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Mittwoch, 9. September 2026

Boom, Corrie ten "Die Zuflucht

Boom, Corrie ten with Sherrill, John and Elizabeth "Die Zuflucht: Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945" (Niederländisch: De Schuilplaats) - The Hiding Place. The Triumphant Story of Corrie Ten Boom - 1972

Wenn ihr Anne Franks "Tagebuch" gelesen haben, solltet ihr auch dieses Buch lesen. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschen wie die Familie Frank versteckte, und schildert, was ihnen widerfuhr.

Wie jemand diese Gräueltaten mitansehen kann – sei es aufseiten des Feindes oder im eigenen Volk – und dabei dennoch so positiv bleibt und an einen Sinn hinter all dem glaubt ... das ist für mich unfassbar. Ich bin dankbar, dass es solche Menschen gibt, und hoffe, dass ich genauso reagieren würde, wenn ich vor dieser Entscheidung stünde.

Die Familie ten Boom gehörte jedenfalls zum niederländischen Widerstand. Sie versteckten jeden, der Hilfe brauchte – vor allem Juden – und verhalfen ihnen zur Flucht aus dem Land.

Besonders gut gefiel mir der Vater, der seiner Familie ein echtes Vorbild war. Hier ist ein Zitat, das dies wunderbar veranschaulicht:
"Vater hielt das Baby fest an sich; sein weißer Bart streifte dessen Wange, während er in das kleine Gesicht blickte – mit Augen, die so blau und unschuldig waren wie die des Kindes selbst. Schließlich sah er zu dem Pastor auf.'‚Sie sagen, wir könnten für dieses Kind unser Leben verlieren. Ich würde das als die größte Ehre betrachten, die meiner Familie zuteilwerden könnte.'"

Ein weiteres Zitat, auf das ich eingehen möchte:
"Seltsamerweise fiel es den Menschen nicht am schwersten, den Deutschen oder Japanern zu verzeihen; vielmehr waren es die eigenen Landsleute, die sich auf die Seite des Feindes geschlagen hatten."
Das kann ich gut verstehen. Viele Deutsche oder Japaner hatten keine Wahl, doch diese Leute hatten ihre eigenen Landsleute verraten. Allerdings muss ich – nachdem fast zwanzig Jahre in den Niederlanden lebe – widersprechen, dass man den Deutschen so bereitwillig verzieh; es gibt hier viele Menschen, die es bis heute nicht vergessen haben.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Versteck errichteten und wie es ihnen gelang, ein zusätzliches Zimmer in das Haus einzubauen, ohne dass es jemand bemerkte.

Zugegeben, das Buch ist stark religiös geprägt; Corrie ten Boom und ihre Familie waren Kalvinisten und gehörten der Niederländisch-Reformierten Kirche an, die sehr streng und konservativ war. Doch genau das war ein Beweggrund für ihr Handeln. Auf jeden Fall ist das Buch absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Corrie ten Boom, die niederländische Autorin wurde vor allem mit ihrem Buch 'Die Zuflucht' berühmt, in dem sie erzählt, wie ihre Familie während des Dritten Reichs Juden in ihrem Haus versteckte und dabei schwere Opfer bringen mußte. In ihren Werken spiegeln sich die ungewöhnliche Tiefe und Kraft ihres Glaubens und ihre warmherzige Art auf bewegende Weise wider.

Der internationale Bestseller berichtet über die entscheidenden Jahre im Leben Corrie ten Booms. Mit ihrer ganze Familie bietet sie Verfolgten Schutz und wird selbst zu einer Verfolgten: 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen.

Trotz alldem wird sie eine Botschafterin des Themas "Vergebung" und predigt nach dem Krieg in über 60 Ländern.
"

Dienstag, 1. September 2026

MacGregor, Neil "Deutschland"

MacGregor, Neil "Deutschland. Erinnerungen einer Nation" (Englisch: Germany. Memories of a Nation) - 2014

Früher habe ich Geschichte in der Schule gehasst. Es drehte sich alles nur um Fragen wie: "Wo fand diese Schlacht statt?" oder "Wann war dieser Krieg?" – und das meist ohne viele Details. Deshalb bin ich heute dankbar für all die wunderbaren Bücher, die ich lesen kann und die mir so viele Informationen liefern und alles so viel interessanter machen.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Bücher über Weltgeschichte, europäische Geschichte, britische Geschichte, die beiden Weltkriege und auch einzelne Aspekte der deutschen Geschichte gelesen. Allerdings gibt es kaum Bücher, die die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit behandeln – wohl deshalb, weil das Deutschland, wie es heute existiert, noch gar nicht so lange in dieser Form besteht. Und dabei spreche ich nicht nur von der Wiedervereinigung, die nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Zufällig bin ich auf ein Buch von Neil MacGregor gestoßen – einem britischen Historiker, der all jene Faktoren zusammengetragen hat, die unsere heutige Nation geformt haben.

Wer noch nicht viel über Deutschland weiß (abgesehen davon, dass es hier Nazis gab – das weiß schließlich jeder), für den ist dies das ideale Buch. Ich selbst wusste nie so viel über mein eigenes Land und bin dem Autor unglaublich dankbar dafür, dass er all diese Zusammenhänge aufgearbeitet hat. Es hat mich ziemlich stolz gemacht – wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben.

Er zeigt auf, was in Deutschland vor jenem dunklen Kapitel der Geschichte geschah und wohin der Weg danach führte: die Herausforderungen und die Errungenschaften, Kultur und Kunst, Wissenschaft und Industrie, die Vergangenheit und die Zukunft. Ihm zufolge scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich an die Schattenseiten seiner Geschichte erinnert – und nicht bloß an die Siege in bestimmten Kriegen.

Und das Beste daran: Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Er versucht zu verstehen, wie sich alles ereignen konnte, und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein Anhänger der Nazis war – und dass gerade für diese Menschen jene Zeit besonders schwer war.

Zweifellos eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Es war jede Minute wert. Ich würde sehr gerne auch eines seiner anderen Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind." 

Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Samstag, 18. Juli 2026

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (Englisch: 21 Lessons for the 21st Century) - 2018

Eine brillante Fortsetzung von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens) und "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus). Dies ist ein weiteres Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Der Autor zeigt uns auf, was die Zukunft für uns bereithalten könnte und wie wir uns darauf vorbereiten sollten. Dabei geht es mir nicht um die Angst vor Kriegen oder Naturkatastrophen infolge des Klimawandels, sondern um den Alltag. Was sollten wir studieren oder lernen, um einen vernünftigen Job zu bekommen? Und noch wichtiger: Was sollten unsere Kinder lernen, um im Leben zu bestehen? Meine Eltern und Großeltern verließen die Schule mit 14 oder 15 Jahren, absolvierten eine Ausbildung, und viele von ihnen arbeiteten ihr Leben lang im selben Unternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung konnten sie das Gelernte jahrzehntelang anwenden, ohne sich neues Wissen aneignen zu müssen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das galt weder für meine Generation noch für die heutige Generation, und es wird ganz sicher auch nicht für die übernächste Generation gelten.

Wir brauchen also kluge Köpfe wie Yuval Harari, die uns sagen, was geschehen könnte und was wir tun können, um keine Angst vor der Zukunft zu haben. Genau das tut er. Seine Empfehlungen sind sinnvoll und fundiert; er erläutert jede seiner Aussagen ausführlich. Was noch besser ist: Er erklärt die Dinge so verständlich, dass auch Menschen ohne großes wissenschaftliches Vorwissen (wie ich) seinen Ausführungen folgen können, sei es zu Themen wie Politik, Weltwirtschaft oder anderen Bereichen, die uns betreffen und unser Leben beeinflussen.

Ich kann dieses Buch sowie seine anderen Werke wärmstens empfehlen. Sie sind einfach fantastisch. Ich hoffe, er schreibt noch mehr davon.

Buchbeschreibung:

"Yuval Noah Harari ist der Weltstar unter den Historikern. In 'Eine kurze Geschichte der Menschheit"'erzählte er vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt. In 'Homo Deus' ging es um die Zukunft unserer Spezies. Sein neues Buch schaut auf das Hier und Jetzt und konfrontiert uns mit den drängenden Fragen unserer Zeit.

Wie unterscheiden wir Wahrheit und Fiktion im Zeitalter der Fake News? Was sollen wir unseren Kindern beibringen? Wie können wir in unserer unübersichtlichen Welt moralisch handeln? Wie bewahren wir Freiheit und Gleichheit im 21. Jahrhundert?

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit über den Fragen gebrütet, wer wir sind und was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Doch jetzt setzen uns die heraufziehende ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Bald schon wird irgendjemand darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten.

Dieses Buch will möglichst viele Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen, damit die Antworten nicht von den blinden Kräften des Marktes gegeben werden."

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen"

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Englisch: Homo Deus. A Brief History of Tomorrow)- 2016

Nach der Lektüre von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens. A Brief History of Mankind) wusste ich, dass ich auch die weiteren Bücher dieses brillanten Wissenschaftlers und Autors lesen musste.

Nachdem er zu erklären versucht hat, wie wir an den heutigen Punkt gelangt sind, nimmt uns Yuval Noah Harari nun mit auf eine Expedition in die Zukunft. Fast wie bei Charles Dickens in "Eine Weihnachtsgeschichte" (A Christmas Carol) haben wir uns mit dem "Geist der vergangenen Weihnacht" befasst und kennen den "Geist der gegenwärtigen Weihnacht", doch wir haben keine Ahnung, was uns der "Geist der zukünftigen Weihnacht" bringen wird. Der Autor zeigt uns verschiedene Möglichkeiten auf: Er schildert, was geschehen könnte, wenn wir uns nicht ändern, aber auch, was möglich ist, wenn wir es doch tun. Ich muss dazu sagen: Vieles davon war mir nicht neu, doch er eröffnet so viele unterschiedliche Perspektiven, dass es spannend ist zu sehen, wohin die Reise noch gehen könnte.

Dieses überaus fesselnde Buch macht uns bewusst, wer und wo wir heute sind, was getan werden muss und was wir selbst tun können. Wir alle wissen, dass Maschinen und Computer einen riesigen Teil unserer einstigen Welt übernommen haben – doch sind wir auch für den nächsten Schritt bereit?

Freut euch schon mal auf sein nächstes Buch, in dem er sich mit der Gegenwart befasst: "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (21 Lessons for the 21st Century).

Meiner Meinung nach sollten all seine Bücher in jeden Lehrplan aufgenommen werden.

Buchbeschreibung:

"EINE GESCHICHTE VON MORGEN

In seinem Kultbuch Eine kurze Geschichte der Menschheit erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In 'Homo Deus' stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind."

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Hebrew: קיצור תולדות האנושות/Ḳizur Toldot Ha-Enoshut) - Sapiens. A Brief History of Mankind - 2014

Dieses Buch gehört zu den interessantesten, die ich jemals gelesen habe. Es ist ein Werk, das zu erklären versucht, wie wir zu den Wesen wurden, die wir heute sind – und was in der Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten menschenähnlichen Formen auf der Erde und der Gegenwart geschehen ist. Es liefert Antworten auf viele Fragen, die man sich vielleicht noch nie gestellt hat, es aber eigentlich schon immer hätte tun sollen.

Warum hat der Homo sapiens überlebt und nicht der Neandertaler? Warum wandelten wir uns von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern? Hat uns das gutgetan? Waren die Menschen im Mittelalter unglücklicher als wir heute? Welchen Vorteil bieten globale Gemeinschaften? Und wohin führt diese Entwicklung? Wie stark beeinflusst die Biologie die Geschichte? Was genau sind kulturelle Unterschiede?

Wer sich solche Fragen stellt, findet die Antwort wahrscheinlich in diesem Buch. Oder aber – die Frage lässt sich schlicht nicht beantworten.

Ein brillantes Buch eines großen Denkers: eines Geschichtsprofessors, der sich intensiv mit seinen Mitmenschen auseinandergesetzt hat.

Buchbeschreibung:

"Wie haben wir, Homo Sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder, betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht?

Vor 100 000 Jahren war Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen. Vor 70 000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, die ihn zum Herren des Planeten und zum Schrecken des Ökosystems werden ließ. Bis heute hat sich diese Vorherrschaft stetig zugespitzt: Der Mensch hat die Fähigkeit zu schöpferischem und zu zerstörerischem Handeln wie kein anderes Lebewesen. Und die Menschheit steht jetzt an einem Punkt, an dem sie entscheiden muss, welchen Weg sie von hier aus gehen will."
 
Inzwischen habe ich auch "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus) gelesen. Genauso großartig.

Montag, 18. Mai 2026

Grann, David "Der Untergang der Wager"

Grann, David "Der Untergang der "Wager: Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei" (Englisch: The Wager: A Tale of Shipwreck, Mutiny and Murder) - 2023

Was für eine interessante Geschichte! Nicht nur wegen des Schicksals dieses Schiffes, sondern auch wegen des Lebens an Bord zu jener Zeit. Ich habe schon einige Bücher über Seereisen gelesen (z. B. Master and Commander/Kurs auf Spaniens Küste), und sie sind immer spannend. Dieses Buch handelt vom Leben auf einem Schiff während eines Krieges, von einem Schiffbruch und einer Meuterei. Das ist der Hintergrund vieler Romane aus dieser Zeit, in denen Seeleute vorkommen. Ich denke da besonders an die Geschichten von Jane Austen, deren Brüder Seeleute waren und die in den meisten ihrer Bücher neben Geistlichen (die ihren Vater und einen Bruder repräsentierten) auch Seeleute einfließen ließ. Dieses Buch ergänzt diese Erzählungen.

Wenn ihr also mehr über das Leben auf diesen Schiffen erfahren möchtet, ist dieses Buch genau das Richtige.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht?

Buchbeschreibung:

"Im Januar 1742 wird ein windschiefes Segelboot an die Küste Brasiliens gespült. An Bord 30 Männer, die einzigen Überlebenden des königlichen Eroberungsschiffs 'The Wager', das in einem Sturm zerschellt ist. Sechs Monate später landen drei Schiffbrüchige an der Küste Chiles und behaupten, die 30 Männer seien Meuterer, die sich den königlichen Befehlen widersetzt und skrupellos gemordet hätten… Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Das soll ein britisches Kriegsgericht entscheiden. Es geht um Leben oder Tod. David Grann spinnt aus dem Archivmaterial eines historischen Kriminalfalls eine Erzählung so packend und atmosphärisch dicht wie ein Abenteuerroman erster Güte. Schuld und Unschuld, Treue und Verrat liegen eng beieinander, und am Ende kommt eine schockierende Wahrheit zutage."

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Samstag, 25. April 2026

Obama, Barack "Hoffnung wagen"

Obama, Barack "Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream" (Englisch: The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream) - 2006

Ich denke, spätestens seit meiner Rezension von "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum) (oder Hillary Clintons "Living History" - Gelebte Geschichte) weiß jeder, welche Partei ich unterstützen würde, wenn ich in den USA leben würde. Ich fand das Buch großartig und wollte mehr über Barack Obama erfahren, also habe ich sein nächstes gelesen.

Ich bin oft schockiert, wenn ich höre, wie manche Leute über diesen Präsidenten reden, als wäre er ein Bösewicht und würde nur das Schlimmste für sein Land wollen, obwohl er so viel für sie getan hat und versucht, jedem zu helfen. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, ihn und seine Partei nicht unterstützen, wenn diese versucht, die Steuervorteile für Reiche zu kürzen und das Leben des "kleinen Mannes" etwas leichter zu machen. Wer wünscht sich denn keine Krankenversicherung? Ich lebe in einem Land, in dem Krankenversicherung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit selbstverständlich sind. Wir glauben daran, dass niemand zurückgelassen wird. Vielleicht hat Barack Obama deshalb hier so viele Anhänger – er verfolgt dieselben Ziele wie wir.

Aber zurück zum Buch. Während der Autor in "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum), über seine Kindheit und seine ersten Schritte ins Erwachsenenleben berichtet, schildert er nun seine Anfänge als Politiker. Ich fand es äußerst interessant, einen Blick hinter die Kulissen eines ehemaligen Senators zu werfen, der alle Facetten der Politik sowie ihre Vor- und Nachteile kennt. Sehr lesenswert, ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen.

Er zitiert Daniel Patrick Moynihan: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten." (Everyone is entitled to his own opinion, but not to his own fact.) Ich denke, das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Buchbeschreibung:

"Persönlich, glaubwürdig, visionär – Ansichten und Standpunkte des politischen Hoffnungsträgers der USA vor seiner Wahl 2008

Wie US-Senator Barack Obama im Wahljahr 2008 Millionen Menschen für sich gewann, ist Legende. Zu seinem schnell aufsteigenden Stern in hohem Maße beigetragen hat sein zuvor erschienenes Buch 'Hoffnung wagen'('The Audacity of Hope'). Hier präsentierte Obama sich als Mann der Integration, als Liberaler im positiven Sinn mit klaren Positionen. Uns allen machte er Hoffnung auf eine Renaissance des 'besseren Amerika'. Nicht wenige wünschen sich Barack Obama heute sehnsüchtig zurück ins Weiße Haus."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum"

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie" (Englisch: Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance) - 1995

Ich wollte dieses Buch schon ewig lesen, aber so ist das eben mit Büchern: Man kauft sie, leiht sich immer mehr aus der Bibliothek oder bekommt welche von Freunden, und der Stapel ungelesener Bücher wird immer länger …

Aber vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft und bin froh, es gelesen zu haben, bevor ein großartiger Präsident sein Amt niederlegte. Ich habe anschließend auch "The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream" (Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream) und "A Promised Land" (Ein verheißenes Land) gelesen, sowie die Bücher seiner Frau Michelle gelesen, alles fantastische Bücher von einem wundervollen Paar.

Mir wurde auf Facebook gesagt, dass dieses Buch voller Lügen sei, aber meine Recherchen haben ergeben, dass dies nur von rechten Zeitungen behauptet wird. Falls also jemand eine verlässliche Quelle findet, kann ich die Kommentare gerne hier hinterlassen, aber ich werde alle beleidigenden und beschimpfenden Beiträge löschen. Dies ist kein politischer Blog, ich schreibe hier nur über die Bücher, die ich lese. Wer Barack Obama hasst, dem empfehle ich, jetzt aufzuhören zu lesen und für das nächste Buch, das ich rezensiere, wiederzukommen. Oder auch nicht.

Eines sollte man beim Lesen dieses Buches bedenken: Diese Memoiren wurden nicht von einem Präsidenten geschrieben. Es wurde nicht einmal von einem Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Es stammt aus dem Jahr 1995, es ist also schon lange her. Er hatte gerade sein Jurastudium abgeschlossen und begann seine politische Karriere. Ich glaube, er wollte ein wirklich authentisches Buch über sein Erbe schreiben.

Eines ist sicher: Obama ist ein großartiger Autor. Seine Worte fließen förmlich über die Seiten, man fühlt sich direkt in seine Geschichte hineinversetzt. Ich hoffe, er wird in Zukunft weitere Bücher schreiben. Ich denke, wir können viel von ihm lernen. Er weiß so viel über Rasse, Politik und Kultur in den USA, seine Erfahrungen werden sicherlich noch viele weitere Veröffentlichungen wert sein. Ich fand es äußerst interessant zu lesen, wie es sich anfühlt, als "schwarzer" Mensch behandelt zu werden. Persönlich, als Europäer, bin ich immer wieder überrascht, dass jemand, der einen schwarzen Großelternteil oder sogar Ururgroßelternteil hat, immer noch als schwarz gilt. Das erinnert mich zu sehr an die dunklen Zeiten meines Landes, als wir die Menschen in Halbjuden, Vierteljuden usw. einteilten und keiner von ihnen als vollwertiger Mensch galt. Und ich glaube, das steckt hier dahinter: Man ist nur dann ein Mensch zweiter Klasse, wenn man schwarz ist. So traurig.

Aber mal abgesehen davon: Wenn ich ihn vorher nicht gemocht hätte, würde ich ihn nach der Lektüre dieses Buches ganz sicher mögen. Er wirkt sehr sympathisch, obwohl er seine Fehler nicht verheimlicht und auch mal zugibt, im Unrecht gewesen zu sein. Natürlich ist es eine Autobiografie, und jeder, der so etwas schreibt, möchte gemocht werden. Aber ich bezweifle, dass er sich das alles ausgedacht hat, nur um eines Tages Präsident zu werden. Er wirkt in seinen Schriften sehr ehrlich. Und es ist eine großartige Möglichkeit, jemanden besser kennenzulernen, der ständig in der Öffentlichkeit steht und täglich von so vielen verschiedenen Leuten dargestellt und verunglimpft wird.

Ich wünsche ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Ich habe größten Respekt vor ihnen allen.

Buchbeschreibung:

"Seit Barack Obama für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat, begeistert er die Menschen: Er verkörpert die weltweite Sehnsucht nach einer Politik des Friedens und der Menschlichkeit. Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen in Hawaii und Indonesien, musste Barack nach seiner Rückkehr in die USA erleben, wie er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Dies weckte seinen Ehrgeiz, der ihm zunächst eine glänzende juristische Laufbahn eröffnete und dann seinen furiosen Aufstieg als Politiker der Demokraten begründete. Wer nun seine Familiengeschichte liest, spürt, dass in ihm auch ein begnadeter Erzähler steckt.

Der Präsident und sein amerikanischer Traum

In diesen großartig erzählten, unsentimentalen Erinnerungen sucht der Sohn eines schwarzen afrikanischen Vaters und einer weißen amerikanischen Mutter nach der Bedeutung seines Lebens als farbiger Amerikaner. Es beginnt in New York, als Barack Obama erfährt, dass sein Vater - für ihn mehr ein Mythos als ein Mensch - bei einem Autounfall ums Leben kam. Dieser plötzliche Tod löst eine Odyssee der Gefühle aus. Sie führt zuerst in eine kleine Stadt in Kansas, von wo aus er den Spuren der Familie seiner Mutter auf der Wanderung nach Hawaii folgt. Dann nach Kenia, wo er dem afrikanischen Teil seiner Familie begegnet und mit der bitteren Wahrheit über das Leben seines Vaters konfrontiert wird. Am Ende führt sie zu einer Versöhnung mit seinem geteilten Erbe."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 21. April 2026

Vermes, Timur "Er ist wieder da"

Vermes, Timur "Er ist wieder da" - Look who's back - 2012

Ich habe mich immer gefragt, was meine Großmutter, die 1982 gestorben ist, wohl denken würde, wenn sie heute wiedergeboren würde. Was würde sie wohl dazu sagen, dass die Leute in der Stadt herumlaufen und offensichtlich Selbstgespräche führen? Was würde sie denken, wenn sie einen Internetshop sähe? Was für Waren werden dort verkauft? Und was sind diese seltsamen kleinen schwarzen oder manchmal bunten Kästchen, die alle ständig anstarren?

Timur Vermes ging noch einen Schritt weiter. Er holte den schlimmsten Menschen aller Zeiten zurück: Adolf Hitler. Was würde er wohl heute denken? Hoffentlich wäre er enttäuscht, dass sein Traum nicht in Erfüllung gegangen ist, dass niemand mehr an seine "Werte" glaubt. Der Autor beschreibt das auf eine etwas humorvolle, satirische Weise, und obwohl mir die Idee gefällt, hat mich das Lesen doch irgendwie erschaudern lassen, ein seltsames Gefühl ausgelöst.

Ich hoffe, er sähe ein Deutschland, in dem Ausländer jeder Nationalität, Religion und Hautfarbe willkommen sind. Wo Schwule und Lesben genauso behandelt werden wie alle anderen. Wo niemand etwas gegen Roma oder Sinti hat. Oder gegen Menschen mit anderen politischen Ansichten. Denn die Nazis diskriminierten alle, die einer dieser Gruppen angehörten. Und vielen anderen. Mein eigener Großvater wurde als Kommunist beschimpft und verfolgt, nur weil er kein Nazi war und das auch ganz offen gesagt hatte.

Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren darüber nachdachte, als unsere neue Regierung aus einer geschiedenen und wiederverheirateten Bundeskanzlerin (sie ersetzte einen, der viermal verheiratet gewesen war), einem homosexuellen Vizepräsidenten und Außenminister, einem in Asien geborenen Finanzminister, einem behinderten Finanzminister und mehreren Frauen bestand. Hitler hätte keine von ihnen gutgeheißen, und ich bin froh, dass seine "Werte" heute keine Rolle mehr spielen, dass ihr Wissen und ihre Expertise uns mehr bedeuten als ihr Privatleben. Leider passiert auch viel im Moment, das darauf hinzeigt, dass ähnliche Zeiten wieder kommen könnten. Um Himmels willen, nicht!

Ich lese normalerweise gerne Bücher über alternative Geschichte; schließlich sind meine Lieblingsbücher "The Children's War" [Der Kinderkrieg] und "A Change of Regime" [Ein Regimewechsel] von J.N. Stroyar, in denen wir einfach davon ausgehen, dass die Nazis den Krieg gewonnen haben. Aber in jener Geschichte erfahren wir alle, wie schlimm das für alle gewesen wäre.

Trotzdem ist dieser Roman gut geschrieben und spannend. Ich bin aber immer noch nicht ganz zufrieden damit.

Buchbeschreibungcover:

"Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und 'Gefällt mir!'-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte."

Donnerstag, 9. April 2026

Gaarder, Jostein "Sophies Welt"

Gaarder, Jostein "Sophies Welt" (Norwegisch: Sofies verden) - Sophie's World - 1991

Dieses Buch möchte man nicht in ein paar Tagen lesen. Es enthält viele Informationen. Man könnte es als Philosophiekurs bezeichnen. Zugegeben, es ist für junge Leute geschrieben. Aber auch für uns Ältere ist einiges darin enthalten.

Sophie ist ein 14-jähriges Mädchen, das mysteriöse Briefe von einem ihr unbekannten Philosophen erhält. Er erzählt ihr von einem Philosophen nach dem anderen. Selbst wenn man das Buch nur deshalb liest, ist es eine beachtliche Leistung. Wir erfahren viel über viele Philosophen und ihre Philosophien, ihre Sprache und die Entwicklung unserer heutigen (westlichen) Weltsicht. Und Sophie heißt nicht zufällig Sophie, denn Philosophie bedeutet "Liebe zur Weisheit".

Die Geschichte um Sophie selbst ist ebenso philosophisch. Wer sind wir wirklich? Und was passiert mit den Figuren in den Büchern, die wir lesen? Jostein Gaarder hat vielleicht nicht die großartigste Geschichte aller Zeiten geschrieben, aber er hat uns auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt.

Buchbeschreibung:

"Ein Roman über zwei ungleiche Mädchen und einen geheimnisvollen Briefeschreiber, ein Kriminal- und Abenteuerroman des Denkens, ein gescheites, geistreiches, witziges Buch, ein großes Lesevergnügen - und zu allem eine Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart."

Dienstag, 10. März 2026

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich"

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich" (Französisch: HHhH) - HHhH - 2010

"HHhH", der französische Titel ist identisch mit dem englischen, der deutsche hat einen Zusatz, der die seltsamen Buchstaben erklärt: "Himmlers Hirn heißt Heydrich".

Die Geschichte handelt nicht von Hitler oder Himmler, sondern von Reinhard Heydrich, einem hochrangigen deutschen Nazi-Offizier, und Jozef Gabčík, einem slowakischen Soldaten, sowie Jan Kubiš, einem tschechischen Soldaten, und ihrer "Operation Anthropoid", deren Ziel die Ermordung Heydrichs war.

Heydrich war Mitglied des SD (Sicherheitsdienst, Teil der SS). Der unbekanntesten und unheilvollsten aller Nazi-Organisationen. Einschließlich der Gestapo. Er erfand nicht nur den gelben Stern, der von allen Juden getragen werden sollte, sondern entwarf auch die Gaskammern. Unnötig zu erwähnen, dass er als der gefährlichste Mann im Dritten Reich galt; man nannte ihn den "Henker von Prag", den "Schlächter" und das "Blonde Biest". Nicht gerade ein Titel, den sich ein vernünftiger Mensch wünschen würde.

Laurent Binet hat eine einzigartige Möglichkeit gefunden, die Erzählung einer Sachgeschichte mit einem Teil einer Autobiografie zu verbinden und daraus einen Roman zu machen. Er nennt es angeblich den Infraroman. Eine interessante Art, das Thema zu behandeln, und eine großartige Möglichkeit, den Leser an die Charaktere des Buches zu gewöhnen. Es mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, dass er von der ersten zur dritten Person springt, aber ich mag seinen Stil wirklich.

Auch wenn ihr nichts mehr über den Zweiten Weltkrieg oder die Nazis lesen möchtet, solltet ihr dieses Buch lesen. Es steckt viel Herz darin und ist gleichzeitig sehr informativ.

Er beginnt mit: "Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Eine wahre Geschichte. Eine Geschichte, die du vielleicht kennst, aber nur flüchtig." und so macht er weiter und spricht mit dem Leser, als wäre er im selben Raum.

Und ich schließe mit einem weiteren Zitat:
"Erinnerung nützt nichts den Erinnerten, sondern nur denen, die sich erinnern." Erinnern wir uns also.

Buchbeschreibung:

"HHhH
HIMMLERS HIRN HEISST HEYDRICH

Die NS-Geschichte pointiert als Groteske. Wie ein Detektiv verfolgt Binet die vielen Spuren, die zu dem Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag führen. Immer wieder kommt er dabei auf seine Rolle als Erzähler zurück. Gibt es überhaupt eine historische Wahrheit, und wie kann man über sie schreiben?

Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt du Premier Roman

Beim Spaziergang durch Prag entdeckt der Autor an der Krypta eine Gedenktafel für tschechische Widerstandskämpfer. Sie versteckten sich dort nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich – bis deutsche Soldaten, nachdem sie auf der Suche nach ihnen schon ganz Prag auf den Kopf gestellt hatten, die Krypta fluten ließen.

Der Ich-Erzähler Binet ist so elektrisiert von dieser Geschichte, dass er beschließt, von Paris nach Prag zu ziehen und ihr nachzugehen.

Er verfolgt die sich kreuzenden Spuren der Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer im Frühsommer 1942 in Prag. Der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich soll von dem Tschechen Josef Gabčik, der an den braven Soldaten Schwejk erinnert, auf offener Straße erschossen werden. Doch als der Mercedes mit Heydrich naht, klemmt der Abzug ...

Ein freches und mutiges Buch, das man lachend und weinend zugleich liest."

Einige der Bücher, die der Autor erwähnt:
Burgess, Alan "Seven Men at Daybreak" [Sieben Mann bei Sonnenaufgang]
Flaubert, Gustave "Salammbô" (Salambo)
Harris, Robert "Fatherland" (Vaterland) - 1992
Sand, George "Jean Zizka" [Jan Žižka]
Schmitt, Éric-Emmanuel "La Part de l'autre" (Adolf H. Zwei Leben)
Vollmann, William T. "Europe Central" (Europe Central)

Dienstag, 10. Februar 2026

Austen, Jane "Die Geschichte Englands"

Austen, Jane "Die Geschichte Englands" (Englisch: The History of England: By a Partial, Prejudiced and Ignorant Historian) - 1791

Dies war meine letzte Jane-Austen-Lektüre im Jahr 2025, im Rahmen des Projekts #ReadingAusten. 

Das Büchlein hat 55 Seiten, sehr kleine Seiten. Doch nur 18 davon behandeln die Geschichte Englands; der Rest besteht aus dem Briefwechsel (hauptsächlich) zweier Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und einer Kurzgeschichte namens "Lesley Castle".

Mir hat der erste Teil sehr gut gefallen. Es war interessant zu lesen, wie die Könige und Königinnen Englands von einer einseitigen und voreingenommenen Person wahrgenommen wurden. Jane mochte die Yorks und hasste die Lancasters, daher betrachtete sie alles, was sie taten, durch ihre rosarote oder schwarze Brille. Urkomisch, und man sollte es nicht unbedingt ernst nehmen.

Auch der zweite Teil hat seine urkomischen Momente. Zum Beispiel, wenn Frauen nach ihrer Größe beurteilt werden und groß zu sein als Makel gilt. Lest es einfach, es dauert nicht lange.

Buchbeschreibung:

"Jane Austen litt als Schülerin offensichtlich arg unter dem Unterricht in englischer Geschichte. Als 16-jährige nahm sie schließlich Rache und schrieb eine eigene höchst vergnügliche Geschichte der Könige und Königinnen von England. Dieses ungemein unzuverlässige Geschichtsbuch besteht aus 13 bitterbösen Porträts englischer Royals."

Freitag, 6. Februar 2026

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung"

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung" (Englisch: First they killed my father. A Daughter of Cambodia Remembers) - 2000

Das Buch wurde einem unserer Mitglieder von einer Freundin empfohlen. Wir schätzten die Informationen über die Roten Khmer. Es ist so lange her. Wenn wir es lesen, erinnern wir uns besser an die Geschichte als durch trockene Artikel. Da die Memoiren aus der Sicht einer Fünfjährigen geschrieben wurden, wirkten sie manchmal etwas naiv und schwarz-weiß. Ihr Vater war ihr Held, obwohl er als Teil der ehemaligen Regierung auch Fehler gemacht haben musste.

Die Geschichte war nicht nur deprimierend, wir wussten, dass sie überlebt hatte. Wir lernten, dass es keine einfache Lösung gibt und dass Demokratie auch gefährlich ist. Dieses Buch zeigt, wie grausam Menschen sein können, wie man manche an etwas glauben lassen kann, das es ihnen erlaubt, andere Menschen auf unmenschlichste Weise zu behandeln. Manchmal tut es gut, lange Zeit später über die Ereignisse zu lesen. Außerdem bedeuten uns Sihanouk, Pol Pot, die Roten Khmer, Kambodscha heute mehr. Dieses Buch sollte auf der Leseliste der weiterführenden Schulen stehen.

Ich bin wirklich froh, dass wir dieses Buch gelesen haben, vor allem, nachdem wir nicht besonders zufrieden waren mit dem nordkoreanischen Buch, das wir gelesen hatten ("Somewhere Inside: One Sister's Captivity in North Korea and the Other's Fight to Bring Her Home" von Laura und Lisa Ling).

Mir gefiel, wie Loung Ung die Geschichte aus ihrer Kindheitsperspektive erzählte und wie sie sich in dieser Zeit veränderte. Wie viel sie durchmachen musste, den Tod ihrer geliebten Schwester, dann ihres Vaters, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester. Wie kann jemand so Kleines all diese schrecklichen und grausamen Tode ertragen? Sie wusste, was sie jedem von ihnen wahrscheinlich angetan hatten, besonders ihrem Vater. Besonders leid tat sie mir, als sie im Trainingslager so tun musste, als wäre sie jemand anderes.

Was ich aus diesem Buch gelernt habe, war etwas, das ich schon wusste: Krieg ist schrecklich, ob Bürgerkrieg oder nicht. Und jeder, der mit seinem Schreiben zu diesem Gedanken beiträgt, leistet großartige Arbeit. Die Schwächsten leiden am meisten.

Dieses Buch hat noch zwei Fortsetzungen, leider beide nicht ins deutsche übersetzt, "Lucky Child: A Daughter of Cambodia Reunites with the Sister She Left Behind" (Glückliches Kind: Eine Tochter Kambodschas trifft ihre zurückgelassene Schwester wieder) und "Lulu in the Sky: A Daughter of Cambodia Finds Love, Healing, and Double Happiness" (Lulu im Himmel: Eine Tochter Kambodschas findet Liebe, Heilung und doppeltes Glück). Ich würde diese auch gerne lesen.

Wir haben darüber im April 2013 in unserem internationalen Lesekreis gesprochen.

Buchbeschreibung:

"Nach einunddreißigstündigem Flug über den Pazifik sieht die Besucherin aus Amerika endlich ihre Heimat unter sich auftauchen. Es herrscht Regenzeit in Kambodscha, große Teile des Landes sind von silbrig schimmernden Wasserflächen bedeckt. Voll schwerer Gedanken reist Loung Ung noch einmal zurück in die Schreckenstage ihrer Kindheit.

Eine Kindheit, die für das damals fünfjährige Mädchen eine einzige, nicht enden wollende Fahrt mitten ins Herz der Finsternis bedeutete. Phom Penh, April 1975: Einmarsch der Roten Khmer in die Hauptstadt. Pol Pots Maßnahmen zur Schaffung einer klassenlosen Agrargesellschaft werden brutal in die Tat umgesetzt. Unter dem Vorwand, amerikanische Bombenangriffe stünden bevor, treiben die Truppen die Einwohner Phnom Penhs gnadenlos aufs Land. Der wahre Grund: Pol Pots Befehl zur Ausradierung der Metropolen!

Im beschaulichen Leben der Ungs ist plötzlich nichts mehr wie es war. Eben noch zur gehobenen Mittelschicht Pnomh Penhs zählend, befindet sich die Großfamilie unversehens zusammengepfercht in einem klapprigen Wagen auf der Flucht zu Verwandten auf dem Land. Der kleinen Loung wird eingetrichtert, kein Wort über den privilegierten Stand ihrer Familie zu verlieren, da dies einem Todesurteil gleich käme.

Was nun folgt, ist ein Kriegsalbtraum, der einem die Tränen in die Augen treibt. Loung Ungs lange Flucht, ihre Ausbildung zum Kindersoldaten, der Überlebenskampf der Brüder und Schwestern in den Arbeitslagern, der mörderische Marsch durch die berüchtigten Killing Fields -- schließlich der Verlust der Eltern, ein Horror, der eine Kindheit schlagartig beendet. Allein die Schilderung der "Hinrichtung" eines Khmers nach der Befreiung durch die Vietnamesen (eine wütende Frau schlägt den ehemaligen Peiniger mit einem Hammer tot wie einen Hund), dürfte jedes Kind auf immer traumatisieren."

Dienstag, 16. Dezember 2025

Mandela, Nelson "Der lange Weg zur Freiheit"

Mandela, Nelson "Der lange Weg zur Freiheit" (Englisch: Long Walk to Freedom) - 1994

Dieses Buch stand schon lange auf meiner Liste, aber erst ein anderer Lesekreis es auf seine Liste gesetzt hat, konnte ich es endlich lesen .

Ich habe Nelson Mandela immer dafür bewundert, wie er sein Leben bewältigte, für seinen Kampf gegen Unterdrückung, für seinen Freiheitskampf. Ich meine, wer würde das nicht? Er ist einer der größten Helden unserer Zeit, und die Welt wäre ein besserer Ort, wenn jeder nur ein bisschen von Nelson Mandela in sich hätte.

Das Buch hat meine Meinung über ihn nicht geändert. Wenn überhaupt, hat es meine Bewunderung verstärkt. Ich habe so viel von diesem Mann gelernt, nur indem ich seinen Gedanken in seiner Autobiografie gefolgt bin. Ich hoffe, ich kann zumindest etwas davon in meinem Leben anwenden.

Wie wird man damit fertig, fast dreißig Jahre lang im Gefängnis zu sein? Und nicht nur die Inhaftierung, auch die Situation in diesen Gefängnissen war nicht gerade ideal, nicht das, was man erwarten würde, wenn man für ein Verbrechen, das man in unseren westlichen Ländern begehen würde, inhaftiert werden müsste, für ein Verbrechen, das man tatsächlich begangen hat, nicht für den Kampf für einige der Grundrechte, die jedem Menschen zustehen sollten.

Von seiner Kindheit bei einem afrikanischen Häuptling über sein Jurastudium bis hin zu seinem Engagement für die Bekämpfung der grausamen Auswirkungen des Rassismus in seinem Land hat sich dieser Mann gegen jedes Unrecht, das der Unschuld zugefügt wurde, zur Wehr gesetzt. Er erhielt den Friedensnobelpreis, und wohl niemand hat ihn mehr verdient.

Was bleibt zu sagen, als: Jeder sollte dieses Buch lesen.

Buchbeschreibung:

"Kaum ein anderer Politiker dieses Jahrhunderts symbolisierte in solchem Maße die Friedenshoffnungen der Menschheit und den Gedanken der Aussöhnung aller Rassen auf Erden wie der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, dessen Rolle für seinen Kontinent mit der Gandhis für Indien verglichen wurde. Seine trotz langer Haft ungebrochene Charakterstärke und Menschenfreundlichkeit haben nicht nur die Bewunderung seiner Landsleute, sondern aller friedenswilligen Menschen auf der Welt gefunden. Obwohl als Häuptlingssohn, hochgebildeter und sprachenkundiger Rechtsanwalt gegenüber der schwarzen Bevölkerung privilegiert, war er doch nicht von vornherein zum Freiheitskämpfer und international geachteten Politiker prädestiniert. Erst die fast drei Jahrzehnte währende Gefängnishaft hat ihn zum Mythos der schwarzen Befreiungsbewegung werden lassen. Nelson Mandelas Lebensgeschichte ist über die politische Bedeutung hinaus ein spannend zu lesendes, kenntnis- und faktenreiches Dokument menschlicher Entwicklung unter Bedingungen und Fährnissen, vor denen die meisten Menschen innerlich wie äußerlich kapituliert haben dürften."

Nelson Mandela erhielt 1993 zusammen mit Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis "für ihren Beitrag zur Beendigung der Apartheid in Südafrika"

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Samstag, 13. Dezember 2025

Kaminer, Wladimir "Tolstois Bart und Tschechows Schuhe"

Kaminer, Wladimir "Tolstois Bart und Tschechows Schuhe, Streifzüge durch die russische Literatur" [Tolstoy's beard and Chekhov's shoes, excursions through Russian literature] - 2019

Wladimir Kaminer ist ein großartiger Autor. In Russland geboren, führt er uns seit Jahrzehnten nicht nur durch sein Geburtsland sondern hält uns auch einen Spiegel vor. Ich habe bereits einige seiner Bücher gelesen und nehme mir immer wieder ein neues vor.

Hier stellt er uns ein paar der großen russischen Schriftsteller vor. Wer sie noch nicht kennt, kommt durch dieses Buch vielleicht auf den Geschmack. Und wer sie schon gelesen hat, findet es trotzdem genauso spannend, über das Leben dieser Schriftsteller zu lesen. Außer  Wladimir Majakowski habe ich tatsächlich schon von allen gelesen. Ich kannte den Namen noch nicht einmal. Aber er schrieb Gedichte, und das erklärt es, ich bin kein Gedichtliebhaber, lese ab und zu mal ein oder zwei, aber nie ein ganzes Buch. Aber die russischen Schriftsteller, die liebe ich.

Wie immer bei Kaminer, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Einfach ein sehr schönes Buch.

Buchbeschreibung:

"Dieser Streifzug durch die Literatur ist ein Abenteuer voller Überraschungen. Wladimir Kaminers Blick hinter die Kulissen lässt uns sieben faszinierende Schriftsteller entdecken, Verrückte Ideen, große Triumphe, tragisches Scheitern, wilde Leidenschaften und die großen Ereignisse der Weltgeschichte – all das mehr findet sich in diesem Werk über berühmte Autoren aus Wladimir Kaminers russischer Heimat: Fjodor Dostojewski, Leo Tolstoi, Anton Tschechow, Michail Bulgakow, Wladimir Majakowski, Vladimir Nabokov und Daniil Charms."

Solschenizyn, Alexander "August Vierzehn"

Solschenizyn, Alexander "August Vierzehn, aus dem Zyklus 'Das Rote Rad'" (Russisch: Узел I - «Август Четырнадцатого», Красное колесо/Avgust chetyrnadtsatogo) - August 1914  - 1971

So ein episches Werk! Eine Erzählung über den Ersten Weltkrieg – oder den Großen Krieg, wie er vor dem Zweiten Weltkrieg genannt wurde – aus russischer Sicht. Ich habe viele Bücher über den Ersten Weltkrieg von Autoren aus verschiedenen Ländern gelesen: Ägypten, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Serbien, den USA und sogar Russland (Doktor Schiwago). Aber keines befasste sich so explizit mit Russland oder gar mit dem Krieg selbst, mit Ausnahme von "Im Westen nichts Neues".

Solschenizyn beginnt und endet mit Geschichten über die einfachen Menschen, die zurückblieben und ihre Angehörigen in den Krieg schicken mussten. Dann erzählt er uns, was allein in einem Monat geschah, im August 1914. Einem Monat von über fünfzig.

Er konzentriert sich ausschließlich auf einen bestimmten Abschnitt, ein kleines Gebiet in Ostpreußen, das von den Deutschen verlassen wurde und nun zwischen Russen und Deutschen umkämpft ist. Viele Fehler passieren, und am Ende siegen die Deutschen. 153.000 Deutsche und 191.000 Russen verloren ihr Leben.

Wie schon in "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" und vielen anderen Erzählungen lässt uns Solschenizyn die Figuren hautnah miterleben, mit ihnen hoffen und verzweifeln und uns über die Generäle ärgern, die Fehlentscheidungen treffen und so viele Soldatenleben kosten.

Dies ist ein hervorragendes Buch über die Schlacht bei Tannenberg, die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass sie eine Racheschlacht für eine 500 Jahre zuvor verlorene deutsche Niederlage war. Sie war in Wahrheit die Schlacht von Allenstein.

Keine leichte Lektüre, aber wer mehr über den Ersten Weltkrieg oder Schlachten im Allgemeinen erfahren möchte, findet hier eine großartige Geschichte.

Besonders gut gefiel mir an der Aufmachung des Buches die Karte am Anfang und die Liste aller Figuren. Die realen Personen sind in Großbuchstaben, die fiktiven in Kleinbuchstaben geschrieben. Das ist sehr hilfreich, gerade bei einem so detailreichen Buch mit so vielen Charakteren.  

Buchbeschreibung:

"In seiner monumentalen Erzählung über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der unglückseligen russischen Offensive in Ostpreußen hat Solschenizyn geschrieben, was Nina Krushcheva in The Nation 'eine dramatisch neue Interpretation der russischen Geschichte' nennt. Die Ermordung des zaristischen Premierministers Pyotr Stolypin, ein entscheidendes Ereignis in den Jahren vor der Revolution von 1917, wird aus den entfremdenden Blickpunkten historischer Zeugen rekonstruiert. Die alleinige Stimme der Vernunft unter den Beratern des Zaren Nikolai II. Stolypin starb durch den Anarchisten Mordko Bogrov, und mit ihm verbrachte Russlands letzte Hoffnung auf Reform."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

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Donnerstag, 11. Dezember 2025

Strobel, Lee "Der Fall Jesus"

Strobel, Lee "Der Fall Jesus: ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit" (Englisch: The Case for Christ: A Journalist's Personal Investigation of the Evidence for Jesus) - 1998

Ein atheistischer Journalist versucht, die Wahrheit über Christus und seine Auferstehung herauszufinden. Er reist durch die gesamten Vereinigten Staaten, um mit Experten aus Wissenschaft, Religion, Geschichte, Recht und Philosophie zu sprechen. Sie alle legen ihm einen Fall vor und erläutern, wie sie zu ihren Beweisen gelangt sind.

Es ist erstaunlich, wie viele Fakten diese Männer anführen, aber am Ende behaupten sie immer noch, es sei jedem selbst überlassen, ob er glaubt oder nicht. Interessantes Buch, ideal für Diskussionen.

Buchbeschreibung:

"Wie bei einem Kriminalfall nimmt Lee Strobel auf der Suche nach Wahrheit Experten ins Kreuzverhör und konfrontiert sie mit wissenschaftlichen Fakten, anerkannten Beweisen und unangenehmen Fragen. Wie verlässlich ist das Neue Testament? Gibt es außerhalb der Bibel Beweise für die Existenz Jesu? Die 'Gerichtsverhandlung' können Sie in diesem aufregenden Buch nachverfolgen, doch das 'Urteil' müssen Sie selbst fällen …"