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Samstag, 9. Mai 2026

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Montag, 18. August 2025

Andrić, Ivo "Die Brücke über die Drina"


Andrić, Ivo "Die Brücke über die Drina" (Serbo-Croat: На Дрини Ћуприја or Na Drini Ćuprija) - The Bridge on the Drina - 1945

Dies ist die Geschichte einer Brücke. Von ihrem Bau im 16. Jahrhundert bis einige Jahrhunderte später im 20. Jahrhundert.

Es ist erstaunlich, was ein solches Bauwerk oder der Fluss darunter im Laufe der Jahrhunderte durchmacht. Wir Menschen leben im Vergleich zu allem um uns herum nur sehr kurz. Auf lange Sicht ist das Leben eines Menschen nichts im Vergleich zur Geschichte.

Dem Autoren gelingt es, dies sehr gut zu beschreiben. Der Fluss fließt ruhig, manchmal auch nicht so ruhig, und so auch die Geschichte der Menschheit. Herrscher kommen und gehen, Kriege wüten, Naturkatastrophen – die Brücke steht noch immer und wacht über das Leben der Menschen, die den Fluss überqueren.

Beim Lesen fühlt man sich fast wie die Brücke und sieht den Fluss unter sich dahinfließen.

Aber der Roman zeigt auch viel von der Geschichte des Balkans, der immer zwischen den westlichen und östlichen Reichen, dem Abendland und dem Morgenland lag. Wie in der meisten östlichen Literatur gibt es auch in dem Buch viel Poesie. Man sollte sich vielleicht auf einen Teil konzentrieren. Das Buch entführt uns in eine andere Welt.

Wenn ihr es gelesen habt, werdet ihr verstehen, warum er für das Schreiben eines einzigen fiktionalen Werks den Nobelpreis erhielt. Es ist ein Meisterwerk.

Buchbeschreibung:

"Dieser monumentale historische Roman erschien 1945 und hat den Weltruhm von Ivo Andrić begründet, der 1961 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Erzählt wird von einer Brücke, die sich in elf weit gespannten Bögen – 250 Schritte lang, 10 Schritte breit – über die Drina bei Višegrad, einer Stadt in Bosnien nahe der Grenze zu Serbien, führt. Dort, im Herzen Bosniens, treffen sich seit Jahrhunderten die Menschen. Die Brücke verbindet und trennt Orient und Okzident. Der große Epiker Andric entfaltet die Geschichte vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg, und er zeigt uns unzählige Figuren - politische Märtyrer und religiöse Eiferer, jüdische Handwerker und islamische Händler, serbische Bauern und österreichische Beamte.

In seinem Meisterwerk entrollt Ivo Andric; ein gewaltiges Zeitpanorama vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg und erzählt von den vielfältigen Schicksalen der Menschen, die dort aufeinandertrafen."

Ivo Andrić erhielt den Nobelpreis für Literatur 1961 "für die epische Kraft, mit der er Motive und Schicksale aus der Geschichte seines Landes gestaltet".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 14. September 2024

Stanišić, Saša "Wie der Soldat das Grammofon repariert"

 

Stanišić, Saša "Wie der Soldat das Grammofon repariert" - How the Soldier Repairs the Gramophone - 2006

Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit entdeckt und fand den Titel toll. Außerdem spielt die Geschichte in Višegrad am Fluss Drina, über den ich das Buch "Die Brücke über die Drina" (The Bridge on the Drina) von Ivo Andrić gelesen und geliebt habe.

Der Autor wurde in Bosnien-Herzegowina geboren, seine Familie floh nach Deutschland, als er ein Teenager war. Diese Geschichte erzählt teilweise von seinem Leben vor und nach seiner Flucht aus seinem Land. Inzwischen hat er mehrere deutsche Buchpreise für seine Literatur erhalten, die oft über den Krieg in Bosnien berichtet.

Dieser Roman ist halb-autobiographisch. Das Leben des Protagonisten Aleksandar Krsmanovic spiegelt das des Autors Saša Stanišić wider. Die Geschichte ist ein wenig chaotisch, springt von einer Szene zu einer völlig anderen, kommt manchmal darauf zurück, lässt sie manchmal einfach offen. Dadurch zeigt sie, wie chaotisch das Leben eines Kindes in Kriegszeiten sein muss.

Es war keine unangenehme Lektüre, aber ich hätte mir etwas mehr Konsistenz gewünscht. Ich kann jedoch verstehen, warum der Autor so gefeiert wird.

Buchbeschreibung:

"Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und 'die Zeit, als alles gut war' wieder herbei.

Aleksandar wächst in der kleinen bosnischen Stadt Višegrad auf. Sein größtes Talent ist das Erfinden von Geschichten: Er denkt gar nicht daran, sich an die Themen der Schulaufsätze zu halten, viel zu verrückt sind die Erntefeste bei seinen Urgroßeltern, viel zu packend die Amokläufe betrogener Ehemänner und viel zu unglaublich die Geständnisse des Flusses Drina. Als der Krieg mit grausamer Wucht über Višegrad hereinbricht, hält die Welt, wie Aleksandar sie kannte, der Gewalt nicht stand, und die Familie muss fliehen. In der Fremde eines westlichen Landes erweist sich Aleksandars Fabulierlust als lebenswichtig: Denn so gelingt es ihm, sich an diesem merkwürdigen Ort namens Deutschland zurechtzufinden und sich eine Heimat zu erzählen. Seinen Opa konnte er damals nicht wieder lebendig zaubern, jetzt hat er einen Zauberstab, der tatsächlich funktioniert: seine Phantasie holt das Verlorene wieder zurück. Als der erwachsene Aleksandar in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt, muss sich allerdings erst zeigen, ob seine Fabulierkunst auch der Nachkriegsrealität Bosniens standhält.

Mit 'Wie der Soldat das Grammofon repariert' hat Saša Stanišić einen überbordenden, verschwenderischen, burlesken und tragikomischen Roman über eine außergewöhnliche Kindheit unter außergewöhnlichen Umständen geschrieben, über den brutalen Verlust des Vertrauten und über das unzerstörbare Vertrauen in das Erzählen."

Samstag, 15. Juli 2023

Kaminer, Wladimir "Die Wellenreiter

Kaminer, Wladimir "Die Wellenreiter. Geschichten aus dem neuen Deutschland" [The Wave Riders. Stories from the new Germany] - 2021

Wladimir Kaminer schafft es, selbst eine traurige Zeit so zu beschreiben, dass es zum Teil sowohl lustig als auch traurig ist. Man erkennt sich in seinen Geschichten wider, man erinnert sich an Ereignisse, de man schon fast vergessen hatte, und dennoch daraus gelernt hat.

Unser Land hat sich schon sehr verändert, leider nicht unbedingt zum Besseren. Es wäre so eine schöne Gelegenheit gewesen, in sich zu gehen, etwas mitzunehmen, zu verbessern. Ich denke da nicht nur an unsere Schulen, die ja plötzlich ratlos dastanden und das wohl bei einer ähnlichen Katastrophe wieder würden. Den Sprung ins 21. Jahrhundert haben viele noch nicht geschafft, auch jüngere Menschen nicht, die gerne mit dem Zeigefinger auf "die Alten" zeigen. Schade.

Aber das Buch von Wladimir Kaminer ist trotz oder gerade deswegen sehr lesenswert. Viel Spaß.

Buchbeschreibung:

"Deutschland steht kopf, und Wladimir Kaminer macht daraus Geschichten mit Humor und Hintersinn ...

Wladimir Kaminer hat Deutschland auf zahllosen Reisen bis in den letzten Winkel erkundet. Doch plötzlich erkennt er Land und Leute kaum wieder - der schön geordnete Alltag steht plötzlich kopf. Statt das Verrückte im normalen Leben zu entdecken, beobachtet er nun eine Normalität, in der alles verrückt Weihnachten ohne Märkte, Kreuzfahrten ohne Landgang und Pfeile am Boden, die uns den Weg durch eine veränderte Welt weisen sollen. Da braucht man jemanden, der einen zwischendurch zum Lachen bringt. Mit Wladimir Kaminer als Reisebegleiter durch dieses neue Deutschland ist eine große Portion Humor garantiert …
"

Mittwoch, 28. Juni 2023

Brooks, Geraldine "Die Hochzeitsgabe"

Brooks, Geraldine "Die Hochzeitsgabe" (Englisch: People of the Book) - 2008

Das wird dieses Jahr eines meiner Lieblingsbücher sein. Was für eine wundervolle Erzählung über ein Buch und seine Geschichte. Ich habe einmal einen ähnlichen Roman gelesen, nun ja, keine ähnliche Geschichte, nur ein Buch, das versucht, ein Kunstwerk, ein Gemälde von heute in die Vergangenheit bis zu seiner Entstehung zu verfolgen. Das war von Susan Vreeland und hieß "Girl in Hyacinth Blue" (Mädchen in Hyazinthblau). Das hat mir sehr gut gefallen und das hier war genauso interessant.

Die wichtigste "Figur" ist die Haggada von Sarajewo, ein jüdisches religiöses Buch, das es wirklich gibt (siehe hier auf
Wikipedia oder hier auf der Website des Nationalmuseums von Bosnien und Herzegowina). Das Wort "Haggada" ist hebräisch und bedeutet "Erzählen", "Geschichte" oder "Bericht", das Buch "Haggada" ist ein Text, der die Reihenfolge des Pessach-Seders beschreibt.

Es gibt Bücher, auch alte, bei denen man genau weiß, woher sie kommen und wer sie gemacht hat.
Dies hier gehört nicht dazu. Die Autorin hat einige Ideen niedergeschrieben und daraus eine wundervolle Geschichte gemacht, die um die ganze Welt geht. Angefangen mit der australischen Restaurateurin, die versucht, Hinweise zu finden, die wie eine Kriminalgeschichte klingen, reisen wir zurück von Bosnien-Herzegowina nach Italien, Österreich, Spanien und an die Küsten von Ifriqiya (dem heutigen Tunesien, Teilen von Algerien und Libyen). Zwischendurch besuchen wir die USA und das Vereinigte Königreich, wo die Protagonistin nicht nur mehr über das Buch, sondern auch über ihre Familie erfährt.

Mir hat die ganze Geschichte absolut gefallen, wie wir die verschiedenen Arten von Menschen kennenlernen, die zuerst zur Entstehung des Buches und dann zu seiner Rettung beigetragen haben.
Einige der Ideen könnten sogar wahr sein. Nun, wir können immer träumen.

Buchbeschreibung:

"Hanna, eine junge, angesehene Buchrestauratorin, wird 1996 von Sydney in das vom Bürgerkrieg zerrissene Sarajevo gerufen. Sie soll dort die kostbare Sarajevo-Haggadah, eine jüdische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, unter die Lupe nehmen. Hanna wittert eine große Chance für ihre Karriere und ahnt nicht, dass dieser Auftrag ihr Leben verändern wird: In der Bibliothek angekommen, trifft sie auf den zurückhaltenden moslemischen Museumsleiter Ozren, der das Buch vor der Zerstörung gerettet hat. Er irritiert und fasziniert sie gleichermaßen. Und je mehr sich Hanna auf einer Spurensuche, die sie durch ganz Europa führt, mit der Schrift und ihrer geheimnisvollen Geschichte beschäftigt, desto mehr wird sie auch mit ihrer eigenen Vergangenheit und Herkunft konfrontiert. Die Entdeckung ihrer eigenen Wurzeln lässt sie schließlich einen mutigen Schritt wagen."

Mittwoch, 21. September 2022

Zeh, Juli "Die Stille ist ein Geräusch"

Zeh, Juli "Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien" [The Silence is a Sound] - 2002

Nachdem ich "Unterleuten" gelesen hatte, habe ich mir vorgenommen, weitere Bücher von Juli Zeh zu lesen. Dieses war ein ganz anderes Buch als ihr letzter Roman, aber trotzdem sehr informativ. Wie die Autorin über Bosnien berichtet, ist einmalig. Dies ist nicht ein einfacher Reisebericht, ein einfaches Tagebuch, eine Kriegs- (oder auch Nachkriegs-)berichterstattung, es ist auch eine wunderschön geschriebene Erzählung, die in einer sehr bildhaften Sprache zum Nachdenken anregt.

Buchbeschreibung:

"Juli Zeh fährt im Sommer 2001 nach Bosnien: allein, nur ihr Hund als Begleitung. Sie fährt durch ein zerstörtes Land, einen Kriegsschauplatz, bis heute durch zahllose Minenfelder das gefährlichste Terrain Europas. Die Reise führt unter anderem nach Jajce, Sarajevo, Mostar, Sanski Most, Tuzla, Srebrenica, Banja Luka, Bihac: Kriegs-Orte im nunmehr friedlichen Bosnien, verwundete Landschaften, noch immer traumhaft schöne Städte und Plätze voller Geschichte und Geschichten.

Entstanden ist eine der eindringlichsten Reiseschilderungen, geschrieben von einer Autorin, die zeigt, 'dass die Darstellung der Wahrheit immer noch eine lohnende Sache sein kann'.
"

Schön fand ich auch folgende Bemerkung der Autorin:
"Beim Lesen im Reiseführer über Mostar merke ich, dass ich auch fließend Holländisch kann. Eine andere Sprache war nicht vorrätig." Ja, manchmal muss man sich nur auf eine andere Sprache einlassen. Auch wenn Niederländisch dem Deutschen recht ähnlich ist, erfordert es schon eine gewisse Neugier, so etwas in Angriff zu nehmen. Oder eben Notwendigkeit, wie in diesem Fall.