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Samstag, 19. September 2026

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano"

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano" (Spanisch: La maldición de los Palmisano) - The Last Son's Secret - 2015

Ich mag spanische Autoren im Allgemeinen sehr und freue mich immer, wenn ich einen weiteren für meine Liste entdecke. Der Autor wird mit dem Satz vorgestellt: "Rafel Nadel kann besser schreiben als Tennis spielen." Ein guter Spruch! Ich habe keine Ahnung, wie gut er (der Autor) Tennis spielt, aber ich kann versichern: Er schreibt hervorragend.

Die Geschichte führt uns nach Italien. Ein Besucher bemerkt, dass ein Dorf im Ersten Weltkrieg 42 Söhne verloren hat und dass die Hälfte von ihnen den Nachnamen Palmisano trägt. Im Zweiten Weltkrieg hingegen gibt es keinen Einzigen mit diesem Namen, dafür aber wieder eine Familie, die die Hälfte der Liste ausmacht: die Familie Convertini. In diesem Buch lernen wir beide Familien sowie das Geheimnis kennen, das sie hüten.

Eine sehr interessante Geschichte, gut geschrieben, mit sympathischen – und natürlich auch einigen unsympathischen – Charakteren. Wir erhalten Einblick in das Leben der Italiener während der Kriege, sowohl bei den Anhängern der bösen Mächte als auch bei jenen, die sich den Partisanen anschließen; wir schließen die Menschen ins Herz und verstehen ihre Beweggründe. Die Verknüpfung von Fiktion und historischen Fakten ist sehr gut gelungen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, und ich glaube, dass diese Geschichte auch für diejenigen viel zu bieten hat, die eigentlich nicht gerne über den Krieg lesen.

Buchbeschreibung:

"Ein Dorf in Süditalien wird zum Schauplatz eines halben Jahrhunderts europäischer Geschichte - eine großartige Familiensaga.

Einundzwanzig Tote, alle im Ersten Weltkrieg gefallen. Das ist die traurige Bilanz der Familie Palmisano, die seitdem als verflucht gilt. Als die Witwe Donata Palmisano kurz nach Kriegsende einen Sohn zur Welt bringt, fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie gibt Vitantonio als Sohn ihrer Cousine aus, um ihn zu schützen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ist Vitantonio ein kräftiger junger Mann, der in die Schlacht ziehen soll - genau wie seine Vorfahren. Kann er sein Schicksal besiegen und dem Fluch der Familie entrinnen?"

Freitag, 18. September 2026

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus"

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus" (Spanisch: La Casa del Papel) - The House of Paper - 2007

Ein interessantes Buch über eine Frau, die beim Lesen stirbt, einen Mann, der ein Haus aus Büchern baut, und einen weiteren Mann, der versucht, die Verbindung zwischen ihnen zu finden. Für meinen Geschmack etwas zu kurz (nur 96 Seiten): Man lernt die Figuren nicht lange kennen – gerade erst eingelesen, ist die Geschichte schon vorbei.

Dennoch war es eine durchaus angenehme Lektüre. Als Bonus gibt es vorne im Buch eine schöne Karte, die den Weg der Hauptfigur nach Südamerika zeigt. Sie erinnert an alte Karten auf Pergament – ​​ein Detail, das auch jedem Bücherliebhaber gefallen dürfte. Eine wunderbare kleine Geschichte über Menschen, die Bücher lieben.

Buchbeschreibung:

"Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden."

In diesem Roman werden viele Bücher erwähnt. Das wichtigste ist
"Die Schattenlinie" (The Shadow-Line) von Joseph Conrad.

Andere:
Burckhardt, Jacob "Die Cultur der Renaissance in Italien"
Cervantes, Miguel de "Don Quixote von der Mancha" (SPAN: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha/Don Quixote)
Dickinson, Emily "Gedichte" (Poems)
Dostoevskij, Fyodor "Die Brüder Karamasow" (RUS: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy/The Brothers Karamazov)
Faulkner, William "Absalom! Absalom!" (Absalom! Absalom!)
Hesse, Hermann "Siddhartha" (Siddhartha: An Indian Poem)
Hemingway, Ernest "In einem anderen Land" (A Farewell to Arms)
Salgari, Emilio "Sandokan, der Tiger von Malesia" (IT: I Tigri di Momprasem)

Samstag, 12. September 2026

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence"

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence" (Englisch: A Year in Provence) - 1989

Ich habe schon etliche Bücher von Menschen gelesen, die ihre Heimat (vorwiegend England) verlassen haben, um sich anderswo (hauptsächlich in Südeuropa – Frankreich, Spanien, Italien) niederzulassen.

Meine Favoriten darunter sind die "Der Olivenhain. Liebe in der Provence"-Reihe (The Olive Series) von Carol Drinkwater und "Unter den Zitronenbäumen" (Driving Over Lemons) von Chris Stewart (ehemaliger Genesis-Schlagzeuger).

Ich bin allerdings auch auf weniger gelungene Exemplare gestoßen, und mit der Zeit wiederholen sich die Inhalte ein wenig. Eine Freundin erzählte mir jedoch, sie habe alle Bücher von Peter Mayle über sein Leben in der Provence gelesen und fand sie urkomisch; also beschloss ich, es auch einmal damit zu versuchen.

Das Buch hat mir gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie die bereits erwähnten Werke. Der Autor besitzt Humor, und seine Geschichten über die französischen Nachbarn, die Handwerker und das Essen sind durchaus interessant. Wer diese Art von Büchern mag, sollte es lesen. Er hat zwar noch weitere Bücher über sein Leben in der Provence geschrieben, aber da ich schon so viele Bücher dieses Genres gelesen habe, werde ich ihn und seine Frau nicht weiter auf ihrem Weg begleiten.

Buchbeschreibung:

"Ein charmanter und humorvoller Blick auf das Leben in der Provence, als ein Brite beschließt, seinen Traum zu verwirklichen.

In Mein Jahr in der Provence erzählt Peter Mayle von seinem Abenteuer, als er beschließt, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und in die malerische Provence zu ziehen. Doch das erste Jahr in der neuen Heimat bringt so manche Herausforderung mit sich. Nicht nur die Sprache, sondern auch die französische Lebensart sorgen immer wieder für amüsante Missverständnisse und Überraschungen.

Der Duft von Lavendel und der Geschmack von gutem Wein

Mit viel Charme und Humor schildert Mayle seine Erlebnisse, die kulinarischen Genüsse und die Eigenheiten der Einheimischen. Eine wahre Geschichte, die Lust macht, die Provence mit ihren malerischen Landschaften, dem köstlichen Wein und der einzigartigen Küche selbst zu entdecken. Ein im wahrsten Sinne des Wortes köstliches Buch, durchzogen vom Duft von Jasmin und Lavendel, von Olivenöl, Knoblauch und gutem Wein. Ein unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Auswanderers, der seinen Traum lebt."

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana"

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana: Das Leben bietet dir tausend Chancen ... - Du mußt sie nur wahrnehmen" auch "Das Paradies heißt Bramasole. Eine Liebeserklärung an die Toskana" (Englisch: Under the Tuscan Sun) - 1996

Ich habe ähnliche Bücher von Menschen gelesen und genossen, die ihre (meist europäische) Heimat verließen, um sich im Süden niederzulassen. Selten hatte ich das Gefühl, dass die Person auf die Menschen in ihrer neuen Heimat herabblickte. Dieses Gefühl hatte ich hier. Es gefiel mir überhaupt nicht und ich habe es deshalb nicht zu Ende gelesen – und das kommt sehr selten vor.

Der Roman "Swan" der Autorin hat mir allerdings gut gefallen. Er wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Es ist Liebe auf den ersten Blick, als die amerikanische Reiseschriftstellerin Frances Mayes und ihr Lebensgefährte Ed im Sommer 1990 Bramasole besichtigen, ein kleines Haus in den Hügeln nahe der Etruskerstadt Cortona. Doch von einer toskanischen Idylle sind die beiden noch weit entfernt: Bis das Geld zusammengekratzt, die ersten Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie gemacht und einige Handwerker als Schlitzohren enttarnt sind, vergehen Wochen. Doch die Mühen lohnen sich: Irgendwann können sich die beiden den angenehmeren Seiten des Lebens zuwenden. Für die leidenschaftliche Köchin Frances ist das vor allem die toskanische Küche, aber es bleibt auch immer genügend Zeit für kleine Ausflüge in die Umgebung, in der es so vieles zu entdecken gibt: romantische Straßen, liebliche Landschaften, alte Städte, herrliche Märkte und, nicht zu vergessen, die Italiener selbst mit all ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme. Das erste Essen an einem langen Tisch im Garten, die erste Flasche Öl von den eigenen Olivenbäumen, das erste italienische Weihnachten. Mit ihren Schilderungen und ihren Rezepten nimmt Frances Mayes den Leser mit auf eine Reise durch ihr toskanisches Jahr, und in einem wird er ihr mit Sicherheit zustimmen: Das Paradies liegt in Bramasole."

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain"

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain. Liebe in der Provence" (Englisch: The Olive Series) - 2001

Ich habe nur die ersten drei Bände der Reihe gelesen, aber sie haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht bin ich zufällig auf den ersten gestoßen, weil mir die Autorin bekannt vorkam. Ja, sie ist Helen Herriot, James Herriots Frau in der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (All Creatures Great and Small). Sie hat ein arbeitsreiches Leben als Schauspielerin, aber das schien ihr nicht genug zu sein. Sie heiratete Michel, einen französischen Fernsehproduzenten, und gemeinsam kauften sie eine Olivenfarm in der Provence. Viele Nordeuropäer und US-Amerikaner haben das schon getan und darüber geschrieben. Besonders gut gefiel mir Chris Stewarts Geschichte "Unter den Zitronenbäumen" (Driving over Lemons), aber Helen Stevensons "Instruction for Vistors" oder Frances Mayes' "Unter der Sonne der Toskana" (Under the Tuscan Sun) haben mich nicht so sehr beeindruckt.

Dies ist jedoch eine wunderschöne Geschichte, in der Carol Drinkwater über ihre Liebe zu ihrem Mann und ihre gemeinsame Liebe zur Olivenfarm spricht, über die Arbeit, die ein solches Abenteuer mit sich bringt, und über die Vorteile. Sie beschreibt wunderbar sowohl die Landschaft und ihre Menschen als auch die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es überrascht mich nicht, dass sie inzwischen sieben Bände der Reihe veröffentlicht hat. Die Lektüre ihres Buches kommt mir vor wie ein Urlaub in Südfrankreich. Ich fand es toll.

Buchbeschreibung:

"Carol Drinkwater erzählt uns von den zwei großen Leidenschaften ihres Lebens: Von Michel, dem französischen Filmproduzenten, und von 'Apassionata', einer verlassenen Olivenfarm, in die sich Carol und Michel unter dem weiten Himmel Frankreichs verlieben."

Hier sind die Titel der englischen Serie, von denen leider nur dieses übersetzt wurde:
The Olive Farm: A Memoir of Life, Love and Olive Oil in the South of France - 2001
The Olive Season: Amour, a New Life and Olives Too - 2003
The Olive Harvest: A Memoir of Love, Life and Olives in the South of France - 2004
The Illustrated Olive Farm - 2005
The Olive Route: A Personal Journey to the Heart of the Mediterranean - 2007
The Olive Tree: A Personal Journey Through Mediterranean Olive Groves - 2008
Return To the Olive Farm - 2010

Donnerstag, 10. September 2026

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise"

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise" (Estnisch: Professor Martensi ärasõit) - Professor Martens' Departure - 1984

Ich hatte mir vorgenommen, für mein Projekt "Die Welt durch Bücher bereisen" (Travel the World Through Books) ein Buch über Estland zu lesen.

Dabei stieß ich auf ein Buch über Estland, das die Geschichte anhand des Lebens von Friedrich Fromhold Martens erzählt – einem estnischen Diplomaten im Dienste des russischen Zaren. Es steckt voller Geschichte. Professor Martens verfasste zahlreiche Werke zum Völkerrecht und war maßgeblich an der Etablierung dessen beteiligt, was wir heute als Völkerrecht bezeichnen. Er gehörte zu den Politikern, die nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges verhandelten; es kursierte sogar die (falsche) Meldung, er habe den Friedensnobelpreis erhalten – eine Auszeichnung, die er zweifellos verdient hätte. Dennoch wurde er mit diversen anderen Preisen und Ehrentiteln geehrt. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Gründung des Weltgerichtshofs in Den Haag.

Obwohl das Werk als Roman deklariert ist, liest es sich wie eine Biografie – und es ist wahrscheinlich historisch akkurater als viele Bücher, die diesen Anspruch tatsächlich erheben. Schon nach kurzer Lektüre verspürt man den Wunsch, mehr über diese Persönlichkeit zu erfahren und zu wissen, ob er tatsächlich so war, wie er im Buch geschildert wird. Das Internet ist voll von Artikeln über ihn. Auch das Buch selbst ist reich an Details und erzählt die faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes aus einer Region, über die wir noch immer viel zu wenig wissen.

Buchbeschreibung:

"Estland zu Beginn dieses Jahrhunderts: Professor Martens fährt nach Petersburg. Unterwegs läßt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen. Es ist, von außen gesehen, eine steile Karriere, vom Sohn eines Flickschneiders zum international angesehenen Diplomaten. Doch als er auf den inneren Konflikt zwischen politischem Opportunismus und persönlicher Integrität stößt, weicht sein Stolz der Todesangst. In diesem historischen Roman voller politischer Brisanz stellt Jaan Kross die Frage nach der Mittäterschaft unter einem autoritären Regime."

Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Donnerstag, 27. August 2026

McLeod, Cynthia "Die Schwestern von Surinam"

McLeod, Cynthia "Die Schwestern von Surinam" oder "Surinam" (Niederländisch: Hoe duur was de suiker) - The Cost of Sugar - 1987

Cynthia McLeod ist international vermutlich kaum bekannt, doch ihre Bücher wurden sogar ins Englische übersetzt. Als gebürtige Einwohnerin von Paramaribo, Suriname, schreibt sie auf Niederländisch.

Diese Geschichte gewährt uns einen umfassenden Einblick in das Leben in jenem Land während des 18. Jahrhunderts. Sie beginnt mit Elza und Sarith, zwei Halbschwestern, die mit all dem Komfort und Luxus aufgewachsen sind, der den Sklavenhaltern jener Zeit eigen war. Doch wir lernen nicht nur die Sklavenhalter kennen; wir erhalten auch einen tiefen Einblick in das Leben der Sklaven und ihr Zusammenleben mit ihren Herren – von denen manche gütig waren, andere weniger. Viele der Plantagenbesitzer sind jüdischen Glaubens, was ebenfalls zu Konflikten führt. Und dann sind da noch die Niederländer, die ins Land kommen, um sich dort niederzulassen.

Die entscheidende Frage (lt. Originaltitel: Wie teuer war der Zucker?) lautet nicht, wie viel die Menschen in Europa für den Zucker bezahlen; die Frage ist vielmehr, welchen Preis die Herstellung dieses Zuckers forderte – wie viele Menschenleben geopfert wurden, damit wir süße Speisen genießen können. Ich denke, dies ist eine Frage, die wir uns noch immer stellen müssen, wann immer wir billige Waren aus anderen Ländern erwerben, in denen Arbeiter ausgebeutet werden, damit wir uns ein gutes Leben leisten können. Und dann bleibt da noch die nach wie vor aktuelle Frage, warum manche Menschen glauben, sie seien wertvoller oder intelligenter, bloß weil ihre Hautfarbe etwas heller ist als die anderer. Genau diese Menschen sind es, die in Wahrheit die weniger Intelligenten sind.

Eine lebendige, fesselnde Geschichte – faszinierend, traurig und mitreißend. Ich habe die Lektüre sehr genossen.

Ich habe dieses Buch im niederländischen Original gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die in Surinam geborene Autorin Cynthia McLeod schildert eine kurze geschichtliche Epoche ihres Heimatlandes, die Zeit von 1765 bis 1779. Noch herrscht sorgloses Leben auf den großen Zuckerrohrplantagen der reichen niederländischen Kolonisten, doch immer häufiger fliehen Sklaven in die Wälder, um sich gegen die weißen Herren zu verbünden. Sie führen brutale Überfälle durch, die durch grausame Strafaktionen geahndet werden. In dieser Zeit des Umbruchs wachsen die jüdischen Pflanzerstöchter Elsa und Sarith heran. Ihre Geschichte wird hier erzählt, eine Geschichte von Verrat, Liebe, Gewalt und Leidenschaft."

Montag, 24. August 2026

Williams, John "Augustus"

Williams, John "Augustus" (Englisch: Augustus) - 1972

Ich sage immer, dass ich mein Wissen über die Römerzeit größtenteils aus den Astérix-Comics beziehe – und die sind tatsächlich gar nicht schlecht, wenn man sonst keine Ahnung davon hat, was zu Zeiten Julius Cäsars vor sich ging.

Dieses Buch handelt von dessen Nachfolger; erzählt wird die Geschichte von ihm selbst, seiner Tochter sowie vielen, vielen seiner Freunde und Feinde. Es ist äußerst fesselnd zu lesen, welche Intrigen gesponnen wurden und was sich hinter den Kulissen abspielte.

Ich hätte mir am Ende des Buches eine Liste gewünscht, die die Namen der Personen sowie ihre jeweiligen Beziehungen zueinander aufführt. Zum Glück gibt es heutzutage Google; andernfalls hätte ich wohl völlig den Faden verloren – so, wie mir vorstelle, dass es den Lesern in den 1970er-Jahren ergangen sein muss, als sie das Buch erstmals in den Händen hielten.

Dennoch ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn man etwas über die Römer lernen möchte. Befolgt einfach meinen Rat: Erstellt euch eine Liste, um den Überblick darüber zu behalten, wer wer ist und in welcher Beziehung die einzelnen Personen zu Augustus standen.

Augustus war zweifellos ein äußerst beeindruckender Kaiser – ein Mann, der schon in jungen Jahren in eine Machtposition katapultiert wurde und die Verantwortung für ein riesiges Reich übernehmen musste. Seine Herrschaft währte 40 Jahre und ging als "Pax Romana" – der Römische Frieden – in die Geschichte ein; denn genau das war sein Verdienst: Er brachte den Großteil seines Reiches zur Ruhe – oft um einen hohen Preis, aber nichtsdestotrotz mit großem Erfolg.

Offenbar hat der Autor insgesamt nur drei Bücher verfasst: das vorliegende Werk, den Campus-Roman "Stoner" (Stoner) sowie den Western "Butchers Crossing" (Butcher's Crossing). Vielleicht werde ich mich eines Tages auch an eines seiner anderen Bücher wagen.

Buchbeschreibung:

"Octavius, Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar, später Kaiser Augustus: Williams schildert das Wirken und Leben dieses außergewöhnlichen Mannes so plastisch, so mitreißend, als würden sich die Geschehnisse in unseren Tagen ereignen. Fiktive Briefe und Notizen, Erinnerungen und Senatsprotokolle lassen die Person eines Herrschers lebendig werden, dem das Schicksal Macht und Reichtum in vorher ungekanntem Ausmaß zuspielte. Aber er, der sich zum Gott erheben ließ, sieht am Ende, von Frau und Tochter entfremdet, dem Tod so ungeschützt entgegen wie jeder Mensch – als das 'arme Geschöpf, das er nun einmal ist'."

Freitag, 21. August 2026

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten"

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten" (Schwedisch: Kristuslegender) [Christmas Stories] - 1893-1917

Ich hatte noch nie eine Geschichte von Selma Lagerlöf gelesen – der ersten Frau überhaupt, die den Nobelpreis für Literatur erhielt. Und da sie auch einige Weihnachtsgeschichten verfasst hat, fand ich, es sei höchste Zeit dafür.

Natürlich kannte ich die Zeichentrickserie "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen", die auf ihrem Buch basiert; doch abgesehen davon wusste ich nicht viel über Selma Lagerlöf. Nun, das hat sich geändert, und ich werde sicherlich noch einen ihrer Romane lesen – vielleicht "Gösta Berling".

Dies sind die Geschichten, die in genau dieser Ausgabe enthalten sind:

Die Heilige Nacht (Schwedisch: Den heliga natten, 1904) - The Holy Night
Die Legende vom Luciatag (Schwedisch: Luciadagens legend, 1917) - The Lucia Day Legend
Die Legende von der Christrose (Schwedisch: Legenden om julrosorna, 1908) The Legend of the Christmas Rose 
Gottesfriede (Schwedisch: Gudsfreden, 1898) - God's Peace
Ein Weihnachtsgast (Schwedisch: En julgäst, 1893) - A Christmas Guest 
Einige davon kann man sogar kostenlos herunterladen!

Jedenfalls waren die Geschichten schön zu lesen – besonders zur Weihnachtszeit. Sie verraten uns viel über das Leben in Schweden vor etwa einem Jahrhundert, und ein Blick darauf lohnt sich immer. Manche der Geschichten erinnern eher an Märchen, während andere vom einfachen Volk und dessen Alltag erzählen.

Buchbeschreibung:

"'Am 13. Dezember, in früher Morgenstunde, wenn Kälte und Dunkelheit auf Värmland lastet, kam noch in meiner Kindheit die heilige Lucia von Syrakus in alle Häuser. Sie ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt, sie ist die Legende, die das Vergessen überwindet, sie ist die Herzenswärme …'

Fünf der schönsten Geschichten und Legenden, die Selma Lagerlöf rund um das Weihnachtsfest erzählt hat (und die sich auch gut zum Vorlesen eignen!) sind in diesem Band vereint, allesamt neu übersetzt:
Die heilige Nacht, Die Legende vom Luciatag, Die Legende von der Christrose, Gottesfriede, Ein Weihnachtsgast. In ihnen zeigt sich die Vielseitigkeit der großen Erzählerin, die schlichten, ernsthaften Anspruch, der Religion wie dem Sozialen gegenüber, mit reicher Fabulierlust verbindet."

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf erhielt den Nobel Prize fürLiterature 1909 "auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 20. August 2026

Michaels, Anne "Fluchtstücke"

Michaels, Anne "Fluchtstücke" (Englisch: Fugitive Pieces) - 1996

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Es entspricht absolut meinem Genre und wurde viel gelobt. Zwar würde ich es nicht als schwer zu lesende Lektüre bezeichnen, dennoch konnte ich keine wirkliche Nähe zu den Charakteren aufbauen. Es geschah offensichtlich eine ganze Menge, doch es schien weder echte Handlung noch einen roten Faden zu geben.

Vielmehr waren es flüchtige, fragmentierte Gedanken – lose Bruchstücke, die wahllos zusammengewürfelt wirkten. Als würde jemand versuchen, seine Gedanken zu ordnen, dabei jedoch wenig Erfolg haben. Wie schade! Dies hätte ein großartiges Buch werden können; die Geschichte ist äußerst vielversprechend.

Am meisten störte mich, dass man kaum erkennen kann, wer gerade spricht – es sei denn, man liest die Einleitung. Liest man jedoch die Einleitung, erhält man Spoiler, die einem die gesamte Geschichte verderben können. Ich lese so gut wie nie Einleitungen, bemerkte aber etwa auf der Hälfte des Buches, dass dies hier notwendig war, um überhaupt zu verstehen, worum es eigentlich ging.

Ich vermute, viele Leser schätzen das Buch wegen seines poetischen Schreibstils; dann sollte es jedoch nicht als Roman klassifiziert werden.

Definitiv nicht mein Buch.

Einige Zitate haben mir allerdings gut gefallen – insbesondere der Schlusssatz unter der Rubrik "Anne Michaels' Lieblingsbücher":

"Als ich jung war, empfand ich es als ein Geheimnis, dass das Wort 'read' (lesen/gelesen) eigentlich zwei Wörter sind – zugleich Vergangenheits- und Gegenwartsform. Diese Zeitreise ist eine der Möglichkeiten, wie wir unser Leben in unseren eigenen Händen halten."

sowie ein weiteres Zitat – ein hebräisches Sprichwort:
"Hältst du ein Buch in der Hand, so bist du ein Pilger vor den Toren einer neuen Stadt."

Buchbeschreibung:

"Der siebenjährige Jakob Beer, der einzige Überlebende einer jüdischen Familie, irrt - man schreibt das Jahr 1942 - allein durch die polnischen Wälder und versteckt sich in einer Ausgrabungsstätte. Dort findet ihn der griechische Archäologe Athos, der ihn rettet und nach Griechenland schmuggelt. Von ihm lernt Jakob alles: die Geologie, die Geschichte, die Dichtkunst und die Bedeutung der Liebe. Die Liebe ist für Jakob mehr als eine tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen, sie ist in einer unendlich grausamen Welt das einzige Überlebensprinzip."

Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Montag, 10. August 2026

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser"

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser" (Englisch: The Children of Men) - 1992

Ich liebe dystopische Romane und bin überrascht, dass ich diesem hier noch nie zuvor begegnet war. Was für eine Lektüre!

Wir schreiben das Jahr 2020, und alle Männer sind unfruchtbar. Ich glaube, jede Generation hat ihre eigenen Ängste davor, was in der Zukunft geschehen könnte; dieses Buch entstand im Nachgang der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Ein solches Szenario erschien (und erscheint noch immer) als durchaus denkbar.

Was würden wir wohl wirklich tun, wenn es keine Zukunft gäbe? Würden wir uns gegenseitig ausnutzen und versuchen, uns ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern, bevor wir alle tot und vergessen sind? Wir wissen es nicht. Ich nehme an – wie in jeder Situation –, dass es Menschen geben würde, die sich weiterhin gegenseitig helfen, und andere, die die Lage skrupellos ausnutzen.

Die Lektüre dieses Romans regt dazu an, über all diese Möglichkeiten nachzudenken. Eigentlich lese ich keine Kriminalromane, doch nun verspüre ich die Lust, es einmal mit einem Buch von P.D. James zu versuchen. Sie scheint eine äußerst interessante und kluge Persönlichkeit zu sein, die über jedes beliebige Thema schreiben könnte.

Buchbeschreibung:

"Ein Polit-Thriller, der im England des Jahres 2021 spielt. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. Wie überall auf der Welt haben die Menschen ihre Fortpflanzungsfähigkeit verloren. Unter der Regierungsherrschaft eines Despoten scheint Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei. Bespitzelungen und Einweisungen in Straflager gehören zum Alltag. Aber es existiert eine kleine Dissidentengruppe, die sich gegen das brutale Regime auflehnt ..."

Samstag, 8. August 2026

Bivald, Katarina "Ein Buchladen zum Verlieben"

Bivald, Katarina "Ein Buchladen zum Verlieben" (Schwedisch: Läsarna i Broken Wheel rekommenderar) - The Readers of Broken Wheel Recommend - 2013

Ich würde dieses Buch nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern zählen, da die Handlung doch ziemlich "Chick-Lit"-lastig ist. Sara ist Schwedin und arbeitet in einer Buchhandlung. Amy ist Amerikanerin und lebt in einem abgelegenen Dorf. Sie tauschen Bücher und Gedanken über Bücher aus.

Und genau das hat mich gefesselt: Es werden zahlreiche skandinavische Autoren erwähnt. Daher habe ich eine Liste all jener Bücher und Autoren erstellt, über die sich die beiden unterhalten haben. Darunter finden sich viele interessante Titel – wenngleich einige davon für meinen Geschmack etwas zu sehr in Richtung "Frauenliteratur" tendieren; und da ich kein großer Fan von Kriminalromanen bin, würden es einige dieser Bücher wohl nicht auf meine Leseliste schaffen.

Alcott, L.M. "An Old Fashioned Girl"; "Little Women" * Eine glückliche Zeit
Austen, Jane "Pride & Prejudice" (zweite Rezension); Sanditon * Stolz und VorurteilSanditon
Auster, Paul
Bondeson, Euthanasia - Krimis
Brontë sisters 
Brontë, Charlotte "Jane Eyre"; "Villette" * Jane Eyre; Villette
Brown, Dan (The Da Vinci Code * Sakrileg)
Bulgakov, Mikhail
Child, Lee - Jack Reacher Serie
Christie, Agatha - Krimis
Connelly, Michael - Krimis
Coupland, Douglas "All Families are Narcotic"
DeMille, Nelson "The General's Daughter"; "Word of Honor"
Dickens, Charles 
Dostoevsky, Fyodor (Crime and PunishmentThe AdolescentThe Gambler * Schuld und Sühne; Der Jüngling; Der Spieler)
Evans, Nicholas "The Horse Whisperer
Fielding, Helen - Bridget Jones Series; "Olivia Joules and the Overactive Imagination" * Bridget Jones
Fitzgerald, F. Scott "Tender Is the Night" * Zärtlich ist die Nacht 
Flagg, Fannie "Fried Green Tomatoes";"A Redbird Christmas"
García Márquez, Gabriel (One Hundred Years of SolitudeLove in the time of ColeraThe General in his Labyrinth) * Hundert Jahre Einsamkeit; Liebe in den Zeiten der Cholera; Der General in seinem Labyrinth 
Goethe, Johann Wolfgang von "The Sorrows of Young Werther" * Die Leiden des jungen Werther 
Grisham, John "A Time to Kill"; "The Rainmaker"
Guillou, Jan - Carl Hamilton Serie
Guareschi, Giovannino - Don Camillo Serie
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road"; "The Duchess of Bloomsbury Street" * 84 Charing Cross Road; Die Herzogin von Bloomsbury Street 
Heller, Joseph "Catch-22" * Catch-22
Hemingway, Ernest (The Old Man and the SeaFor Whom the Bell Tolls) * Der alte Mann und das Meer; Wem die Stunde schlägt 
Highsmith, Patricia "The Price of Salt
Joyce, James "Ulysses" * Ulysses 
Keyes, Marian (Rachel's Holiday * Rachel im Wunderland)
Kinsella, Sophie - Shopaholic Serie
Läckberg, Camilla
Larsson, Stieg - Millenium Trilogie
Lee, Harper "To Kill a Mockingbird" * Wer die Nachtigal stört 
Lindquist, Ulla Carin "Rowing Without Oars: A Memoir of Living and Dying" (Ro utan åror: En bok om livet och döden)
Marklund, Liza - Krimis
Malraux, Phil
Martinson, Moa
Montgomery, L. M. "Anne of Green Gables" * Anne auf Green Gables 
Morgan, Jude "The Taste of Sorrow" (über die Brontë-Schwestern)
Morrison, Toni "Beloved" * Menschenkind 
Murdoch, Iris "The Sea, The Sea"
Oates, Joyce Carol (Die Figuren – und ich nehme an, in diesem Fall stimmt auch die Autorin dieses Buches mit mir überein – sind der Meinung, dass sie den Literaturnobelpreis schon vor langer, langer Zeit hätte erhalten sollen.)
Paolini, Christopher - Eragon Serie
Pratchett, Terry
Proulx, Annie "The Shipping News" * Schiffsmeldungen 
Proust, Marcel "In Search of Lost Time" aka "Remembrance of Things Past (À la recherche du temps perdu)
Roth, Philip (Zuckerman UnboundThe Ghost Writer) * Zuckermans Befreiung; Der Ghostwriter 
Rowling, J.K. - Harry Potter Serie * Harry Potter und der Stein des Weisen 
Shaffer, Mary Ann & Barrows, Annie "The Guernsey Literary & Potato Peel Society" * Deine Juliet 
Shakespeare, William (HamletMacbethRomeo and Juliet * Hamlet; Macbeth; Romeo und Julia)
Sparks, Nicholas "A Walk to Remember"
Stein, Gertrude "Geography and Plays"
Steinbeck, John "Grapes of Wrath"; "Of Mice and Men" * Früchte des Zorns; Von Mäusen und Menschen 
Stockett, Kathryn "The Help" * Gute Geister 
Stowe, Harriet Beecher "Uncle Tom’s Cabin" * Onkel Toms Hütte 
Thomas, Dylan 
Thoreau, Henry David "Walden" * Hüttenleben im Walden 
Twain, Mark "The Adventures of Huckleberry Finn"; "Pudd'nhead Wilson. Those extraordinary twins"
Waller, Robert James "The Bridges of Madison County"
Wilde, Oscar 
Witter, Bret; Myron, Vicki  "Dewey: The Small-Town Library Cat Who Touched the World"
Young, Elizabeth "Asking for Trouble"
The Bible * Die Bibel

* Deutsche Titel, soweit ich diese gelesen habe.

Sie erwähnen auch eine Liste, die interessant zu sein scheint:
Mr. Rothberg's Best American Authors List

Buchbeschreibung:

"Wie eine Buchhandlung einen verschlafenen Ort wieder zum Leben erweckt.

Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: '
Die verlässlichsten Autoren', 'Keine unnötigen Wörter', 'Für Freitagabende', 'Gemütliche Sonntage im Bett'. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy …"

Freitag, 24. Juli 2026

Konar, Affinity "Mischling"

Konar, Affinity "Mischling" (Englisch: Mischling) - 2016

Diese Geschichte wird von den Zwillingen Pearl und Stasha erzählt, zwei jüdischen Mädchen, die in Auschwitz landen und in den "Zoo", die Versuchskammern von Josef Mengele, auch bekannt als "Todesengel", gebracht werden. Der Titel bezieht sich darauf, dass die Zwillinge einen jüdischen und einen arischen Elternteil hatten und daher als "Mischlinge" galten.

Dieser Roman beschreibt zweifellos einen der dunkelsten Aspekte eines Krieges, der so furchtbar war, dass er sich kaum in Worte fassen lässt.

Dies ist kein angenehmes Buch. Es gibt nichts Angenehmes in einer Welt, in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft als wertlos gelten und in der im Namen der Wissenschaft schreckliche Dinge an Kindern verübt werden. Das heißt aber nicht, dass solche Bücher nicht geschrieben und gelesen werden sollten. Nein, jeder sollte solche Bücher lesen. Wir alle sollten wissen, was geschehen ist, damit es nie wieder passiert. Nirgendwo. Davon sind wir noch weit entfernt. Gräueltaten geschehen überall auf der Welt, und solange Politiker mit rassistischen Äußerungen Stimmen gewinnen, steuern wir immer näher auf diese Realität zu.

Zurück zum Buch selbst: Es ist hervorragend geschrieben. Die Zwillinge erzählen ihre Geschichten, und wir erfahren die ganze Tragweite ihres Schicksals. Und auch das Schicksal vieler anderer Menschen, die den Krieg überlebten oder darin verschwanden. Ein absolut lesenswertes Buch. Ja, das Thema ist verstörend, aber Unwissenheit darüber lässt es nicht verschwinden, als wäre es nie geschehen.

Buchbeschreibung:

"Eine Seele in zwei Körpern – Perle und Stasia sind zwölf und unzertrennlich, als sie 1944 deportiert werden. Doktor Mengele sucht eineiige Zwillinge für seinen 'Zoo'. Um zu überleben, flüchten sich die Geschwister in magische Welten, schmeicheln sich sogar beim Arzt ein. Doch eines Tages, kurz vor der Befreiung, verschwindet Perle und ein unheilbarer Riss geht durch Stasia. Zusammen mit Feliks, einem weiteren Opfer Mengeles, reist sie durch die verwüsteten Landschaften Polens auf der Suche nach ihrer Schwester. In der eindringlichen Sprache eines Märchens behauptet Affinity Konars 'Mischling' noch im Abgrund des Grauens die Kraft der Fantasie, des Widerstands und der Hoffnung.."

Montag, 13. Juli 2026

Mitchell, David "Wolkenatlas"

Mitchell, David "Wolkenatlas" (Englisch: Cloud Atlas) - 2004

Ein interessantes Buch. Ganz anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Eine Mischung aus einigen Genres, die ich mag, und anderen, die mir weniger zusagen. Stellt euch vor, Robert Louis Stevenson, Daniel Defoe, die Brontë-Schwestern, George Eliot, Michael Crighton, Graham Greene, Aldous Huxley, Ray Bradbury, H.G. Wells, George Orwell, Douglas Adams und Margaret Atwood hätten sich zusammengetan, um eine einzige, durchgehende Geschichte zu schreiben, die von einer ihrer Epochen und Genres in die nächste springt. So ungefähr sähe das Ergebnis aus. Wirklich sehr interessant und schwer zu beschreiben.

Es ist fast wie mehrere Kurzgeschichten in einem Buch, nur dass sie zusammengehören. Das ähnlichste Buch, das ich je gelesen habe, ist wohl "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino, obwohl es doch eine ganz andere Geschichte ist.

Man muss schon dystopische Literatur mögen, sonst ist dieses Buch vielleicht nichts für einen. Davon abgesehen ist der Schreibstil aber wirklich fesselnd. Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, man lernt die Protagonisten und ihre Schicksale kennen, bewegt sich in die Zukunft und kehrt dann zurück, um das Ende der verschiedenen Handlungsstränge zu erleben. Kurz gesagt: absolut faszinierend.

Buchbeschreibung:

"Sechs Lebenswege, die sich unmöglich kreuzen können: darunter ein amerikanischer Anwalt, der um 1850 Ozeanien erforscht, ein britischer Komponist, der 1931 vor seinen Gläubigern nach Belgien flieht, und ein koreanischer Klon, der in der Zukunft wegen des Verbrechens angeklagt wird, ein Mensch sein zu wollen. Und dennoch sind diese Geschichten miteinander verwoben. Mitchells originelle Menschheitsgeschichte katapultiert den Leser durch Räume, Zeiten, Genres und Erzählstile und liest sich dabei so leicht und fesselnd wie ein Abenteuerroman."

Mittwoch, 8. Juli 2026

Lafayette, Madame de "Die Prinzessin von Clèves"

Lafayette, Madame de (Marie-Madeleine) "Die Prinzessin von Clèves" (Französisch: La Princesse de Clèves) - The Princess of Cleves - 1678

Dies ist ein weiterer Klassiker aus Jane Smileys Buch "13 Arten, den Roman zu betrachten" (13 Ways of Looking at the Novel). Ich konnte ihn nicht auf Französisch finden und musste ihn mir daher in englischer Sprache aus der Bibliothek ausleihen. Er war aber trotzdem sehr interessant. Ich denke, Madame de Lafayette kannte sich gut mit dem Leben am französischen Hof im 16. Jahrhundert aus, weshalb die Geschichte um die Prinzessin von Kleve sehr realistisch wirkt.

Wenn ihr klassische Romane mögt und mehr als nur über das England des 19. Jahrhunderts erfahren möchtet, ist dieses Buch genau das Richtige für euch.

Buchbeschreibung:

"Liebe und Intrige am französischen Hof

Die Prinzessin von Clèves ist schön und wohlhabend, der Hof Heinrichs II. liegt ihr zu Füßen. Warum widersteht die junge Witwe dem diskreten, aber aufopfernden Werben des allseits begehrten Herzogs von Nemours? In einem Umfeld voller Machtkämpfe, Eitelkeiten und Affären strebt sie nach einer anderen Art von Glück, dessen höchste Ideale innere Ruhe und Loyalität über den Tod hinaus sind. Madame de La Fayette lässt uns Empfindungen und Absichten ihrer Figuren unmittelbar erleben. Mit vornehmer Zurückhaltung schildert sie widerstreitende Gefühle wie Vernunft und Leidenschaft und verknüpft sie zu einem virtuos verdichteten Erzählrhythmus. Die Prinzessin von Clèves ist ein wahrhaft aristokratischer Roman – und das nicht nur wegen des hohen Stands seiner Protagonisten."

Montag, 6. Juli 2026

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel"

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel" (Englisch: Treasure Island) - 1881/82

Ich habe dieses Buch noch nie zuvor gelesen. Ich habe auch keine der vielen Verfilmungen gesehen, kannte aber viele der Figuren, insbesondere Jim Hawkins, Captain Flint und den gleichnamigen Papagei, Long John Silver – also die Hauptfiguren.

Ich würde es nicht als Kinderbuch bezeichnen. Kinder können es zwar lesen, aber die Geschichte ist auch für Erwachsene spannend. Es ist sehr aufregend, man muss mitraten, was als Nächstes passiert, und liegt dabei nicht immer richtig.

Hätte mich vorher jemand gefragt, ob mir das Buch gefallen würde, hätte ich es sicher nicht gewusst. Aber es hat mir wirklich gut gefallen. Es ist voller Drama und Action. Wenn ihr also Klassiker nicht mit zu viel Romantik mögt, ist dieses Buch vielleicht genau das Richtige für euch. Ein echter Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Die abenteuerliche Geschichte des Jungen Jim Hawkins, der durch Zufall in den Besitz einer Karte gerät, auf der die sagenhaften Schätze des Piratenkapitäns Flint auf einer fernen Insel verzeichnet sind. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Gutsbesitzer Trelawney und dem Arzt Doktor Livesey bricht Jim auf, um die Schatzinsel zu finden. Doch auch einige Piraten aus Flints früherer Mannschaft, allen voran der skrupellose Schiffskoch John Silver, haben von der Karte erfahren und setzen alles daran, in den Besitzer des Schatzes zu gelangen."

Samstag, 4. Juli 2026

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler"

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler" (Italienisch: L'uomo dei tulipani) - The Man of the Tulips - 2002

Eine interessante Geschichte über einen Blumenmaler im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Die Geschichte selbst ist eine Liebesgeschichte, erzählt aber auch viel über das Leben in den Niederlanden jener Zeit, die Liebe und den Tulpenwahn, über die ich bereits in Deborah Moggachs "Tulpenfieber" (Tulip Fever), Anna Pavords "Die Tulpe" (The Tulip) und Mike Dashs "Tulpenwahn" (Tulipomania: The Story of the World’s Most Coveted Flower and the Extraordinary Passions It Aroused) außergewöhnlichen Leidenschaften, die sie entfachte“ gelesen habe.

Zugegeben, diese Bücher bieten mehr Informationen, aber wer ein Buch sucht, das sich nicht ausschließlich auf Tulpen und den Tulpenwahn konzentriert, sondern auch das Leben im Amsterdam jener Zeit beleuchtet, ist dieses Buch vielleicht etwas leichter zu lesen als die beiden letztgenannten. "Tulpenfieber" ist übrigens auch ein Roman.

Buchbeschreibung:

"In Holland im 17. Jahrhundert kreuzen einander verschiedene Lebenswege. Der Maler Napilut (der Name ist ein Anagramm von Tulipan, die Tulpe) malt ausschließlich Tulpen. Sein Modell dafür ist Absentia. Seine Gemälde werden von allen bewundert. Vielleicht vor allem deswegen, weil sie ein Mysterium umgibt - die Bilder strömen einen verführerischen Duft aus. Alle denken, die Bilder würden nach Tulpen riechen. In Wirklichkeit riechen sie nach Liebe. Denn Napilut ist nach tiefer Liebe zu Absentia entbrannt. Zur selben Zeit schreibt Doktor Claudius sein großes Standardwerk zur Kategorisierung der Wolken. Und sein Freund Van der Kalm ist der langsamste Mensch der Welt und arbeitet an einem Projekt, die Zeit zu verlangsamen. Der Uhrmacher Van der Clock indessen bereitet die wichtigste Verabredung seines Lebens vor. Schließlich kommt noch der Venezianer Marco de Ros dazu, der sich auf das Malen von Rosen spezialisiert hat. Die Schicksale all dieser Menschen verbinden sich auf die wundersamste Weise. Die Geschichte spitzt sich zu, die Ereignisse überstürzen sich .."

Mittwoch, 24. Juni 2026

Hawkins, Paula "Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"

Hawkins, Paula "Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich" (Englisch: The Girl on the Train) - 2015

Bevor ich dieses Buch zu lesen anfing, war ich mir nicht sicher, ob es mir gefallen würde. Hätte ich raten müssen, hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass es mir nicht gefallen würde.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es mir sehr gut gefiel. Ich bin eigentlich kein Fan von Krimis, Thrillern, Krimis oder Frauenromanen, und dieses Buch hat von allem etwas. Das Mädchen im Zug beobachtet die Leute in den Gärten, während sie an ihnen vorbeifährt. Es ist interessant zu sehen, wie viel sie aus den kurzen Blicken herauslesen kann. Man fragt sich, ob man aus jedem flüchtigen Blick auf das Leben eines anderen eine Geschichte spinnen kann.

Jedenfalls war die Geschichte gut geschrieben und voller Spannung (obwohl man leicht erraten kann, was passiert, aber man ist sich nie hundertprozentig sicher). Rachel, die Protagonistin, führt ein trauriges Leben; sie ist arbeitslos und Alkoholikerin. Die Art, wie ihr Leben beschrieben wird, lässt einen erkennen, wie leer so ein Leben sein kann.

Ich würde nicht sagen, dass dies das beste Buch war, das ich in dem Jahr gelesen habe, aber es hatte definitiv etwas.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von Jess. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse..."