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Montag, 20. Oktober 2025

Winchester, Simon "Eine Karte verändert die Welt"

Winchester, Simon "Eine Karte verändert die Welt. William Smith und die Geburt der modernen Geologie" (Englisch: The Map that Changed the World: A Tale of Rocks, Ruin and Redemption) - 2001

Dies war eines der interessantesten wissenschaftlichen Bücher, die ich je gelesen habe. William Smith, ein ganz normaler Junge im 18. Jahrhundert, entdeckt die Geschichte unseres Planeten. Er entdeckte als Erster, dass die Erde in Schichten aufgebaut ist, er fand Fossilien, die sich von denen in anderen Gebieten unterschieden, er entdeckte, dass England einst unter Wasser gelegen haben muss, er entdeckte die Eiszeit. Er erstellte eine geologische Karte von England, die der heute noch verwendeten sehr ähnlich sieht. Erstaunlich. Ich habe die Geschichte dieses ganz normalen Mannes, der die Kartografie für immer veränderte und so viel entdeckte, ohne jemals eine solche Ausbildung genossen zu haben, mit Begeisterung gelesen. Er legte den Grundstein für so viele weitere wissenschaftliche Entdeckungen, die die Welt für immer verändern sollten. Dieses Buch sollte jeder lesen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahre 1793 machte William Smith eine faszinierende Entdeckung: Beim Ausheben von Wassergräben bemerkte er verschiedene Erdschichten und in den einzelnen Schichten Fossilien, die sich in Größe und Aussehen unterschieden. Die unsichtbare Welt unter unseren Füßen ließ den Ingenieur nicht mehr los. Über zwanzig Jahre reiste er quer durch das englische Königreich, vermaß und untersuchte die Böden. Er verlor dabei all sein Hab und Gut, die wissenschaftliche Anerkennung jedoch blieb ihm versagt. Erst 1831 wurde die bahnbrechende Bedeutung von Smiths erster geologischer Karte Englands erkannt. Voller Verve zeichnet Simon Winchester, preisgekrönter Sachbuchautor und Journalist, die dramatische Lebensgeschichte des Gründervaters der modernen Geologie nach."

Samstag, 11. Oktober 2025

Dai, Sijie "Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht"

 
Dai, Sijie "Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht" (Französisch: Par une nuit où la lune ne s’est pas levée) - Once on a Moonless Night - 2007

Ich finde es immer schwierig, einem Roman zu folgen, der in der weiblichen Hauptform geschrieben ist, wenn der Autor männlich ist. Umgekehrt ist es wahrscheinlich dasselbe, aber ich persönlich kann dem nicht so gut folgen.

In diesem Fall war es jedenfalls überhaupt nicht schwierig. Ob das daran liegt, dass der Autor Asiate ist und in Europa lebt, oder ob er einfach jemand ist, der andere so gut einfühlen kann, weiß ich nicht. Ich weiß nur, es funktioniert.

Diese tiefgründige und komplexe Geschichte dreht sich um einen französischen Studenten in China und einen chinesischen Gemüsehändler. Doch es sind viele kleine Geschichten darin verwoben, die Geschichte von Kaiser Puyi, der eine alte Schriftrolle verliert, und einem französischen Linguisten, der sie findet. Der Roman führt uns vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre, von China über Laos und Myanmar bis nach Frankreich. Er umspannt die halbe Erde und fast ein ganzes Jahrhundert. Er erzählt von Geschichte und Archäologie, Sprache und Politik, aber vor allem erzählt er von der Liebe zwischen Mann und Frau – eine Geschichte, die sowohl philosophisch als auch mythisch ist. Und vor allem ist die Sprache so schön, fast poetisch. Es ist ein stilles Buch, eines von denen, die nicht voller Action sind, aber dennoch ist immer etwas los. Es ist ein friedliches Buch trotz all des Bösen in der Welt, das alle unsere Protagonisten betrifft. Es gibt Hoffnung.

Ich habe dieses Buch geliebt, es gibt einem so viel Stoff zum Nachdenken. Es ist eines dieser Bücher, von denen man beim Lesen weiß, dass es eines Tages ein großer Klassiker werden wird. Weil es zeitlos ist. Dai Sijie wird als wunderbarer Geschichtenerzähler in die Geschichte eingehen.

Der Titel stammt aus der alten Geschichte "Einst wanderte in einer mondlosen Nacht ein einsamer Wander im Dunkeln, als er auf einen langen Pfad stieß, der in die Berge und die Berge in den Himmel führt. Auf halbem Weg stolperte er jedoch an einer Biegung des Pfades. Beim Fallen klammerte er sich an ein Grasbüschel, wodurch er kurzzeitig vor tödlichen Folgen geschützt wird, doch bald konnten ihn seine Hände nicht mehr halten und wie ein Verurteilter in seiner letzten Stunde wirft er einen letzten Blick nach unten, wo er nur die Dunkelheit dieser unergründlichen Tiefen sehen konnte. Werden diejenigen, die auf der Suche nach diesem Text sind, auch vor ihrem Wahnsinn bewahrt, seine Geheimnisse lüften zu wollen? Der Mensch, der von Glauben oder Verlangen beseelt ist, muss den Schritt wagen, weil er weiß, dass er auf die Seite der Heimat zurückfallen wird." (Ich habe keine deutschen Text dafür gefunden, dies ist von mir übersetzt, das Original lautet: "Par une nuit où la lune ne s'est pas levée", un voyageur solitaire progresse sur un chemin escarpé, fait un faux pas et tombe. Par qui, par quoi sera-t-il sauvé de cette chute? Ceux qui sont en quête de ce texte seront-ils sauvé eux aussi de leur folie à vouloir en percer les mystères? Habité par la foi ou le désir, l'homme doit franchir le pas car il sait qu'il retombera 'du côté de chez soi'.") So eine schöne Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Schicksalhaft kreuzen sich in Peking die Wege einer französischen Studentin und eines chinesischen Gemüsehändlers. Beide sind auf der Suche nach der verlorenen Hälfte einer uralten, seidenen Schriftrolle. Denn diese birgt nichts Geringeres als die geheimnisumwobenen Anfänge des Buddhismus. Fasziniert vom Zauber der Schrift und ihrer Macht begeben sie sich auf eine entbehrungsreiche Reise."

Samstag, 22. März 2025

Mosse, Kate "Das verlorene Labyrinth"

Mosse, Kate "Das verlorene Labyrinth" (Englisch: Labyrinth) - 2005

Eine Geschichte über Geschichte und Architektur, eine Geschichte, die sich über 800 Jahre erstreckt. Es werden historische Ereignisse aus dem 13. Jahrhundert beschrieben.

Ein viel diskutiertes Buch, einige unserer Leser waren begeistert, andere nicht. Sie konnten sich entweder nicht darauf einlassen oder sie mochten die Mischung aus Fakten und Fiktion nicht oder fanden, dass es zu viel Gewalt gab, die Details zu beschreibend. Der Kontrast war zu groß, alles war schwarz und weiß.

Die Leute, denen es gefiel, meinten , dass der Autor ein guter Geschichtenerzähler ist, dass unsere Erinnerung an die Geschichte aufgefrischt wurde, dass die Nebenthemen wie Reinkarnation, genetisches Gedächtnis und die Tatsache, dass mehrere Charaktere achthundert Jahre später wieder auftauchten, interessant waren.

Ziemlich viele von uns haben historische Romane schon immer geliebt. Wir fanden, dass das Leben der einfachen Leute sehr gut beschrieben wurde. Die Handlung schien logisch (wenn auch nicht immer glaubwürdig), was bei diesen halb-fantastischen Romanen nicht immer der Fall ist. Obwohl einige von uns fanden, dass die Geschichte langsam begann, gefiel uns die Geschichte sehr gut, insbesondere die Charaktere in der Vergangenheit. Wir dachten auch, dass die turbulenten Zeiten, die die Katharer durchlebten, berücksichtigt werden sollten.

Einige unserer Mitglieder waren bereits in dieser Gegend Frankreichs gewesen, und Carcassonne ist besonders sehenswert, aber auch die Kirche Notre Dame von Chartres, in der sich das Labyrinth befindet. Kate Mosse hat viel recherchiert und das sehr gut gemacht.

Wir haben auch kurz über das "Sakrileg" (Da Vinci Code) gesprochen. Einige von uns hatten diesen Roman gelesen und da es um ein ähnliches Thema geht, war der Vergleich da. Uns gefiel die ganze Aufregung nicht, die um dieses Buch gemacht wurde. Einige haben die Geschichte überhaupt nicht verstanden. Außerdem vermischt der Autor Fakten, um eine Geschichte zu erschaffen. Dann erwähnt er am Anfang einige Fakten und versucht, die Leser davon zu überzeugen, dass alles in seinem Buch wahr ist.

Jedenfalls hat uns "Das verlorene Labyrinth" viel besser gefallen. Man hat das Buch inzwischen verfilmt, ich glaube, es könnte sehr gut sein.

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im August 2006 besprochen.

Buchbeschreibung:

"Rasche Schnittfolge: Im Juli 2005 entdeckt Dr. Alice Tanner bei Ausgrabungen in Südfrankreich einen versteckten Höhleneingang. Darinnen, zwei Skelette, ein Ring mit eingraviertem Labyrinth. Dann wirds zappenduster und sehr mystisch! Einige Kilometer weiter in Carcasonne sieht ein alter Mann die Lösung eines uralten Rätsels gekommen. Ein geheimes Tunnelsystem unter den Gassen der mittelalterlichen Stadt Chartres. Glöckchen bimmeln, Mönche brummen. In einem unheimlichen Ritual mit Kapuzenmännern und einer Hohepriesterin werden wir Zeugen der Hinrichtung eines Verräters. Ein Stein mit eingraviertem Labyrinth rollt zu Boden!

Alice, inzwischen auf dem Weg ins Wunderland, wird durch Raum und Zeit geschleudert wie weiland Dorothy im Lande Oz. Ein dünnes, jenseitiges Stimmchen ertönt: Alaïs ... Alaïs! -- Ende der Fahrt! Alles aussteigen! Wir sind in Carcassona angekommen, man schreibt den Juli 1209! Nach diesem furiosen Vorspiel bremst Kate Mosse ihre labyrinthische Gral-Saga abrupt ab. Geschichtsstunde: Die 'Chevaliers' aus Carcassona und Umgebung sind beunruhigt. Eine riesige Kreuzritterarmee hat sich im Norden formiert, bereit, auf Geheiß Papst Innozenz III. das Languedoc von den Katharern zu befreien, einer christlichen Sekte, die der katholischen Kirche ein Dorn im Auge ist. Alaïs, eine junge Heilerin und Pflanzensammlerin, gerät ins Zentrum des Geschehens, als sie in den Besitz des 'Buchs der Wörter', gerät, dem Schlüssel zum Verständnis des Heiligen Grals.
"

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Chevalier, Tracy "Zwei bemerkenswerte Frauen"

Chevalier, Tracy "Zwei bemerkenswerte Frauen" (Englisch: Remarkable Creatures) - 2009

Ich hatte das Buch ursprünglich vorgeschlagen, weil mir "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (The Girl with the Pearl Earring) und "Das dunkelste Blau" (The Virgin Blue) gefielen (angeblich soll "Der Kuss des Einhorns" (The Lady and the Unicorn) sogar noch besser sein). Nachdem ich es gelesen hatte, hätte ich es lieber als Sachbuch gehabt. Die meisten unserer Leser waren der gleichen Meinung. Einer von uns googelte die beiden Frauen anschließend und fand es viel interessanter als das Buch. Ich muss dem einfach zustimmen.

Wir fanden es sehr überzeugend, dass sie Körperteile verwendete, wir dachten nie in diesen Begriffen über Menschen, wie jemand, der "mit der Nase vorangeht".

Das Buch löste jedoch eine gute Diskussion über ernste Themen aus. Wir sprachen über die Zeitperiode (Zeitalter der Aufklärung und dann Französische Revolution), die Möglichkeiten, die Frauen damals hatten (oder eben auch nicht), wie die Wissenschaft angesehen wurde, was die Leute dachten, als sie die ersten Dinosaurierfossilien fanden.

Uns gefielen ein paar Dinge, vor allem das Thema, dass die Autorin Probleme aufwarf, ohne darauf herumzureiten. Uns gefielen auch die verschiedenen Wörter, die Mary Anning für die Fossilien hatte, wie "Wirbelbeeren".

Wir fanden die Charaktere jedoch zweidimensional, mochten es nicht, dass uns alles erzählt und nicht gezeigt wurde, die Romanze war so klischeehaft und übertrieben.

Oh, und noch eine letzte Sache: Warum müssen sie beim Übersetzen immer die Titel ändern? Zugegeben, "Zwei bemerkenswerte Frauen" auf Deutsch ist nicht weit davon entfernt, aber die Dinosaurier werden dort komplett weggelassen. Was ist falsch mit: "Bemerkenswerte Kreaturen"?? Einige andere Sprachen sind noch schlimmer, der spanische Titel lautet "Las huellas de la vida" (Die Spuren des Lebens). Und in den Niederlanden kann man sogar das englische Buch unter einem anderen englischen Titel kaufen: "Spare Bones" (Ersatzknochen).

Alles in allem hätten wir mehr von dem Buch erwartet, aber es hat uns gefallen, Mary Anning und Elizabeth Philpot vorgestellt zu bekommen.

Wir haben dies 2011 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"In ihrem Roman setzt die Autorin zwei Frauen ein literarisches Denkmal, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die männlich beherrschte Welt der Naturforscher herausforderten. Elizabeth Philpot ist eine junge Frau aus besseren Kreisen, deren Familienerbe nicht zu einem standesgemäßen Leben in London reicht. Daher zieht sie 1830 in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Was ihr zunächst wie eine Verbannung vorkommt, erweist sich als glückliche Fügung, denn am Strand nehmen seltsame Steine sie völlig gefangen: Fossilien. Sie begegnet Mary, einem Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das die Familie mit dem Verkauf von Fossilien über Wasser hält und dabei spektakuläre Versteinerungen findet. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an. Doch dann verlieben sich beide in denselben Mann."

Dienstag, 24. Januar 2023

Goldmann, Klaus; Wermusch, Günter "Vineta"

Goldmann, Klaus; Wermusch, Günter "Vineta. Die Wiederentdeckung einer versunkenen Stadt" [Vineta. The Rediscovery of a Sunken City] - 1999

Es ist schon eine Weile her, seitdem ich dieses Buch gelesen habe. Vorher hatte ich noch nie von Vineta gehört. Diese sagenhafte Stadt soll an der Ostseeküste in Vorpommern gelegen haben. Laut einer Sage, ging sie in einer Sturmflut unter. Vorher sollen die Menschen durch Erscheinungen gewarnt worden sein, zuerst tauchte die Stadt als Fata Morgana über dem Meer auf, dann kam eine Wasserfrau und weissagte:

"Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall unnergahn, wieldeß se het väl Böses dahn." (Vineta, Vineta, du reiche Stadt, Vineta soll untergehen, weil sie viel Böses getan hat.)

Eine modernere Art Sodom und Gomorrha also.

Tatsächlich gibt es aber Hinweise, dass es diese Stadt gegeben haben soll. Und das ist ja auch möglich, zumindest dass eine Stadt durch eien Sturmflut dahingefegt wird. Ob man der Sage glauben soll, ist eine ander Sache.

Lange ist man davon ausgegangen, dass sie auf Usedom lag, aber auch andere Orte an der Ostsee schienen in Frage zu kommen.

Die beiden Autoren haben sich umgehört und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich um die Kleinstadt Barth, westlich von Stralsund, handeln muss. Aufgrund von Bodenfunden war die im Mittelalter dicht besiedelt, und man fand Münzen aus Westeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten in der Umgebung.

Ob das jetzt der wirklich endgültige Platz der sagenumwobenen Stadt ist, ob sie tatsächlich existiert hat und es nur eine Sage ist, das kann ich nicht beurteilen.

Aber das macht auch nichts. Das Buch liest sich jedenfalls wie ein Krimi.

Buchbeschreibung:

"Vor etwa 850 Jahren soll die sagenumwobene Stadt Vineta in der Ostseeküste versunken sein. Die einst größte Stadt Europas galt wegen ihres unermeßlichen Reichtums und ihrer Macht als das 'Venedig des Nordens'. Wie konnte eine solch große und prächtige Stadt plötzlich vom Erdboden verschwinden? Folgt man der Sage, könnte eine Sturmflut Vineta vernichtet haben. Nach einer anderen Auffassung besteht die Stadt unter dem Namen Wollin allerdings heute noch. Klaus Goldmann und Günter Wermusch präsentieren nach mehrjähriger Recherche und Spurensicherung eine neue, aufsehenerregende Erklärung."