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Donnerstag, 11. Juni 2026

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal"

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal" (Englisch: Every Day) - 2012

Ein interessantes Buch. Nicht unbedingt mein Genre. Ich würde es nicht einmal Fantasy nennen, denn für mich bedeutet Fantasy Trolle, Zwerge, Riesen und all diese Wesen, die Menschen ähneln, nur ein bisschen anders sind und die es eigentlich gar nicht gibt. Science-Fiction würde ich auch nicht nennen, denn das bedeutet für mich Zukunftstechnologie und Außerirdische. Vielleicht ist es dystopisch, aber es ist keine andere Welt, zumindest nicht für die meisten Figuren.

Es geht um jemanden, von dem wir wissen, dass er nicht existieren kann, aber die Idee ist einfach zu faszinierend, um sie nicht weiterzuverfolgen. Was wäre, wenn es körperlose Wesen gäbe, die von einem Menschen zum nächsten wechseln und dessen Leben nur einen Tag lang leben würden? Ein solches Wesen ist A, das zu Beginn des Buches 5994 Tage und am Ende 6034 Tage gelebt hat. Das heißt, wir begleiten es/sie/ihn vierzig Tage lang durch ein sehr kompliziertes Leben. Als Junge verliebt es/er sich in das Mädchen Rhiannon und versucht, sie wiederzusehen. Das verändert so manches Leben, das Leben der Teenager, in deren Körper er oder sie für diese Tage schlüpft. Wir lernen gemeinsam mit A viele verschiedene Menschen kennen und erleben, wie es/sie/er diese versteht, wie es/sie/er zwar nur für kurze Zeit in ihren Körpern lebt, aber sich dennoch so in sie hineinversetzen kann, als wäre er schon immer da gewesen.

Wie gesagt, ein interessantes Konzept, gut geschrieben, und es hat definitiv das Zeug zum Bestseller, besonders für die Zielgruppe der "jungen Erwachsenen", für die es geschrieben wurde, denn es wirft so viele Fragen auf, die sich jeder Teenager stellt. Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Warum bin ich nicht jemand anderes? Was wäre, wenn ich ein Junge oder ein Mädchen wäre? Was wäre, wenn ich adoptiert wäre? Was wäre, wenn ich einen Tag lang im Körper eines anderen leben könnte?

Mir wurde dieses Buch von einer viel jüngeren Person empfohlen. Sie behauptete, es sei ihr absolutes Lieblingsbuch. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann sie durchaus verstehen.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?

Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?"

Offensichtlich gibt es dazu eine "Fortsetzung" mit dem Titel "Another Day" (Letztendlich geht es nur um dich), die auch "The Story of Rhiannon" genannt werden könnte, und eine "Vorgeschichte" mit dem Titel "Six Earlier Days" [keine deutsche Übersetzung], das von sechs früheren Tagen des Protagonisten A handelt.

Samstag, 13. September 2025

O'Dell, Scott "Das verlassene Boot am Strand"

O'Dell, Scott "Das verlassene Boot am Strand" (Englisch: Zia) - 1976

Eine Fortsetzung von "Insel der blauen Delfine" (Island of the Blue Dolphins). Zia ist Karanas Nichte und will ihre Tante finden, die auf einer einsamen Insel gelandet ist. Der Roman unterscheidet sich vom ersten, da Zias Leben in der Mission und nicht auf der Insel beschrieben wird. Trotzdem eine interessante Lektüre, ein Muss, wenn man den ersten Roman gelesen hat.

Buchbeschreibung:

"Immer wieder hat Zia die Geschichte, von ihrer Tante Karana gehört, die auf der Insel allein zurückgeblieben war. Nach dem Tod ihrer Mutter fühlt sie sich für Karana verantwortlich. Sie will sie von der Insel auf das Festland holen. Als Zia nach einem Sturm ein verlassenes Boot am Strand findet, versteckt sie es mit ihrem Bruder in der Lagune. Heimlich bereiten sie das Boot für die Fahrt zu der Insel der blauen Delphine vor und in einer Neumondnacht stechen sie in See."

O'Dell, Scott "Die Insel der blauen Delfine"

O'Dell, Scott "Die Insel der blauen Delfine" (Englisch: Island of the Blue Dolphins) - 1960

"Scott O'Dell gewann 1961 die Newbery-Medaille für Die Insel der blauen Delfine, und 1976 kürte die Children's Literature Association diese fesselnde Geschichte zu einem der zehn besten amerikanischen Kinderbücher der letzten 200 Jahre."

Das indianische Mädchen Karana landet auf einer einsamen Insel, wo sie 18 Jahre allein verbringt. Die Geschichte erzählt von ihrem Leben und ihrem Überlebenskampf.

Obwohl ich dieses Buch wahrscheinlich nicht als eines der besten Kinderbücher aller Zeiten bezeichnen würde, hat es mir als Mädchen sehr gut gefallen. Später habe ich es mit meinen Jungs gelesen und fand es immer noch wunderbar. Und dann habe ich die Fortsetzung "Das verlassene Boot am Strand" (Zia) gelesen, die als Fortsetzung interessant zu lesen ist.

Buchbeschreibung:

"Auf einer von Kormoranen und See-Elefanten bevölkerten und von Delfinen umspielten Insel ist ein Indianermädchen als Einzige ihres Stammes zurückgeblieben. Im täglichen Überlebenskampf wird sie selbst immer mehr Teil der Natur und Freundin der Tierwelt. Lange Jahre abenteuerlichen Lebens vergehen, bis wieder ein menschliches Wort an das Ohr des Mädchens dringt."

Freitag, 14. März 2025

Waltari, Mika "In diesem Zeichen"

Waltari, Mika "In diesem Zeichen: Elf Briefe des Marcus vom Frühjahr des Jahres 30 n.Chr. um die Kreuzigung und Auferstehung Jesu" (Finnisch: Valtakunnan salaisuus) - The Secret of the Kingdom (The Malinianus Duology) - 1959

Dies ist mein drittes Buch des finnischen Autors Mika Waltari. Ich habe sie alle in einem Lesekreis gelesen, immer von einem finnischen Mitglied als einer ihrer wichtigsten Autoren empfohlen.

Und es stimmt, Mika Waltari hat einige wichtige Gedanken zu vermitteln, ob es nun um Religion, Philosophie oder das Leben selbst geht. Man merkt, dass dieser Mensch weiß, wovon er spricht.

In diesem Buch beschreibt er das Leben eines römischen Bürgers, der Zeuge der Kreuzigung Jesu wird und dann in seinen Kreis hineingezogen wird, die Apostel und andere Freunde trifft, deren Leben von Jesus von Nazareth beeinflusst wurde. Er hat eine großartige Art, die Geschichte zu beschreiben, lässt uns glauben, wir wären selbst dort gewesen. Lässt uns definitiv glauben, dass es so gewesen sein könnte.

Sicherlich ein großartiges Buch, wenn man seinen Glauben erkunden möchte, aber auch, wenn man einfach von außen in die Geschichte des Christentums eintauchen möchten. Dies ist eine sehr detaillierte und anschauliche Geschichte über die Passion und ihre Folgen, die an Ostern beginnt und an Pfingsten endet.

Es überrascht mich nicht, dass mir dieses Buch gefallen hat, denn mir gefielen auch die anderen, die ich gelesen habe (Sinuhe der Ägypter/The Egyptian, Der dunkle Engel/The Dark Angel). Ein großartiger Autor.

Buchbeschreibung:

"Der wohlhabende und gebildete römische Patrizier Marcus Mezentius Manilianus kommt auf seiner Reise durch den Osten des Römischen Reiches über Alexandria nach Jerusalem, wo er im Frühling des Jahres 30 nach christlicher Zeitrechnung eintrifft, am gleichen Tag, an dem dort ein gewisser Jesus aus Nazareth gekreuzigt wird. In einer Reihe von Briefen, die er an seine ehemalige Geliebte Tullia in Rom richtet, versucht Marcus, sich über diesen Jesus klar zu werden: Wer war dieser 'König der Juden', und worin besteht sein Geheimnis? Zu diesem Zweck sucht Marcus auch den Kontakt zu den Jüngern des Gekreuzigten. ? In diesem packenden historischen Roman schildert Waltari seine Sicht von der Entstehung des Christentums. Der Bogen spannt sich von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu bis hin zu den Ereignissen um Pfingsten. 'In diesem Zeichen' bildet den Auftakt zu einer Trilogie: In dem folgenden Doppelroman 'Minutus der Römer' stehen dann Marcus' Sohn Minutus und sein Enkel Julius im Mittelpunkt."

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen online Lesekreis im März 2020 besprochen.

Dienstag, 14. Februar 2023

Zeh, Juli "Über Menschen"

Zeh, Juli "Über Menschen" [About People] - 2021

Ich habe schon einige Bücher von Juli Zeh gelesen, und sie sind alle sehr unterhaltsam. Nach "Unterleuten" wurde dann die Fortsetzung angekündigt. Und jetzt gibt es sie endlich als Taschenbuch.

Bracken, der Ort des Geschehens, hat zwar mit Unterleuten nicht viel zu tun, außer, dass es beide kleine Käffer im Osten unseres Landes sind, und auch die Menschen sind natürlich andere, dennoch ist das Thema gleich. Ein "Wessi", in diesem Fall Dora mit Hund, kauft sich ein verlassenes Haus und zieht in den Osten. Dass man im Dorf mehr mit den Nachbarn zu tun hat als in Berlin, stellt sie schnell fest. Ein besonderer Punkt: "… Mit einer Naivität, die an Idiotie grenzt, ist sie davon ausgegangen, dass für die Rückfahrt andere Regeln gelten als für die Hinfahrt. Aber der nächste Bus kommt erst um 17:35 Uhr. Jetzt ist es kurz vor drei. Dora beginnt zu begreifen, warum manche Ideen für die Klimawende nicht bei allen Menschen im Land gut ankommen." Ja, vor allem auf dem Land, wo man eben keinen richtigen öffentlichen Nachverkehr hat. Eine Bekannte von mir war von einer deutschen Großstadt aufs Land gezogen und wunderte sich, dass die Nachbarn alle zwei Autos hatten. Da ihr Mann, wie alle anderen Männer, ihr Auto brauchten, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, blieb sie mit den beiden Kleinkindern zu Hause. Als sie feststellte, dass ein Bushalteschild in der Kleinstadt nicht das Gleiche ist wie in der Großstadt und sie fast einen ganzen Tag brauchte, um mit ihrem kranken Säugling und seinem zwei Jahre älteren Bruder zum Arzt hin- und zurückzukommen, bekam auch ihre Familie ein zweites Auto, keine drei Monate nach ihrem Umzug.

Ich sage immer, jeder sollte nach Schulabschluss ein halbes Jahr in eine Dorf ziehen müssen und auf der anderen Seite des Kreises arbeiten. Mal sehen, wie schnell die noch davon sprechen, dass man doch den ÖPNV nutzen sollte. Würden wir auch gerne, wenn es den denn gäbe.

Ja, so ähnlich geht es auch Dora. Selbst mit dem Fahrrad ist die nächste Einkaufsgelegenheit viel zu weit entfernt. Und die Nachbarn "kümmern" sich zwar mehr, als ihr manchmal lieb ist, aber sie versteht auch, dass es ohne kaum geht. Immerhin ist die Dorfgemeinschaft der Neuen einigermaßen freundlich gesinnt, was auch nicht immer der Fall ist. Meine Eltern blieben 60 Jahre lang die "Zugezogenen", obwohl sie nur ein paar Dörfer weiter aufgewachsen waren.

Hier stoßen Welten aufeinander, nicht nur Dorf und Großstadt, Osten und Westen, auch politisch stehen die Bewohner auf einer ganz anderen Seite. Und dann ist da noch Corona und Doras Freund Robert, der bei dem Thema total abdreht.

Viele Konflikte werden in diesem Roman beschrieben, Konflikte, die wir alle gut nachvollziehen können, das ist wohl das Allerbeste an dieser Geschichte. Witz fehlt auch nicht in dem Buch, das ist umso erstaunlicher, als es sonst nicht viel zu lachen gibt, weder in Doras Leben noch in dem der Nachbarn.

Wie auch die anderen Bücher der Autorin hat mir dieses ausgesprochen gut gefallen und ich werde sicher noch mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbarsten Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.
"

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Wells, Rebecca "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" und "Wie Himmel und Hölle"



Wells, Rebecca "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern" (Englisch: Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood) - 1996
Wells, Rebecca "Wie Himmel und Hölle" (Englisch: Little Altars Everywhere) - 1998

Eine Geschichte über eine voller Misshandlungen und der Versuch, die daraus resultierenden Tragödien zu verarbeiten- Eine Tochter, die versucht, ihre Mutter zu verstehen, ein schöner Bericht über Freundschaft. Angespannte Beziehungen, Alkoholismus. Ein interessanter Roman, der viele Themen aufgreift, auch wenn ich ihn wohl eher als "Chick-Lit" (seichte Literature) einordnen würde.

Wer dies lesen möchte, sollte unbedingt zuerst "Wie Himmel und Hölle" lesen.

Einige Zitate, die mir gefallen haben (übersetzt von mir):
"
Es ist das Leben. Man versteht es nicht. Man klettert einfach auf das Biest und reitet los."
"
Ich war am Abgrund und habe gelebt, um die Geschichte zu erzählen."
"
Ich lebe in einem Meer von Gerüchen …" (aus "Göttliche Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern")

"Sidda kann nicht anders. Sie liebt Bücher. Sie liebt es, wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, sie liebt die schwarzen Buchstaben, die über die weißen Seiten marschieren …"
"
Siehst du, sie geht überall hin, wenn sie liest. Ich weiß alles darüber. Wenn ich lese, bin ich immer woanders." (aus "Wie Himmel und Hölle")


Inhaltsangabe: (Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern)
"Die vier Mädchen hatten noch Bänder im Haar und Söckchen an, als sie miteinander in Louisiana davon träumten die letzten Überlebenden eines aussterbenden Stammes zu sein - die Ya-Yas.

Zusammen nahmen sie am Shirley-Temple-Nachwuchs-Wettbewerb teil und brachten nicht nur die Jury mit ihrem ungewöhnlichen Benehmen in Verlegenheit, sie waren auch bei der Welturaufführung ihres späteren Lieblingsfilms Vom Winde verweht anwesend. Mitunter wurde ihr Club zu einem Quartett der Peinlichkeiten, doch die vier standen, was auch kommen mochte, felsenfest zusammen.

Gesammelt hat Vivi ihre Erlebnisse in einem Album, das sie
Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern nannte. Und als sie es, viele Jahre später, ihrer Tochter Sidda zum Lesen gibt, ist ihr Mutter-Tochter-Verhältnis gerade zum Bersten gespannt, denn immerhin hat Sidda in der New York Times bei einem Interview zu ihrem neuen Theaterstück ihre Mutter als "eine Steptanzende, prügelnde Rabenmutter" bezeichnet. Sidda begibt sich auf die schmerzliche Suche nach der Wahrheit, und oft erzählen ihr die fehlenden Personen auf den Fotos mehr als die Bilder selbst."

(Wie Himmel und Hölle)
"Wie Himmel und Hölle ist ein nationaler Bestseller, ein Begleiter zu Rebecca Wells gefeiertem Roman Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern. Wie Himmel und Hölle wurde ursprünglich 1992 veröffentlicht und stellt Sidda, Vivi, den Rest des temperamentvollen Walker-Clans und die unbezwingbaren Ya-Yas vor. Jetzt ist es erstmals als gebundenes Buch erhältlich.

Erzählt abwechselnd von Vivi und ihrem Ehemann Big Shep, zusammen mit Sidda, ihren Geschwistern Little Shep, Lulu, Baylor und Cheney und Willetta - dem schwarzen Paar, das das Leben der Walkers auf eine Weise beeinflusst, die sie vielleicht nie ganz begreifen werden - 
Wie Himmel und Hölle umfasst fast dreißig Jahre des Lebens auf ihrer Plantage in Thorton, Louisiana, wo die stickige Luft des Bayou und ein Netz aus Familiengeheimnissen einst Schutz, Falle und Definition einer völlig ursprünglichen Gemeinschaft von Seelen waren.

Wer kann den reichen Rhythmen von Sidda Walker und ihrer extravaganten, geheimnisvollen Mutter Vivi widerstehen? Hier führt uns die junge Sidda - eine frühreife Leserin und eloquente Beobachterin der Probleme, die ihre Familie spalten - durch ihre schelmischen Abenteuer in der Pfarrschule 'Unsere Liebe Frau der Göttlichen Barmherzigkeit' und darüber hinaus. Als katholisches Mädchen mit makellosen Manieren, Hingabe und provokativen Ideen ist Sidda die Essenz der Freude und des Leids der Kindheit.

In einer Reihe leuchtender Erinnerungen hören wir auch Little Sheps Geschichten über seine exzentrische Großmutter, Lulus nüchternen Bericht über ihre Fähigkeiten als Ladendiebin und Baylors Erinnerungen an Vivi und ihre Freunde, die Ya-Yas.

Hinter dem Humor und den engen Bindungen von Familie und Freundschaft liegen die untersschwelligen Strömungen von Alkoholismus, Missbrauch und Gewalt. Die sich überschneidenden Erinnerungen daran, wie sich das bezaubernde Leben der Walkers entfaltet, um ihre herzzerreißende Verwirrung zu vermitteln, sind gleichzeitig beunruhigend und vertraut. Rebecca Wells schafft ein unvergessliches Porträt und unternimmt witzige Versuche, die Realität auf Distanz zu halten. Durch unser Lachen spüren wir ihren unvermeidlichen Schmerz, mit einem Hoffnungsschimmer auf Vergebung und Heilung. 

Eine fesselnde Kombination aus Umgangssprache, Poesie und Anmut, ist Wie Himmel und Hölle eine aufschlussreiche, durchdringende und unbeirrbare Beschwörung der Kindheit, eine liebevolle Hommage an die transformative Kraft des Glaubens und eine völlig neue Chronik einer Familie, die genauso verfolgt ist wie sie gesegnet."

Wir haben dies im Februar 2002 in unserem
internationalen Lesekreis besprochen.

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Mortenson, Greg & Relin, David Oliver "Der Traum vom Frieden"

 

Mortenson, Greg & Relin, David Oliver "Der Traum vom Frieden. Mein Schulprojekt Für Pakistans Kinder" oder "3 Tassen Tee: Wie aus Fremden Freunde wurden" (Englisch: Three Cups of Tea: One Man's Mission to Promote Peace . . . One School at a Time) - 2006 

Greg Mortenson verirrt sich auf dem Rückweg vom K2. Er erreicht ein kleines Dorf in Pakistan und trifft die hilfsbereitesten Menschen der Welt. Er sieht die Bedingungen, unter denen sie leben, und verspricht, zurückzukommen und ihnen eine Schule zu bauen. Er hält sein Versprechen und baut weiter, über 50 Schulen in Pakistan und Afghanistan.

Dieses Buch handelt von seinem Weg vom sorglosen Single-Bergsteiger zum Familienvater, der viel Zeit damit verbringt, Menschen in abgelegenen Winkeln der Welt zu helfen, die von niemandem Hilfe bekommen.

Was für ein Mensch. Meine Bewunderung für Greg Mortenson stieg mit jeder Seite, die ich las. Ich würde ihn gerne kennenlernen - und seine Frau. Die Leistungen, die nur ein einzelner Mann erreichen kann, es ist unglaublich. Diese Geschichte zeigt, wie Menschen die Welt verändern, dazu beitragen können, die Lebensbedingungen anderer zu verbessern. Nicht alle von uns werden den K2 (oder jeden anderen großen Berg) besteigen können, aber der Autor zeigt uns, dass es immer ein Ziel gibt, das man erreichen kann, einen Berg, den es zu erobern gilt.

Die Beschreibung aller Probleme und Stolperstellen ist herzzerreißend, aber seine Überwindung lässt auf eine bessere Zukunft hoffen. Wenn die Welt voller Greg Mortensons wäre - was für eine Welt wäre das.

Ich mochte auch seine Bewunderung für die Menschen vor Ort, seine Fähigkeit, sich auf ihre Kultur und Sprache einzustellen. Okay, er hat ein Ohr für Sprachen, aber er ist bereit, seinen "Nachbarn" zu verstehen, egal wie weit er entfernt wohnt.

Ich bewundere auch seine Frau. Sie verdient eine Art Medaille.

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass ich dieses Buch liebe. Es wurde zum Favoriten des Jahres in unserem Lesekreis gewählt.

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im Mai 2009 besprochen..

From the back cover:

"Die spannende, bewegende Geschichte des Höhenbergsteigers Greg Mortenson: Er scheiterte dramatisch am K2 und widmet seitdem sein Leben dem Aufbau von Schulen und Krankenhäusern in Pakistan.

Die Geschichte seines vorbildlichen Einsatzes ist in den USA ein Millionen­erfolg und wurde vielfach preisgekrönt. Mehr Menschlichkeit ist möglich, wenn jeder seinen Beitrag leistet - wie der Bergsteiger Greg Mortenson, der nach einer gescheiterten K2-Expedition von Pakis­tanis gerettet und gesund gepflegt wurde. Mortenson schwor sich, in das entlegene Hochland zurückzukehren und eine Schule für die zu gründen, denen es dort am schlechtesten geht: die kleinen Mädchen. Er hielt sein Ver­sprechen. In seiner Heimat USA sammelte er Spen­dengelder, mobilisierte Hilfsgüter und Freiwillige. Er half beim Brücken- und Schulbau, und bald darauf drückten die ersten Kinder in Baltistan die Schulbank. Heute, 15 Jahre später, ist Mortenson die Hälfte des Jahres vor Ort, trotzt den Anfeindungen der Taliban, erlebt Dankbarkeit und Wärme. Seiner Organisation verdanken über 60 Schulen und Krankenhäuser ihre Existenz - und Pakistans Kinder eine Zukunft
."

Wir haben sein zweites Buch "Stones into Schools: Promoting Peace with Books, Not Bombs, in Afghanistan and Pakistan" in unserem internationalen Lesekreis im April 2011 gelesen. Leider ist dies nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Montag, 25. April 2022

Zeh, Juli "Unterleuten"

Zeh, Juli "Unterleuten" - 2016

Mich hat dieses Buch fasziniert. Ich hatte von der Autorin bereits "Corpus Delicti. Ein Prozess" (The Method) und "Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien" gelesen, beides hervorragende Bücher.

Aber "Unterleuten" geht weiter. Es handelt sich hier um ein Dorf in Brandenburg, in das viele Berliner ziehen, sicher zum Teil, weil es billiger ist, aber auch, um sich zu verwirklichen, um "in der Natur" zu wohnen. Was die Alteingesessenen davon halten, ist ihnen eigentlich egal, sie wollen das Dorf so, wie sie es sich immer vorstellen. Man lernt die Menschen kennen, so wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten mit ihren Wünschen und Träumen, mit ihren Enttäuschungen, mit ihren Kämpfen.

Ein Städter bedenkt nicht, was er den Landbewohnern mit seinem Umzug auf das Land und seinem Bedürfnis, dort alles auf den Kopf zu stellen, anrichtet. Und wir im Westen haben auch oft zu wenig Verständnis für unsere "neuen" Mitbürger (ist ja auch immerhin schon mehr als dreißig Jahre her). Ich glaube, Juli Zeh hat einen guten Beitrag dazu geleistet, dass man dieses besser versteht.

Es gibt auch eine ganze Webseite über das Dorf und seine Bewohner, mit Stadtplan, Geschichte usw. Einfach gut.

Da ich Listen liebe, habe ich während des Lesens eine von den Dorfbewohnern, neu und alt, angelegt. Die findet man zwar auch auf der oben genannten Webseite, aber hier ist sie noch einmal zum Mitdenken.

Fließ, Gerhard + Jule Weiland + Sophie
Franzen, Linda + Frederik Wachs
Meiler, Konrad + Mizzie + Friedrich, Johannes, Philip
Schaller, Bodo + Miriam
Gombrowski, Rudolf + Elea Niehaus + Verena
Kessler, Hilde (+Erik) + Betty
Kron, + Katharina Hübschke
Seidel, Arne (+Barbara)
Finkbeiner, Lucy

Der Verlag sagt: "Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben." Da kann ich ihm nur recht geben.

Jetzt warte ich darauf, dass die Fortsetzung "Über Menschen" endlich als Taschenbuch herauskommt. Wäre schön, wenn die deutschen Verleger endlich mal Mitleid mit uns älteren oder auch gebrechlichen Menschen hätte, die einen dicken Wälzer als gebundenes Buch nicht mehr halten und die auch mit einem E-Reader nichts anfangen können.

Buchbeschreibung:

"Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf
'Unterleuten' irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

Mit
'Unterleuten' hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?"

Andere Dorfromane:
Stockmann, Nis-Momme "Der Fuchs"
Schroeder, Bernd "Auf Amerika"
Hansen, Dörte "Altes Land" (This House is Mine)
Stanišić, Saša "Vor dem Fest"

Mittwoch, 16. Februar 2022

Falcones, Ildefonso "Die Erben der Erde"

Falcones, Ildefonso "Die Erben der Erde" (Spanisch: Los herederos de la tierra/La catedral del mar #2) [The heirs of the earth] (Die Kathedrale des Meeres #2) - 2016

Die Fortsetzung der "Kathedrale des Meeres" (La catedral del Mar/Cathedral of the Sea) hält, was man sich verspricht. Sie ist wirklich hervorragend.

Wir treffen Arnau Estanyol wieder, wenn auch nur kurz. Die Geschichte geht weiter, 1387. Wir lernen andere Bewohner Barcelonas kennen, vor allem Hugo Llor, Arnaus Patenkind. Er wird zum Weinbauer und -händler und wir sehen eine andere Seite des Lebens im Mittelalter in Katalonien. Wie bereits im ersten Buch, warden auch hier die Juden und ihr Leben bzw. ihre Verfolgung dargestellt. Und ein bisschen spanische/katalanische Geschichte bekommt man auch gleich mit.

Die Erzählung ist sehr gut. Man bekommt den Eindruck, man sei mitten drin. Man lernt die Charaktere gut kennen.

Ich würde mich über ein drittes Buch freuen.

Klappentext:

"Ein großes historisches Panorama und eine Liebeserklärung an die Stadt Barcelona
Barcelona im 14. Jahrhundert: Der junge Halbwaise Hugo Llor muss dabei zusehen, wie der Werftbesitzer Arnau durch die Hand seines Erzfeindes stirbt. Mit Arnau verliert Hugo nicht nur eine Vaterfigur - auch seinen größten Traum, Schiffsbauer zu werden, muss er aufgeben und die Stadt verlassen. Er findet Arbeit bei einem jüdischen Winzer, der ihn in die Geheimnisse des Weinbaus einführt. Und mit der Zeit werden die Weinberge zu einer neuen Heimat für Hugo, besonders als er Dolça, der schönen Nichte des Winzers, begegnet. Doch ihre unterschiedliche Herkunft steht ihrer Liebe im Weg - und Hugo kann dem erbitterten Machtkampf in Barcelona auch außerhalb der Stadtmauern nicht entkommen …
"

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Falcones, Ildefonso "Die Kathedrale des Meeres"

Falcones, Ildefonso "Die Kathedrale des Meeres" (Spanish: La catedral del mar) - Cathedral of the Sea - 2008

Ich habe Ildefonso Falcones gefunden, weil ich ein großer Fan von Carlos Ruiz Zafón bin. Und "Die Kathedrale des Meeres" ist einer der besten historischen Romane überhaupt.

Barcelona im 14. Jahrhundert, mitten in der Zeit der Inquisition. Eine Kirche wird gebaut. Die Geschichte der am Bau beteiligten Personen, insbesondere die Geschichte von Arnau, dem Sohn eines entlaufenen Leibeigenen.

Was unsere Diskussion angeht, uns hat allen das Buch sehr gut gefallen, der Schreibstil war fesselnd, es gab viel über diese Zeit zu erfahren, der historische Hintergrund war großartig, der Autor hat gründlich recherchiert. Es war ein trauriges Buch, aber so war das Leben damals. Wir sprachen über Mittelalter, Religion, Inquisition, Pest, Jungfrau Maria, Frauenrechte, Spanien und Katalonien, was sich geändert hat und was nicht.

Wir haben waren fasziniert, mit welcher Hingabe die Menschen beim Bau der Kathedrale dabei waren, es wäre schön, sie zu sehen.

Eine Frage, die bis heute nicht beantwortet werden kann: Wie ist es möglich, dass Menschen im Namen des Christentums so grausam sein können? (Ja, können, nicht konnten) Und die Juden waren schon damals in Ghettos eingesperrt. Leider hat sich in der Geschichte sich nicht viel geändert, wohl auch, weil die Menschen sich einfach nicht ändern wollen.

Wir haben dies in unserem Lesekreis im August 2010 diskutiert.


Klappentext:

"Das mittelalterliche Barcelona steht in höchster Blüte. Dort erlebt der junge Arnau den Bau von Santa María del Mar, einer riesigen Kathedrale, wie sie das Land noch nicht gesehen hat. Im Schatten des mächtigen Bauwerks erfährt er am eigenen Leib, welch schweres Los die Arbeit dort ist. Mit den anderen Steinträgern schleppt der Vierzehnjährige die riesigen Felsblöcke vom Montjuïc bis hinunter an den Hafen.

Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen: Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren. Und Arnaus Aufstieg zu einem der angesehensten Bürger der Stadt droht ihm zum Verhängnis zu werden: Er wird Opfer einer Intrige, und sein Leben gerät in höchste Gefahr."

Wenn ihr dieses Buch mögt, wird euch auch "Die Pfeiler des Glaubens" (La mano de Fátima/The Hand of Fatima), das zweite Buch von Ildefonso Falcones gefallen.

Und es gibt inzwischen eine Fortsetzung zur "Kathedrale des Meeres": "Die Erben der Erde".

Dienstag, 8. Juni 2021

Zweig, Stefanie "Irgendwo in Deutschland"

Zweig, Stefanie "Irgendwo in Deutschland" - Somewhere in Germany - 1996

Eine weitere großartige Beschreibung des Lebens unter anderen Umständen. Dies ist die Fortsetzung von "Nirgendwo in Afrika".

Wir wissen ja alle, dass der Krieg irgendwann zu Ende war. Und was passierte mit der Familie Redlich? Nun, der Krieg war zu Ende und Walter Redlich wollte endlich wieder in seinem Beruf arbeiten. Da er aber nur mäßig Englisch spricht und auch als Rechtsanwalt nicht woanders arbeiten kann, kehrt die Familie zurück nach Deutschland ins zerbombte Frankfurt. Das scheint so schwer wie der Umzug nach Kenia.

Das Nachkriegsland quält sich und die Redlichs auch. Es gibt immer noch Antisemitismus und Hunger, sie haben ihre ganze Familie verloren, sie müssen sich wieder auf das Leben in Europa einstellen, für die Kinder eine völlig neue und unbekannte Welt. Es ist nicht leicht, in ein vom Krieg zerrissenes Land zurückzukehren, in dem es noch viele Menschen gibt, die sie lieber nicht dort haben möchten. Das ist etwas, was ich wirklich nicht verstehe. Wie konnten die Menschen nach all dieser Zeit die Juden immer noch nicht mögen? Hätten sich nicht alle schämen müssen, zumindest diejenigen, die die Nazis unterstützten? Regina trifft viele Leute und alle schwören, dass sie nichts vom Holocaust wussten und/oder ihr erzählten, wie sie den Juden geholfen haben. Schrecklich.

Regina (na ja, das ist eine Beinahe-Biografie der Autorin, Regina ist also eigentlich Stephanie Zweig selbst) fällt es besonders schwer, sich anzupassen, aber sie wird erwachsen und beginnt, als Journalistin zu arbeiten. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt, wie Regina und Max aufwachsen und ihre Eltern älter werden. Ich habe dieses Buch über Jahre hinweg immer wieder gelesen, und auch weitere Bücher von Stephanie Zweig, sowohl über Afrika als auch über das Leben der Juden in Deutschland, besonders nach dem zweiten Weltkreig, also ein Thema, von dem sie sehr viel verstand.

Stefanie Zweig ist und bleibt eine meiner Lieblingsautoren. Leider verstarb sie im Jahr 2014 in Frankfurt, wo sie die meiste Zeit ihres Lebens gewohnt hat.

Leider sind außer diesen beiden Romanen über ihr Leben keine ihrer Bücher ins Englische übersetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ihre anderen Bücher international genausoviel Interesse hervorrufen würden.

Buchumschlag:

"Die Fortsetzung des Welterfolgs 'Nirgendwo in Afrika'

Die Odyssee, die im Jahr 1938 Walter, Jettel und Regina während der Emigration von Oberschlesien nach Afrika führte, ist noch nicht zu Ende. 1947 kommt die Familie zurück in das Nachkriegsdeutschland der Entbehrungen und des Hungers. Regina, die Afrika nicht vergessen kann, geht heimlich mit ihren Gedanken auf Safari und singt ihrem in Nairobi geborenen Bruder Suaheli-Lieder vor ...

Mit einfühlsamen Beobachtungen und einer sehr bildhaften Sprache blättert Stefanie Zweig ein Kapitel fast schon vergessener Nachkriegsgeschichte auf und erzählt das Leben von Regina weiter, deren Geschichte durch
'Nirgendwo in Afrika' weltberühmt wurde."

In Englisch habe ich das Buch hier und hier beschrieben.

Freitag, 21. Mai 2021

Zweig, Stefanie "Nirgendwo in Afrika"

Zweig, Stefanie "Nirgendwo in Afrika" - Nowhere in Africa - 1995

Vor fast zehn Jahren habe ich geplant, auch meine deutschen Bücher zu rezensieren und hier zu veröffentlichen. Bei der Erstellung der Liste ist es dann geblieben.

Daher will ich jetzt endlich mit meinem deutschen Lieblingsbuch anfangen. Es ist mittlerweile auch schon ein Vierteljahrhundert alt, aber ich finde es steht immer noch in vorderster Reihe.

Wir haben es zweimal in unserem internationalen Lesekreis besprochen (jeweils mit unterschiedlichen Mitgliedern), einmal im April 2008 und dann im Januar 2016. Beide Male waren die Leser begeistert von dem Buch.

In Englisch habe ich das Buch hier und hier beschrieben.

Wir schreiben das Jahr 1938 und Rechtsanwalt Walter Redlich schafft es in letzter Minute, aus Nazideutschland zu fliehen. Die Familie zieht nach Kenia, wo er als Manager einer Farm eingestellt wird. Sie alle erleben dieses neue Land unterschiedlich, Walter kämpft mit der anderen Art Arbeit, die von ihm erwartet wird, Jettel vermisst den Luxus ihres früheren Lebens, beide haben mehr als ein paar Schwierigkeiten mit der Kultur und der Sprache, mal ganz abgesehen von den schlechten Nachrichten, die sie von und über ihre zurückgelassenen Familien aus Deutschland. Nur Regina, 9 Jahre alt, nimmt das Leben auf dem neuen Kontinent an, lernt die Sprachen, findet Freunde und kann sich kein anderes Leben vorstellen. Als ihr kleiner Bruder Max 1946 geboren wird, ist die Familie vollständig.

Dies ist eine Fast-Autobiographie der Autorin Stefanie Zweig, der Roman beruht auf ihrem Leben. Es gibt auch eine "richtige" Autobiographie, die sie später unter dem Titel "Nirgendwo war Heimat. Mein Leben auf zwei Kontinenten" veröffentlicht hat. Auch das Buch empfehle ich total. Sie ist eine wundervolle Autorin, die viel über den Kontinent geschrieben hat, an den sie ihr Herz verloren hat: Afrika. Es gibt eine Fortsetzung dieses Buches mit dem Titel "Irgendwo in Deutschland", das sollte man unbedingt im Anschluss lesen.

In der zweiten Besprechung haben wir eine Liste mit Fragen erstellt, die man sich beim Durchlesen stellen und über die man sehr gut diskutieren kann:

1. Was denkt ihr über Jettel, die Mutter? Glaubt Sie, dass es in Deutschland viele Menschen gab, die nicht gesehen haben, was kommen würde?

2. Was ist mit Regina? Wie wird sie sich wohl fühlen, wenn sie nach dem Krieg nach Deutschland verpflanzt wird?

3. Walter, der Vater, wird meistens als fürsorglicher Vater beschrieben, der nur seine Familie durch den Krieg bringen will. Rückblickend war dies die richtige Entscheidung. Was hätte er wohl gedacht, wenn der Krieg nicht so gewesen wäre, wenn er seine Familie umsonst verpflanzt hätte?

4. Wusstet ihr, dass "Nirgendwo in Afrika" fast eine Autobiografie der Autorin Stefanie Zweig ist, dass all dies ihrer Familie passiert ist, dass sie einen jüngeren Bruder namens Max hat, der zum Beispiel in Afrika geboren wurde? Wenn ja, wie habt ihr euch dabei beim Lesen gefühlt? Wenn nicht, denkt ihr jetzt anders über den Roman?

5. Habt ihr das Gefühl, dass das Aufwachsen in Afrika den Stil der Autorin beeinflusst hat? Hattet ihr das Gefühl, dass ihr Geschichtenerzählen einen bestimmten Fluss hatte?

6. Was denkt ihr über die anderen Charaktere, hauptsächlich Walter Süßkind und Lilly und Oskar Hahn, aber noch wichtiger Owuor? Wie beeinflussen sich Walter und Owuor gegenseitig und verändern das Leben des anderen?

7. Dieses Buch wurde zu einem Film verarbeitet und erhielt den Preis bei den 75. Oscar-Verleihungen 2003 für den besten fremdsprachigen Film. Wenn ihr den Film gesehen habt, wie findet ihr ihn im Vergleich zum Buch? Was hättet ihr anders gemacht, wenn ihr der Regisseur gewesen wärt?

8. Ich mag es, mit jedem Buch, das ich lese, etwas zu lernen. Egal, ob ihr zu dieser Art Lesern gehört oder nicht, was habt ihr aus dem Buch gelernt?

9. Gibt es noch andere Themen, die ich nicht angesprochen habe und die ihr diskutieren möchtet?

Es hat lange genug gedauert, bis dieses Buch ins Englische übersetzt, zwölf Jahre, um es genau zu nehmen. Im Jahr 2001 wurde daraus ein Film gemacht und dieser Film erhielt einen Oscar für den besten ausländischen Film. Der Film ist sehr gut, wird dem Buch aber - wie üblich - nicht wirklich gerecht.

Wie auch immer, Stefanie Zweig ist eine meiner Lieblingsautoren. Sie schreibt ebenso gut über jüdische Themen wie über Afrika, da sie dort eine wichtige Zeit ihrer Kindheit verbracht hat. Sie hat aber bis zu ihrem Tod im Jahre 2014 in Frankfurt gelebt.

Buchumschlag:

"Mit phantasievollen Bildern und einer wunderbaren Sprache voll Poesie überrascht Stefanie Zweig in ihrem Romandebüt über die Emigration ihrer Familie nach Kenia.

Die kleine Regina erlebt das Abenteuer der Emigration in das ferne Afrika an der Seite ihrer Eltern, die 1938 Oberschlesien verlassen müssen. Und dennoch trauern Walter und Jettel Redlich dieser Heimat nach, die sie nicht mehr haben wollte. Doch was ihren Eltern in dieser gänzlich andersartigen Welt nicht recht gelingen mag, glückt ihrer Tochter Regina. Rasch erliegt sie dem Zauber Afrikas mit seinen Gerüchen und Farben, den wilden Tieren und den ursprünglichen Menschen, die zu ihren Freunden werden.
"

Die Fortsetzung des Romans ist als "Irgendwo in Deutschland" erschienen.