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Samstag, 13. Juni 2026

Talshir, Anat "Über uns die Nacht"

Talshir, Anat "Über uns die Nacht" (Hebräisch: אם אשכך ירושלים/Im Eshkahekh) - About the Night oder If I Forget Thee- 2010

Eine wunderschöne Geschichte über eine Liebe, die alle Hindernisse überwindet, obwohl dennoch viele Schwierigkeiten auftreten. Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Lila und Elias, sondern auch die Geschichte Israels, die Geschichte der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung und die schwierige Vergangenheit dieses Landes. Ich habe schon viele Bücher über diesen Teil der Welt gelesen und finde es immer faszinierend, aber dieses Buch hat mich sehr berührt.

Natürlich kann es vor diesem Hintergrund nur eine traurige Liebesgeschichte sein, aber sie ist trotzdem wunderschön.

Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt Nomi, ein junges Nachbarmädchen, das die neue Generation repräsentiert. Wir erfahren auch viel über das Leben im heutigen Israel.

Anat Talshir ist Journalistin und wurde für ihre investigativen Dokumentarfilme mehrfach ausgezeichnet. Dies ist ihr erster Roman, und ich hoffe, sie wird weitere schreiben, denn ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?"

Montag, 2. März 2026

Grossman, David "Zickzackkind"

Grossman, David "Zickzackkind" (Hebräisch: יש ילדים זיגזג/Jesh Jeladim) - The Zig Zag Kid - 1994

Eine faszinierende Geschichte über einen Jungen, der erwachsen wird, seinen Weg findet und Antworten auf so viele Fragen findet, von denen er nicht einmal wusste, dass er sie hatte. Nonno, der Zickzack-Junge, der anders ist als andere Kinder, und das nicht nur, weil seine Mutter starb, als er klein war.

Er soll seinen Onkel in Haifa besuchen, wird aber stattdessen von einem rumänischen Verbrecher entführt. Nur hat er nicht das Gefühl, entführt zu werden, es ist alles ein großes Abenteuer.

Die Geschichte ist mysteriös, ich konnte nicht aufhören zu lesen. Sie ist witzig, es gibt so viel zu lachen. Besonders gefällt mir Felix Glick, der Entführer, dessen Vor- und Nachname beide Glück bedeuten – der eine auf Latein, der andere auf Jiddisch. David Grossman schafft es, faszinierend zu schreiben, er fesselt die Aufmerksamkeit und regt zum Nachdenken an. Wir versuchen, die Denkweise des 13-jährigen Nonno zu verfolgen, der von seiner neuen Umgebung beeindruckt ist. Und mit der Hilfe dieses brillanten Autors gelingt uns das sogar.

Ich habe dieses Buch in der deutschen Übersetzung gelesen. Dies war erst das zweite Buch dieses Autors, das ich gelesen habe, aber sicherlich nicht das letzte.

Buchbeschreibung:

"An seinem dreizehnten Geburtstag feiert Nono Bar Mizwa. Aus diesem Anlass, dem Abschied von der Kindheit, hat sein Vater sich ein Detektivspiel ausgedacht. Er schickt Nono auf eine Reise mit dem Auftrag, in der Eisenbahn jemanden zu finden und mit den Worten: Wer bin ich? anzusprechen. Pech nur - oder auch Glück -, dass sich Nono für die falsche Person entscheidet, für Felix Glick nämlich, den alten Gentleman-Ganoven, dessen Spielchen von ganz anderer Art sind, als die seines Vaters. Als Nono am Ende herausfindet, dass Glick sein Großvater ist, erfährt er auch die Wahrheit über die unmögliche Liebe seiner Eltern, die ihn zum 'Zickzackkind' gemacht hat."

David Grossman erhielt 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar machterhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 24. November 2025

Keneally, Thomas "Schindlers Liste"

Keneally, Thomas "Schindlers Liste" (Englisch: Schindler's Ark) - 1982

Ich wollte dieses Buch schon lange lesen, und als ich darauf stieß, nutzte ich die Gelegenheit und begann zu lesen.

Natürlich kennt jeder die Geschichte von Oskar Schindler und davon, dass er Tausende von Juden vor der Ermordung in einem der vielen Konzentrationslager rettete, die die Nazis zu diesem Zweck errichtet hatten.

Zugegeben, die Geschichte ist herzzerreißend. Trotz all der Informationen, die wir heute über die damaligen Ereignisse haben, ist es für mich immer noch unfassbar, wie Menschen so handeln konnten. Jedes Mal, wenn ich davon lese, erscheint es mir unmöglich, aber wir wissen, dass es wirklich passiert ist.

Der Autor hat großartig recherchiert, und das Buch enthält so viele Details – er muss sehr hart daran gearbeitet haben.

Aber es ist schwer zu lesen. Nicht nur wegen des Inhalts. Mir gefiel der Schreibstil nicht. Es war kein flüssiger Lesefluss, vieles in der Geschichte wirkte so zusammenhanglos, als hätte der Autor seine Informationen gesammelt, zusammengewürfelt und alles vermischt. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, aber es war definitiv nicht gut geschrieben. Bei einem anderen Thema hätte ich wahrscheinlich nach etwa hundert Seiten aufgegeben. Und das wären hundert Seiten zu viel gewesen. Jeder Zeitungsartikel, selbst über ein langweiliges Thema, ist interessanter geschrieben.

Ich werde weitere Bücher über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg lesen, aber ich bezweifle, dass ich noch ein Buch von Thomas Keneally lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Oskar Schindler, Bonvivant, Spekulant und Charmeur, ein Industriellensohn aus Mähren, Liebhaber schöner Frauen, brillanter Geschäftsmann, gutaussehender blonder Deutscher - dieser Mann übernimmt 1939 in Krakau eine 'arisierte' Emailfabrik. Seine Arbeiter sind Juden, sie haben es gut bei ihm. Binnen kurzem ist Schindler mit jedem wichtigen Nazi in Krakau 'befreundet', er macht grosszügige Geschenke, arrangiert ausschweifende Feste, besticht, wo es sich lohnt. 1942, bei der Auflösung des Krakauer Ghettos, sieht er mit an, wie Juden zusammengetrieben und auf der Strasse erschossen werden. Er sagt später dazu: 'Seit damals musste jedem denkenden Menschen klar sein, was geschehen würde. Und ich nahm mir fest vor, das zu verhindern.' Schindler verhindert es in den nächsten Jahren mit allen Mitteln. Er wird zur Hoffnung vieler, die vor allem unter der unglaublichen Willkür des KZ- Kommandanten Göth leiden. Und wenn er auch gegen den organisierten Massenmord nichts tun kann, so schafft er es doch, Personen, die er irgendwie für seinen Betrieb reklamieren kann, noch aus den Transportzügen und den Todeszellen der KZs herauszuholen. Ende 1944 scheint dies alles zusammenzubrechen. Sämtliche Lager um Krakau sollen aufgelöst, ihre Insassen nach Auschwitz gebracht werden. Und noch einmal hat Schindler Erfolg. Er bekommt die Genehmigung, seine Fabrik und seine Arbeiter nach Brünnlitz in Mähren überzusiedeln. Über tausend Juden stehen auf der Liste, sie entgehen dem sicheren Tod. Die Geretteten schmieden ihm aus eigenem Zahngold einen Ring, in den sie den Talmud-Spruch eingravieren: 'Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt.'"

Thomas Keneally gewann 1982 den Booker Prize für "Schindler's Ark".

Mittwoch, 12. November 2025

Noa Bercovitch, Pascale "Das Lächeln Des Delphins"

Noa Bercovitch, Pascale "Das Lächeln Des Delphins. Die Geschichte Einer wunderbaren Freundschaft" (Französisch: Oline, le dauphin du miracle) - The Dolphin’s Boy: A Story of Courage and Friendship - 2000

Die Autorin war eine Sportlerin, die einen schweren Zugunfall hatte und sich daraufhin die Beine amputieren lassen musste. Ihren Plan, nach Israel zu gehen, ließ sie sich dadurch nicht entgehen. Sie wurde nicht nur eine erfolgreiche Journalistin und Filmemacherin, sondern nahm auch an den Paralympics teil.

In ihrem teils autobiografischen Buch erzählt sie von dem Beduinenjungen Abdullah, der mit fünf Jahren von einem Baum fiel und seitdem taub war. Er wuchs zurückgezogen auf und liebte es zu schwimmen. Bei einem seiner Ausflüge begegnete er einem Delfin, der ihm nicht mehr von der Seite wich. Die Autorin drehte einen Film über diese außergewöhnliche Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Delfin und schrieb später dieses Buch darüber. Eine wunderbare Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Der seit seinem fünften Lebensjahr taubstumme Beduinenjunge Abid'allah wird durch die Freundschaft mit einem Delphin aus seiner Einsamkeit befreit. Beim täglichen Spiel mit dem Tier findet er zunächst seine Sprache, dann sein Gehör wieder. Pascale Noa Bercovitch entführt uns in das Fischerdorf Mezaina am Roten Meer. Ihr bewegender Bericht lässt uns eintauchen in die Welt der Beduinen am Rande der Wüste Sinai und erzählt voller Einfühlungsvermögen von einer wunderbaren Freundschaft zwischen Mensch und Tier."

Freitag, 12. September 2025

Shalev, Meir "Judiths Liebe"

Shalev, Meir "Judiths Liebe" (Hebrew: כימים אחדים aka "As a Few Days" or "The Loves of Judith") - Four Meals - 1994

Drei Männer lieben Judith, zwei Bauern und ein Viehhändler. Obwohl alle sie heiraten wollen, heiratet sie niemanden, sondern bekommt einen Sohn.

Als Judith stirbt, wollen alle drei Männer der Vater des Jungen sein und laden ihn zu einem Essen ein, um ihn besser kennenzulernen.

Kurze Beschreibung einer außergewöhnlichen Geschichte. Der Junge erfährt nicht nur etwas über die Vergangenheit seiner Mutter, sondern auch über Leben und Liebe, Beziehungen und Schicksal. Dieser Roman enthält so viele verschiedene Charaktere und so viele unterschiedliche Charakterzüge. Der Autorin gelingt es, nicht nur diese wenigen Menschen, sondern fast alle im Dorf zu beschreiben. Und auch die Mahlzeiten haben eine besondere Bedeutung.

Eine tiefgründige Schilderung von Liebe und Leben.

Buchbeschreibung:

"Wer von den drei Männern, die seine Mutter Judith umworben haben, sein Vater ist, weiß der kleine Sejde nicht. Ist es der Bauer Mosche, der Viehhändler Globermann oder der Vogelzüchter Scheinfeld? Jeder der drei möglichen Väter kümmert sich anders um den Waisenjungen: Der eine bietet ein Heim, der andere Geld, der dritte lädt zum Festessen ein. Doch alle drei erzählen sie von ihrer großen Liebe zur eigensinnigen Judith."

Donnerstag, 31. Juli 2025

Abulhawa, Susan "Als die Sonne im Meer verschwand"

Abulhawa, Susan "Als die Sonne im Meer verschwand" (Englisch: The Blue Between Sky and Water) - 2015

Dies ist mein zweites Buch von Susan Abulhawa. Ich war begeistert von "Während die Welt schlief" (Mornings in Jenin) und war mir sicher, dass auch dieses nicht schlecht sein würde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Die Autorin erzählt von einfachen Palästinensern, deren Leben sich mit der Gründung des israelischen Staates veränderte. Plötzlich hatten sie kein Land mehr, keine Rechte, nichts. Sie wurden von einer Seite auf die andere gedrängt, und die Welt betrachtete sie als Unruhestifter. Ich frage mich immer, was andere in ihrer Situation getan hätten. Wahrscheinlich nichts anderes.

Jahrzehntelang hörten in den Nachrichten immer von Palästinensern, wenn sie etwas angegriffen hatten. Wir hörten nie, wenn sie angegriffen wurden. Das hat sich ja mittlerweile geändert.

Wie dem auch sei, dieses Buch handelt von mehreren Generationen einer palästinensischen Familie und davon, wie die verschiedenen Mitglieder mit den Veränderungen umgehen - oder eben nicht. Es geht insbesondere um die Frauen, die wie immer die Hauptlast tragen müssen. Und sie werden oft stärker durch die Schwierigkeiten, die auf sie zukommen.

Ich habe Freunde in Israel und möchte nicht, dass dies als Kritik an ihnen verstanden wird. Aber ich verstehe die Menschen in Palästina vollkommen und dass sie sich ihr Land zurückwünschen. Viele der Probleme im Nahen Osten hätten vermieden werden können, wenn nicht einige Europäer beschlossen hätten, dies sei der beste Weg, ihre Konflikte zu lösen.

Ich habe in der Zwischenzeit weitere Bücher von Susan Abulhawa gelesen und werde dies auch weiterhin tun. Sie ist eine großartige Geschichtenerzählerin.

Buchbeschreibung:

"In einem malerischen Dorf in Palästina wachsen die Geschwister der Familie Baraka auf. Doch an einem Tag im Jahr 1948 geht ihre Kindheit jäh zu Ende. Israelische Soldaten stecken ihr Haus in Brand und zwingen sie gewaltsam zur Flucht. Nazmiyya versucht, dem Leid der Flüchtlingslager zu trotzen, Mamduh zieht bis ans andere Ende der Welt. Sie verlieren ihre Familie, ihre Heimat und einander – nie aber die Hoffnung. Und Hoffnung ist es auch, die sechzig Jahre später Mamduhs Enkelin aus Amerika nach Gaza führt.

In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.

Nach ihrem internationalen Bestseller '
Während die Welt schlief' erzählt Susan Abulhawa auch in ihrem neuen Roman voller Poesie von einer Familie ohne Heimat, von Krieg, Frieden und Hoffnung. …"

Donnerstag, 29. Mai 2025

Oz, Amos "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis"

Oz, Amos "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" (Hebräisch: סיפור על אהבה וחושך, Sipur) - A Tale of Love and Darkness - 2002

Amos Oz, ein israelischer Schriftsteller und Journalist, geboren 1939 in Jerusalem, wuchs in den Anfängen des neuen Staates in einer sehr akademisch geprägten Familie aus Litauen auf – eine der vielen Familien, die am Vorabend des schrecklichsten Krieges aller Zeiten aus Europa fliehen mussten.

In diesem Buch erzählt er nicht nur von den Anfängen des neuen jüdischen Staates und seiner Kindheit, sondern erinnert sich auch an die Vergangenheit jüdischer Kultur, Literatur, Sprache und, noch wichtiger, an die Depression und den Selbstmord seiner Mutter. Auf erstaunliche, sehr einfühlsame Weise beschreibt er nicht nur seine eigenen Probleme als Kind und junger Mann, die ihn schließlich in einen Kibbuz führten, wo er mehr als dreißig Jahre seines Lebens verbrachte, sondern auch die Kämpfe aller Erwachsenen in dieser Zeit. Viele von ihnen fanden keine Arbeit in ihrem Fachgebiet und verloren ihr Leben, wie sie es kannten.

Dies ist nicht nur die Geschichte eines jungen Mannes und seiner Familie, es ist eine Saga über das gesamte jüdische Volk von Europa bis Israel. Trotz aller Schwierigkeiten, die sie durchgemacht haben, ist dies eine sehr liebevolle Geschichte, die mit viel Gefühl über einige sehr bewegende Themen erzählt wird.

Buchbeschreibung:

"Die Geschichte des Jungen Amos, der im Jerusalem der vierziger Jahre aufwächst - eine große Familien-Saga, ein Epos vom Leben und Überleben, ein Buch der Enttäuschungen und der Hoffnung.

Sein Buch gebe ein altes Rätsel auf, hat der 65-jährige israelische Schriftsteller Amos Oz über den Inhalt seines stark autobiografisch gefärbten Roman Eine Geschichte von Liebe und Finsternis geschrieben: 'Wie können zwei gute Menschen eine schreckliche Katastrophe herbeiführen? Wie kann es kommen, dass die Heirat zweier Menschen, die einander wollen und einander gutes Wünschen, in einer Tragödie endet?'

Die zwei Menschen, von denen Oz hier spricht, das ist zum einen sein Vater: '
ein sentimentaler und enthusiastischer Mann', der siebzehn Sprachen lesen und elf sprechen kann (alle mit russischem Akzent), ein Universalgelehrter voll mit Magie und Mystik, und doch nach Ansicht der Mutter 'rational sogar noch im Schlaf'. Die andere Person ist die Mutter des Schriftstellers, Fania Klausner, die am Ende der Geschichte von Liebe und Finsternis verzweifelt den Freitod wählt -- und von der der Ich-Erzähler behauptet, 'bis zum Schreiben dieser Seiten' nie über sie gesprochen zu haben. Ihre tragische Geschichte erzählt das Buch -- und die Geschichte der Überlebenden ihrer Familien, die, dem Holocaust entronnen, in den vierziger Jahren ins gelobte Land nach Palästina ziehen, und die doch auch in der ersehnten Fremde nicht recht glücklich wurden."

Amos Oz hat 1992 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Samstag, 17. Mai 2025

Seth, Vikram "Zwei Leben"

Seth, Vikram "Zwei Leben" (Englisch: Two Lives) - 2005 

Ich hatte bereits zwei Romane von Vikram Seth gelesen, "Eine gute Partie" (A Suitable Boy) und "Verwandte Stimmen" (An Equal Music), die beide völlig unterschiedlich, aber wirklich gut sind.

In diesem Werk beschreibt der Autor nicht nur das Leben seines Großonkels und seiner jüdischen Frau, sondern auch sein eigenes Leben, das Leben und Sterben einfacher Menschen während des Holocaust sowie das schreckliche Schicksal der Juden. Aber er beschreibt auch das Leben in Indien vor und nach der Unabhängigkeit. Ein ziemliches Unterfangen.

Vikram Seth macht es einem extrem leicht, den Lebenswegen von Shanti und Henny, ihren Familien und Freunden durch ein ganzes Jahrhundert und mehrere Kontinente zu folgen. Er lässt kein Detail aus und stützt sich auf persönliche Erfahrungen sowie Interviews und alte Briefe.

Wir lernen die drei Charaktere – ja, wir müssen auch den Autor einbeziehen – ziemlich gut kennen. Vikram Seth lässt nichts unversucht, lässt keine einzige Figur oder Begebenheit aus, die im Moment vielleicht zu trivial erscheint, aber später wichtig ist. Wir erhalten einen guten Einblick in das Leben vor und während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und England, in den Krieg selbst und in die Konzentrationslager. Außerdem – und das fand ich noch interessanter, da wir nicht oft darüber lesen – in das Leben nach dem Krieg in England und Deutschland.

Was soll ich sagen, ein fantastisches Buch. Wenn der Autor jemals eine weitere Biografie schreibt, werde ich sie gerne lesen. Eigentlich werde ich alle seine Bücher auf meine Wunschliste setzen.

Buchbeschreibung:

"In Zwei Leben erzählt Vikram Seth zärtlich und präzise von einer wahren Liebe, die ein Jahrhundert umspannt. Mit zurückschauender Sehnsucht berichtet er von zwei Menschen, seinem Onkel Shanti und Tante Henny, die sich an der Wegkreuzung von indischer Diaspora und jüdischem Exil trafen: ein bewegendes Denkmal und erzählerisches Kunststück zugleich. 'Nimm den Schwarzen nicht', sagt Henny zu ihrer Mutter und meint den jungen Inder an der Tür. Doch Shanti, der im Berlin der dreißiger Jahre Zahnarzt werden will, bekommt das Zimmer in der Bleibtreustraße - und das wird Hennys Glück. Shanti, von den Nazis verdrängt, kann erst in London praktizieren, und dort steht 1939 plötzlich Henny an der Victoria Station - als einziger Jüdin aus dem Freundeskreis ist ihr die Flucht gelungen."

Ein Zitat aus dem Buch, das der Autor am Holocaust Memorial Arch im Memorial Garden im Hendon Park in London fand:
"Lezikaron. Die Bedeutung bezieht sich auf die Wichtigkeit, nach vorne zu blicken und sich gleichzeitig an die Vergangenheit zu erinnern." ("Lezikaron. The meaning refers tot he importance of looking forward as well as remembering the past.")

Montag, 12. Mai 2025

Kishon, Ephraim "Pardon, wir haben gewonnen"

Kishon, Ephraim "Pardon, wir haben gewonnen. Vom Sechstagekrieg bis zur Siegesparade ein Jahr danach" - So sorry we won - 1967

Dieses Buch wurde 1967 geschrieben. Kurz nach dem Sechstagekrieg. Was würde Kishon heute zu der Situation sagen? Vieles ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar.

Auf jeden Fall ist dies kein typisches Kishon-Buch. Es ist nicht witzig. Er macht sich nicht über seine Leidesngenossen, Landsleute, Familie oder sonstwen lustig. Er versucht, sein Land aus der Perspektive des gewonnenen Krieges zu sehen. Wenn euch das interessiert, lest dieses Buch.

Buchbeschreibung:

"Das vorliegende Buch unterscheidet sich von Kishons bisherigen Büchern vor allem dadurch, daß es nicht nur von Kishon, sondern auch von Dosh - Kariel Gardososh stammt. Dosh ist der Name des Karikaturisten, der im 'Ma'ariv', dem populären hebräischen Abendblatt (Auflage 300000), die tägliche Kishon-Kolumne illustriert."

Freitag, 9. Mai 2025

Shalev, Zeruya "Mann und Frau"

Shalev, Zeruya "Mann und Frau" (Hebrew: ‏בעל ואישה‎/Baʹal Ve-Isha) - Husband and Wife - 2000

Na'ama ist mit Udi verheiratet, den sie seit ihrer Kindheit kennt. Eines Morgens wacht der Ehemann auf und kann seine Beine nicht bewegen. Die Ärzte finden nichts, was ihm fehlt. Aber das Problem ist nicht körperlicher Natur. Im weiteren Verlauf des Buches wird klar, dass die Ehe krank ist. Der Autor beschreibt auf wunderbare Weise die unterschiedlichen Wege des Paares, damit umzugehen. In diesem Roman wird kaum gesprochen, daher ist er eine ganz andere Lektüre. Viele Gedanken und Überlegungen. Ich liebe es, dass es in dieser komplizierten, kränkelnden Beziehung kein Fingerzeigen, kein Richtig oder Falsch gibt.

Ein interessantes Buch.

Buchbeschreibung:

"Udis und Na'amas Ehe ist in eine Sackgasse geraten. Udi reagiert darauf mit den unterschiedlichsten körperlichen Symptomen - einmal ist er für zwei Tage fast vollständig gelähmt, ein anderes Mal wird er für kurze Zeit blind, und das immer nach einem Streit mit Na'ama. Dann legt er sich ins Bett und lässt sich von Frau und Tochter bedienen. Na'ama gegenüber rechtfertigt er dieses Verhalten mit dem Hinweis auf ein acht Jahre zurückliegendes Erlebnis - damals hatte seine Frau ihn beinahe mit einem Maler betrogen. Etwas, was er nie verziehen hat. Na'ama leidet seither unter Gewissensbissen und versucht fast alles, um ihm den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten - nur damit er sie wieder liebt, wie früher. Aber er ist nicht bereit, ihr zu vergeben. So sind beide, Mann und Frau, vor allem damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zermürben.

Schließlich bringt Na'ama ihren Mann zu einer jungen israelischen Heilerin, die ihre Kunst von den alten Tibetern gelernt hat. Sie erkennt, dass nicht nur der Ehemann und Vater, sondern die ganze Familie sich einem kathartischen Prozess unterziehen muss. Mit dem Haken, dass Udi kurz darauf die Familie verlässt, um zu seiner Ärztin zu ziehen. Na'ama ihrerseits beginnt eine Affäre mit einem erfolgreichen Architekten, deren intensive erotische Natur ihr zur Offenbarung wird. Und doch finden Na'ama und Udi wieder zueinander. Die Trennung ist vollzogen, der unmerklich vor sich hin schwelende alltägliche Hass ist verglimmt - doch vielleicht zeigt sich hier die Chance zu einem neuen Anfang. Ein intelligentes, ein weises Buch über das weite Feld ehelicher Zweisamkeit.
"

Freitag, 14. März 2025

Waltari, Mika "In diesem Zeichen"

Waltari, Mika "In diesem Zeichen: Elf Briefe des Marcus vom Frühjahr des Jahres 30 n.Chr. um die Kreuzigung und Auferstehung Jesu" (Finnisch: Valtakunnan salaisuus) - The Secret of the Kingdom (The Malinianus Duology) - 1959

Dies ist mein drittes Buch des finnischen Autors Mika Waltari. Ich habe sie alle in einem Lesekreis gelesen, immer von einem finnischen Mitglied als einer ihrer wichtigsten Autoren empfohlen.

Und es stimmt, Mika Waltari hat einige wichtige Gedanken zu vermitteln, ob es nun um Religion, Philosophie oder das Leben selbst geht. Man merkt, dass dieser Mensch weiß, wovon er spricht.

In diesem Buch beschreibt er das Leben eines römischen Bürgers, der Zeuge der Kreuzigung Jesu wird und dann in seinen Kreis hineingezogen wird, die Apostel und andere Freunde trifft, deren Leben von Jesus von Nazareth beeinflusst wurde. Er hat eine großartige Art, die Geschichte zu beschreiben, lässt uns glauben, wir wären selbst dort gewesen. Lässt uns definitiv glauben, dass es so gewesen sein könnte.

Sicherlich ein großartiges Buch, wenn man seinen Glauben erkunden möchte, aber auch, wenn man einfach von außen in die Geschichte des Christentums eintauchen möchten. Dies ist eine sehr detaillierte und anschauliche Geschichte über die Passion und ihre Folgen, die an Ostern beginnt und an Pfingsten endet.

Es überrascht mich nicht, dass mir dieses Buch gefallen hat, denn mir gefielen auch die anderen, die ich gelesen habe (Sinuhe der Ägypter/The Egyptian, Der dunkle Engel/The Dark Angel). Ein großartiger Autor.

Buchbeschreibung:

"Der wohlhabende und gebildete römische Patrizier Marcus Mezentius Manilianus kommt auf seiner Reise durch den Osten des Römischen Reiches über Alexandria nach Jerusalem, wo er im Frühling des Jahres 30 nach christlicher Zeitrechnung eintrifft, am gleichen Tag, an dem dort ein gewisser Jesus aus Nazareth gekreuzigt wird. In einer Reihe von Briefen, die er an seine ehemalige Geliebte Tullia in Rom richtet, versucht Marcus, sich über diesen Jesus klar zu werden: Wer war dieser 'König der Juden', und worin besteht sein Geheimnis? Zu diesem Zweck sucht Marcus auch den Kontakt zu den Jüngern des Gekreuzigten. ? In diesem packenden historischen Roman schildert Waltari seine Sicht von der Entstehung des Christentums. Der Bogen spannt sich von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu bis hin zu den Ereignissen um Pfingsten. 'In diesem Zeichen' bildet den Auftakt zu einer Trilogie: In dem folgenden Doppelroman 'Minutus der Römer' stehen dann Marcus' Sohn Minutus und sein Enkel Julius im Mittelpunkt."

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen online Lesekreis im März 2020 besprochen.

Donnerstag, 27. Februar 2025

Bergmann, Michel "Herr Klee und Herr Feld"

Bergmann, Michel "Herr Klee und Herr Feld" [Mr. Klee and Mr. Feld] - 2013

Zwei jüdische Brüder stellen eine palästinensische Haushälterin ein, das muss ja zu Reibereien führen. Tut es aber nicht, die drei kommen gut miteinander klar, aber das Drumherum ist leider nicht ganz so, besonders die Vergangenheit der beiden.

Der Autor spricht viele interessante Themen an. Davon will ich nur ein paar ansprechen.

"Der Tod kommt, wenn die Seele ihn ruft."
Das mag stimmen oder nicht. Er kommt, wann er will, nicht wenn wir es wollen.

"Stalin war hochgradig paranoid, wie alle Diktatoren, und hat nur seinem Misstrauen vertraut."
Leider gibt es solche auch noch heute, man braucht gar nicht weit zu schauen.

"Aber nicht alles, was man lernt, stimmt. Lernen ist immer ideologisch verfärbt."
Da muss man leider sehr aufpassen.

"Die Masse hat keine gemeinsame Psyche, sie hat eine Psychose."
Und die Psychose wird immer weiter verbreitet, leider besonders über das Internet, das uns so viele Möglichkeiten gibt, mal über den Tellerrand zu schauen.

"Altwerden ist scheiße! Immer tut dir was weh. Der Rücken, die Gelenke. Ich könnte den ganzen Tag stöhnen."
Stimmt, könnte man, aber dadurch wird es auch nicht besser.

"Milliarden von Menschen werden ungebildet gehalten, um sie manipulieren zu können. Immer haben Diktatoren und Religionsführer Krieg gegen den Geist geführt, gegen Dichter, Philosophen, angebliche Ketzer, gegen das Fremde, gegen die Metropolen, gegen Radiosender, gegen Verlage, Bücher und Zeitungen. Die Moderne ist der Feind."
Ein wahreres Wort kann kaum gesprochen werden. Gebildete Menschen überlegen, was mit ihrem Land geschehen soll, möchten, dass ihre Kinder erzogen werden, wollen anderen Menschen helfen.

Dies war ein Buch, dass wir in unserem örtlichen Lesekreis gelesen haben. Insgesamt hat es uns allen gut gefallen. Es war eine gute Mischung aus Information, Unterhaltung und Humor

Buchbeschreibung:

"Frankfurt am Main, heute. Die Brüder Moritz (77) und Alfred Kleefeld (75) wohnen zusammen in einer Gründerzeitvilla. Alfred ist Schauspieler und nennt sich 'Freddy Clay'. Karriere hat er nie gemacht. Moritz dagegen ist emeritierter Professor für Psychologie. Alfred ist ein Snob und ein Hypochonder, Moritz nur ein Hypochonder. Beide versuchen, sich mit eingebildeten Leiden zu überbieten. Als die langjährige Hausdame Frau Stöcklein schließlich entnervt kündigt, schreiben die Brüder die Stelle aus. Vierzehn Bewerberinnen später scheint mit Zamira endlich die Richtige gefunden. Doch schon bald kommt es zu ersten Reibereien, denn die neue Haushälterin ist nicht nur jung und bildhübsch, sondern auch Palästinenserin. Und während Moritz und Alfred stellvertretend für die israelische Regierung jede Menge verbaler Prügel einstecken müssen, wird Zamira klar, dass es in diesem Haushalt um weit mehr als ums Kochen, Putzen und Waschen geht, nämlich um die Liebe, das Leben und den Tod."

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Kishon, Ephraim "Im neuen Jahr wird alles anders"

Kishon, Ephraim "Im neuen Jahr wird alles anders" [Next year everything will be different] - 1982

Ich habe es schon öfter erzählt, Kishon bedeutet für mich letzte Deutschstunde vorm Ferienbeginn und da alle Sprachen immer meine Lieblingsfächer waren, habe ich wirklich eine wunderbare Erinnerung an die Geschichten.

Dieses Buch ist eigentlich eine Sammlung vieler anderer Bücher:
Seid nett zu Touristen
Unfair zu Goliath
Wettervorhersage: Neigung zu Regenschirmverlusten
Wie rächt man sich an einem Verkehrspolizisten
Die vollkommene Ehe
Der Fisch stinkt vom Kopfe
Kontakt mit dem Jenseits
Der Fuchs im Hühnerstall
Liebe deinen Mörder
Eine detaillierte Auflistung ist hier.

So begleiten wir Ephraim Kishon auf eine Reise durch Europa, wo wir etwas über unser Marotten und die unser Nachbarländer erfahren. Wir lernen von den Eigenheiten seiner Landsleute, z.B. wie einfach es ist, im Sommer mehrere Regenschirme auf einmal zu verlieren. Er berichtet vom Leben in der Ehe mit und ohne Kinder und/oder Tieren. Telefonate kommen besonders gerne in den Geschichten vor. Und dann gibt es auch noch einen Roman, "Der Fuchs im Hühnerstall", wo wir alles, aber auch alles über die Machenschaften der Politiker kennenlernen. Ach ja, und nicht zu vergessen: die beste Ehefrau von allen!

Und auch wenn die Bücher mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt sind, sind die Geschichten alle zum Brüllen, egal, wie lang und über welches Thema. Ephraim Kishon ist es immer wert, gelesen zu werden. 

Klappentext:

"Sachen gibt's, die gibt's nicht, lautet unsere Divise immer dann, wenn uns Ereignisse aus dem privaten oder öffentlichen Bereich zu Ohren kommen, oder gar selbst passieren, die?s im Grunde zwar gar nicht geben dürfte, die aber leider doch tagtäglich vorkommen. Unser Leben hier und heute im ach so fortschrittlichen 20. Jahrhundert ist eben (glücklicherweise!) doch nicht fortschrittliche genug, als daß wir uns ein für allemal vom blühenden Unsinn entfernt hätten. Ja, man könnte sagen: je stromlinienförmiger, glatter, glänzender, kurz: perfekter wir unsere Welt einzurichten versuchen, desto barocker wird sie, desto mehr häuft sich Sand im Getriebe, desto ungeheuerlicher wird der Nonsens unseres Alltags. Ephraim Kishon, der schmunzelnde Philosoph ohne Lehrstuhl, der medizynische Doktor ehrenhalber, der windmühlenstürmende Ritter wider den allzu menschlichen Ernst, hat dieses Paradoxon unserer Existenz schon seit Jahren mit spitzer Feder immer wieder aufgegriffen.

Und er hat's weit damit gebracht - nämlich schlicht und einfach zum Humoristen Numero Eins in der Gunst der deutschen Leser. Da er aber so ungeheuerlich viel Stoff hat (weil es soviel Ungeheuerliches an Nonsens in unserem Leben gibt), schafft es der Autor einfach nicht, sich auf die faule Haut zu legen. Fast jedes Jahr erscheint ein neues Buch von ihm.

Das wird gekauft, gelesen zustimmend begrinst und homerisch belacht, daß es eine wahre Wonne ist. Zu solch befreiender Lektüre sind Sie auch hier wieder eingeladen. Allerdings ging es bei dieser Auswahl aus Kishons ständig wachsendem Satiren-Schatz nicht so sehr um Aktualität, sonder eher um das, was man sich als geschworener Kishon-Freund immer wieder gern zu Gemüte führt. Kostproben gefällig. Lesen Sie nur mal, wie teuer einen das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Schweizer kommen kann; wie die Raumprobleme eines Weltstadt-Konsulats ratsuchende Menschen einfach auf Nimmerwiedersehen zum Verschwinden bringt; warum ein Ministerpräsident den obligatorischen Willkommensgruß von einem Wildfremden bekommen muß anstatt von seinem alten Arbeitskameraden; welche Erfahrungen ein Telefonkunde mit dem 'Fräulein vom Amt' bisweilen macht; zu welchem Gipfeltreffen es führen kann, falls man mal dringend einen Handwerker braucht, und schließlich, wie ein erholungsbedürftiger Staatsmann für ein beschauliches Dorf zum 'Fuchs im Hühnerstall' wird, als er das weltvergessene Kaff mit seinen politischen Ambitionen heimsucht.

Im neuen Jahr wird natürlich alles anders - da sind die Politiker und Behörden endlich nur noch um das Wohl des einzelnen Bürgers besorgt, und die beste Ehefrau von allen weiß schon 24 Stunden vor einer Einladung, welches von ihren zahlreichen Kleidern sie für die Silvesterparty anzieht."

Mittwoch, 16. Oktober 2024

Bulgakow, Michail "Der Meister und Margarita"

Bulgakow, Michail "Der Meister und Margarita" (Russian: Мастер и Маргарита/Master i Margarita) - The Master and Margarita - 1929-39

Eine meiner Blogger-Freundinnen (Emma von Words and Peace) empfahl mir, eine Ausgabe mit vielen Anmerkungen zu lesen. Da ich das Buch bereits hatte (ich hatte es vor ein paar Jahren gekauft, als Russland das Thema einer deutschen Buchmesse war) und es keine Anmerkungen hatte, suchte ich im Internet und es gibt einige großartige Webseiten, die die Bedeutung fast jedes Satzes akribisch erklären.

Diese Seiten waren besonders hilfreich:
Der Meister und Margarita (in mehreren Sprachen)
Neben vielen Informationen zum Roman finden Sie auf dieser Site auch verschiedene Filme und Fernsehserien, die auf Der Meister und Margarita basieren und von Ihrem Webmaster in Englisch untertitelt wurden.
LitCharts (einschließlich eines Studienführers)
Get Abstract (auf Deutsch)
Inhaltsangaben 24 (auf Deutsch)

Und dann gibt es noch ein paar gute Blogbeiträge über das Buch (ich füge gerne weitere hinzu, wenn ihr mir den Link mitteilt):
Words and Peace, einer meiner Lieblingsblogs, Emma hat eine sehr abwechslungsreiche Seite und gibt immer die besten Tipps.
A Guy’s Moleskine Notebook, der es sogar zweimal rezensiert hat, zuerst hier und dann hier.

Diese Seiten waren sehr hilfreich, um den Hintergrund des Romans zu verstehen, aber ich glaube, ich hätte ihn auch ohne diese Erklärungen genossen. Und ich konnte sicherlich einige der Verbindungen zur Sowjetunion erkennen. Da ich mich jedoch für all diese Themen interessiere, Geschichte, Politik, Religion, war es noch faszinierender.

Was für ein Buch. Natürlich erwartet man von Autoren wie Bulgakow Kritik am Sowjetstaat, das ist zu erwarten. Bürokratie wird ebenso kritisiert wie Unterdrückung und alles, was von Karl Marx‘ ursprünglicher Idee des Kommunismus abweicht.

Aber dieses Buch hat so viele weitere Ebenen. Es gibt einen Roman im Roman über Pontius Pilatus und die letzten Tage Jesu, seine Freunde und Feinde. Die Art und Weise, wie die beiden Geschichten zusammenkommen, ist ziemlich faszinierend. Es gibt eine Unmenge an Verweisen auf Literatur und Geschichte.

Das Buch gibt uns definitiv viel Stoff zum Nachdenken. Der Teufel besucht Moskau zusammen mit einigen ominösen Begleitern, einer davon eine große schwarze Katze. Infolgedessen steht die ganze Stadt Kopf.

Ich glaube nicht, dass es möglich ist, das Konzept des Buches irgend jemandem zu erklären. Man muss es selbst lesen, und wenn man wirklich ins Detail gehen will, muss man es unbedingt mit Erklärungen lesen. Es ist teils Märchen, teils mystischer Realismus, definitiv politische Kritik, teils Komödie, teils Tragödie. Es ist nicht die leichteste Lektüre, aber definitiv eine der lohnendsten.

Und es ist auch eines der Bücher, die ich noch einmal lesen möchte.

Buchbeschreibung:

"Das vielschichtige Hauptwerk von Michail Bulgakow vereint mehrere Genremerkmale, Stilhaltungen und Problemstellungen. Es ist nicht nur eine fantastische Abenteuergeschichte und beißende Zeitsatire, sondern auch eine philosophische Parabel über das Wesen von Gut und Böse, über menschliche Schwächen, demoralisierende Auswirkungen von Unfreiheit und Unterdrückung, die Macht der Kunst und die Ohnmacht des Künstlers. Zentrales Thema ist die Entlarvung der Lüge in der Kunst wie im Leben.

Bulgakow begann 1929 mit der Arbeit an dem Roman und vernichtete 1930 eine erste Fassung. Letzte Korrekturen diktierte er, todkrank und erblindet, auf dem Sterbebett. Der Roman konnte erst Jahrzehnte später publiziert werden; er erschien 1966 in der Zeitschrift Moskva mit willkürlichen Kürzungen der Redaktion. Nach vollständiger Publikation 1966 im Ausland erschien die erste ungekürzte sowjetische Ausgabe 1973.

Ende der 1920er Jahre taucht während der Karwoche in Moskau der Satan Voland mit Gefolge auf, um Freitagnacht seinen alljährlichen Ball zu geben. Einige Tage lang wird Moskau vom Teufelsspuk heimgesucht. Den Menschen, die mit Volands Gefolge in Berührung kommen, wird übel mitgespielt – doch sie verdienen es nicht anders, denn sie sind fast allesamt verlogen, geldgierig und anmaßend. Eine Ausnahme bilden der namenlose Meister, der geniale Autor eines Pilatus-Romans, und seine Geliebte Margarita. Sie verloren einander aus den Augen, als der Meister, dessen Roman von Literaturfunktionären als konterrevolutionär eingestuft und für den Druck abgelehnt wurde, einen Nervenzusammenbruch erlitt, das Manuskript verbrannte und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde. In der Hoffnung, etwas über ihren Geliebten zu erfahren, ist Margarita bereit, die Gastgeberin auf dem Ball beim Satan zu spielen. Als Lohn für ihren selbstlosen Einsatz wird sie wieder mit dem Meister zusammengeführt; sein Roman wird vor dem Vergessenwerden gerettet.

Die Handlung des Romans spielt sich in drei unterschiedlichen Welten ab. Die erste ist die reale Welt der Moskauer Gegenwart. In zahlreichen temporeichen und aberwitzigen Episoden zeichnet Bulgakow ein satirisches Porträt der durch ideologische Gängelung verrohten und demoralisierten sowjetischen Gesellschaft; sein besonderes Augenmerk gilt den unbegabt-opportunistischen Vertretern des offiziösen Literaturbetriebs. Die zweite ist die überzeitliche Parallelwelt des Übersinnlichen und Jenseitigen. Dort tummeln sich Voland und sein Gefolge, Hexen, Vampire und die zum Leben erweckten Besucher des Satansballs – Giftmischer, Massenmörder und sonstige Großverbrecher. Die dritte schließlich ist die vergangene Welt des alten Jerusalem – der Handlungsort des vom Meister verfassten Passions-Romans über Pilatus und Jeschua han-Nasri, der als Roman im Roman eingeschoben ist. Alle drei Welten sind miteinander durch ein komplexes Netz gemeinsamer Motive, paralleler Figuren und Handlungsmomente verknüpft. So korrespondiert beispielsweise die Gestalt Jeschua han-Nasris mit der Gestalt des Meisters, die wiederum autobiografische Züge des realen Romanautors Bulgakow trägt.

Übersetzungen in mehrere Weltsprachen, zahlreiche Werkanalysen, Bühnenfassungen und Verfilmungen zeugen von der künstlerischen Kraft des Romans und von der von ihm ausgehenden Faszination."

Und hier noch eine kurze:

"Moskau zu Beginn der 1930er-Jahre: Der Teufel sucht die Stadt heim und stürzt ihre Bewohner mit tatkräftiger Unterstützung seiner Zauberlehrlinge in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung. Es ist die verdiente Strafe für Heuchelei, Korruption und Mittelmaß. Doch zwei Gerechte genießen Satans Sympathie: der im Irrenhaus sitzende Schriftsteller, genannt 'Meister', und Margarita, dessen einstige Geliebte. Bulgakows Gesellschaftssatire aus der Sowjetzeit ist ein faustisch-fantastisches Meisterwerk."

Mittwoch, 4. September 2024

Grossman, David "Eine Frau flieht vor einer Nachricht"

Grossman, David "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" (Hebräisch: אשה בורחת מבשורה/Isha Nimletet Mi'Bshora) - To the End of the Land2008

Ein Buch, das sowohl realistisch als auch philosophisch klingt. Vor dem Hintergrund der Situation in Israel versucht der Autor herauszufinden, was der Grund für all das ist. Er beschreibt hauptsächlich das Leben von Ora, aber auch das ihrer beiden besten Freunde Avram und Ilan und das ihrer Söhne Adam und Ofer. Wir lesen über das Leben im modernen Israel und was es bedeutet, wenn jeder für mehrere Jahre zur Armee geht und man sich in einem ständigen Kriegsgebiet befindet.

Der Autor beschreibt jede Situation, jede Person von mindestens zwei Seiten, vergleicht Situationen ständig. Er versucht, ein Bild des Lebens zu zeichnen und ihm auf den Grund zu gehen.

Ora möchte bis ans Ende des Landes, aber ich habe das Gefühl, sie möchte bis ans Ende der Welt und noch weiter, um all die Sorgen zu vergessen.

Sehr nachdenklich stimmend. Der Autor ist ein wunderbar talentierter Schriftsteller, ich bin sicher, ich werde noch mehr von seinen Büchern lesen.

Ich habe erst gelesen, nachdem ich das Buch beendet hatte, dass der Autor dieses Buch schrieb, während sein ältester Sohn beim Militär war. Er sprach viel mit seinem zweiten Sohn Uri darüber, der sich verpflichtete, während sein Vater noch das Buch schrieb. Uri wurde im Krieg getötet und David Grossman beendete das Buch. Er sagte: "Was sich vor allem geändert hat, war das Echo der Realität, in der die Endfassung geschrieben wurde."

Buchbeschreibung:

"Eine Mutter fürchtet sich vor der Nachricht, dass einer ihrer beiden Söhne im Krieg gefallen ist. Sie erzählt dagegen an, erzählt von ihrer Liebe zu zwei Männern, sie kocht süße Auberginen und persischen Reis mit Rosinen und Pinienkernen, alles gegen die Angst. Schreiben und Leben von David Grossman kreuzen sich auf schmerzlichste Weise, als Grossmans Sohn Uri in den letzten Tagen des Libanon-Krieges ums Leben kommt."

David Grossman hat 2010 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Dienstag, 30. Juli 2024

Grjasnowa, Olga "Der Russe ist einer, der Birken liebt"

Grjasnowa, Olga "Der Russe ist einer, der Birken liebt" All Russians Love Birch Trees - 2012 

Ich habe im Radio von diesem Buch gehört, die Journalistin Christine Westermann, die über besondere Bücher berichtet, hat es empfohlen. Ich liebe ihre Empfehlungen und mir gefiel der Titel, also wollte ich das Buch lesen.

Die Protagonistin ist eine junge Frau, die der Autorin nicht unähnlich ist. Sie ist in Aserbaidschan aufgewachsen und spricht mehrere Sprachen. Das gilt auch für Masha, unsere Hauptfigur. Sie lebt mit ihrem Freund in Frankfurt. Nach einer Tragödie geht sie nach Israel, wo sie versucht, sich niederzulassen. Ihr Zuhause könnte überall sein, aber sie findet heraus, dass es nirgendwo ist. Sie muss sich damit abfinden, aus einer Einwandererfamilie aus der großen Sowjetunion zu stammen, Jüdin zu sein und alles, was dazu gehört, einschließlich der Geschichte ihrer Familie sowohl in Aserbaidschan als auch in Deutschland. Aber sie beschreibt auch, wie sie in Deutschland behandelt wird, wie ihre Familie dort lebt. Dies sollte eine interessante Lektüre besonders für junge Leute sein.

Es ist nicht die Geschichte als solche, die so außergewöhnlich ist, es sind die Abfolge der Ereignisse und die Träume einer Frau, die Suche nach Glück. Eine Geschichte, die es wert ist, gelesen zu werden. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum es nicht nur in verschiedene andere Sprachen übersetzt wurde, sondern dass eine der Sprachen Englisch ist.

Eine fesselnde Geschichte, die ich im deutschen Original gelesen habe.

Buchbeschreibung: 

"Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer erkrankt. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Ebenso tragisch wie komisch, mit Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat."

Montag, 1. Juli 2024

Ahmad, Aeham "Und die Vögel werden singen"

  

Ahmad, Aeham "Und die Vögel werden singen. Ich, der Pianist aus den Trümmern" - The Pianist from Syria - 2017

Ich habe etliche Bücher über Palästinenser in Israel gelesen (siehe hier und hier), aber ich glaube, dies ist mein erstes Buch über Palästinenser in Syrien und wie sehr der Krieg sie beeinflusst hat.

Was für eine tragische, was für eine traurige Geschichte. Der Autor wuchs als Sohn palästinensischer Flüchtlinge in Syrien auf. Sein Vater ist blind, versucht aber alles für seinen Sohn zu tun, damit er eine bessere Zukunft haben kann, als ihm gegeben wurde.

Leider sollte das nicht sein. Der syrische Bürgerkrieg begann 2011, als Aeham Ahmad gerade 22 war. Ich verglich sein Leben immer wieder mit dem meines Sohnes, der nur ein Jahr jünger ist als er. Wir zogen mit ihm von einem Land ins nächste und es gab immer eine Schule, medizinische Versorgung, Freizeiteinrichtungen, Musiklehrer, Sportgruppen, die Pfadfinder usw. Alles, was wir für ihn und seinen jüngeren Bruder wollten, war da.

Nicht so für die Menschen in Syrien, insbesondere nicht für die palästinensischen Flüchtlinge, die in einem Teil von Damaskus, dem Lager Yarmouk, zusammengepfercht waren, den zu verlassen extrem schwer, wenn nicht unmöglich war.

Am Ende konnte Aeham Ahmad aus Syrien fliehen und hatte großes Glück, dass seine Familie ihm innerhalb eines Jahres folgen konnte. Viele hatten nicht so viel Glück. Ich fürchte um sie alle.

Die Memoiren sind sehr gut geschrieben, der Autor erhielt etwas Hilfe, aber man kann seine Stimme hören, seine Verzweiflung über alles, was ihm und seinen Freunden widerfahren ist. Mir gefiel wirklich, wie er erwähnte, dass die Deutschen so unglaublich nett zu ihm waren und ihm, seiner Familie und seinen Freunden geholfen haben. Wie meine Familie und ich haben die meisten unserer Freunde immer gesagt, dass wir so viel wie möglich helfen müssen. Dies ist eine persönliche Geschichte, die hoffentlich jedem klar macht, dass dies Menschen wie du und ich sind, die dieselben Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen und Träume haben. Wir können alle für eine bessere Zukunft arbeiten, indem wir zusammenhalten.

Buchbeschreibung:

"Der 'Pianist aus den Trümmern' erzählt seine Geschichte erstmals selbst: Aeham Ahmads Buch 'Und die Vögel werden singen. Ich, der Pianist aus den Trümmern' ist ein zutiefst beeindruckendes Zeugnis von Widerstand und Zuversicht. Ein junger Mann spielt Klavier inmitten der Bombenkrater. Für seine Nachbarn, vor allem für die Kinder, um sie von den Schrecken des Krieges abzulenken. Über YouTube hat sein Spiel Menschen auf der ganzen Welt erreicht und bewegt. Nun erzählt Aeham Ahmad seine ganze Geschichte. Von seiner behüteten Kindheit in einem noch friedlichen Syrien, von seinem blinden Vater, dem Instrumentenbauer, von seinen Freunden Mahmoud und Meras, mit denen er durch die Straßen von Damaskus zieht. Doch er erzählt auch von den Anfängen der Rebellion, dem Beginn des schrecklichen Krieges und von seiner lebensgefährlichen Flucht nach Deutschland, das ihm zur neuen Heimat werden muss. Und immer wieder ist es seine Musik, die andere Menschen getröstet, ermutigt und ihm selbst buchstäblich das Leben gerettet hat."

Mittwoch, 19. Juni 2024

Abarbanell, Stephan "Morgenland"

Abarbanell, Stephan "Morgenland" - Displaced - 2015

Ein hochinteressantes Buch. Ich lerne immer gerne etwas über die Geschichte und darüber, was in anderen Ländern passiert. Oder auch darüber, was in meinem eigenen Land lange vor meiner Geburt passiert ist.

Nun, dieses Buch hat mir beides gebracht. Eine junge jüdische Frau, die in Palästina aufwuchs, bevor es Israel war. Eine junge Frau, die Mitglied des Widerstands wurde und für ihr eigenes Land kämpfte. Aber jetzt ist es 1946, der Krieg ist vorbei und die Welt ist nicht mehr das, was sie einmal war. So viele Fragen, so viele Probleme. Jemand sucht nach seinem Bruder, glaubt nicht, dass er getötet wurde, viele Bücher haben ihre Besitzer verloren, wem gehören sie? Niemand weiß, wie es weitergeht, vor allem nicht die Briten, die sich mit all diesen Juden auseinandersetzen müssen, die ein Visum für ihr Protektorat bekommen wollen. Die Geschichte führt uns zu vielen Stationen, ehemaligen Konzentrationslagern sowie einigen Kibbuzim in Deutschland, wir treffen viele Menschen, die versuchen, die neue Welt zu organisieren, Amerikaner und Briten, aber auch Deutsche.

Dem Autor gelingt es, Leben in eine dunkle Zeit zu bringen, seine Protagonistin, Lilya Wasserfall, ist eine Frau mit Hoffnung, eine Frau mit Entschlossenheit. Die Geschichte ist faszinierend und spannend, sie fesselt einen und man möchte wissen, wie es weitergeht.

Dies war Stephan Abarbanells erster Roman, er hat seitdem noch mehr geschrieben, von denen ich sicher noch einige lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Ein großes Panorama der Zeit, als in der Welt alles auf Anfang stand.

1946: Lilya Wasserfall ist im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht in Palästina aktiv und hofft darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Doch sie bekommt einen ganz anderen Auftrag: Im zerstörten Deutschland soll sie nach dem verschollenen jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind suchen. Nach Angaben der Briten ist er in einem Konzentrationslager ermordet worden, sein Bruder in Jerusalem hat jedoch Hinweise darauf, dass er noch lebt. Für Lilya beginnt eine abenteuerliche Reise, und bald merkt sie, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der mit allen Mitteln verhindern will, dass sie Raphael Lind findet.

Von den staubigen Straßen Jerusalems über das zerstörte London, von einem amerikanisch verwalteten München über das überfüllte Flüchtlingslager Föhrenwald, von Offenbach bis nach Berlin und in die Lüneburger Heide folgen wir einer so entschlossenen wie liebenswerten Protagonistin bei ihrer spannenden Spurensuche. Ein epischer Roman über die Welt im Schatten einer Katastrophe.
"

Im Buch erwähnt die Protagonistin einige deutsche Bücher, die sie gelesen hat, um ihr Deutsch zu verbessern::
Mann, Thomas "Tonio Kröger"
Kästner, Erich "Fabian"
Stifter, Adalbert "Nachsommer"
Baum, Vicki "Menschen im Hotel", "Tanzpause", "Welt ohne Sünde"

Montag, 3. Juni 2024

Abulhawa, Susan "Während die Welt schlief"

Abulhawa, Susan "Während die Welt schlief" (Englisch: Mornings in Jenin - aka The Scar of David) - 2010

Jeder, der sich auch nur im Geringsten für den Weltfrieden interessiert, sollte dies lesen und sehen, wie viel Kummer es geben kann, wie viel Ärger Dinge verursachen können, wenn sie nicht gut genug durchdacht sind.

Das Problem begann lange bevor die Juden nach Palästina geschickt wurden, in "ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land". Das Problem dabei war, dass es kein Land ohne Volk war, die Palästinenser hatten dort viele, viele Jahre gelebt. Und man hätte es verstanden, wenn sie ihre neuen Siedler in die Gemeinden hätten integrieren lassen, aber das passiert nicht, und uns wird etwas völlig anderes beigebracht als das, was sie uns immer wieder beibringen.

Wer dieses Buch liest, wird die Welt nicht mehr in Schwarz und Weiß sehen, die Palästinenser als die Bösen und die Juden als die armen Leute, die nur Frieden wollen.

Ich war in Israel und habe viele jüdische Freunde. Ich liebe sie alle, ich liebe das Land, wäre sogar gerne dort geblieben. Ich habe mehrere andere Bücher und Artikel über Israel und seine Nachbarländer gelesen, sowohl von der jüdischen als auch von der palästinensischen Seite, also bin ich nicht hier, um zu urteilen.

Aber dieses Buch öffnet einem die Augen und zeigt einem, dass es in Israel viel mehr Politik gibt, als wir je erfahren werden.

Es ist ein herzzerreißender Roman, der Hass und Tränen, aber auch Liebe und Freude zeigt, der zeigt, wie Menschen sich selbst durch die größten Härten kämpfen und manche es trotzdem schaffen. Die Charaktere sind so gut beschrieben, dass man jeden einzelnen von ihnen ins Herz schließt.

Es ist so schwierig, dieses Buch zu beschreiben und ihm wirklich die volle Anerkennung zu geben. Ich kann nur sagen: Lest es!

Die Filmrechte wurden gekauft, aber noch nicht verwertet.

Buchbeschreibung:

"Jenin im Blumenmonat April: Früh morgens, bevor die Welt um sie herum erwacht, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und des Glücks, die Amal ihr Leben lang im Herzen trägt - ein Leben, das im Flüchtlingslager beginnt, nach Amerika führt und dennoch stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Über vier Generationen erzählt Susan Abulhawa eine tief berührende Geschichte über den Verlust der Heimat, eine zerrissene Familie und die immerwährende Hoffnung auf Versöhnung."

Leseempfehlungen aus dem Buch und einige Ergänzungen von mir (nicht alle über Israel, aber wahrscheinlich alle lesenswert):
Barakat, Ibrisam "Tasting the Sky: A Palestinian Childhood" - 2007
Barghouti, Mourid "I Saw Ramallah" - 1997
Karmi, Ghada "In Search of Fatima: A Palestinian Story" - 2002
Laird, Elizabeth "A Little Piece of Ground" (Ein Kleines Stück Freiheit: Eine Kindheit In Ramallah) - 2003
LeBor, Adam "City of Oranges" - 2006
Nusseibeh, Sari "Once Upon a Country: A Palestinian Life" (Es war einmal ein Land: Ein Leben in Palästina) - 2007
Said Makdisi, Jean "Teta, Mother, and Me: Three Generations of Arab Women" - 2004
Said, Edward "Out of Place: A Memoir" (Am falschen Ort) - 1999
Shehadeh, Raja "Palestinian Walks: Forays into a Vanishing Landscape" (Wanderungen in Palästina) - 2008

Ich habe für alle Bücher nach deutschen Übersetzungen gesucht. Dort, wo ich keinen Titel in Klammern gesetzt habe, gibt es keine deutsche Übersetzung. Noch nicht, hoffe ich.