einer dämonischen Gestalt entführt wird. Ihr Bruder Josiah macht sich auf die Suche und entdeckt das Grauen. Vampire treiben ihr Unwesen und reißen Princetons intellektueller Elite die Maske herunter. Woodrow Wilson, der Präsident der Universität, entpuppt sich als bekennender Rassist mit beachtlichem Drogenkonsum, und der Sozialist Upton Sinclair predigt die Gleichheit der Menschen, erniedrigt aber seine eigene Frau. Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Gewalt gegen jeden, der anders ist: Das ist das wahre Gesicht der Dichter und Denker. Joyce Carol Oates zeigt sich in Höchstform, scharfzüngig und witzig."

Dienstag, 18. August 2026

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer" (Englisch: Cardiff by the Sea) - 2020

Vor einiger Zeit startete eine meiner Blogger-Freundinnen (Lisa von Captivated Reader) eine gemeinsame Leseaktion (zu Daddy Love von Joyce Carol Oates). Ich stieß zwar etwas verspätet dazu, konnte mich aber dennoch an der Unterhaltung beteiligen. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen, ein weiteres Buch derselben Autorin gemeinsam zu lesen – einer unserer Lieblingsautorinnen (ich habe bisher 18 ihrer Bücher gelesen, mit diesem hier sind es 19; siehe hier).

Da Lisa dieses Buch bereits auf ihrem SUB hatte, fiel uns die Entscheidung leicht, und wir begaben uns gemeinsam auf diese Lektüre-Reise.

Wie die meisten Bücher von JCO ist auch dieses düster und traurig, aber absolut empfehlenswert.

Bevor ich mit meiner eigenen Rezension beginne, möchte ich euch auf Lisas Beitrag hinweisen. Ich möchte nicht alles wiederholen, was sie bereits geschrieben hat; wer also einen umfassenden Einblick erhalten möchte, sollte einen Blick auf ihre Seite werfen. Solltet ihr eine Übersetzung benötigen, sagt mir bitte Bescheid.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer anderen Bücher handelt es sich hierbei nicht um einen einzelnen Roman, sondern um vier Kurzgeschichten, die ich nacheinander vorstellen werde:

1. Cardiff am Meer (Cardiff, by the Sea)
Lisa meinte, das sei ein hervorragender Text, und ich stimme ihr voll und ganz zu. Die erste Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. JCO versteht es, alles so spannend zu gestalten, dass man den Protagonisten wirklich nahekommt.
Clare ist ein Adoptivkind und erfährt Dinge über ihre Vergangenheit, die sie zutiefst schockieren und verwirren. Ich wäre unglaublich wütend gewesen, wenn man mir so etwas vorenthalten hätte.
Ich finde es gut, dass die Autorin keine Erklärungen zu den Figuren liefert, sondern uns selbst unsere eigenen Schlüsse ziehen lässt.
Was die Figuren angeht: Oh Gott, es gab da zwei Tanten, denen ich am liebsten eine geknallt hätte. Wäre ich an Clares Stelle gewesen, hätte ich tatsächlich kehrtgemacht – wenn nicht gleich am ersten Tag, dann spätestens, als ich mehr erfahren hatte.
Ich bin eigentlich kein großer Fan von mehrdeutigen oder offenen Enden. Oder vielleicht doch, denn ich liebe JCO einfach zu sehr. Ein etwas klareres Ende hätte mir allerdings besser gefallen. Gab es Gespräche zwischen Clare und ihren Adoptiveltern? Wie viel wussten sie?

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Gerard der Mörder war, und hätte mir gewünscht, dass das am Ende aufgeklärt wird – aber … es ist eben JCO.


Der Erklärung einer Figur zum Thema Gott stimme ich allerdings zu. Nein, ich kann nicht glauben, dass er voller Liebe ist. Auch wenn es so in der Bibel steht (die ich schon oft gelesen habe), gibt es dort doch viele Stellen, die genau das Gegenteil behaupten. Dennoch glaube ich, dass wir gut zueinander sein und versuchen sollten, unseren Mitmenschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Religion macht das manchmal unmöglich, indem sie uns einredet, unsere Belohnung erhielten wir erst im Himmel.
Ein Mensch wie Clare hat kaum Hoffnung, der düsteren Anziehungskraft dieser Familie zu entkommen. Das Beste, was sie tun kann, ist zu gehen und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Eine weitere Frage, die aufkam, lautete: "… warum hat ein liebender Gott zugelassen, dass unschuldigen Menschen in diesem Haus solche Schrecken widerfahren?" Nicht nur in diesem Haus. Das frage ich mich ständig. Kriege werden geführt, Kinder und Unschuldige getötet – und vieles davon im Namen Gottes‽ Das kann nicht richtig sein.
Ich glaube, JCO teilt diese Gedanken.

2. Miao Dao (Miao Dao)
Wieder eine absolut interessante Geschichte. Mia ist elf Jahre alt und ihre Eltern sind geschieden. Lisa beschreibt das am besten, daher zitiere ich sie: "Es ist ein beunruhigender Blick darauf, wie junge Mädchen gezwungen sind, sich viel zu früh in beängstigenden Umgebungen zurechtzufinden." (It’s an unsettling look at how young girls are forced to navigate terrifying environments far too early.)
Uns hat das Wortspiel mit "Meow" und "Mia" sehr gut gefallen.
Ich habe auch ein YouTube-Interview mit JCO gefunden, bin aber noch nicht dazu gekommen, es mir anzuhören.
Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei "Miao Dao" um einen traditionellen chinesischen Zweihandsäbel handelt.
Diese Geschichte endete eher so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe dem Bösewicht von Anfang an nicht getraut; bestimmte Bemerkungen verrieten mir genau, was passieren würde.

Ich hätte allerdings nicht unbedingt gedacht, dass er getötet würde.

Aber wie immer sehr spannend zu lesen.

Ich habe erfahren, dass diese Geschichte eine von sieben Erzählungen in der Sammlung "Dark Corners" ist, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Ich habe eine Liste gefunden:
1. Hannah-Beast (2018) Stephen Graham Jones
2. The Sleep Tight Motel (2018) Lisa Unger
3. There's a Giant Trapdoor Spider Under Your Bed (2018) Edgar Cantero
4. Miao Dao (2018) Joyce Carol Oates
5. The Tangled Woods (2018) Emily Raboteau
6. The Remedy (2018) Adam Hasler
7. Oak Avenue (2018) Brandi Reeds
Als ich jedoch nach den deutschen Titeln für diesen Eintragt googelte, stellte ich fest, dass nur "Miao Dao" von JCO stammt. Die anderen Autoren habe ich erst später hinzugefügt.
Auch ist keine außer Miao Dao auf deutsch erschienen.

3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
In dieser Geschichte geht es um Alyce, eine schüchterne junge Studentin, die von ihren Tutoren missbraucht und anschließend schwanger wird.
Wir haben ihre Situation oft mit unserer eigenen verglichen: das Älterwerden und das Feststecken in einem Körper, der nicht mehr so ​​gehorcht wie früher – irgendwie wie das Gefängnis, in dem Alyce sitzt. Wir müssen uns mit dem abfinden, was uns gegeben ist. Unsere missliche Lage rührt allerdings daher, dass wir älter werden, und nicht daher, dass wir missbraucht wurden und schwanger geworden sind.
Dennoch sind wir an den Körper gebunden, den wir haben. Wir können nur begrenzt etwas tun, um ihn zu verbessern. Zumindest können wir versuchen, ihn selbst zu kontrollieren.
Ich bin kein großer Fan von "Alice im Wunderland" (Alice in Wonderland), weder des Zeichentrickfilms noch des Buches. Daher kannte ich den Begriff "phantom-wise" (im Sinne von "wie ein Phantom") nicht. Er ist jedoch sehr treffend.
Ich habe ja die "Pro-Life"-Einstellung (Lebensrechts-Bewegung) erwähnt. Früher war ich sehr aktiv auf Facebook, aber etliche Leute haben mich gelöscht, nachdem ich den Amerikanern zu ihrem damaligen neuen Präsidenten (Barack Obama) gratuliert hatte. Manche erzählten mir auch von den schrecklichen Demokraten, die Babys töteten (womit sie Abtreibungen meinten). Ich entgegnete, dass auch ich Abtreibungen nicht gut finde, aber solange wir schwangeren Frauen nicht helfen, wird es Abtreibungen geben – und illegale Abtreibungen sind sehr gefährlich. Statt für die ungeborenen Babys zu beten, sollte man lieber für deren Mütter beten, für die eine Abtreibung der letzte Ausweg war. Und für die Kinder, die aufgrund der Waffengesetze in Schulen und auf der Straße getötet werden. Bessere Bildung für Kinder, Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, Hilfe für alleinerziehende Mütter, damit sie nicht in völlige Armut abrutschen – das sind Dinge, die Abtreibungen verhindern; sie zu verbieten, macht die Lage nur schlimmer. In den USA gibt es dreimal so viele Abtreibungen wie in Deutschland (und sicherlich auch in anderen Ländern). Zudem weisen sie eine der höchsten Raten an Teenager-Schwangerschaften und -Geburten in entwickelten Regionen auf. Eine Haltung, die nur die Geburt befürwortet, aber nicht das Leben an sich (also "Pro-Birth" - für Geburt statt "Pro-Life" - für Leben), führt zu mehr Abtreibungen. Betet also für die armen Mädchen, die in eine Situation gedrängt werden, in der sie nur einen Ausweg sehen, und für diejenigen, die ihr Kind bekommen und dadurch in Armut geraten. Und betet auch dafür, dass die Gesetzgeber die Bedingungen für schwangere Mädchen verbessern, die sich nicht selbst helfen können. Hoffen wir also, dass sich die Lage wieder bessert.
Diese Novelle war sehr kurz, aber ich war froh, dass sie nicht länger war. Ich glaube nicht, dass ich es viel länger ausgehalten hätte. Ich bin nicht gerade zartbesaitet, aber diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen. Die arme Alyce. Die armen Mädchen.
Das Ende habe ich besser verstanden als zum Beispiel bei "Cardiff". Es gab einen Abschluss. Kein gutes Ende, aber ein Ende. Niemand schreibt so wie JCO.

4. Das Überlebende Kind (The Surviving Child)
Ich kann verstehen, warum Lisa diese Geschichte am wenigsten mochte. Ich wüsste gar nicht, in welcher Reihenfolge ich sie einordnen würde, denn sie waren alle gleichermaßen fantastisch wie traumatisch. Meine Güte, was Frauen alles durchmachen müssen!
Was mir an der Geschichte gefiel: Sie entwickelte sich langsam. Zunächst ist es nur eine Frau, die einen Witwer kennenlernt. Das kommt oft vor und führt häufig zu einer guten Beziehung.
Alle Protagonistinnen machen eine schwere Zeit durch – einen Albtraum oder Ähnliches –, verursacht durch die Männer in ihrem Leben.
Hätte ich mir das alles gefallen lassen? Vielleicht nicht. Aber ich bin stark; ich bin mit drei jüngeren Brüdern aufgewachsen und habe schon früh gelernt, mich zu verteidigen.
Beim Lesen des letzten Romans musste ich an Sylvia Plath denken, einfach weil sie eine zutiefst gequälte Autorin war – genau wie die erste Frau des Protagonisten Alexander. Ich konnte gut verstehen, dass Elizabeth, seine zweite Frau, die Schriften ihrer Vorgängerin lesen wollte; an ihrer Stelle hätte ich das sicher auch gewollt. Mir gefällt die Beschreibung Alexanders als "Oatesian Villain" (Oates-typischer Bösewicht). Ich hatte noch nie gehört, dass JCOs Name als Adjektiv verwendet wird, aber sie hat es absolut verdient. Und ja, auch wenn Alexander seine Familie nicht körperlich misshandelt, ist er einer der schlimmsten Tyrannen, die man sich vorstellen kann. Der arme Stefan, der mit ihm aufgewachsen ist, hat dem nichts entgegenzusetzen.
In Märchen lesen wir oft von grausamen Stiefmüttern. Das liegt daran, dass es sie damals so häufig gab. Viele Frauen starben im Kindbett, und die Männer mussten erneut heiraten, um jemanden für die Erziehung der bereits vorhandenen Kinder zu haben. Mit der neuen Frau bekamen sie weitere Kinder, die sie dann mehr mochten. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Stiefmütter nicht gerade nett waren. Elisabeth ist da anders – so wie, wie ich glaube (und hoffe), die meisten Stiefmütter heute.
Ich hoffe, dass Elisabeth einen Weg findet, Alexanders Fängen zu entkommen. Und Stefan mitnimmt. Zumindest besteht am Ende diese Hoffnung.
Auf der Suche nach Antworten stieß Lisa im Internet auf folgende Frage:
Hat Joyce Carol Oates jemals eine wirklich glückliche, unbeschwerte Szene geschrieben?
Das kann ich nicht sagen, aber das ist auch nicht der Grund, warum ich ihre Bücher lese. Ich glaube auch nicht, dass dies ihr Beweggrund für das Schreiben ist. Sie möchte die Probleme dieser Welt hervorheben – sei es, indem sie auf wahre oder annähernd wahre Geschichten hinweist, oder indem sie sich Geschichten ausdenkt.

Buchbeschreibung:

"In diesem Band mit vier bisher unveröffentlichten großen Erzählungen der bekannten Autorin werdendie Leser wieder einmal in eine Welt schaurig-spannender, psychologisch reizvoller Beziehungen befördert. Auslöser sind Vorfälle, die jedem von uns geläufig sind, sei es aus persönlicher Erfahrung oder durch Medienberichte. Da ist der Telefonanruf eines Fremden – soll ich den Anruf annehmen oder besser nicht? –, eine zugelaufene, herumstreunende Katze – kann sie die Rettung sein? –, die Beziehung einer jungen Studentin zu ihrem Mentor oder ein ungeklärter Selbstmord. In jeder dieser Erzählungen entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein psychologisches Geflecht, das Vergangenheit und Gegenwart, Gedanken und Handlungen miteinander verflicht. Im Zentrum stehen bei Oates die bedrohlichen Erlebnisse junger Frauen, die sich in der Gegenwart mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Mit dieser Zusammenstellung ist es dem US-Verleger in einem geschickten Schachzug gelungen, Oates' Herzensanliegen – nämlich aufzuzeigen, wie Frauen in einer häufig psychisch und körperlich brutalen Männerwelt bestehen – in einem kompakten, inhaltlich stringenten Erzählband auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen sind spannend, überraschend, bemerkenswert. Die roten Fäden, die sich vom ersten Satz bis zur endgültigen Auflösung auf der letzten Seite durch die Geschichten ziehen, sind sprachlich fein durchdacht und auf höchstem literarischen Niveau."

Wir haben vor, im Oktober/November "Die Verfluchten" (Goodreads) (The Accursed) (Goodreads) zu lesen. Gebt uns Bescheid, wenn ihr mitmachen möchtet.

Montag, 16. März 2026

Oates, Joyce Carol "Meine Zeit der Trauer"

Oates, Joyce Carol "Meine Zeit der Trauer" (Englisch: A Widow's Story. A Memoir) - 2011

Obwohl Joyce Carol Oates seit meiner ersten Lektüre (Wir waren die Mulvaneys/We Were The Mulvaneys) ganz oben auf meiner Liste der Lieblingsautorinnen steht, steigt sie mit jedem Buch, das ich lese, immer weiter nach oben. Dieses hier war das beste überhaupt.

Dieses Buch hat mich mehr berührt als jedes andere Buch seit langem. Es hat mich angesprochen.

Ich habe viel über JCO gelernt, vieles, was ich mit ihr gemeinsam habe. Zum Beispiel liebt sie Gärten, aber nicht die Gartenarbeit. Aber das ist nicht die Hauptsache.

Was macht eine Frau, wenn ihr Mann unerwartet stirbt, wenn sie zu ihm sagt: "Auf Wiedersehen, bis morgen", nur, es gibt kein Morgen. Zumindest nicht für ihn, und für sie fühlt es sich genauso an. Ist ein Morgen ohne den geliebten Menschen, mit dem man den größten Teil seines Lebens verbracht hat, lebenswert? Selbst wenn man in diesem Fall ein sehr unabhängiger Mensch ist, sein eigenes Leben, seinen eigenen Job und alles hat? Sie waren 47 Jahre verheiratet. Das ist eine lange Zeit, und es ist nicht leicht, über den Verlust eines so nahestehenden Menschen hinwegzukommen.

Joyce Carol Oates versucht, weiterzumachen, aber es fällt ihr sehr schwer. Sie gibt uns die Möglichkeit, ihr auf ihrer Reise zurück ins Leben zu folgen, Tag für Tag.

Joyce Carol Oates denkt über viele Fragen zu diesem Thema nach: Tod, Witwenschaft, Alter. Sie geht sehr weit in die Tiefe.

Warum gibt es Leben? (JCO: "Ich bin völlig verblüfft, warum es Leben gibt und nicht vielmehr das Ende des Lebens.")
Was bedeutet Leben? ("Ich behaupte nicht, dass das Leben nicht reich, wunderbar, schön, vielfältig, immer wieder überraschend und kostbar ist – nur, dass es für mich keinen Zugang mehr zu diesem Leben gibt. Ich behaupte nicht, dass die Welt nicht schön ist – zumindest ein Teil der Welt. Nur, dass diese Welt für mich fern und unerreichbar geworden ist.")
Wie ändert man seine Einstellung zum Leben, zum Suizid ("Glauben Sie nicht – wenn Sie geistig gesund sind und der Gedanke an Suizid Ihnen zuwider ist … –, dass Suizid für andere ein 'negativer' Gedanke ist – ganz und gar nicht. Suizid ist in Wirklichkeit ein tröstlicher Gedanke. Suizid ist die geheime Tür, durch die Sie die Welt jederzeit verlassen können – es liegt ganz bei Ihnen.")
Sie spricht über Depressionen und ihre Auswirkungen auf das Leben ("Vielleicht ist es ein Entzugssymptom – morgens nicht aus dem Bett kommen zu können. [Der Begriff 'Morgen' selbst kann bei Depressionen revidiert werden – 'Morgen' wird zu einem dehnbaren Begriff, wie 'mittleres Alter'.] Arme, Beine und Kopf schwer wie Beton. Atemnot – und was für eine vergebliche Anstrengung! Ganz zu schweigen davon, wie Camus' Sisyphos einen Felsbrocken einen Berg hinaufzurollen, was ist mit der Vergeblichkeit des Atmens."), 
wie es die Perspektive verändert ("Ich bin nicht stark genug, ein Leben ohne Sinn fortzusetzen, außer den Tag und dann die Nacht zu überstehen. Ich bin nicht stark genug zu glauben, dass ein so minimales Leben die Mühe wert ist, es in die Länge zu ziehen.")
sowie über Krankheit ("Wenn man dann endlich krank ist und sich ins Bett zurückziehen muss, richtig krank, sagen wir mit Grippe, ist man so schrecklich schwach, so eindeutig krank, dass man kaum noch den Kopf hochhalten oder ihn auch nur auf ein Kissen legen kann. Lesen, so lange als wohlverdiente Belohnung angesehen, kommt plötzlich nicht mehr in Frage, genauso wenig wie aus dem Bett zu springen und tanzend – rennend – bis ans andere Ende des Hauses zu gehen.") auf eine Art und Weise, über die kaum jemand zuvor gesprochen hat.

Sie erzählt uns die tiefen Gedanken einer Witwe oder wahrscheinlich eines jeden Menschen, der aus irgendeinem Grund den Bezug zum Leben verloren hat ("Mensch sein heißt, mit Sinn zu leben. Ohne Sinn zu leben bedeutet, unmenschlich zu leben. Wie jemand, dessen Gehirnteil, in dem Sprache, Emotionen und Gedächtnis sitzen, geschädigt ist.")

Sie spricht auch über den Beginn ihrer Gürtelrose und wie sie das Gefühl hat, dass die Leute plötzlich ihre Krankheit zu akzeptieren scheinen. Als chronische Migränepatientin kann ich das gut nachvollziehen. ("Mein schmerzfreies Leben von vor wenigen Tagen erscheint mir jetzt idyllisch, aber es ist ein Maß für meine Wahnvorstellung, dass ich darüber fast fröhlich bin, denn Gürtelrose ist etwas Reales – 'Sichtbares' – und nicht der ontologische Status dieses hässlichen Echsenwesens, das mich dazu drängt, alle Pillen im Medikamentenschrank zu schlucken, mich zusammenzurollen und zu sterben.") sowie dieses Zitat ("Körperlicher Schmerz, emotionaler und psychischer Schmerz – hat das einen Sinn?")

Ihr denkt vielleicht, ich hätte das halbe Buch zitiert und es sei nicht mehr lesenswert. Glaubt mir, das ist es. Wenn diese Gedanken euch nicht dazu bewegen, diese Memoiren zu lesen, weiß ich nicht, was es sonst tun wird.

Sie ist so ehrlich, lässt nichts unversucht, keinen Gedanken unerwähnt. Wir können ihre Trauer, ihren Kummer, ihren Schmerz förmlich spüren.

Eine Freundin empfahl mir "Das Jahr magischen Denkens" (The Year of Magical Thinking) von Joan Didion, die ebenfalls einen ähnlichen Verlust erlitten hat. Vielleicht werde ich es irgendwann schaffen.

Am Ende dieses Buches bleibt nur eine Frage offen: Warum hat Joyce Carol Oates noch nicht den Nobelpreis für Literatur erhalten?

Buchbeschreibung:

"Joyce Carol Oates und Raymond Smith waren über ein halbes Jahrhundert ein Paar. Im Moment seines Todes ist Oates nicht nur dem Schmerz des Verlustes und dem Alleinsein ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, weiterleben zu müssen. Wie sieht ein Leben aus, wenn der Mensch nicht mehr da ist, mit dem man in Freundschaft und Liebe, in Höhen und Tiefen alles geteilt hat? Nie zuvor hat Oates so tiefen Einblick in ihr Innerstes gegeben. Hier tut sie es, bewegend, klug und überraschend. Wir lernen eine andere Joyce Carol Oates kennen: eine starke Frau, die am Ende sagen kann "Dies ist jetzt mein Leben'."

Donnerstag, 13. März 2025

Oates, Joyce Carol "Sexy"

Oates, Joyce Carol "Sexy" (Englisch: Sexy) - 2005

Es ist immer ein Vergnügen, ein weiteres Buch von Joyce Carol Oates zu lesen, auch wenn die meisten davon keine glücklichen Bücher über glückliche Menschen sind. Es sind echte Bücher über echte Menschen.

Wie dieses. Es ist faszinierend, wie sie es immer wieder schafft, in die Köpfe der Menschen einzudringen, uns zu erklären, wie andere denken, was ihre Ideen sind, ihre Überzeugungen. Ihr Sprachverständnis ist ebenso groß wie ihre Empathie.

Dies ist ein Roman für junge Erwachsene, der aber auch Erwachsenen Freude bereiten kann. Eigentlich denke ich, dass er von allen Erwachsenen gelesen werden sollte, die einen Teenager im Haus haben, es steckt so viel darin, so viele Erkenntnisse, die einem die eigenen Kinder nicht vermitteln. Sagt die Mutter zweier Jungen. Ich kenne viele Teenager, die nie mit ihren eigenen Eltern über persönliche Dinge sprechen, und das wird in dieser Geschichte so gut dargestellt. Die Verwirrung in ihren Köpfen wird zu Papier gebracht, aber auf eine Weise, die uns ihre Verwirrung und ihren Umgang damit verstehen lässt.

Wie die meisten meiner Leser wissen, ist JCO eine meiner Lieblingsautorinnen und diese Geschichte ist, wie alle ihre anderen, faszinierend.

Buchbeschreibung:

"Darren ist schüchtern, aber beliebt: Die Jungen mögen ihn als Kumpel, die Mädchen finden ihn sexy, und die Lehrer glauben, er habe großes Potenzial - nicht nur als Sportler. Nur Darren selbst weiß nicht so recht. Doch als es darum geht, Stellung zu beziehen und eine Intrige gegen seinen Englischlehrer zu vereiteln, schafft er es nicht."

Oates, Joyce Carol "Hudson River"

Oates, Joyce Carol "Hudson River" (Englisch: Middle Age) - 2001

"Hudson River porträtiert ein einzigartiges zeitgenössisches Phänomen: die Neigung der wohlhabenden Menschen mittleren Alters in Amerika, sich romantisch neu zu erfinden, wenn die Energie der Jugend verblasst ist oder sie desillusioniert geworden sind."

Ein Mann stirbt und plötzlich kommen alle seine Leichen aus dem Keller. Eine sehr interessante Geschichte über das Leben in einer Kleinstadt und wie jeder versucht, alles vor den Anderen zu verbergen. Jeder kennt jeden und jeder kennt die Geheimnisse von jedem, und doch versucht jeder, so zu tun, als ob er sie nicht wüsste. Kommt euch das bekannt vor? Wenn nicht, habt ihr wahrscheinlich euer ganzes Leben in einer Großstadt gelebt.

In diesem Roman findet man jeden, den Netten, den Bösen, den Oberflächlichen, den Tiefsinnigen, den Hinterlistigen, den Fürsorglichen. Wie gesagt, interessante Geschichte. Gut zu lesen, JCO hat eine wunderbare Art, ihre Charaktere und die Situationen, in die sie geraten, zu beschreiben.

Buchbeschreibung:

"Solange man nicht selbst in dem Alter ist, sind die Geschichten von der Krise, die einem so um die fünfzig offensichtlich unausweichlich ins Haus steht, eigentlich meistens ganz lustig. Fast so lustig, wie die Krisen um die dreißig und um die vierzig. Zumindest klingt es so in den Klappentexten der Romane, in denen es um solche Sachen geht. Vor allem, weil die Geschichten nicht selten in einem sozialen Milieu angesiedelt sind, in dem man "wirkliche Sorgen" nicht zu haben scheint. Harmlos sind diese Krisen beim näheren Hinsehen dann aber eben doch meist nicht wirklich. Und genau so ist es auch in Joyce Carol Oates' Roman. Der trotzdem große Klasse ist! Nur eben nicht wirklich lustig.

Doch worum geht es? Da ist der gute Adam Berendt. Kunstlehrer an der Volkshochschule. Unverheiratet und kinderlos. Blutspender, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Berendt träumt seit langem davon, irgendwann einmal nach Athen zu reisen, an die alte Wirkungsstätte des von ihm so verehrten Sokrates. Doch daraus wird nichts mehr, als er sein scheinbar unspektakuläres Leben mit der besten aller guten Taten krönt und ein achtjähriges Mädchen aus dem Hudson River rettet, dabei aber selbst an Herzversagen stirbt. Allein zurück bleibt Apollo, der Hund des Toten. Und zurück bleibt Marina, eine Buchhändlerin, die Berendt mit einer Finanzspritze vor der Pleite bewahrt hatte. Doch nicht nur für Apollo und Marina ist der Tod von Adam Berendt ein dramatischer Einschnitt: Mit einem Mal ist alles anders im beschaulich-mondänen Salthill-on-Hudson vor den Toren Manhattans. Es stellt sich heraus, das Adam Berendt nicht der harmlos-verschrobene Bildhauer war, für den ihn alle Welt hielt. Und plötzlich erscheint das Leben des Einzelgängers mit allem und jedem verwoben.

Mit Hudson River ist Joyce Carol Oates eine glänzend komponierte Gesellschaftsfarce gelungen. Eine meisterhafte Variation über Schein und Wahrhaftigkeit. Und über das, was passiert, wenn man plötzlich merkt, viel zu lange auf der falschen Fährte unterwegs gewesen zu sein. Tragisch, dass einem das, wenn man den Berichten glauben darf, offensichtlich immer erst klar wird, wenn es für die wirklich entscheidende Wende im Leben eigentlich schon zu spät ist."

Samstag, 8. Februar 2025

Oates, Joyce Carol "Der Mann ohne Schatten"

Oates, Joyce Carol "Der Mann ohne Schatten" (Englisch: The Man Without a Shadow) - 2016

Ich bin einer der größten Joyce Carol Oates-Fans. Ich habe noch nicht alle ihre Bücher gelesen, aber wenn ich ein neues Buch von ihr finde, muss ich es einfach lesen. Daher war ich froh, dieses hier damals im "Neu"-Regal meiner Bibliothek zu finden und musste es mir sofort ausleihen.

Wie alle ihre anderen Geschichten ist auch diese eine hochinteressante, faszinierende Geschichte, die einen von der ersten Seite an fesselt und erst nach der letzten Seite wieder loslässt. Wir lernen die Charaktere alle so gut kennen, ihre Gedanken, ihre Hoffnungen, ihre Ambitionen, ihre Wünsche für die Zukunft. Nur, dass es für einen von ihnen in diesem Roman keine wirkliche Zukunft gibt, er endet immer nach sieben Minuten. Eine der beiden Hauptcharaktere leidet an Amnesie, die andere ist eine Wissenschaftlerin, die das Gehirn des Ersteren im Besonderen untersucht und dadurch hofft, mehr Erkenntnisse über das menschliche Gehirn im Allgemeinen zu gewinnen.

Alle Romane von JCO haben eine eindeutige Besonderheit, sie wiederholt ihr Thema nie, jedes Buch kann für sich stehen und gibt so viele Einblicke in das Gebiet. Die Wörter in ihren Geschichten fließen auf natürliche Weise zusammen, selbst ihre wissenschaftlichen Teile ergeben für jemanden wie mich, die absolute keine Wissenschaftlerin ist, Sinn. Ihre Charaktere sind komplex, nicht einfach, überhaupt nicht fehlerlos, einfach interessant zu beobachten. Während wir die Geschichten von Margot und Elihu verfolgen, können wir versuchen zu verstehen, was Erinnerung bedeutet, warum wir uns an bestimmte Teile unseres Lebens erinnern und an andere nicht und was es bedeuten würde, wenn uns all das genommen würde.

Nach der Lektüre dieses Buches habe ich nur eine Frage, die gleiche, die ich mir jedes Mal stelle, wenn ich einen von JCOs Romanen lese: Wann wird sie endlich den Nobelpreis für Literatur erhalten?

Buchbeschreibung:

"Für ihn ist immer alles Gegenwart: 1965 lernt die junge Neurowissenschaftlerin Margot an der Universität von Darven Park den charismatischen Patienten Eli kennen. Er leidet an Gedächtnisverlust und kann sich nur an Dinge erinnern, die nicht länger als siebzig Sekunden zurückliegen. Margot beginnt, Elis Erinnerungsvermögen mit einer Reihe von Tests zu untersuchen, und kommt dem ungewöhnlichen Patienten im Laufe der Zeit erstaunlich nahe. Eine unmögliche Beziehung, denn er vergisst immer wieder, wer sie ist. Joyce Carol Oates hat einen Roman über Liebe und Erinnerung, über Einsamkeit und imaginierte Nähe geschrieben – luzide, feinsinnig, funkelnd."

Im Roman werden zwei Bücher erwähnt, die dasselbe Thema behandeln:
Luria, Alexander R. "The Man with a Shattered World. The History of a Brain Wound" (Goodreads)
Luria, Alexander "The Mind of a Mnenomist. A Little Book About a Vast Memory" (Der Mann, Dessen Welt In Scherben Ging: Zwei Neurologische Geschichten) (Goodreads)

Oates, Joyce Carol "Pik Bube"

Oates, Joyce Carol "Pik Bube" (Englisch: Jack of Spades. A Tale of Suspense) - 2015

Joyce Carol Oates ist definitiv eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Ihre Romane sind immer voller Spannung, voller psychologischer Bedeutungen, voller zwischenmenschlicher Beziehungen. Dieser Roman ist all das und unterscheidet sich dennoch ziemlich von ihren anderen Romanen. Ich bezweifle, dass ich diese Art von Buch gelesen hätte, wenn es von einem anderen Autor gewesen wäre, ich bezweifle, dass es mich angezogen hätte.

Dieser Roman ist wie immer clever. Er scheint ziemlich kurz zu sein, und ich bin normalerweise kein Fan von Kurzgeschichten, aber diese hier hatte genau die richtige Größe. Die Geschichte hat Wendungen und man kann es kaum erwarten, bis alles zusammenkommt, kann das Ende kaum erwarten.

Ich habe es wirklich genossen, Joyce Carol Oates ist einfach eine fantastische Schriftstellerin. Wie in einer Buchbesprechung der New York Times zu einem anderen ihrer Romane erwähnt: "Nach all diesen Jahren kann mir JCO immer noch Gänsehaut einjagen." Gut gesagt.

Buchbeschreibung:

"Genie und Wahnsinn: ein Thriller auf höchstem Niveau von Amerikas Literatur-Ikone Joyce Carol Oates

Unter dem Pseudonym '
Pik-Bube' verfasst der renommierte Schriftsteller Andrew Rush düster-verstörende Thriller. So leicht ihm das Schreiben dieser rauschhaften Gewaltfantasien weit nach Mitternacht von der Hand geht, so verschwommen ist später seine Erinnerung an den Inhalt. Als ein Plagiatsvorwurf Rushs guten Ruf – und damit seine Existenz und seine Familie – bedroht, ist plötzlich 'Pik-Bube' mit hinterhältigen Ratschlägen zur Stelle. Und fast gegen seinen Willen beginnt Rush ihnen zu folgen ...."

Dienstag, 10. Dezember 2024

Oates, Joyce Carol "Geheimnisse"

Oates, Joyce Carol "Geheimnisse" (Englisch: The Gravedigger's Daughter) - 2007

Joyce Carol Oates gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Auch mit ihrem neuesten Roman hat sie mich nicht enttäuscht. Eine Geschichte von Neubeginn und Abschied, von Gewalt und Mord, einer Suche nach der eigenen Identität: "Geheimnisse" (The Gravedigger’s Daughter) ist ein packendes, sehr spannendes Buch, das man einfach nicht weglegen kann.

From the back cover:

"Rebecca ist eine erwachsene Frau, als sie endlich bei sich ankommt und ihr Glück findet. Hinter ihr liegt ein halbes Leben voller Abschiede. Weil sie Juden sind, flieht ihre Familie aus Deutschland. Rebecca wird noch auf dem Fluchtschiff im New Yorker Hafen geboren. In der neuen Heimat sind sie ein Niemand und der Vater arbeitet jetzt als Totengräber. Um der depressiven Atmosphäre in der Familie zu entkommen, flieht Rebecca in eine Ehe. Aber auch dort erfährt sie nur Demütigung. Rebecca weiß, hier muss sie raus. Um mit allem zu brechen, erfindet sie sich neu. Sie heißt jetzt Hazel, lässt alles zurück und findet Rettung in der Liebe zu Chet. Joyce Carol Oates erzählt mit unvergleichlicher Intensität eine deutsch-amerikanische Geschichte von epischer Größe - einfühlsam und packend."

Oates, Joyce Carol "Niagara"

Oates, Joyce Carol "Niagara" (Englisch: The Falls) - 2004

"Ein Mann klettert über das Geländer und stürzt in die Niagarafälle. Frisch verheiratet hat er seine Frau Ariah Erskine am Morgen nach der Hochzeit in der Honeymoon-Suite zurückgelassen."

So beginnt die Geschichte. Die "Witwenbraut" beginnt ein neues Leben, wird aber von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Mein damals dritter Roman (von inzwischen 16) von Joyce Carol Oates. Er hat mir genauso gut gefallen wie die anderen. Ihre Charaktere sind so lebendig. Da sie jede einzelne Person beschreibt, hat man Sympathie für sie alle, weil man die Sichtweise aller nachvollziehen kann. Ich dachte wirklich, ich kenne jeden. Und doch kann man nie sagen, was als Nächstes passieren wird, alles kommt so unerwartet.

Der Roman hat mich am Boden zerstört. Tolle Lektüre. Mein Wunsch: JCO sollte den Nobelpreis für Literatur bekommen.

Buchbeschreibung:

"Das Leben ist ein Verhängnis. Noch in der Hochzeitsnacht wird Ariah zur Witwe. Spurlos verschwindet ihr Mann in den Tiefen der Niagarafälle. Aber für Ariah fließt der Lebensstrom weiter, sie verliebt sich und gründet eine Familie - und dann schlägt das Schicksal noch einmal zu. Auch ihr zweiter Mann kommt auf mysteriöse Weise um. Jahrzehnte später decken die Kinder das Drama der Eltern auf: dunkle Geheimnisse, Betrügereien und verletzte Gefühle."

Oates, Joyce Carol "Blond"

Oates, Joyce Carol "Blond" (Englisch: Blonde) - 2000

Es fällt mir schwer, diese Rezension zu schreiben. Ich liebe Bücher von Joyce Carol Oates, ich finde, sie verdient den Nobelpreis. Die Figur Marilyn Monroe fasziniert mich, ich habe vor Ewigkeiten das Buch "Marilyn Monroe" (Marilyn) (Goodreads) von Norman Mailer gelesen. Ich glaube, ich habe etwas in dieser Richtung erwartet.

Was ich bekam, war die Beschreibung eines Kindes, das keine Chance in der Welt hatte. Wie sie zu einer der größten Ikonen der Filmindustrie wurde? Das war ein langer und mühsamer Weg und er hat ihr keine Freude bereitet.

Ich musste mich oft daran erinnern, dass dies nur ein Buch war, das auf der wahren Lebensgeschichte des Filmstars basierte, obwohl viele Fakten wahr waren.

Es war eine lange und schwere Lektüre. Hat es mir genauso gut gefallen wie die anderen JCO-Bücher? Ich bin mir nicht sicher, aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"Joyce Carol Oates' Blond ist ein Monumentalgemälde, ein Roman in Cinemascope, der das Leben der Marilyn Monroe als amerikanisches Epos des 20. Jahrhunderts erzählt. Geleitet von der Frage, wie sich die Schauspielerin selbst sah, bietet uns Joyce Carol Oates eine intime Nahaufnahme von Norma Jeane Baker. Die Mutter, die statt des sonntäglichen Kirchgangs mit ihr die Villen der Hollywoodstars abfährt, der Sohn des politisch geächteten Charles Chaplin, schließlich der 'Stückeschreiber' Arthur Miller oder Präsident Kennedy: Im Reigen der Bekanntschaften und Berühmtheiten geht es Joyce Carol Oates um die fragile Mitte des Menschen, der zur Ikone aufgeladen wurde, bis er zerbrach. In Blond zieht Joyce Carol Oates alle Register ihrer Kunst: In realistischen Tableaus zeigt sie Szenen aus einem heim-gesuchten Leben, in rhythmischen Passagen bildet ihre Sprache die ekstatische Atmosphäre einer Epoche nach. 'Einmal sah ich eine Fotografie der siebzehnjährigen Norma Jeane Baker, auf der sie ganz anders wirkt als die Marilyn Monroe, die zur Ikone wurde. Ich sah in ihr eines der Mädchen aus meiner Nachbarschaft, und ich hatte das Gefühl, daß sie keine Ahnung davon hatte, was das Leben für sie bereithalten sollte. Das stellte ich mir unter einem amerikanischen Epos vor. Ich wollte nicht unbedingt über den Mythos Marilyn Monroe schreiben, aber zeigen, wie sie innen war.' Joyce Carol Oates"

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Oates, Joyce Carol "Wir waren die Mulvaneys"

Oates, Joyce Carol "Wir waren die Mulvaneys" (Englisch: We Were the Mulvaneys) - 1996

"Sie werden keinen Roman lesen, der spannender, bewegender und unvergesslicher von zutiefst menschlicher Wahrheit beleuchtet ist als diese Geschichte vom Aufstieg, Fall und der endgültigen Erlösung einer amerikanischen Familie."

Es stimmt, die Mulvaneys sind eine glückliche Familie, eine Familie der besonderen Art, sie sind reich, schön, haben ein fantastisches Leben, ein wundervolles Zuhause, besitzen eine riesige Farm und jeder beneidet sie. Bis zu diesem Ereignis am Valentinstag, nach dem sich die ganze Welt verändert. Eine interessante Geschichte darüber, wie ein Vorfall jemanden zerstören kann, ihn aber durch Entschlossenheit wieder auf die Beine bringt.

Dies war mein erster erster Roman dieser Autorin (aber ihr 26.) und er gefiel mir so gut, dass ich mich darauf freute, mehr von ihr zu lesen. Ich lese sie allerdings nie schnell hintereinander, ich denke, dass das den Spaß verdirbt.

Mir hat dieser Roman jedenfalls sehr gut gefallen. Die Charaktere sind gut beschrieben, die Geschichte ist gut erzählt. Man kann sich vorstellen, dabei zu sein. Manche Teile mögen etwas zu amerikanisch sein, aber ich kann mir immer noch vorstellen, dass so etwas hier geschehen könnte, besonders in den Siebzigern, als diese Geschichte passierte.

Ich habe inzwischen viele anderen Bücher von Joyce Carol Oates genossen und es ist schwer, daraus einen Favoriten auszuwählen, aber wenn ich wirklich müsste, wäre dies der richtige.

Buchbeschreibung:

"Die sechsköpfige Familie Mulvaney ist vom Glück begünstigt, beliebt und angesehen, ein All-American-Clan - bis zu dem Tag, an dem ein schreckliches Verbrechen den Zusammenhalt und alle Stärke der Mulvaneys fordert und sie vor eine Zerreißprobe stellt.

An einem Valentinstag bricht das Unglück über die Mulvaneys herein: Die einzige Tochter der Familie, Marianne, soll vergewaltigt worden sein. Dieses Verbrechen, über das in der Stadt gemutmaßt und innerhalb der Familie geschwiegen wird, stellt alle auf die Probe und löst schließlich einen Nervenkrieg aus, der zum bislang undenkbaren Bruch in der Familie führt. Der jüngste Sohn Judd macht sich als Erwachsener auf die Suche nach der Wahrheit, wird so zum Chronisten der Familie Mulvaney und bringt eine erschreckende wie tragische Geschichte ans Licht. Erst siebzehn Jahre später gibt es Hoffnung auf Versöhnung."

Oates, Joyce Carol "Unter Verdacht"

Oates, Joyce Carol "Unter Verdacht: Die Geschichte von Big Mouth & Ugly Girl" (Englisch: Big Mouth & Ugly Girl) - 2003

Ich glaube nicht, dass ich es erwähnen muss, dass JCO eine meiner Lieblingsautoren ist.

Es geht um zwei junge Menschen an einer Schule, in der jemand für das, was passiert, eintreten muss. Die Geschichte gehört zu einem ihrer Jugendbücher, die genauso gut geschrieben und interessant sind wie die ihrer Erwachsenenbücher. Aber das ist besonders gut für die Jugend, es gibt so viel zu lernen. Dass die beliebten Kinder zum Beispiel nicht immer die besten Kinder sind, mit denen man befreundet sein kann. Dass es am Ende egal ist, wie du aussiehst oder was andere über dich denken, es ist deine Persönlichkeit, die zählt und dass du dir selbst und anderen treu bleiben solltest. Die beiden Kinder in diesem Buch lernen das auf die harte Tour.

Eine Reise zurück in unsere Teenagerjahre. Oh, wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen ...

Eine schöne Geschichte, die das alte Sprichwort bestätigt: "Ein Freund in Not ist ein wahrer Freund."

Buchbeschreibung:

"Matts Leben ist ein Albtraum, seit ihn zwei FBI-Beamte aus dem Unterricht holten. Angeblich soll er damit gedroht haben, die Schule in die Luft zu jagen. Niemals hat er das. Sind denn alle verrückt geworden? Kann es sein, dass nur ein Mensch an der ganzen Schule zu ihm steht: Big Ursula, die Unnahbare aus dem Basketball-Team?"