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Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."

Samstag, 18. Juli 2026

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (Englisch: 21 Lessons for the 21st Century) - 2018

Eine brillante Fortsetzung von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens) und "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus). Dies ist ein weiteres Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Der Autor zeigt uns auf, was die Zukunft für uns bereithalten könnte und wie wir uns darauf vorbereiten sollten. Dabei geht es mir nicht um die Angst vor Kriegen oder Naturkatastrophen infolge des Klimawandels, sondern um den Alltag. Was sollten wir studieren oder lernen, um einen vernünftigen Job zu bekommen? Und noch wichtiger: Was sollten unsere Kinder lernen, um im Leben zu bestehen? Meine Eltern und Großeltern verließen die Schule mit 14 oder 15 Jahren, absolvierten eine Ausbildung, und viele von ihnen arbeiteten ihr Leben lang im selben Unternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung konnten sie das Gelernte jahrzehntelang anwenden, ohne sich neues Wissen aneignen zu müssen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das galt weder für meine Generation noch für die heutige Generation, und es wird ganz sicher auch nicht für die übernächste Generation gelten.

Wir brauchen also kluge Köpfe wie Yuval Harari, die uns sagen, was geschehen könnte und was wir tun können, um keine Angst vor der Zukunft zu haben. Genau das tut er. Seine Empfehlungen sind sinnvoll und fundiert; er erläutert jede seiner Aussagen ausführlich. Was noch besser ist: Er erklärt die Dinge so verständlich, dass auch Menschen ohne großes wissenschaftliches Vorwissen (wie ich) seinen Ausführungen folgen können, sei es zu Themen wie Politik, Weltwirtschaft oder anderen Bereichen, die uns betreffen und unser Leben beeinflussen.

Ich kann dieses Buch sowie seine anderen Werke wärmstens empfehlen. Sie sind einfach fantastisch. Ich hoffe, er schreibt noch mehr davon.

Buchbeschreibung:

"Yuval Noah Harari ist der Weltstar unter den Historikern. In 'Eine kurze Geschichte der Menschheit"'erzählte er vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt. In 'Homo Deus' ging es um die Zukunft unserer Spezies. Sein neues Buch schaut auf das Hier und Jetzt und konfrontiert uns mit den drängenden Fragen unserer Zeit.

Wie unterscheiden wir Wahrheit und Fiktion im Zeitalter der Fake News? Was sollen wir unseren Kindern beibringen? Wie können wir in unserer unübersichtlichen Welt moralisch handeln? Wie bewahren wir Freiheit und Gleichheit im 21. Jahrhundert?

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit über den Fragen gebrütet, wer wir sind und was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Doch jetzt setzen uns die heraufziehende ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Bald schon wird irgendjemand darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten.

Dieses Buch will möglichst viele Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen, damit die Antworten nicht von den blinden Kräften des Marktes gegeben werden."

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Dienstag, 5. Mai 2026

Stupid White Men: Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush

 Moore, Michael "Stupid White Men: Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush" (Englisch: Stupid White Men) - 2001

Ich habe dieses Buch im Jahre 2015 gelesen. Seitdem sind 10 Jahre vergangen und Michael Moore scheint noch mehr ein Hellseher zu sein, als es damals aussah.

Damals wussten wir noch nicht, dass es noch schlimmer ging. Bush sieht mittlerweile wie der freundliche Nachbar aus. Aber dies habe ich kurz nach meiner Lektüre geschrieben.

Eine meiner diesjährigen Challenges in dem Jahr lautete: "Lies ein Buch von einem Autor mit denselben Initialen wie du." Da ich dieses Buch schon seit Erscheinen lesen wollte, dachte ich, es wäre an der Zeit, es endlich anzugehen.

Michael Moore teilt nicht nur meine Initialen und die meisten meiner politischen Ansichten, sondern ist, wie ich herausfand, auch ein Eagle Scout. Genau wie meine beiden Söhne.

Nun aber zum Buch. Es war noch schlimmer als erwartet. Nicht vom Schreibstil her, sondern vom Inhalt. Manches ist so unglaublich, dass man sich fragt, warum die Leute diese Partei überhaupt noch wählen. Und noch schlimmer: Ausgerechnet diese Leute schreiben am Negativsten über andere.

Allerdings schimpft Michael Moore nicht nur über die Partei, die er nicht gewählt hat. Nein, er beschreibt auch, was die Mitglieder der Partei, die er lieber im Amt sehen würde, getan und falsch gemacht haben. Das finde ich gut. Es bedeutet, dass man nicht einfach die Gegenseite als böse darstellt, sondern das Gesamtbild betrachtet und vielleicht sogar akzeptiert, dass auch sie ab und zu etwas richtig machen. (Allerdings glaube ich kaum, dass er da im Moment etwas findet.)

Dieses Buch hat gehalten, was es versprochen hat. Es bietet einen guten Überblick über die damaligen Verhältnisse im sogenannten Land der Freiheit und nicht nur über das, was man von Freunden hört, die ihren Hass auf die jeweils andere Partei gerne im Internet zur Schau stellen.

Natürlich stammt das Buch aus dem Jahr 2001 und wurde noch vor dem 11. September veröffentlicht, war also schon damals nicht mehr ganz aktuell. Ich denke aber, dass es im Nachhinein sogar an Aktualität gewinnt, da man erkennt, dass einige seiner Befürchtungen prophetisch waren. Wir sehen, dass viele der Probleme dieser Welt ihren Ursprung in dieser Zeit haben.

Ich möchte hier keine große Diskussion anstoßen. Wenn ihr also zu meinen Freunden gehören, die Präsident Obama hassen und Präsident Bush verehrt haben, scrollt einfach darüber, so wie ich es fast täglich mit euren unzähligen Hassbeiträgen tue. Danke.

"Stupid White Men" (Dumme weiße Männer) erklärt euch alles, was ihr darüber wissen müsst, wie die Mächtigen und Guten uns ausbeuten.

Buchbeschreibung:

"Bananenrepublik USA: Im Weißen Haus sitzt ein »Präsident«, der nie gewählt wurde, und regiert mit einer Junta aus Geschäftsfreunden seines Daddys. Michael Moore, Filmemacher und Bestsellerautor, rechnet in dieser beißenden Satire gnadenlos ab mit den Stupid White Men an der Spitze der USA."

Ich weiß, dass sich die meisten dieser Anführer inzwischen geändert haben, aber ich fordere jeden von euch heraus, mehr als zehn der aktuellen zu nennen, ohne zu googeln oder bei Wikipedia oder Ähnlichem nachzuschauen.

Liste der Staats- und Regierungschefs der fünfzig größten Länder
(nach Größe des Landes geordnet)

1. China - Präsident Jiang Zemin
2. Indien - Präsident Kocherit Raman Narayanan
3. Vereinigte Staaten - Präsident George W. Bush
4. Indonesien - Präsident Megawati Sukarnoputri
5. Brasilien - Präsident Fernando Henrique Cardoso
6. Russland - Präsident Vladimir Putin
7. Pakistan - General Pervez Musharraf
8. Bangladesh - Präsident Shahabuddin Ahmed
9. Japan - Premier MInister Junichiro Koizumi
10. Nigeria - Präsident Olusegun Obasanjo
11. Mexiko - Präsident Vicente Fox Quesada
12. Deutschland- Chancellor Gerhard Schröder
13. Philippines - Präsident Gloria Macapagal-Arroyo
14. Vietnam - Präsident Tran Duc Luong
15. Ägypten - Präsident Mohammed Hosni Mubarak
16. Türkei - Präsident Ahmet Necdet Sezer
17. Iran - Ayatollah Ali Hoseini-Khamemei, Präsident Mohammad Khatami
18. Äthiopien - Präsident Negasso Gidada
19. Thailand - Premier MInister Thaksin Chinnawat
20. Vereinigtes Königreich - Premier MInister Anthony C. L. Blair
21. Frankreich - Präsident Jacques Chirac
22. Italien - Premier MInister Silvio Berlusconi
23. Kongo (Kinshasa) - Präsident Joseph Kabila
24. Ukraine - Präsident Leonid D. Kuchma
25. Südkorea - Präsident Kim Dae-Jung
26. Südafrika - Präsident Thabo Mbelki
27. Burma - Premier MInister Than Shwe
28. Spanien - Präsident Jose Mariaaznar
29. Koloubien - Präsident Andres Pastrana
30. Polen - Präsident Aleksander Kwasniewski
31. Argentinien - Präsident Fernando De La Rua
32. Tansania - Präsident Benjamin Wiliam Mkapa
33. Sudan - Präsident Lt. Gen. Omar El-Bashir
34. Kanada - Premier MInister Jean Chretien
35. Algerien - Präsident Abdelaziz Bouteflika
36. Kenia - Präsident Daniel Arap Moi
37. Marokko - Premier MInister Abderrahmane Youssoufi
38. Peru - Präsident Alejandro Toledo
39. Afghanistan - Mullah Mohammed Rabbari
40. Uzbekistan - Präsident Islam Karimov
41. Nepal - König Gyanendra, Premier MInister Sher Bahadur  Derba
42. Venezuela - Präsident Hugo Chavez Frias
43. Uganda - Präsident Lt Gen. Yoweri Museveni
44. Irak - Präsident Saddam Hussein
45. Rumänien - Präsident Ion Iliescu
46. Taiwan - Präsident Chen Shui-Bian
47. Saudi Arabiaen- König Fahd Bin Abd Al-Aziz Al Saud
48. Malaysia - Premier MInister Dr. Mahathir Bin Mohamed
49. Nordkorea - Präsident Vim Jong Il
50. Ghana - Präsident John Agyekum Kufuor

Mittwoch, 29. April 2026

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise"

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise" oder "Absurdistan" (Englisch: Absurdistan) - 2006

Ein wirklich witziges Buch. Ziemlich schräg sogar. Ein Roman über Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll – angesiedelt in der heutigen Zeit. Allerdings in einem Land, das wohl noch in den Sechzigern feststeckt. Absurdistan, ein fiktives Land am Kaspischen Meer. Mischa, der Sohn eines reichen Russen, der seinen Titel als 1237. reichster Mann Russlands unter undurchsichtigen und sicherlich nicht ganz legalen Umständen erworben hat, musste nie arbeiten und ist nun nicht nur Waise, sondern auch obdachlos. Die USA, wo er vor dem Tod seines Vaters lebte, wollen ihn nicht einreisen lassen, er will nicht in Russland bleiben, also ist Absurdistan vielleicht die Lösung.

Wenn ihr euch nicht an Kraftausdrücken stört, könnte euch der Roman gefallen. Wenn doch, ist er nichts für euch.

Ich bin mir sicher, dass der Autor Gary Shteyngart, der viel mit seinem Protagonisten gemeinsam hat, dieses Buch als Satire konzipiert hat, und ich finde, das ihm gut gelungen ist. Ziel erreicht.

Buchbeschreibung:

"Mischa 'Snack Daddy' Vainberg, ein unverbesserlicher Fettsack, ist der Sohn des 1238streichsten Mannes in Russland, dem leider in St. Petersburg von der Konkurrenz der Kopf weggesprengt wird. Verzweifelt versucht die Waise, sich in den schützenden Westen durchzuschlagen, zurück nach New York, zu seiner untreuen Angebeteten in der Bronx und seinem Analytiker an der Park Avenue. Es ist eine Reise voller Irrungen und Wirrungen, internationaler Verwicklungen und privater Verstrickungen, die schon durch Mischas barocke Gestalt zu schauriger Akrobatik werden. Wie geschmacklos und unappetitlich ist das alles. Aber doch so wahr! Und sie muss erzählt werden, die Geschichte dieses Weltreisenden. Mischa besichtigt für uns ein Zeitalter, so gewalttätig, kaltherzig und liebeshungrig, dass nur eine groteske Erscheinung wie er es uns richtig vorführen kann. Es ist unser Zeitalter. Einen tumben Tor wie Mischa Vainberg hat es in der Literatur lange nicht mehr gegeben. Simplicissimus, Don Quichotte und Oblomow sind seine nächsten Verwandten. Unsere ganze globalisierte Welt lagert sich in seinen Fettpolstern ab, und schrecklich erkennen wir sie in diesem grotesken Geschwabbel wieder. Snack Daddy ist verloren, und wir sind es wohl mit ihm! Brächte Gary Shteyngart uns nicht immer wieder auf so unvergleichliche Weise zum Lachen, unsere Tränen würden noch lange fließen. Eine furiose Tour de Force, die man nicht mehr vergisst."

Samstag, 25. April 2026

Obama, Barack "Ein verheißenes Land"

Obama, Barack "Ein verheißenes Land" (Englisch: A Promised Land) - 2020

Es gibt Bücher, die sich leicht beschreiben lassen. Ich mochte das Buch, ich mochte das Buch nicht. Es war leicht zu lesen, es war schwer zu lesen … Manchmal muss man seinen Lesern seine Meinung zu einem bestimmten Thema mitteilen.

Ich bezweifle, dass ich das muss. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich laut einem Facebook-Test "sehr liberal bin, so weit links wie möglich, bevor man sich in Stalins Hinterhof begibt". Das ist mindestens zehn Jahre her, aber nichts hat sich geändert.

Obwohl viele Präsident Obama als Sozialisten bezeichnen, haben diese Leute keine Ahnung, was ein Sozialist ist. Er hat jedoch das Wohl seines Volkes im Sinn, das wusste ich schon vor der Lektüre des Buches. Leider können wir nichts tun oder sagen, um die Leute davon zu überzeugen, dass er ein guter Mensch ist. Was ich wahrscheinlich am meisten an ihm schätze, ist, dass er seine Fehler eingesteht und nicht fehlerlos ist (im Gegensatz zu einem anderen, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte).

Ich habe dieses Buch so sehr geliebt, dass ich es gar nicht zu Ende lesen wollte. Barack Obama hat eine so angenehme Art, mit dem Leser zu sprechen, dass es sich wirklich anfühlt, als säße man einem Freund gegenüber. Man erfährt nicht nur etwas über sein Leben, sondern auch über Präsidenten im Allgemeinen, welche Aufgaben sie haben und wie schwierig es manchmal ist, diese zu erfüllen. Es war ungemein interessant, so viele Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen.

Ich habe alles, was ich von Barack Obama gelesen habe, sehr genossen. Er ist ein so kluger, anständiger und netter Mann, und ich freue mich schon auf den zweiten Teil seiner Memoiren.

Das Zitat, das ich am meisten liebe:

"Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich an Schicksal geglaubt. Ich befürchte, es fördert Resignation bei den Bedürftigen und Selbstgefälligkeit bei den Mächtigen. Ich vermute, Gottes Plan, wie auch immer er aussehen mag, wirkt auf einer Ebene, die unsere irdischen Leiden übersteigt; dass in einem einzigen Leben Zufälle und glückliche Umstände mehr bestimmen, als wir wahrhaben wollen; und dass wir am besten versuchen, uns an dem auszurichten, was wir für richtig halten, und unserem Chaos einen Sinn zu geben, und in jedem Augenblick mit Anmut und Mut das Beste aus unserem Schicksal zu machen."

Buchbeschreibung:

"Ein fesselnder und zutiefst persönlicher Bericht darüber, wie Geschichte geschrieben wird – von dem US-Präsidenten, der uns inspirierte, an die Kraft der Demokratie zu glauben

In diesem mit Spannung erwarteten ersten Band seiner Präsidentschaftserinnerungen erzählt Barack Obama die Geschichte seiner unwahrscheinlichen Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der freien Welt. In erstaunlich persönlichen Worten beschreibt er seinen politischen Werdegang wie auch die wegweisenden Momente der ersten Amtszeit seiner historischen Präsidentschaft – einer Zeit dramatischer Veränderungen und Turbulenzen.

Obama nimmt die Leser und Leserinnen mit auf eine faszinierende Reise von seinem frühesten politischen Erwachen über den ausschlaggebenden Sieg in den Vorwahlen von Iowa, der die Kraft basisdemokratischer Bewegungen verdeutlichte, hin zur entscheidenden Nacht des 4. Novembers 2008, als er zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde und als erster Afroamerikaner das höchste Staatsamt antreten sollte.

Sein Rückblick auf seine Präsidentschaft bietet eine einzigartige Reflexion über Ausmaß und Grenzen präsidialer Macht und liefert zugleich außergewöhnliche Einblicke in die Dynamik US-amerikanischer Politik und internationaler Diplomatie. Wir begleiten Obama ins Oval Office und in den Situation Room des Weißen Hauses sowie nach Moskau, Kairo, Peking und an viele Orte mehr. Er teilt seine Gedanken über seine Regierungsbildung, das Ringen mit der globalen Finanzkrise, seine Bemühungen, Wladimir Putin einzuschätzen, die Bewältigung scheinbar unüberwindlicher Hindernisse auf dem Weg zur Verabschiedung einer Gesundheitsreform. Er beschreibt, wie er mit US-Generälen über die amerikanische Strategie in Afghanistan aneinandergerät, die Wall Street reformiert, wie er auf das verheerende Leck der Bohrplattform Deepwater Horizon reagiert und die Operation 'Neptune’s Spear' autorisiert, die zum Tode Osama bin Ladens führt.

'Ein verheißenes Land' ist ungewöhnlich intim und introspektiv – die Geschichte eines einzelnen Mannes, der eine Wette mit der Geschichte eingeht, eines community organizer, dessen Ideale auf der Weltbühne auf die Probe gestellt werden. Obama berichtet offen vom Balanceakt, als Schwarzer Amerikaner für das Amt zu kandidieren und damit die Erwartungen einer Generation zu schultern, die Mut aus der Botschaft von 'Hoffnung wagen' gewinnt, und was es bedeutet, die moralische Herausforderung anzunehmen, Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen. Er spricht freimütig über die Kräfte, die sich ihm im In- und Ausland entgegenstellten, gibt ehrlich Auskunft darüber, wie das Leben im Weißen Haus seine Frau und seine Töchter prägte, und scheut sich nicht, Selbstzweifel und Enttäuschungen offenzulegen. Und doch verliert er nie den Glauben daran, dass innerhalb des großen, andauernden amerikanischen Experiments Fortschritt stets möglich ist.

In diesem wunderbar geschriebenen und eindrücklichen Buch bringt Barack Obama seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Demokratie kein Geschenk des Himmels ist, sondern auf Empathie und gegenseitigem Verständnis gründet und Tag für Tag gemeinsam geschaffen werden muss."

Ich habe einige Rezensionen des Buches gelesen, und alle waren positiv. Ich nehme an, wer den Autor nicht mag, wird seine Biografie ohnehin nicht lesen. Eine Bloggerfreundin von mir hat diese Art von Nicht-Rezension mit vielen weiteren Zitaten geschrieben (in Englisch). Schau mal rein, es lohnt sich.

Ihr Hauptargument:

"War Präsident Obama perfekt? Nein. Glaube ich aber, dass er in seinen acht Amtsjahren das Wohl unserer Nation im Blick hatte und seine Aufgaben hervorragend erfüllt hat? Zweifellos ja."

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Wir warten immer noch auf den zweiten Teil.

Obama, Barack "Hoffnung wagen"

Obama, Barack "Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream" (Englisch: The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream) - 2006

Ich denke, spätestens seit meiner Rezension von "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum) (oder Hillary Clintons "Living History" - Gelebte Geschichte) weiß jeder, welche Partei ich unterstützen würde, wenn ich in den USA leben würde. Ich fand das Buch großartig und wollte mehr über Barack Obama erfahren, also habe ich sein nächstes gelesen.

Ich bin oft schockiert, wenn ich höre, wie manche Leute über diesen Präsidenten reden, als wäre er ein Bösewicht und würde nur das Schlimmste für sein Land wollen, obwohl er so viel für sie getan hat und versucht, jedem zu helfen. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, ihn und seine Partei nicht unterstützen, wenn diese versucht, die Steuervorteile für Reiche zu kürzen und das Leben des "kleinen Mannes" etwas leichter zu machen. Wer wünscht sich denn keine Krankenversicherung? Ich lebe in einem Land, in dem Krankenversicherung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit selbstverständlich sind. Wir glauben daran, dass niemand zurückgelassen wird. Vielleicht hat Barack Obama deshalb hier so viele Anhänger – er verfolgt dieselben Ziele wie wir.

Aber zurück zum Buch. Während der Autor in "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum), über seine Kindheit und seine ersten Schritte ins Erwachsenenleben berichtet, schildert er nun seine Anfänge als Politiker. Ich fand es äußerst interessant, einen Blick hinter die Kulissen eines ehemaligen Senators zu werfen, der alle Facetten der Politik sowie ihre Vor- und Nachteile kennt. Sehr lesenswert, ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen.

Er zitiert Daniel Patrick Moynihan: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten." (Everyone is entitled to his own opinion, but not to his own fact.) Ich denke, das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Buchbeschreibung:

"Persönlich, glaubwürdig, visionär – Ansichten und Standpunkte des politischen Hoffnungsträgers der USA vor seiner Wahl 2008

Wie US-Senator Barack Obama im Wahljahr 2008 Millionen Menschen für sich gewann, ist Legende. Zu seinem schnell aufsteigenden Stern in hohem Maße beigetragen hat sein zuvor erschienenes Buch 'Hoffnung wagen'('The Audacity of Hope'). Hier präsentierte Obama sich als Mann der Integration, als Liberaler im positiven Sinn mit klaren Positionen. Uns allen machte er Hoffnung auf eine Renaissance des 'besseren Amerika'. Nicht wenige wünschen sich Barack Obama heute sehnsüchtig zurück ins Weiße Haus."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum"

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie" (Englisch: Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance) - 1995

Ich wollte dieses Buch schon ewig lesen, aber so ist das eben mit Büchern: Man kauft sie, leiht sich immer mehr aus der Bibliothek oder bekommt welche von Freunden, und der Stapel ungelesener Bücher wird immer länger …

Aber vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft und bin froh, es gelesen zu haben, bevor ein großartiger Präsident sein Amt niederlegte. Ich habe anschließend auch "The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream" (Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream) und "A Promised Land" (Ein verheißenes Land) gelesen, sowie die Bücher seiner Frau Michelle gelesen, alles fantastische Bücher von einem wundervollen Paar.

Mir wurde auf Facebook gesagt, dass dieses Buch voller Lügen sei, aber meine Recherchen haben ergeben, dass dies nur von rechten Zeitungen behauptet wird. Falls also jemand eine verlässliche Quelle findet, kann ich die Kommentare gerne hier hinterlassen, aber ich werde alle beleidigenden und beschimpfenden Beiträge löschen. Dies ist kein politischer Blog, ich schreibe hier nur über die Bücher, die ich lese. Wer Barack Obama hasst, dem empfehle ich, jetzt aufzuhören zu lesen und für das nächste Buch, das ich rezensiere, wiederzukommen. Oder auch nicht.

Eines sollte man beim Lesen dieses Buches bedenken: Diese Memoiren wurden nicht von einem Präsidenten geschrieben. Es wurde nicht einmal von einem Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Es stammt aus dem Jahr 1995, es ist also schon lange her. Er hatte gerade sein Jurastudium abgeschlossen und begann seine politische Karriere. Ich glaube, er wollte ein wirklich authentisches Buch über sein Erbe schreiben.

Eines ist sicher: Obama ist ein großartiger Autor. Seine Worte fließen förmlich über die Seiten, man fühlt sich direkt in seine Geschichte hineinversetzt. Ich hoffe, er wird in Zukunft weitere Bücher schreiben. Ich denke, wir können viel von ihm lernen. Er weiß so viel über Rasse, Politik und Kultur in den USA, seine Erfahrungen werden sicherlich noch viele weitere Veröffentlichungen wert sein. Ich fand es äußerst interessant zu lesen, wie es sich anfühlt, als "schwarzer" Mensch behandelt zu werden. Persönlich, als Europäer, bin ich immer wieder überrascht, dass jemand, der einen schwarzen Großelternteil oder sogar Ururgroßelternteil hat, immer noch als schwarz gilt. Das erinnert mich zu sehr an die dunklen Zeiten meines Landes, als wir die Menschen in Halbjuden, Vierteljuden usw. einteilten und keiner von ihnen als vollwertiger Mensch galt. Und ich glaube, das steckt hier dahinter: Man ist nur dann ein Mensch zweiter Klasse, wenn man schwarz ist. So traurig.

Aber mal abgesehen davon: Wenn ich ihn vorher nicht gemocht hätte, würde ich ihn nach der Lektüre dieses Buches ganz sicher mögen. Er wirkt sehr sympathisch, obwohl er seine Fehler nicht verheimlicht und auch mal zugibt, im Unrecht gewesen zu sein. Natürlich ist es eine Autobiografie, und jeder, der so etwas schreibt, möchte gemocht werden. Aber ich bezweifle, dass er sich das alles ausgedacht hat, nur um eines Tages Präsident zu werden. Er wirkt in seinen Schriften sehr ehrlich. Und es ist eine großartige Möglichkeit, jemanden besser kennenzulernen, der ständig in der Öffentlichkeit steht und täglich von so vielen verschiedenen Leuten dargestellt und verunglimpft wird.

Ich wünsche ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Ich habe größten Respekt vor ihnen allen.

Buchbeschreibung:

"Seit Barack Obama für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat, begeistert er die Menschen: Er verkörpert die weltweite Sehnsucht nach einer Politik des Friedens und der Menschlichkeit. Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen in Hawaii und Indonesien, musste Barack nach seiner Rückkehr in die USA erleben, wie er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Dies weckte seinen Ehrgeiz, der ihm zunächst eine glänzende juristische Laufbahn eröffnete und dann seinen furiosen Aufstieg als Politiker der Demokraten begründete. Wer nun seine Familiengeschichte liest, spürt, dass in ihm auch ein begnadeter Erzähler steckt.

Der Präsident und sein amerikanischer Traum

In diesen großartig erzählten, unsentimentalen Erinnerungen sucht der Sohn eines schwarzen afrikanischen Vaters und einer weißen amerikanischen Mutter nach der Bedeutung seines Lebens als farbiger Amerikaner. Es beginnt in New York, als Barack Obama erfährt, dass sein Vater - für ihn mehr ein Mythos als ein Mensch - bei einem Autounfall ums Leben kam. Dieser plötzliche Tod löst eine Odyssee der Gefühle aus. Sie führt zuerst in eine kleine Stadt in Kansas, von wo aus er den Spuren der Familie seiner Mutter auf der Wanderung nach Hawaii folgt. Dann nach Kenia, wo er dem afrikanischen Teil seiner Familie begegnet und mit der bitteren Wahrheit über das Leben seines Vaters konfrontiert wird. Am Ende führt sie zu einer Versöhnung mit seinem geteilten Erbe."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 23. April 2026

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin"

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen" (Englisch: The Boys in the Boat: Nine Americans and Their Epic Quest for Gold at the 1936 Berlin Olympics) - 2013

Ich habe das Buch im Februar 2015 mit meinem internationalen Lesekreis gelesen. Es ist sehr interessant, wenn man Sachbücher und Geschichten aus dem wahren Leben mag, selbst wenn man – wie ich – kein Sportfan ist. Es geht darin um Menschlichkeit, Durchhaltevermögen, Geschichte …

Die Welt im Jahr 1936. Die Nazis sind die "Gastgeber" der Olympischen Spiele. Hitler will der Welt zeigen, wie brillant sein Land (und seine Partei und seine Rasse) sind. Er würde es vorziehen, wenn keine jüdischen oder farbigen Athleten teilnehmen könnten, aber das widerspricht dem olympischen Geist (obwohl es ihm gelingt, viele von ihnen fernzuhalten). Daher würde er sie lieber besiegt sehen. Was, wie wir alle wissen, nicht immer gelingt. Wer erinnert sich nicht an Jesse Owen, der vier Goldmedaillen im Sprint und Weitsprung gewann?

Eine seiner Hoffnungen ruhte auf dem Ruderwettbewerb, insbesondere auf dem Achter der Männer. "Seine" Mannschaft holte nur Bronze.

Aber es galt nicht nur, die Nazis zu besiegen. Acht Jungen aus den ärmsten Verhältnissen schafften es in ein Ruderteam, das bis dahin ausschließlich aus reichen Studenten von Eliteuniversitäten bestanden hatte. Diese Jungen mussten nicht nur gut rudern, sondern auch gut studieren und arbeiten, um nicht nur sich selbst, sondern in vielen Fällen auch ihre Familien, Geschwister und Eltern zu unterstützen.

Und das ist ihre Geschichte. Einem Mann gelang es, niederzuschreiben, was diese jungen Männer damals durchmachen mussten, wie sie ihren Traum verwirklichten und in einem scheinbar unmöglichen Rennen Gold gewannen.

Daniel James Brown interviewte für dieses außergewöhnliche Buch hauptsächlich Joe Rantz, ein Mitglied des Teams. Rantz musste sich schon früh selbst versorgen, da seine Mutter starb, als er noch klein war, und sein Vater ihn einige Jahre später verließ. Wie er es danach schaffte, einer der erfolgreichsten Sportler zu werden, ist eine lange Geschichte, die sich unbedingt zu lesen lohnt.

Inzwischen gibt es auch einen Film dazu: "The Boys in the Boat".

Buchbeschreibung:

"Sie haben Hitler die Show gestohlen

Berlin, 1936. In einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte ereignete sich im Herzen von Hitlers Stadt ein Wunder: Neun Jungen aus der amerikanischen Provinz gewannen die Olympiade im Rudern und stahlen den Nazis die wohlgeplante Propaganda-Show. Daniel James Brown erzählt in diesem Buch die unglaubliche wahre Geschichte eines der Jungen: Joe Rantz, als Teenager von seiner Familie verlassen und ohne Perspektive im Amerika zur Zeit der großen Depression, schließt sich einem Ruderteam an. Im harten Training zusammen mit acht anderen Jungen, Söhnen von Holzfällern und Bauern, lernt er, anderen und sich selbst wieder zu vertrauen. Doch das Ziel, das die Jungen und ihr Coach sich stecken, ist hoch: sich vor den laufenden Kameras Leni Riefenstahls den deutschen und italienischen Ruderteams zu stellen ..."

Dienstag, 21. April 2026

Vermes, Timur "Er ist wieder da"

Vermes, Timur "Er ist wieder da" - Look who's back - 2012

Ich habe mich immer gefragt, was meine Großmutter, die 1982 gestorben ist, wohl denken würde, wenn sie heute wiedergeboren würde. Was würde sie wohl dazu sagen, dass die Leute in der Stadt herumlaufen und offensichtlich Selbstgespräche führen? Was würde sie denken, wenn sie einen Internetshop sähe? Was für Waren werden dort verkauft? Und was sind diese seltsamen kleinen schwarzen oder manchmal bunten Kästchen, die alle ständig anstarren?

Timur Vermes ging noch einen Schritt weiter. Er holte den schlimmsten Menschen aller Zeiten zurück: Adolf Hitler. Was würde er wohl heute denken? Hoffentlich wäre er enttäuscht, dass sein Traum nicht in Erfüllung gegangen ist, dass niemand mehr an seine "Werte" glaubt. Der Autor beschreibt das auf eine etwas humorvolle, satirische Weise, und obwohl mir die Idee gefällt, hat mich das Lesen doch irgendwie erschaudern lassen, ein seltsames Gefühl ausgelöst.

Ich hoffe, er sähe ein Deutschland, in dem Ausländer jeder Nationalität, Religion und Hautfarbe willkommen sind. Wo Schwule und Lesben genauso behandelt werden wie alle anderen. Wo niemand etwas gegen Roma oder Sinti hat. Oder gegen Menschen mit anderen politischen Ansichten. Denn die Nazis diskriminierten alle, die einer dieser Gruppen angehörten. Und vielen anderen. Mein eigener Großvater wurde als Kommunist beschimpft und verfolgt, nur weil er kein Nazi war und das auch ganz offen gesagt hatte.

Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren darüber nachdachte, als unsere neue Regierung aus einer geschiedenen und wiederverheirateten Bundeskanzlerin (sie ersetzte einen, der viermal verheiratet gewesen war), einem homosexuellen Vizepräsidenten und Außenminister, einem in Asien geborenen Finanzminister, einem behinderten Finanzminister und mehreren Frauen bestand. Hitler hätte keine von ihnen gutgeheißen, und ich bin froh, dass seine "Werte" heute keine Rolle mehr spielen, dass ihr Wissen und ihre Expertise uns mehr bedeuten als ihr Privatleben. Leider passiert auch viel im Moment, das darauf hinzeigt, dass ähnliche Zeiten wieder kommen könnten. Um Himmels willen, nicht!

Ich lese normalerweise gerne Bücher über alternative Geschichte; schließlich sind meine Lieblingsbücher "The Children's War" [Der Kinderkrieg] und "A Change of Regime" [Ein Regimewechsel] von J.N. Stroyar, in denen wir einfach davon ausgehen, dass die Nazis den Krieg gewonnen haben. Aber in jener Geschichte erfahren wir alle, wie schlimm das für alle gewesen wäre.

Trotzdem ist dieser Roman gut geschrieben und spannend. Ich bin aber immer noch nicht ganz zufrieden damit.

Buchbeschreibungcover:

"Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und 'Gefällt mir!'-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte."

Mittwoch, 11. März 2026

Turgenjew, Iwan Sergejewitsch "Väter und Söhne"

Turgenjew, Iwan Sergejewitsch "Väter und Söhne" (Russisch: Отцы и дети/Otzy i deti) - Fathers and Sons - 1862

Ich liebe russische Autoren, wie alle meine Freunde wissen. Aber ich hatte noch nie ein Buch von Turgenjew gelesen. 

War es so gut wie die meisten anderen russischen Autoren, die ich gelesen habe? Ja, absolut. Ich fand es hervorragend, über das Leben in Russland Mitte des 19. Jahrhunderts zu lesen, als sich die Zeiten zu ändern begannen, die Bauern mehr Freiheiten erlangten, die Leibeigenschaft langsam abgeschafft und die gesamte Gesellschaftsordnung in Frage gestellt wurde.

Fast alle Arten von Charakteren wurden in diesem Buch beschrieben: verschiedene Altersgruppen, unterschiedlicher sozialer Status, unterschiedliche Bildung, verschiedene Haushalte, Stadt und Land, Studenten und Bauern, Eltern und Kinder, Frauen und Männer (was in solchen Büchern nicht oft vorkommt).

Laut Wikipedia gilt dies als der erste moderne russische Roman. Das kann ich gut nachvollziehen. Der Wandel stand bevor, und dem Autor gelang es, diese Situation zu Papier zu bringen.

Auf jeden Fall kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Und zwar nicht nur allen, die Klassiker und/oder russische Literatur lieben.

Buchbeschreibung:

"Russland im Jahr 1859. Der Zar geht auf gesellschaftliche Änderungen ein und schafft die Leibeigenschaft ab. Doch die junge Generation will weiterreichende Reformen. Iwan Turgenjew zeigt im Roman 'Väter und Söhne' den Kampf um die 'richtige' Gesellschaftsform für Russland anhand eines zeittypischen Generationskonflikts auf.

Der Sohn eines Gutsbesitzers kommt gemeinsam mit einem guten Freund und vielen neuen Ideen von der Universität zurück auf den Gutshof seines Vaters. Der Gutsbesitzer gehört der zwar freiheitlich beeinflussten, im Kern aber traditionsorientierten älteren Generation an. Er ist an der Einhaltung guter Sitten und der Achtung von Autoritäten orientiert. Auch einen Hang zur Romantik teilt er mit vielen Älteren. Die revolutionäre Jugend lehnt Tradition, Wohlverhalten und Romantik kategorisch ab. Es kommt zu heftigen Diskussionen.

Iwan Turgenjew greift in 'Väter und Söhne' mit feiner Beobachtungsgabe jenen Zeitgeist auf, der wenige Jahrzehnte später zur russischen Revolution führen sollte. Die Diskussion um 'Väter und Söhne' verlief schon kurz nach der Veröffentlichung so heftig, dass Iwan Turgenjew Russland verließ."

Freitag, 20. Februar 2026

MacLaverty, Bernard "Cal"

MacLaverty, Bernard "Cal" (Englisch: Cal) - 1983

Ein schwer zu lesendes Buch. Nicht, weil es seltsam geschrieben ist oder schwierige Wörter enthält. Es liegt einfach am Thema. Die Probleme in Nordirland. Katholiken gegen Protestanten. Bruder gegen Bruder. Vater gegen Sohn. Jeder kann dein Feind sein.

Was für eine traurige Geschichte, was für eine traurige Vergangenheit. Gibt es eine Lösung? Selbst wenn sie jemals gefunden wird, gibt es in diesem Buch nichts, was uns Hoffnung gibt. Und selbst wenn, wäre es nicht so authentisch.

Der Autor vermittelt einem das Gefühl, dass die Figuren in ihrem Leben, ihrem Umfeld, ihrer Rolle in der Gesellschaft gefangen sind. Für einen Jungen in Belfast gibt es keine Hoffnung, er bekommt keine vernünftige Ausbildung und selbst mit einer vernünftigen Ausbildung keine Arbeit.

Cal versucht sein Bestes, um da rauszukommen. Er arbeitet sogar als Landarbeiter, obwohl er keine Erfahrung mit der Arbeit auf einem Bauernhof hat, wahrscheinlich war er noch nie auf einem Bauernhof, bevor er eingestellt wurde. Und dann ist da noch seine Liebe zu einer jungen Witwe. Kein einfaches Leben. Aber was tun, wenn man keine andere Wahl hat?

Wenn ihr gerne über unterschiedliche Geschichtsthemen lest und verstehen möchtet, was Menschen durchmachen, ist dieses Buch genau das Richtige. Es wurde vor etwa vierzig Jahren geschrieben, wirkt aber immer noch so authentisch wie damals. Bernard MacLaverty gelingt es, den gesamten Konflikt in diesem recht kurzen (160 Seiten) Buch zu fassen.

Wir sind inzwischen in Belfast gewesen, und es ist eine wirklich interessante und schöne Stadt, aber man merkt immer noch, wie die "Troubles" nachwirken.

Buchbeschreibung:

"Der junge katholische Arbeitersohn Cal McClasky wohnt in einer protestantischen Wohnsiedlung in Nordirland. Die Konflikte beginnen, als er sich in Marcella verliebt, die Witwe des Polizisten, bei dessen Ermordung durch die IRA er geholfen hat."

Freitag, 6. Februar 2026

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung"

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung" (Englisch: First they killed my father. A Daughter of Cambodia Remembers) - 2000

Das Buch wurde einem unserer Mitglieder von einer Freundin empfohlen. Wir schätzten die Informationen über die Roten Khmer. Es ist so lange her. Wenn wir es lesen, erinnern wir uns besser an die Geschichte als durch trockene Artikel. Da die Memoiren aus der Sicht einer Fünfjährigen geschrieben wurden, wirkten sie manchmal etwas naiv und schwarz-weiß. Ihr Vater war ihr Held, obwohl er als Teil der ehemaligen Regierung auch Fehler gemacht haben musste.

Die Geschichte war nicht nur deprimierend, wir wussten, dass sie überlebt hatte. Wir lernten, dass es keine einfache Lösung gibt und dass Demokratie auch gefährlich ist. Dieses Buch zeigt, wie grausam Menschen sein können, wie man manche an etwas glauben lassen kann, das es ihnen erlaubt, andere Menschen auf unmenschlichste Weise zu behandeln. Manchmal tut es gut, lange Zeit später über die Ereignisse zu lesen. Außerdem bedeuten uns Sihanouk, Pol Pot, die Roten Khmer, Kambodscha heute mehr. Dieses Buch sollte auf der Leseliste der weiterführenden Schulen stehen.

Ich bin wirklich froh, dass wir dieses Buch gelesen haben, vor allem, nachdem wir nicht besonders zufrieden waren mit dem nordkoreanischen Buch, das wir gelesen hatten ("Somewhere Inside: One Sister's Captivity in North Korea and the Other's Fight to Bring Her Home" von Laura und Lisa Ling).

Mir gefiel, wie Loung Ung die Geschichte aus ihrer Kindheitsperspektive erzählte und wie sie sich in dieser Zeit veränderte. Wie viel sie durchmachen musste, den Tod ihrer geliebten Schwester, dann ihres Vaters, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester. Wie kann jemand so Kleines all diese schrecklichen und grausamen Tode ertragen? Sie wusste, was sie jedem von ihnen wahrscheinlich angetan hatten, besonders ihrem Vater. Besonders leid tat sie mir, als sie im Trainingslager so tun musste, als wäre sie jemand anderes.

Was ich aus diesem Buch gelernt habe, war etwas, das ich schon wusste: Krieg ist schrecklich, ob Bürgerkrieg oder nicht. Und jeder, der mit seinem Schreiben zu diesem Gedanken beiträgt, leistet großartige Arbeit. Die Schwächsten leiden am meisten.

Dieses Buch hat noch zwei Fortsetzungen, leider beide nicht ins deutsche übersetzt, "Lucky Child: A Daughter of Cambodia Reunites with the Sister She Left Behind" (Glückliches Kind: Eine Tochter Kambodschas trifft ihre zurückgelassene Schwester wieder) und "Lulu in the Sky: A Daughter of Cambodia Finds Love, Healing, and Double Happiness" (Lulu im Himmel: Eine Tochter Kambodschas findet Liebe, Heilung und doppeltes Glück). Ich würde diese auch gerne lesen.

Wir haben darüber im April 2013 in unserem internationalen Lesekreis gesprochen.

Buchbeschreibung:

"Nach einunddreißigstündigem Flug über den Pazifik sieht die Besucherin aus Amerika endlich ihre Heimat unter sich auftauchen. Es herrscht Regenzeit in Kambodscha, große Teile des Landes sind von silbrig schimmernden Wasserflächen bedeckt. Voll schwerer Gedanken reist Loung Ung noch einmal zurück in die Schreckenstage ihrer Kindheit.

Eine Kindheit, die für das damals fünfjährige Mädchen eine einzige, nicht enden wollende Fahrt mitten ins Herz der Finsternis bedeutete. Phom Penh, April 1975: Einmarsch der Roten Khmer in die Hauptstadt. Pol Pots Maßnahmen zur Schaffung einer klassenlosen Agrargesellschaft werden brutal in die Tat umgesetzt. Unter dem Vorwand, amerikanische Bombenangriffe stünden bevor, treiben die Truppen die Einwohner Phnom Penhs gnadenlos aufs Land. Der wahre Grund: Pol Pots Befehl zur Ausradierung der Metropolen!

Im beschaulichen Leben der Ungs ist plötzlich nichts mehr wie es war. Eben noch zur gehobenen Mittelschicht Pnomh Penhs zählend, befindet sich die Großfamilie unversehens zusammengepfercht in einem klapprigen Wagen auf der Flucht zu Verwandten auf dem Land. Der kleinen Loung wird eingetrichtert, kein Wort über den privilegierten Stand ihrer Familie zu verlieren, da dies einem Todesurteil gleich käme.

Was nun folgt, ist ein Kriegsalbtraum, der einem die Tränen in die Augen treibt. Loung Ungs lange Flucht, ihre Ausbildung zum Kindersoldaten, der Überlebenskampf der Brüder und Schwestern in den Arbeitslagern, der mörderische Marsch durch die berüchtigten Killing Fields -- schließlich der Verlust der Eltern, ein Horror, der eine Kindheit schlagartig beendet. Allein die Schilderung der "Hinrichtung" eines Khmers nach der Befreiung durch die Vietnamesen (eine wütende Frau schlägt den ehemaligen Peiniger mit einem Hammer tot wie einen Hund), dürfte jedes Kind auf immer traumatisieren."

Mittwoch, 7. Januar 2026

Liao, Yiwu "Für ein Lied und hundert Lieder"

Liao, Yiwu/Lao Wei "Für ein Lied und hundert Lieder: Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen" (Chinesisch: 證詞/Zheng-Ci) - Testimonials or: For a Song and a Hundred Songs: A Poet's Journey Through a Chinese Prison - 2000 

Ich habe die erweiterte deutsche Übersetzung des chinesischen Buches gelesen. Er hat gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Das Buch beschreibt die grausame Behandlung von Liao Yiwu und anderen politischen Gefangenen in einem Gefängnis in Chongqing, die nach der Razzia am 4. Juni 1989 verhaftet wurden.

Es ist erschreckend zu lesen, was Menschen in chinesischen Gefängnissen durchmachen müssen. Dieses Buch ist lesenswert, aber es zeigt auch schreckliche Bilder dessen, was sie einander antun. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen so sein können.

Was für ein tragischer Bericht über so viele verlorene und vergeudete Leben. Manchmal dachte ich: "Will ich das wirklich alles wissen?" Aber dann machte ich weiter, denn wenn Menschen diese Folter ertragen können, sollten wir uns zumindest bemühen, darüber Bescheid zu wissen. Wie viel kann ein Mensch ertragen?

Da Yiwu Liao ein Dichter ist, enthält das Buch auch viel Poesie, sowie viel chinesische Geschichte und Literatur und Informationen über das chinesische Leben und Denken. Mein Lieblingszitat lautet: "Wasser in der Ferne wird deinen jetzigen Durst nicht stillen."

Buchbeschreibung:

"Ein großes literarisches Zeugnis über das Menschsein in widrigsten Umständen

Bis zum Vorabend des 4. Juni 1989 führt Liao Yiwu das Leben eines so unbekannten wie unpolitischen Hippie-Poeten. Doch mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ist schlagartig alles anders. Nachdem Liao ein kritisches Gedicht verfasst hat, wird er zu vier Jahren Haft im Gefängnis und in einem Arbeitslager verurteilt.

In seinem großen Buch schildert Liao auf literarisch höchst eindringliche Weise die brutale Realität seiner Inhaftierung. Dabei ist er schonungslos, auch sich selbst gegenüber: Er beschreibt, wie er und seine Mithäftlinge zu Halbmenschen degradiert werden und dabei manchmal selbst vergessen, was es bedeutet, Mensch und Mitmensch zu sein.

Liao Yiwu zeigt sich in diesem eindrucksvollen Buch abermals als einer der ganz großen Autoren Chinas, als einer der sprach- und bildmächtigsten Schriftsteller unserer Zeit.
"

Yiwu Liao hat 2012 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Dienstag, 30. Dezember 2025

Roy, Arundhati "Der Gott der kleinen Dinge"

Roy, Arundhati "Der Gott der kleinen Dinge" (Englisch: The God of Small Things) - 1997

Eine Tragödie voller Vernachlässigung, Missbrauch und Betrug, eine fast poetische Erzählung. Klingt interessant.

Ich habe allerdings ein ziemlich ambivalentes Verhältnis zu Booker-Preisträgern: Entweder liebe ich sie oder ich hasse sie. Manche von ihnen mag ich so wenig, dass sie zu den schlechtesten Büchern gehören, die ich je gelesen habe.

Dieser Roman hatte eine seltsame Wirkung auf mich. Ich lese gerne über Indien und habe einiges aus Indien gelesen und sehr genossen (siehe hier). Ich wollte immer wissen, wie die Geschichte weitergeht, was mit den Figuren passiert – das war das Gute an diesem Buch.

Aber die Figuren – da war keine einzige, die mir gefiel, na ja, vielleicht eine, aber die kam im Roman nicht besonders gut rüber. Die Geschichte springt hin und her, ich nehme an, der Autor wollte Spannung aufbauen. Normalerweise mag ich diesen Stil ganz gern, hier war er einfach nur nervig. Eine sehr düstere und hoffnungslose Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Ein himmelblauer Straßenkreuzer fährt an einem klaren Dezembermorgen des Jahres 1969 durch die Reisfelder des südindischen Kerala. Doch was als sonnendurchflutete Autofahrt beginnt, endet in einer Tragödie...

Voller Sprachmagie erzählt Arundhati Roy die atemberaubende und schillernde Geschichte einer Familie, die an verbotener Liebe zerbricht.
"

Arundhati Roy gewann 1997 den Booker Prize für "The God of Small Things".

Dienstag, 16. Dezember 2025

Mandela, Nelson "Der lange Weg zur Freiheit"

Mandela, Nelson "Der lange Weg zur Freiheit" (Englisch: Long Walk to Freedom) - 1994

Dieses Buch stand schon lange auf meiner Liste, aber erst ein anderer Lesekreis es auf seine Liste gesetzt hat, konnte ich es endlich lesen .

Ich habe Nelson Mandela immer dafür bewundert, wie er sein Leben bewältigte, für seinen Kampf gegen Unterdrückung, für seinen Freiheitskampf. Ich meine, wer würde das nicht? Er ist einer der größten Helden unserer Zeit, und die Welt wäre ein besserer Ort, wenn jeder nur ein bisschen von Nelson Mandela in sich hätte.

Das Buch hat meine Meinung über ihn nicht geändert. Wenn überhaupt, hat es meine Bewunderung verstärkt. Ich habe so viel von diesem Mann gelernt, nur indem ich seinen Gedanken in seiner Autobiografie gefolgt bin. Ich hoffe, ich kann zumindest etwas davon in meinem Leben anwenden.

Wie wird man damit fertig, fast dreißig Jahre lang im Gefängnis zu sein? Und nicht nur die Inhaftierung, auch die Situation in diesen Gefängnissen war nicht gerade ideal, nicht das, was man erwarten würde, wenn man für ein Verbrechen, das man in unseren westlichen Ländern begehen würde, inhaftiert werden müsste, für ein Verbrechen, das man tatsächlich begangen hat, nicht für den Kampf für einige der Grundrechte, die jedem Menschen zustehen sollten.

Von seiner Kindheit bei einem afrikanischen Häuptling über sein Jurastudium bis hin zu seinem Engagement für die Bekämpfung der grausamen Auswirkungen des Rassismus in seinem Land hat sich dieser Mann gegen jedes Unrecht, das der Unschuld zugefügt wurde, zur Wehr gesetzt. Er erhielt den Friedensnobelpreis, und wohl niemand hat ihn mehr verdient.

Was bleibt zu sagen, als: Jeder sollte dieses Buch lesen.

Buchbeschreibung:

"Kaum ein anderer Politiker dieses Jahrhunderts symbolisierte in solchem Maße die Friedenshoffnungen der Menschheit und den Gedanken der Aussöhnung aller Rassen auf Erden wie der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, dessen Rolle für seinen Kontinent mit der Gandhis für Indien verglichen wurde. Seine trotz langer Haft ungebrochene Charakterstärke und Menschenfreundlichkeit haben nicht nur die Bewunderung seiner Landsleute, sondern aller friedenswilligen Menschen auf der Welt gefunden. Obwohl als Häuptlingssohn, hochgebildeter und sprachenkundiger Rechtsanwalt gegenüber der schwarzen Bevölkerung privilegiert, war er doch nicht von vornherein zum Freiheitskämpfer und international geachteten Politiker prädestiniert. Erst die fast drei Jahrzehnte währende Gefängnishaft hat ihn zum Mythos der schwarzen Befreiungsbewegung werden lassen. Nelson Mandelas Lebensgeschichte ist über die politische Bedeutung hinaus ein spannend zu lesendes, kenntnis- und faktenreiches Dokument menschlicher Entwicklung unter Bedingungen und Fährnissen, vor denen die meisten Menschen innerlich wie äußerlich kapituliert haben dürften."

Nelson Mandela erhielt 1993 zusammen mit Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis "für ihren Beitrag zur Beendigung der Apartheid in Südafrika"

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Samstag, 13. Dezember 2025

Gogol, Nikolai "Gogols Mantel. Erzählungen aus Russland"

 

Gogol, Nikolai (Никола́й Васи́льевич Го́голь, Nikolay Vasilyevich Gogol) "Gogols Mantel. Erzählungen aus Russland" (Russisch: Шинел/Shinyeliь) - The Overcoat. Stories from Russia - 1842 et al.

Dies ist eine Sammlung russischer Kurzgeschichten, beginnend mit "Der Mantel" von Nikolai Gogol. 

Ich lese sehr gerne russische Romane. Auch diese Kurzgeschichten waren fantastisch. Lustigerweise war meine Lieblingsgeschichte die wohl fantastischste von allen: "Pkchenz" von Andrei Sinjawski, der unter dem Pseudonym Abram Tertz schrieb. Das half ihm allerdings nicht viel, denn der KGB fand heraus, wer sich hinter diesem Namen verbarg, und deportierte ihn in ein Arbeitslager.

Als ich das Buch fand, dachte ich, es enthielte mehrere Geschichten von Gogol. Dem war aber nicht so; es enthielt nur "Der Mantel". Die anderen Geschichten sind jedoch ebenfalls fantastisch. Sogar ein Nobelpreisträger war dabei: Iwan Bunin, der als erster Russe diese prestigeträchtige Auszeichnung erhielt.

"Der Mantel" wurde im Oktober 2018 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Gogol, Nikolai (Никола́й Васи́льевич Го́голь, Nikolay Vasilyevich Gogol) "Der Mantel" (RussischШинель/Shinel) - The Overcoat - 1842
Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob euch russische Literatur gefällt, ist dies ein perfektes Beispiel. Eine einfache Geschichte über einen Mann, der sich einen Mantel kauft, und doch steckt so viel darin über Russland und seine Seele. Unglaublich. Eine Geschichte, die ich wohl immer wieder lesen werde.
Berühmtes Zitat von Dostojewski: "Wir alle stammen aus Gogols 'Mantel'." Treffend formuliert. Klappentext: "Ein aufrichtiger junger Angestellter bringt große Opfer, um einen Mantel von unschätzbarem Wert und großer Macht zu erlangen."

Dostoevskij, Fjodor "Die Sanfte" (RussischКроткая/Krotkaja) - A Gentle Creature (aka The Gentle Spirit) - 1876
Dostojewski ist einer meiner Lieblingsautoren aus Russland, und diese Kurzgeschichte steht seinen großen Romanen in nichts nach. Darin schildert er Anfang und Ende einer Beziehung und wie es dazu kam. Unglaublich, wie viel er auf so wenigen Seiten ausdrücken kann.
Klappentext: "In dieser packenden Studie über Verzweiflung, die auf einem wahren Ereignis beruht, trauert ein Pfandleiher um seine Frau, ein stilles, sanftes junges Mädchen. Warum hat sie sich das Leben genommen? Hätte er es verhindern können? Diese Fragen quälen den Pfandleiher, während er vergangene Ereignisse und kleine Begebenheiten, Stimmungsschwankungen und flüchtige Blicke zusammensetzt, auf der Suche nach einer Antwort, die seinen Schmerz lindern kann. In dieser Kurzgeschichte schildert Dostojewski meisterhaft Verzweiflung, Gier, Manipulation und Selbstmord."

Tolstoi, Leo (Толстой, Лев Николаевич) "Der Tod des Iwan Iljitsch" (RussischСмерть Ивана Ильича/Smert' Ivána Ilyichá) - The Death of Ivan Ilyich - 1886

Ich habe dies schon einmal gelesen, da es in Tolstois "Gesammelten Werken" enthalten war. Wieder einmal ein sehr russisches Werk. Eine Betrachtung über den Tod und seine Auswirkungen nicht nur auf den Sterbenden, sondern auch auf seine Angehörigen. Es gibt Menschen, die versuchen, das Leben so gut wie möglich zu genießen, es in vollen Zügen auszukosten, andere, die aufgeben und nichts mehr haben.
Wenn ihr russische Literatur in ihrer schönsten Form erleben möchtet, aber keine langen Geschichten mögt, versucht es mit diesem. Es ist ein großartiges Werk dieses brillanten Autors.
Klappentext: "Tolstois berühmteste Novelle ist eine intensive und bewegende Auseinandersetzung mit dem Tod und der Möglichkeit der Erlösung. Iwan Iljitsch ist ein Mann mittleren Alters, der sein Leben seiner Karriere als Beamter gewidmet und sich emotional von seiner Frau und seinen Kindern distanziert hat. Nach einem Unfall steht er am Rande eines vorzeitigen Todes, den er als schreckliche Ungerechtigkeit empfindet. Angesichts seiner Sterblichkeit beginnt Iwan, alles, was er über den Sinn des Lebens zu glauben glaubte, infrage zu stellen. Der Tod des Iwan Iljitsch ist ein Meisterwerk psychologischen Realismus und philosophischer Tiefe, das Generationen von Lesern inspiriert hat."

Chekhov, Anton Pavlovich (Антон Павлович Чехов) "Die Dame mit dem Hündchen" (RussischДма с собачкой/Dama s sobachkoy) - The Lady with the Dog - 1899
Ach, die Probleme der Oberschicht (heute würden wir wohl sagen: Luxusprobleme), die nichts von den Problemen des kleinen Mannes wissen, der sich abrackern muss, damit seine Familie nicht verhungert. Oft liest man über Letzteres, aber dies ist eine Geschichte über Ersteres. Großartig geschrieben.
Ich habe diese Geschichte schon einmal in der Sammlung "In der Sommerfrische" (Summer Holidays)  gelesen.
Klappentext: "Diese Kurzgeschichte beschreibt eine außereheliche Affäre zwischen einem unglücklich verheirateten Moskauer Bankier und einer jungen verheirateten Frau, die beginnt, als beide allein Urlaub in Jalta machen. Sie ist eine von Tschechows berühmtesten Kurzgeschichten, und Wladimir Nabokow hielt sie für eine der größten Kurzgeschichten aller Zeiten."

Babel, Isaak Emmanuilowitsch (Исаак Эммануилович Бабель) "Die Reiterarmee" (RussischКонармия/Konarmiya) - Red Cavalry - 1926
Isaak Babel, ein Augenzeuge des Bürgerkriegs, als die Kosakenkavallerie nach dem Ersten Weltkrieg in Polen einmarschierte, beschreibt den Angriff auf einen Zug und die darauffolgende Tötung von neun Gefangenen. Dies ist nur eine der Geschichten aus dieser Sammlung, die allesamt großartig sein müssen.
Klappentext: "Basierend auf Babels Tagebüchern aus dem Russisch-Polnischen Krieg von 1920 ist 'Die Reiterarmee' eine lyrische, schonungslose und oft erschreckend ironische Schilderung der Gewalt und des Schreckens des Krieges. Als Klassiker der modernen Literatur sind die Kurzgeschichten heute noch genauso kraftvoll wie vor fast einem Jahrhundert, als sie die russische Literaturlandschaft eroberten. Der Erzähler, ein russisch-jüdischer Intellektueller, ringt mit den Spannungen seiner doppelten Identität: Realität und Fiktion verschmelzen; die derbe Sprache der Soldaten trifft auf einen gehobenen literarischen Stil; Kulturen, Religionen und unterschiedliche Gesellschaftsschichten prallen aufeinander. Schockierend, bewegend und innovativ – 'Rote Kavallerie' ist eines der Meisterwerke der russischen Literatur."

Charms/Kharms, Daniil (Дании́л Ива́нович Хармс) "Interruption" (Russisch: помеха/Pomeha)
Samlung: Russian Absurd und Даниил Хармс. В двух томах. Том 1/Daniil Kharms. V dvukh tomakh. Tom 1
Artikel: Three New Decrees (Авиация превращений/Aviacija prevrashhenij) (original: Собрание сочинений в 3 томах/Sobraniye sochineniy v 3 tomakh)
Eine weitere Kurzgeschichte aus einer Sammlung. Sehr futuristisch.
Es ist nur eine sehr kurze Geschichte, drei Seiten lang. Ich habe einige Kurzgeschichtensammlungen von Daniil Charms gefunden und hoffe, dass sie in einer davon enthalten ist.
Meiner Meinung nach war sie viel zu kurz; ich hätte gern mehr gelesen.
Klappentext: "Daniil Charms, ein Schriftsteller, der sich jeder Kategorisierung entzieht, gilt heute als einer der wichtigsten Künstler der modernen Avantgarde. Sein Werk, das Performance-, Erzähl-, Gedicht- und visuelle Elemente vereint, wurde zu seinen Lebzeiten weitgehend unterdrückt. Er starb während der Leningrader Blockade in einer psychiatrischen Klinik an Hunger. Sein Werk, das größtenteils in Notizbüchern erhalten ist, zählt heute zu den Säulen der absurden Literatur, die in den 1920er und 30er Jahren in der Sowjetunion am deutlichsten durch die Gruppe OBERIU zum Ausdruck kam. Diese führte das Erbe des russischen Futurismus von Dichtern wie Wladimir Majakowski und Welimir Chlebnikow fort. Diese Auswahl an Prosa und Lyrik bietet das bisher umfassendste Porträt des Schriftstellers in englischer Übersetzung, zeichnet den Verlauf seiner Karriere nach und enthält eine besonders großzügige Auswahl seiner späteren Werke."

Bunin, Ivan Alekseyevich (Иван Алексеевич Бунин) "In Paris" (Russisch: в Париже/v Parizhe) - 1943
Sammlung: Dunkle Alleen/Dark Avenues (oder Dark Alleys) (RUS: Тёмные аллеи/Tyomnyie alleyi)
Ivan Bunin war Emigrant und kannte die russische Kultur daher aus der Ferne. "In Paris" erzählt die Geschichte russischer Emigranten – genau – in Paris, wo er lange lebte.
Da ich selbst lange im Ausland gelebt habe, konnte ich viele seiner Anspielungen nachvollziehen. Diese Kurzgeschichte ist sehr interessant, und ich würde gerne mehr von diesem Autor lesen.
Klappentext: "'Dunkle Alleen' eines der größten Werke der russischen Emigrantenliteratur des 20. Jahrhunderts, führte Bunins poetische Sprachbeherrschung zu neuen Höhen. Die zwischen 1938 und 1944 entstandene und vor dem Hintergrund der russischen Kultur- und Geschichtskrisen der vorangegangenen Jahrzehnte angesiedelte Kurzgeschichtensammlung kreist um düstere, erotische Beziehungen. Die Liebe – in ihren vielfältigen Formen – ist das verbindende Motiv in einer reichen Bandbreite von Erzählungen, die sich durch die eindringliche, elegische und elegante Prosa auszeichnen, für die Bunin berühmt ist."
Iwan Alexejewitsch Bunin erhielt 1933 den Nobelpreis für Literatur "für die strenge Kunstfertigkeit, mit der er die klassischen russischen Traditionen im Prosaschreiben fortgeführt hat". Er war der erste russische Autor, dem diese Ehre zuteil wurde.

Terz, Abram (Абрам Терц), Andrei Donatowitsch Sinjawski (Андрей Донатович Синявский) "Pchenz" (RussischПхенц/Pkhenz) - 1959
Sammlung: Fantastic Stories 
Eine Science-Fiction-Geschichte. Normalerweise nicht so mein Genre, obwohl ich schon einige gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. So wie diese hier. Wahrscheinlich die Geschichte, die jedem Leser dieser Sammlung am längsten im Gedächtnis bleiben wird.

Ich kann den Vergleich mit Kafka nachvollziehen, obwohl mir diese hier deutlich besser gefällt. Klappentext: "Abram Terz ist das Pseudonym von Andrei Sinjawski, dem sowjetischen Dissidenten im Exil, dessen Werke mit denen von Fabulierern wie Kafka und Borges verglichen wurden. Terz’ Schauplätze sind exotisch und doch vertraut und ebenso fesselnd wie die von Wahnsinnigen und Mystikern. Diese Ausgabe enthält die alptraumhafte Geschichte 'Pchenz', die in der ersten englischen Ausgabe fehlte."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.