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Dienstag, 28. Juni 2022

Gauck, Joachim "Winter im Sommer - Frühling im Herbst"

Gauck, Joachim "Winter im Sommer - Frühling im Herbst: Erinnerungen" [Winter in Summer, Spring in Autumn. Memories] - 2009

Neben Richard von Weizsäcker war Joachim Gauck wohl mein Lieblingspräsident. Männer (oder auch Frauen) wie ihn könnten wir heute auch noch gut gebrauchen. Leider scheinen die immer seltener zu werden.

In diesem Buch können wir auf jeden Fall einiges über sein Leben vor seiner Präsidentschaft lesen. Wie er sich zu dem Präsidenten entwickelte, der er war. Was alles dazu beigetragen hat.

Er beschreibt das Leben in der Diktatur der DDR sehr eingehend, so dass es sich auch Leute vorstellen können, die sich bislang nicht damit befasst haben und die irgendwie der Meinung waren, "na ja, sie haben doch genug zu essen, was wollen sie eigentlich".

Definitiv eine sehr informative Lektüre, die ich jedem ans Herz legen möchte. Und der Titel des Buches macht dann auch Sinn.

Buchbeschreibung:

"Erinnerungen eines friedlichen Revolutionärs

Joachim Gauck verlebte seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste. Später studierte er Theologie in Rostock und fand seinen Weg in die Kirche in Mecklenburg. Distanz zum DDR-System prägte seine Tätigkeit von Anfang an. Wie selbstverständlich wurde er Teil einer kritischen Bewegung und schließlich zu einer Symbolfigur im Umbruch von 1989. Nach dem Mauerfall übernahm Gauck politische Verantwortung, er wurde Abgeordneter im ersten freien Parlament der DDR und erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Der Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen blieb als Redner und Kommentator sein großes Thema, auch als er nach zehn Jahren aus dem Amt ausschied.
"

Joachim Gauck war Präsident der Bundesrepublik Deutschland von 2012 bis 2017.

Samstag, 25. Juni 2022

Neumann, Eva-Maria "Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit"

Neumann, Eva-Maria "Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit. Die Geschichte einer gescheiterten Republikflucht" [They Didn't Just Take My Freedom] - 2007

Eines der besten Bücher, die man lesen kann, wenn man wissen möchte, wie das Leben in der ehemaligen DDR war für diejenigen, die mit dem System nicht übereinstimmten. Die Geschichte eines Ehepaares, das sich nicht immer anpassen möchte, das in den Fängen der SED, der Partei gefangen scheint und daher beschließt, das Land zu verlassen. Als sie bei der Flucht gefangen werden, wird ihnen nicht nur die Freiheit genommen, sondern ihre Tochter und ihre Zukunft.

Ein schrecklicher Bericht über eine Zeit, die zum Glück der Vergangenheit angehört. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen.

Buchbeschreibung:

"Im Kofferraum eines Mercedes versucht eine Familie aus der DDR in den Westen zu fliehen. Doch sie werden verraten und an der Grenze festgenommen. Die Eltern und die dreijährige Tochter werden auseinandergerissen, für die junge Geigerin Eva-Maria Neumann beginnt eine traumatische Haftzeit im berüchtigtsten Frauengefängnis der DDR. - Der ergreifende Bericht über eine gescheiterte DDR-Flucht und deren Folgen, ein dunkles Kapitel deutsch-deutscher Geschichte."

Montag, 16. Mai 2022

Schulze, Ingo "Simple Storys"

Schulze, Ingo "Simple Storys: Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz" [Simple Storys: A Novel from the East German Province] - 1998

Kurzgeschichten sind eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Aber 30 Jahre nach dem Fall der Mauer fanden wir es eine gute Idee, so ein Buch anzupacken.

Wie in all diesen Sammlungen von zusammengewürftelten Erzählungen, die nicht viel gemeinsam haben, kratzt der Autor auch hier nur an der Oberfläche. Wenn auch die ein oder andere Geschichte ganz interessant ist, hätten sie alle für meinen Geschmack länger sein können, tiefer gehen können. Dass man sich in die Personen nicht hineinversetzen kann, liegt sicher zum größten Teil daran, dass wir sie kaum kennenlerne, dass sie einfach zu anonym bleiben, als dass wir auch nur ein wenig ihr Schicksal einsehen könnten. Schade.

Das beste Buch, dass ich bislang über die ehemalige DDR gelesen habe, bei der man an dem Leben der Menschen teilhaben kann, ist "Der Turm" (The Tower) von Uwe Tellkamp. Aber das war den anderen Lesekreismitgliedern zu lang.

Wir haben dieses Buch im November 2010 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Mit seinem lakonischen, gänzlich unpathetischen Stil an die Tradition der amerikanischen Short Story anknüpfend, erzählt Schulze scheinbar einfache Geschichten. Was den Bewohnern der ostthüringischen Kleinstadt Altenburg, eines in der DDR verfallenen architektontichen Kleinods inmitten von Uran- und Kohleabbau, in diesem 'Simplen Storys' widerfährt, erscheint auf den ersten Blick nicht weiter ungewöhnlich. Und doch offenbart sich in den vielen kleinen Alltagsbegebenheiten das Zusammenstürzen einer ganzen Welt, jener traumatische Bruch, der sich nach 1990 durch so viele ostdeutsche Biographien zieht. Und so zeichnet er völlig unsentimental die Hoffnung und Hilflosigkeit, die Irrungen und Wirrungen und vielen tragikomischen Situationen, mit denen die Bewohner der ehemaligen DDR tagtäglich konfrontiert werden - befreit von einer Mauer, die sowohl Tragödien zeitigte als auch Sicherheiten gewährte."