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Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Donnerstag, 13. August 2026

Dylan, Bob "Chronicles"

Dylan, Bob "Chronicles" (Englisch: Chronicles. Volume One) - 2004

Ein überraschender Träger des Literaturnobelpreises. Ich brauche sein Buch nicht, um zu wissen, dass er ihn absolut verdient hat; doch er erzählt darin von seinem Leben – und das ist durchaus interessant.

Wie ich bereits in meinem Beitrag "Literaturnobelpreis 2016" schrieb, fiebere ich immer dem Tag entgegen, an dem der neueste Gewinner des Literaturnobelpreises bekannt gegeben wird – und gemeinsam mit dem Rest der Welt war ich über dieseVerkündung zutiefst erstaunt. Völlig unerwartet, aber wohlverdient, wurde Bob Dylan im Jahr 2016 diese Ehre zuteil.

Bob Dylan, der Held meiner Jugend, hat so viele brillante Lieder mit wunderbaren Texten geschrieben; ich könnte wohl ewig so weitermachen und über jedes einzelne seiner Lieder schreiben, deren Texte ich auswendig kenne. Doch – da dies ein Buchblog ist – habe ich stattdessen seine Biografie gelesen. Die 75-jährige Rocklegende schreibt darin über sein Leben. Oder tut er das wirklich? Ich habe etliche Kommentare gelesen, denen zufolge das Buch gar nicht von ihm selbst verfasst wurde, sondern im Wesentlichen eine Zusammenstellung dessen darstellt, was andere über ihn geschrieben haben.

Dennoch habe ich es sehr genossen, mehr über sein Leben zu erfahren. Ich bin kein Leser von Klatschmagazinen; daher weiß ich so gut wie nie, ob meine Lieblingssänger oder -schauspieler Single, verheiratet, geschieden oder homosexuell sind, ob sie Kinder haben und so weiter. Manchmal erfahre ich solche Dinge über Wikipedia – meist jedoch nur am Rande, wenn ich eigentlich nach einem ihrer Filme oder Lieder suche.

Ich möchte es noch einmal betonen: Ich liebe Bob Dylans Werk. Seine Texte sind heute genauso bedeutend wie vor siebzig Jahren. Damals war die Zeit reif für den Wandel – und es ist an der Zeit, dass sie sich erneut wandelt. Lasst uns alle seinen Liedern lauschen und gemeinsam dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Buchbeschreibung:

"Bob Dylan räumt auf mit den Mythen und Legenden, die sich um sein Leben und Werk ranken, und erzählt seine Geschichte selbst. Wie er Anfang der sechziger Jahre nach New York kam, wo seine Karriere in den Folkclubs begann. Wie er zur Zeit der großen Unruhen in Amerika um seine künstlerische Identität kämpfen und seine Familie vor der Öffentlichkeit schützen musste. Wie ihm ein alter Jazzsänger 1987 half, eine große musikalische Krise zu überwinden. Er blickt auf seine Kindheit zurück und schreibt leidenschaftlich über seine Musik, auch über die Einflüsse, die ihn geprägt haben."

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition" und den Pulitzerpreis für all seine Werke im Jahr 2004.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."

Mittwoch, 29. Juli 2026

Coates, Ta-Nehisi "Zwischen mir und der Welt"

Coates, Ta-Nehisi "Zwischen mir und der Welt" (Englisch: Between the World and Me) - 2015

Eine Freundin schickte mir einen Link zu einem Artikel über zwei Bücher: One Way To Bridge The Political Divide: Read The Book That's Not For You [Ein Weg, die politische Kluft zu überbrücken: Lesen Sie das Buch, das nichts für Sie ist]

Ich habe mit diesem hier angefangen, weil es in meiner Bücherei verfügbar war. Und dann habe ich darauf gewartet, dass sie das andere bekommen, denn ich möchte mir nicht unbedingt ein Buch über Konservative kaufen.

Nun zu diesem Buch. Es ist fantastisch. Es zeigt die inneren Gefühle und Ängste eines schwarzen Mannes, zuerst um sich selbst, später um seine Familie. Er spricht mit seinem Sohn Samori, erzählt ihm von seiner Jugend und was er getan oder nicht getan hat. Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen. Es gibt so viele großartige Bücher, die uns helfen zu verstehen, was andere Menschen durchmachen und uns alle verständnisvoller machen.

Wir alle müssen aus der Geschichte lernen und es besser machen, und dieses Buch ist eines der Bücher, die uns das lehren.

Immer wenn ich über solche Themen lese, muss ich an das berühmte Zitat von Martin Niemöller (1892–1984) denken, einem protestantischen Pfarrer, der sieben Jahre in Konzentrationslagern verbrachte, weil er sich den Nazis widersetzte:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Lasst uns alle für die unterdrückten Minderheiten in jedem Land eintreten.

Buchbeschreibung:

"Wenn in den USA schwarze Teenager von Polizisten ermordet werden, ist das nur ein Problem von individueller Verfehlung? Nein, denn rassistische Gewalt ist fest eingewebt in die amerikanische Identität – sie ist das, worauf das Land gebaut ist. Afroamerikaner besorgten als Sklaven seinen Reichtum und sterben als freie Bürger auf seinen Straßen. In seinem schmerzhaften, leidenschaftlichen Manifest verdichtet Ta-Nehisi Coates amerikanische und persönliche Geschichte zu einem Appell an sein Land, sich endlich seiner Vergangenheit zu stellen. Sein Buch wurde in den USA zum Nr.-1-Bestseller und ist schon jetzt ein Klassiker, auf den sich zukünftig alle Debatten um Rassismus beziehen werden."

Dies sind die beiden Bücher aus dem Artikel: One Way To Bridge The Political Divide: Read The Book That's Not For You [Ein Weg, die politische Kluft zu überbrücken: Lesen Sie das Buch, das nichts für Sie ist].
Strangers in Their Own Land [Fremde im eigenen Land] von Arlie Russell Hochschild handelt von Tea-Party-Konservativen in Louisiana. In "Between the World and Me" von Ta-Nehisi Coates geht es darum, was es bedeutet, schwarz in Amerika zu sein.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen"

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen" [You can also fall upwards] - 2024

Nachdem wir letzten Monat "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" in unserem deutschen Lesekreis gelesen hatten, wollten einige unserer Lesekreismitglieder gerne noch ein Buch von diesem Autor lesen und haben dieses Buch vorgeschlagen. So war dies unser Juli-Buch.

Ich war ja schon nicht der größte Fan letzten Monat, aber irgendwie hat mir dieses Buch fast noch weniger gefallen. Der Mann würde mich verrückt machen, so unselbständig. 

Irgend jemand hat sich darüber beschwert, dass es keinen Plot gibt. Stimmt. Aber das fand ich nicht am Schlimmsten. Vieles wirkte zu aufgesetzt und übertrieben.

Das einzig Interessante war für mich die Erzählung vom Gorki-Theater und den ganzen Schauspielern, die schon zu DDR-Zeiten dort waren. Besonders fand ich die Datscha interessant, die mit lauter Kulissen ausstaffiert wurde.

Ach ja, und die Mutter, die hat mir auch gefallen. Die einzige Person in der ganzen Sippschaft.

War sicher mein letzter "Roman" von Meyerhoff.

Ich muss allerdings sagen, dass beide Bücher den anderen Mitgliedern gut gefallen haben. Sie meinten, er schreibt gut und unterhaltsam. Lt. NDR findet er allerdings seine eigene Geschichte "seltsam". Da sind wir wenigstense einer Meinung.

Klappentext:

"Zu Hause ist da, wo sie dich reinlassen müssen, wenn du klopfst.

Mit Mitte fünfzig zieht der Erzähler zu seiner Mitte achtzigjährigen Mutter aufs Land, um dort an einem Roman zu schreiben. Es werden ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet.

Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer. Der Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter nach Norddeutschland, die auf einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen, aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt zu schreiben und findet allmählich heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben.

Freitag, 10. Juli 2026

Moran, Caitlin "How to be a woman: Wie ich lernte, eine Frau zu sein"

Moran, Caitlin "How to be a woman: Wie ich lernte, eine Frau zu sein" (Englisch: How to be a Woman) - 2011

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mir diese Art von Selbsthilfebüchern für Frauen nicht gefällt, besonders wenn sie versuchen, witzig und "cool" zu sein.

Ähnlich wie "All About Love: New Visions" von Bell Hooks war auch dieses Buch eines der Empfehlungen in der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf" von Emma Watson. Bis zu diesem Buch waren zwei von vier Büchern gut.

Caitlin Moran ist eine ganz andere Autorin. Sie versucht sich an Humor, schreibt ein bisschen Frauenliteratur, wie eine Kolumne in einer Frauenzeitschrift. Vielleicht ganz nett zu lesen, wenn man beim Arzt auf den Termin wartet und nichts anderes zu lesen hat. Was mir nie passiert, weil ich nie ohne Buch zu einem Termin gehe. Aber auch das ist nicht mein Fall.

Buchbeschreibung:

"Es ist verdammt schwer, eine Frau zu sein. Caitlin Moran kann ein Lied davon singen. Als Teenager kämpfte sie mit unförmigen Damenbinden, rostigen Nassrasierern und schlechten Pornos, als Erwachsene scheitert sie grandios am Ideal der modernen Frau. Die ist schön und schlank, hat Kind und Karriere und ist natürlich immer komplett epiliert. Blödsinn, meint Caitlin Moran. Wir dürfen fett, faul und behaart sein. Hauptsache, wir haben Spaß, einen tragfähigen BH und die gleichen Rechte wie Männer. Alles, was ein Mann tun kann, darf eine Frau auch. Und gerne mit den Männern zusammen – denn Feminismus ohne Männer ist todlangweilig."

Donnerstag, 18. Juni 2026

Schimmel, Betty "Werden wir uns wiedersehen"

 
Schimmel, Betty mit Gabriel, Joyce "Werden wir uns wiedersehen. Eine Liebe in den Zeiten des Krieges" (Englisch: To See You Again. A True Story of Love in a Time of War) - 1999

Viele meiner Freunde werden sagen: "Nicht schon wieder eine Holocaust-Überlebensgeschichte!" Und wenn das nicht euer Geschmack ist, lasst es lieber. Doch dies ist ein bemerkenswerter Bericht über eine starke Frau – genauer gesagt, über mehrere starke Frauen –, die die schrecklichste Tortur überlebt haben, die man sich vorstellen kann, und dadurch gestärkt hervorgegangen sind. Ich weiß, dass Betty Schimmel dieses Buch nicht allein geschrieben hat; sie hatte eine Helferin. Aber das ändert nichts an der Geschichte, die sie erzählt. Sie ist herzzerreißend.

Wir alle können von Menschen wie Betty Schimmel lernen, nicht aufzugeben, selbst wenn alles hoffnungslos erscheint. Eine fesselnde Lektüre. Fast wie "Das Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl), nur mit einem glücklicheren Ende.

Kenneth Branagh soll geplant haben, diese Geschichte zu verfilmen. Das wäre bestimmt ein Erfolg geworden, aber ich glaube, dieser Plan wurde nicht verwirklicht.

Buchbeschreibung:

"Als Betty Schimmel (geboren 1929) 9 Jahre alt ist, endet ihre behütete Kindheit. Ihre jüdische Familie lebt auf der Flucht vor der Naziverfolgung, zuletzt in Budapest, wo sie 1944 mit dem Einmarsch der Deutschen ihr letztes Zuhause verliert. Am Leben hält sie trotz Krankheit und Entkräftung die Hoffnung, ihre Jugendliebe wiederzusehen. Doch die Hoffnung bleibt unerfüllt, der Geliebte verschollen. Mit gemischten Gefühlen geht sie eine Ehe ein, emigriert nach Amerika, wird 3fache Mutter und fühlt sich doch immer innerlich leer. Über 30 Jahre später findet sie den Langgesuchten in Budapest, doch auch er ist verheiratet und hat 3 Kinder."

Dienstag, 16. Juni 2026

Roberts, Gregory David "Shantaram"

Roberts, Gregory David "Shantaram" (Englisch: Shantaram) - 2003

Ein hochinteressantes Buch, das mir von mehreren Freunden empfohlen wurde.

Dieser Roman basiert auf dem Leben des Australiers Gregory David Roberts, der wegen bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis saß und anschließend nach Indien floh, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sein Leben verlief danach alles andere als geradlinig, sondern äußerst abwechslungsreich. Wir begleiten ihn im Kampf gegen die Mudschaheddin oder in den Slums, wo er ein Krankenhaus leitet. In jedem Fall ist in "Shantarams" Leben (diesen Namen gaben ihm seine indischen Freunde) immer etwas los. Die Geschichte ist packend, äußerst provokant und zeigt die Höhen und Tiefen eines Lebens. Sie handelt von allem: Liebe und Hass, Verbrechen und Strafe, Arm und Reich, Korruption und Ehrlichkeit, dem Sinn des Lebens und seinen Banalitäten. Über 900 spannende Seiten, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zumindest ging es mir so.

Dieses Buch wird mich mein Leben lang begleiten, da bin ich mir fanz sicher.

Eines meiner Lieblingszitate:
"Die Welt wird von einer Million böser Männer, zehn Millionen dummer Männer und hundert Millionen Feiglingen regiert."
und:
"Nichts ist so deprimierend wie ein guter Rat."

Und noch etwas: Ich fand es toll, wie leicht der Protagonist Sprachen lernt.

Buchbeschreibung:

"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay in Bombay strandet, hat er zwei Jahre Gefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Zu seinem großen Glück begegnet er dem jungen Inder Prabaker, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische Metropole schließen die beiden eine innige Freundschaft, und Lindsay lernt nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen: Er wird zu 'Shantaram', einem 'Mann des Friedens', und kämpft für die Ärmsten der Armen. Doch dann verfällt Lindsay einer Deutsch-Amerikanerin mit dubiosen Kontakten zur Unterwelt."

Mittwoch, 10. Juni 2026

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" [Oh, this gap, this terrible gap] (Alle Toten fliegen hoch. No. 3) - 2015

Unser Lesekreisbuch. für Mai 2026. Obwohl es der dritte Teil einer Serie ist, wurde beschlossen, dieses Buch zu lesen, da man die Romane auch in unterschiedlicher Folge lesen kann. Ich weiß nicht, ob es ein guter Entschluss war und ob es nicht besser gewesen wäre, von vorne anzufangen. Vielleicht lese ich die anderen auch noch. Auf jeden Fall werde ich den letzten Band lesen, da das unser nächstes Buch ist.

Es wird zwar viel auf den Humor in dem Buch hingewiesen, aber ich fand nicht, dass dies die Hauptsache war, es waren schon recht viele traurige Begebenheiten in dem Band.

Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich freue mich, nicht auf eine Schauspielschule gegangen zu sein. Ich habe jede Schule geliebt, aber das war mir dann doch ein wenig verrückt.

Der Schreibstil hat mir schon gefallen, auch einige seiner Wortspielereien (z.B. Turnvater-Jahn-Gedächtnis-Choreografie). Auch die Situationskomik, wie eine unserer Leserinnen es so treffend beschrieb. Als Nicht-Alkohol-Trinkerin haben mir die Großeltern allerdings zu viel gesoffen.

"Mit zwanzig wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: 'Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.'

Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe 'Alle Toten fliegen hoch' nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken."

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Montag, 27. April 2026

Heidenreich, Elke "Hier geht’s lang!"

Heidenreich, Elke "Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben" [This way! Through life with books by women] - 2021

Elke Heidenreich habe ich ja immer schon gerne gelesen. Und ein Buch von Elke Heidenreich über Bücher?? Und über sich selbst??? Das musste ich einfach lesen.

Und das Buch hat gehalten, was der Titel versprochen hat. Natürlich! Was hätte ich auch sonst erwarten können.

Die Autorin erzählt nicht nur, wie sie zum Lesen kam, was sie alles gelesen hat (alles, was man sich nur vorstellen kann), welche Autorinnen sie empfiehlt. Nein, sie erzählt auch ovn ihrem Leben, von ihrer armen Kindheit (die hatte ich auch und mit viel weniger Büchern), von ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit, sowohl von ihrer Arbeit mit Büchern als auch von ihrem Privatleben.

Einfach ein tolles Buch.

Nur eine Beschwerde: Ich hätte mir ein Inhaltsverzeichnis gewünscht mit all den von ihr erwähnten Büchern. Leider ist das nicht im Buch. Und auch nirgendwo im Internet. Ich habe nur diesen KI-Eintrag gefunden:

Jugend/Klassiker: Trotzkopf, Nesthäkchen, Bücher von Enid Blyton, Christine, der Zopf muss ab.

Prägende Literatur: Selma Lagerlöf, Françoise Sagan, Virginia Woolf.

Moderne/Spätere Wegbegleiter: Susan Sontag, Joan Didion, Annie Ernaux, Eva Menasse, Ruth Klüger, Ilija Trojanow (ausgenommen, da männlich, aber erwähnt) (der ist ja auch klasse!)

Schade, denn es wäre ein sehr gutes Nachschlagewerk für lesehungrige Leser*innen.

Buchbeschreibung:

"Mit Büchern von Frauen durchs Leben!

Es waren Bücher von Frauen, die Elke Heidenreich geprägt haben, von frühester Jugend an. Später machte sie das Reden und Schreiben über Bücher zu ihrem Beruf. Und wurde, wie sie heute ist, durch Bücher: Denn Lektüre und Persönlichkeitsentfaltung bedingen einander, das Lesen durchdringt das Leben. Bücher von Frauen gaben ihr das Rüstzeug für alles, was sie heute macht, für die lebenslange Freude an Auseinandersetzungen, schwierigen Lektüren, am immer Weitermachen. Lesen macht glücklich und ist der rote Faden im Leben der Elke Heidenreich. Sie schreibt dieses Buch, um nachzuvollziehen, wie Bücher von Frauen uns zu dem machen, was wir sind, um zu verstehen, was Literatur bedeutet, und um ihren Leserinnen Anregungen zum eigenen Lesen und Leben zu geben."

Samstag, 25. April 2026

Obama, Barack "Ein verheißenes Land"

Obama, Barack "Ein verheißenes Land" (Englisch: A Promised Land) - 2020

Es gibt Bücher, die sich leicht beschreiben lassen. Ich mochte das Buch, ich mochte das Buch nicht. Es war leicht zu lesen, es war schwer zu lesen … Manchmal muss man seinen Lesern seine Meinung zu einem bestimmten Thema mitteilen.

Ich bezweifle, dass ich das muss. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich laut einem Facebook-Test "sehr liberal bin, so weit links wie möglich, bevor man sich in Stalins Hinterhof begibt". Das ist mindestens zehn Jahre her, aber nichts hat sich geändert.

Obwohl viele Präsident Obama als Sozialisten bezeichnen, haben diese Leute keine Ahnung, was ein Sozialist ist. Er hat jedoch das Wohl seines Volkes im Sinn, das wusste ich schon vor der Lektüre des Buches. Leider können wir nichts tun oder sagen, um die Leute davon zu überzeugen, dass er ein guter Mensch ist. Was ich wahrscheinlich am meisten an ihm schätze, ist, dass er seine Fehler eingesteht und nicht fehlerlos ist (im Gegensatz zu einem anderen, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte).

Ich habe dieses Buch so sehr geliebt, dass ich es gar nicht zu Ende lesen wollte. Barack Obama hat eine so angenehme Art, mit dem Leser zu sprechen, dass es sich wirklich anfühlt, als säße man einem Freund gegenüber. Man erfährt nicht nur etwas über sein Leben, sondern auch über Präsidenten im Allgemeinen, welche Aufgaben sie haben und wie schwierig es manchmal ist, diese zu erfüllen. Es war ungemein interessant, so viele Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen.

Ich habe alles, was ich von Barack Obama gelesen habe, sehr genossen. Er ist ein so kluger, anständiger und netter Mann, und ich freue mich schon auf den zweiten Teil seiner Memoiren.

Das Zitat, das ich am meisten liebe:

"Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich an Schicksal geglaubt. Ich befürchte, es fördert Resignation bei den Bedürftigen und Selbstgefälligkeit bei den Mächtigen. Ich vermute, Gottes Plan, wie auch immer er aussehen mag, wirkt auf einer Ebene, die unsere irdischen Leiden übersteigt; dass in einem einzigen Leben Zufälle und glückliche Umstände mehr bestimmen, als wir wahrhaben wollen; und dass wir am besten versuchen, uns an dem auszurichten, was wir für richtig halten, und unserem Chaos einen Sinn zu geben, und in jedem Augenblick mit Anmut und Mut das Beste aus unserem Schicksal zu machen."

Buchbeschreibung:

"Ein fesselnder und zutiefst persönlicher Bericht darüber, wie Geschichte geschrieben wird – von dem US-Präsidenten, der uns inspirierte, an die Kraft der Demokratie zu glauben

In diesem mit Spannung erwarteten ersten Band seiner Präsidentschaftserinnerungen erzählt Barack Obama die Geschichte seiner unwahrscheinlichen Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der freien Welt. In erstaunlich persönlichen Worten beschreibt er seinen politischen Werdegang wie auch die wegweisenden Momente der ersten Amtszeit seiner historischen Präsidentschaft – einer Zeit dramatischer Veränderungen und Turbulenzen.

Obama nimmt die Leser und Leserinnen mit auf eine faszinierende Reise von seinem frühesten politischen Erwachen über den ausschlaggebenden Sieg in den Vorwahlen von Iowa, der die Kraft basisdemokratischer Bewegungen verdeutlichte, hin zur entscheidenden Nacht des 4. Novembers 2008, als er zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde und als erster Afroamerikaner das höchste Staatsamt antreten sollte.

Sein Rückblick auf seine Präsidentschaft bietet eine einzigartige Reflexion über Ausmaß und Grenzen präsidialer Macht und liefert zugleich außergewöhnliche Einblicke in die Dynamik US-amerikanischer Politik und internationaler Diplomatie. Wir begleiten Obama ins Oval Office und in den Situation Room des Weißen Hauses sowie nach Moskau, Kairo, Peking und an viele Orte mehr. Er teilt seine Gedanken über seine Regierungsbildung, das Ringen mit der globalen Finanzkrise, seine Bemühungen, Wladimir Putin einzuschätzen, die Bewältigung scheinbar unüberwindlicher Hindernisse auf dem Weg zur Verabschiedung einer Gesundheitsreform. Er beschreibt, wie er mit US-Generälen über die amerikanische Strategie in Afghanistan aneinandergerät, die Wall Street reformiert, wie er auf das verheerende Leck der Bohrplattform Deepwater Horizon reagiert und die Operation 'Neptune’s Spear' autorisiert, die zum Tode Osama bin Ladens führt.

'Ein verheißenes Land' ist ungewöhnlich intim und introspektiv – die Geschichte eines einzelnen Mannes, der eine Wette mit der Geschichte eingeht, eines community organizer, dessen Ideale auf der Weltbühne auf die Probe gestellt werden. Obama berichtet offen vom Balanceakt, als Schwarzer Amerikaner für das Amt zu kandidieren und damit die Erwartungen einer Generation zu schultern, die Mut aus der Botschaft von 'Hoffnung wagen' gewinnt, und was es bedeutet, die moralische Herausforderung anzunehmen, Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen. Er spricht freimütig über die Kräfte, die sich ihm im In- und Ausland entgegenstellten, gibt ehrlich Auskunft darüber, wie das Leben im Weißen Haus seine Frau und seine Töchter prägte, und scheut sich nicht, Selbstzweifel und Enttäuschungen offenzulegen. Und doch verliert er nie den Glauben daran, dass innerhalb des großen, andauernden amerikanischen Experiments Fortschritt stets möglich ist.

In diesem wunderbar geschriebenen und eindrücklichen Buch bringt Barack Obama seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Demokratie kein Geschenk des Himmels ist, sondern auf Empathie und gegenseitigem Verständnis gründet und Tag für Tag gemeinsam geschaffen werden muss."

Ich habe einige Rezensionen des Buches gelesen, und alle waren positiv. Ich nehme an, wer den Autor nicht mag, wird seine Biografie ohnehin nicht lesen. Eine Bloggerfreundin von mir hat diese Art von Nicht-Rezension mit vielen weiteren Zitaten geschrieben (in Englisch). Schau mal rein, es lohnt sich.

Ihr Hauptargument:

"War Präsident Obama perfekt? Nein. Glaube ich aber, dass er in seinen acht Amtsjahren das Wohl unserer Nation im Blick hatte und seine Aufgaben hervorragend erfüllt hat? Zweifellos ja."

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Wir warten immer noch auf den zweiten Teil.

Obama, Barack "Hoffnung wagen"

Obama, Barack "Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream" (Englisch: The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream) - 2006

Ich denke, spätestens seit meiner Rezension von "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum) (oder Hillary Clintons "Living History" - Gelebte Geschichte) weiß jeder, welche Partei ich unterstützen würde, wenn ich in den USA leben würde. Ich fand das Buch großartig und wollte mehr über Barack Obama erfahren, also habe ich sein nächstes gelesen.

Ich bin oft schockiert, wenn ich höre, wie manche Leute über diesen Präsidenten reden, als wäre er ein Bösewicht und würde nur das Schlimmste für sein Land wollen, obwohl er so viel für sie getan hat und versucht, jedem zu helfen. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, ihn und seine Partei nicht unterstützen, wenn diese versucht, die Steuervorteile für Reiche zu kürzen und das Leben des "kleinen Mannes" etwas leichter zu machen. Wer wünscht sich denn keine Krankenversicherung? Ich lebe in einem Land, in dem Krankenversicherung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit selbstverständlich sind. Wir glauben daran, dass niemand zurückgelassen wird. Vielleicht hat Barack Obama deshalb hier so viele Anhänger – er verfolgt dieselben Ziele wie wir.

Aber zurück zum Buch. Während der Autor in "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum), über seine Kindheit und seine ersten Schritte ins Erwachsenenleben berichtet, schildert er nun seine Anfänge als Politiker. Ich fand es äußerst interessant, einen Blick hinter die Kulissen eines ehemaligen Senators zu werfen, der alle Facetten der Politik sowie ihre Vor- und Nachteile kennt. Sehr lesenswert, ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen.

Er zitiert Daniel Patrick Moynihan: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten." (Everyone is entitled to his own opinion, but not to his own fact.) Ich denke, das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Buchbeschreibung:

"Persönlich, glaubwürdig, visionär – Ansichten und Standpunkte des politischen Hoffnungsträgers der USA vor seiner Wahl 2008

Wie US-Senator Barack Obama im Wahljahr 2008 Millionen Menschen für sich gewann, ist Legende. Zu seinem schnell aufsteigenden Stern in hohem Maße beigetragen hat sein zuvor erschienenes Buch 'Hoffnung wagen'('The Audacity of Hope'). Hier präsentierte Obama sich als Mann der Integration, als Liberaler im positiven Sinn mit klaren Positionen. Uns allen machte er Hoffnung auf eine Renaissance des 'besseren Amerika'. Nicht wenige wünschen sich Barack Obama heute sehnsüchtig zurück ins Weiße Haus."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

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Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum"

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie" (Englisch: Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance) - 1995

Ich wollte dieses Buch schon ewig lesen, aber so ist das eben mit Büchern: Man kauft sie, leiht sich immer mehr aus der Bibliothek oder bekommt welche von Freunden, und der Stapel ungelesener Bücher wird immer länger …

Aber vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft und bin froh, es gelesen zu haben, bevor ein großartiger Präsident sein Amt niederlegte. Ich habe anschließend auch "The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream" (Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream) und "A Promised Land" (Ein verheißenes Land) gelesen, sowie die Bücher seiner Frau Michelle gelesen, alles fantastische Bücher von einem wundervollen Paar.

Mir wurde auf Facebook gesagt, dass dieses Buch voller Lügen sei, aber meine Recherchen haben ergeben, dass dies nur von rechten Zeitungen behauptet wird. Falls also jemand eine verlässliche Quelle findet, kann ich die Kommentare gerne hier hinterlassen, aber ich werde alle beleidigenden und beschimpfenden Beiträge löschen. Dies ist kein politischer Blog, ich schreibe hier nur über die Bücher, die ich lese. Wer Barack Obama hasst, dem empfehle ich, jetzt aufzuhören zu lesen und für das nächste Buch, das ich rezensiere, wiederzukommen. Oder auch nicht.

Eines sollte man beim Lesen dieses Buches bedenken: Diese Memoiren wurden nicht von einem Präsidenten geschrieben. Es wurde nicht einmal von einem Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Es stammt aus dem Jahr 1995, es ist also schon lange her. Er hatte gerade sein Jurastudium abgeschlossen und begann seine politische Karriere. Ich glaube, er wollte ein wirklich authentisches Buch über sein Erbe schreiben.

Eines ist sicher: Obama ist ein großartiger Autor. Seine Worte fließen förmlich über die Seiten, man fühlt sich direkt in seine Geschichte hineinversetzt. Ich hoffe, er wird in Zukunft weitere Bücher schreiben. Ich denke, wir können viel von ihm lernen. Er weiß so viel über Rasse, Politik und Kultur in den USA, seine Erfahrungen werden sicherlich noch viele weitere Veröffentlichungen wert sein. Ich fand es äußerst interessant zu lesen, wie es sich anfühlt, als "schwarzer" Mensch behandelt zu werden. Persönlich, als Europäer, bin ich immer wieder überrascht, dass jemand, der einen schwarzen Großelternteil oder sogar Ururgroßelternteil hat, immer noch als schwarz gilt. Das erinnert mich zu sehr an die dunklen Zeiten meines Landes, als wir die Menschen in Halbjuden, Vierteljuden usw. einteilten und keiner von ihnen als vollwertiger Mensch galt. Und ich glaube, das steckt hier dahinter: Man ist nur dann ein Mensch zweiter Klasse, wenn man schwarz ist. So traurig.

Aber mal abgesehen davon: Wenn ich ihn vorher nicht gemocht hätte, würde ich ihn nach der Lektüre dieses Buches ganz sicher mögen. Er wirkt sehr sympathisch, obwohl er seine Fehler nicht verheimlicht und auch mal zugibt, im Unrecht gewesen zu sein. Natürlich ist es eine Autobiografie, und jeder, der so etwas schreibt, möchte gemocht werden. Aber ich bezweifle, dass er sich das alles ausgedacht hat, nur um eines Tages Präsident zu werden. Er wirkt in seinen Schriften sehr ehrlich. Und es ist eine großartige Möglichkeit, jemanden besser kennenzulernen, der ständig in der Öffentlichkeit steht und täglich von so vielen verschiedenen Leuten dargestellt und verunglimpft wird.

Ich wünsche ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Ich habe größten Respekt vor ihnen allen.

Buchbeschreibung:

"Seit Barack Obama für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat, begeistert er die Menschen: Er verkörpert die weltweite Sehnsucht nach einer Politik des Friedens und der Menschlichkeit. Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen in Hawaii und Indonesien, musste Barack nach seiner Rückkehr in die USA erleben, wie er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Dies weckte seinen Ehrgeiz, der ihm zunächst eine glänzende juristische Laufbahn eröffnete und dann seinen furiosen Aufstieg als Politiker der Demokraten begründete. Wer nun seine Familiengeschichte liest, spürt, dass in ihm auch ein begnadeter Erzähler steckt.

Der Präsident und sein amerikanischer Traum

In diesen großartig erzählten, unsentimentalen Erinnerungen sucht der Sohn eines schwarzen afrikanischen Vaters und einer weißen amerikanischen Mutter nach der Bedeutung seines Lebens als farbiger Amerikaner. Es beginnt in New York, als Barack Obama erfährt, dass sein Vater - für ihn mehr ein Mythos als ein Mensch - bei einem Autounfall ums Leben kam. Dieser plötzliche Tod löst eine Odyssee der Gefühle aus. Sie führt zuerst in eine kleine Stadt in Kansas, von wo aus er den Spuren der Familie seiner Mutter auf der Wanderung nach Hawaii folgt. Dann nach Kenia, wo er dem afrikanischen Teil seiner Familie begegnet und mit der bitteren Wahrheit über das Leben seines Vaters konfrontiert wird. Am Ende führt sie zu einer Versöhnung mit seinem geteilten Erbe."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

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Donnerstag, 23. April 2026

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin"

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen" (Englisch: The Boys in the Boat: Nine Americans and Their Epic Quest for Gold at the 1936 Berlin Olympics) - 2013

Ich habe das Buch im Februar 2015 mit meinem internationalen Lesekreis gelesen. Es ist sehr interessant, wenn man Sachbücher und Geschichten aus dem wahren Leben mag, selbst wenn man – wie ich – kein Sportfan ist. Es geht darin um Menschlichkeit, Durchhaltevermögen, Geschichte …

Die Welt im Jahr 1936. Die Nazis sind die "Gastgeber" der Olympischen Spiele. Hitler will der Welt zeigen, wie brillant sein Land (und seine Partei und seine Rasse) sind. Er würde es vorziehen, wenn keine jüdischen oder farbigen Athleten teilnehmen könnten, aber das widerspricht dem olympischen Geist (obwohl es ihm gelingt, viele von ihnen fernzuhalten). Daher würde er sie lieber besiegt sehen. Was, wie wir alle wissen, nicht immer gelingt. Wer erinnert sich nicht an Jesse Owen, der vier Goldmedaillen im Sprint und Weitsprung gewann?

Eine seiner Hoffnungen ruhte auf dem Ruderwettbewerb, insbesondere auf dem Achter der Männer. "Seine" Mannschaft holte nur Bronze.

Aber es galt nicht nur, die Nazis zu besiegen. Acht Jungen aus den ärmsten Verhältnissen schafften es in ein Ruderteam, das bis dahin ausschließlich aus reichen Studenten von Eliteuniversitäten bestanden hatte. Diese Jungen mussten nicht nur gut rudern, sondern auch gut studieren und arbeiten, um nicht nur sich selbst, sondern in vielen Fällen auch ihre Familien, Geschwister und Eltern zu unterstützen.

Und das ist ihre Geschichte. Einem Mann gelang es, niederzuschreiben, was diese jungen Männer damals durchmachen mussten, wie sie ihren Traum verwirklichten und in einem scheinbar unmöglichen Rennen Gold gewannen.

Daniel James Brown interviewte für dieses außergewöhnliche Buch hauptsächlich Joe Rantz, ein Mitglied des Teams. Rantz musste sich schon früh selbst versorgen, da seine Mutter starb, als er noch klein war, und sein Vater ihn einige Jahre später verließ. Wie er es danach schaffte, einer der erfolgreichsten Sportler zu werden, ist eine lange Geschichte, die sich unbedingt zu lesen lohnt.

Inzwischen gibt es auch einen Film dazu: "The Boys in the Boat".

Buchbeschreibung:

"Sie haben Hitler die Show gestohlen

Berlin, 1936. In einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte ereignete sich im Herzen von Hitlers Stadt ein Wunder: Neun Jungen aus der amerikanischen Provinz gewannen die Olympiade im Rudern und stahlen den Nazis die wohlgeplante Propaganda-Show. Daniel James Brown erzählt in diesem Buch die unglaubliche wahre Geschichte eines der Jungen: Joe Rantz, als Teenager von seiner Familie verlassen und ohne Perspektive im Amerika zur Zeit der großen Depression, schließt sich einem Ruderteam an. Im harten Training zusammen mit acht anderen Jungen, Söhnen von Holzfällern und Bauern, lernt er, anderen und sich selbst wieder zu vertrauen. Doch das Ziel, das die Jungen und ihr Coach sich stecken, ist hoch: sich vor den laufenden Kameras Leni Riefenstahls den deutschen und italienischen Ruderteams zu stellen ..."

Samstag, 18. April 2026

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley"

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika" (Englisch: Travels with Charley. In Search of America) - 1962

Ich habe die Bücher von John Steinbeck schon immer geliebt. Bis ich "Die Straße der Ölsardinen" (Cannery Row) las. Das hielt mich aber nicht davon ab, weitere Bücher von ihm zu lesen. Als unser 1961er-Club hochkam und ich ein Buch von ihm entdeckte, griff ich sofort zu. Leider hatte ich es gerade beendet, als ich herausfand, dass es erst 1962 erschienen war (obwohl es wahrscheinlich 1961 geschrieben wurde). Nun ja, ich konnte nicht in ein oder zwei Tagen ein weiteres Buch lesen, daher muss dies mein Beitrag zu dieser Herausforderung sein (ich werde aber später noch ein weiteres lesen und hier einen Link einfügen).

Ich bin aber sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn es hat mir John Steinbeck und meine Liebe zu seiner Literatur wieder in Erinnerung gerufen.

Obwohl ich kein großer Fan von Wohnmobilen oder Camping im Allgemeinen bin, habe ich es genossen, den Autoren und seinen Hund Charley durch die Vereinigten Staaten zu begleiten. Ich bezweifle, dass ich jemals dorthin reisen werde, aber irgendwie habe ich jetzt das Gefühl ich hätte das getan. Er selbst sagt gegen Ende: "… Ich hatte nicht die Absicht, irgendeine Art von Querschnitt darzustellen, und ich glaube auch nicht, dass ich das getan habe, sodass ein Leser sagen könnte: 'Er glaubt, er habe ein zutreffendes Bild gezeichnet…' Das glaube ich nicht. Ich habe nur wiedergegeben, was mir einige Leute erzählt und was ich gesehen habe. Ich weiß nicht, ob das typisch war oder ob man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen kann." Ich denke, das ist das Beste, was man versuchen kann, und ich bin froh, dass wir ihn auf dieser Reise begleiten konnten.

Er erwähnt auch: "Ich mag Wetter lieber als Klima." Das ist ein großartiges Zitat, dem ich voll und ganz zustimme.

Ich habe das Buch sehr genossen.

Und falls ihr bessere Bücher über Reisen durch die USA kennt, lasst es mich bitte wissen.

Buchbeschreibung:

"Amerika - was für ein Land!

Von den großen Seen bis zu den Rocky Mountains, von den Metropolen der Ostküste bis zu den Wüsten Nevadas stößt man kulturell wie landschaftlich auf eine ungeahnte Vielfalt.

Im Jahre 1960 ist es, als der spätere Literaturnobelpreisträger John Steinbeck sich mit 58 Jahren noch einmal auf die Reise durch sein eigenes Land macht. Teil des Plans sind Pudel Charley und der 'Rosinante' getaufte Dreivierteltoner mit Bootskajüte auf der Ladefläche. Auf diesem Weg besucht Steinbeck 34 Bundesstaaten in elf Wochen und erlebt dabei so einiges..."

John Steinbeck erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1962 "für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn".
 
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Donnerstag, 26. März 2026

Fo, Dario "Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu"

Fo, Dario "Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu" (Italienisch: Il Paese dei Mezaràt: I miei primi sette anni (e qualcuno in più)) - My first seven years (plus a few more) - 2004

Ich weiß, dass dies nicht zu den Büchern gehört, für die Dario Fo seinen Nobelpreis erhielt, denn er schrieb es erst sieben Jahre später.

Doch man kann an diesem Buch erkennen, wie sich der Schriftsteller Dario Fo vom kleinen Kind zum Nobelpreisträger entwickelte. Und er ist nicht nur ein berühmter Schriftsteller, sondern auch Schauspieler und Komiker. Und schon allein das Hören seiner Geschichten lässt einen glauben, dass er ein sehr guter Mensch ist. Er ist der kleine Junge, der immer alle zum Lachen bringt, besonders in den schweren Kriegszeiten.

Titel und Handlung des Buches stammen von einem Zitat von Bruno Bettelheim: "Ich bitte dich nur darum, mir die ersten sieben Jahre im Leben eines Mannes zu geben. Es ist alles da; den Rest kannst du behalten." (wobei ich das nirgendwo im Internet gefunden habe) Zum Glück geht Dario Fo hier etwas weiter, sodass wir auch einen Blick auf den italienischen Widerstand gegen den Faschismus werfen können.

Einige der Geschichten sind recht witzig, und das ganze Buch ist recht leicht zu lesen. Ich bin gespannt, mehr von diesem Autor zu lesen.

Ein Zitat, das mir besonders gut gefallen hat:
"Wenn ein Bauer stirbt, der das Land und die Geschichte der Menschen kennt, die es bearbeiten, wenn ein weiser Mann stirbt, der Mond und Sonne, Wind und Vogelflug zu lesen weiß, ... stirbt nicht nur ein Mann. Es stirbt eine ganze Bibliothek."

Buchbeschreibung:

"Der Nobelpreisträger Dario Fo, einer der bekanntesten und international erfolgreichsten Dramatiker, erinnert sich an seine Kindheit und Jugend. Mit einem scharfen Auge für die komischen Seiten des Lebens in allen Situationen beschreibt er sein Elternhaus am Ufer des Lago Maggiore, seine Begegnung mit der Malerei und der Literatur und erzählt von kleinen Schurkereien und großen Taten in bewegten Zeiten.

Das Leben schreibt noch immer die besten Geschichten. Und Dario Fo erzählt in komödiantischer Meisterschaft die skurrile Geschichte seines Lebens. Geboren zwischen Eisenbahnwaggons - sein Vater ist der geachtete Stationsvorsteher Felice - wächst er an den Ufern des Lago Maggiore auf. Ein zauberhafter Ort, der allerdings seinen Bewohnern harte körperliche Arbeit und Entbehrungen abverlangt. Das Leben in Armut und inmitten kleiner Gaunereien wird spätestens bei Kriegsausbruch zum Kampf ums Überleben. Zunächst aus der Perspektive des kleinen Jungen erzählt, der fest davon überzeugt ist, dass die Dächer in der nahe gelegenen Schweiz aus Schokolade sind, berichtet Fo über erste Begegnungen mit der Malerei und dem Volkstheater. Schon früh zeigt sich eine klare politische Haltung, die später im Widerstand gipfelt. Doch der Lebenskünstler Fo sieht immer auch die komische Seite, ob polnische und englische Kriegsgefangene ihrem Schicksal entkommen, weil sie in die Verkleidung einer Varietégruppe schlüpfen, oder ob er sich in einem Nonnenkloster vor der Einberufung versteckt.

Fos Autobiographie ist ein Muss für die Fans seiner Theaterstücke, doch auch alle anderen Leser werden sich dem Charme dieser italienischen Kindheit und Jugend nicht entziehen können."

Dario Fo "der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wiederaufrichtet" erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1997.

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Montag, 16. März 2026

Oates, Joyce Carol "Meine Zeit der Trauer"

Oates, Joyce Carol "Meine Zeit der Trauer" (Englisch: A Widow's Story. A Memoir) - 2011

Obwohl Joyce Carol Oates seit meiner ersten Lektüre (Wir waren die Mulvaneys/We Were The Mulvaneys) ganz oben auf meiner Liste der Lieblingsautorinnen steht, steigt sie mit jedem Buch, das ich lese, immer weiter nach oben. Dieses hier war das beste überhaupt.

Dieses Buch hat mich mehr berührt als jedes andere Buch seit langem. Es hat mich angesprochen.

Ich habe viel über JCO gelernt, vieles, was ich mit ihr gemeinsam habe. Zum Beispiel liebt sie Gärten, aber nicht die Gartenarbeit. Aber das ist nicht die Hauptsache.

Was macht eine Frau, wenn ihr Mann unerwartet stirbt, wenn sie zu ihm sagt: "Auf Wiedersehen, bis morgen", nur, es gibt kein Morgen. Zumindest nicht für ihn, und für sie fühlt es sich genauso an. Ist ein Morgen ohne den geliebten Menschen, mit dem man den größten Teil seines Lebens verbracht hat, lebenswert? Selbst wenn man in diesem Fall ein sehr unabhängiger Mensch ist, sein eigenes Leben, seinen eigenen Job und alles hat? Sie waren 47 Jahre verheiratet. Das ist eine lange Zeit, und es ist nicht leicht, über den Verlust eines so nahestehenden Menschen hinwegzukommen.

Joyce Carol Oates versucht, weiterzumachen, aber es fällt ihr sehr schwer. Sie gibt uns die Möglichkeit, ihr auf ihrer Reise zurück ins Leben zu folgen, Tag für Tag.

Joyce Carol Oates denkt über viele Fragen zu diesem Thema nach: Tod, Witwenschaft, Alter. Sie geht sehr weit in die Tiefe.

Warum gibt es Leben? (JCO: "Ich bin völlig verblüfft, warum es Leben gibt und nicht vielmehr das Ende des Lebens.")
Was bedeutet Leben? ("Ich behaupte nicht, dass das Leben nicht reich, wunderbar, schön, vielfältig, immer wieder überraschend und kostbar ist – nur, dass es für mich keinen Zugang mehr zu diesem Leben gibt. Ich behaupte nicht, dass die Welt nicht schön ist – zumindest ein Teil der Welt. Nur, dass diese Welt für mich fern und unerreichbar geworden ist.")
Wie ändert man seine Einstellung zum Leben, zum Suizid ("Glauben Sie nicht – wenn Sie geistig gesund sind und der Gedanke an Suizid Ihnen zuwider ist … –, dass Suizid für andere ein 'negativer' Gedanke ist – ganz und gar nicht. Suizid ist in Wirklichkeit ein tröstlicher Gedanke. Suizid ist die geheime Tür, durch die Sie die Welt jederzeit verlassen können – es liegt ganz bei Ihnen.")
Sie spricht über Depressionen und ihre Auswirkungen auf das Leben ("Vielleicht ist es ein Entzugssymptom – morgens nicht aus dem Bett kommen zu können. [Der Begriff 'Morgen' selbst kann bei Depressionen revidiert werden – 'Morgen' wird zu einem dehnbaren Begriff, wie 'mittleres Alter'.] Arme, Beine und Kopf schwer wie Beton. Atemnot – und was für eine vergebliche Anstrengung! Ganz zu schweigen davon, wie Camus' Sisyphos einen Felsbrocken einen Berg hinaufzurollen, was ist mit der Vergeblichkeit des Atmens."), 
wie es die Perspektive verändert ("Ich bin nicht stark genug, ein Leben ohne Sinn fortzusetzen, außer den Tag und dann die Nacht zu überstehen. Ich bin nicht stark genug zu glauben, dass ein so minimales Leben die Mühe wert ist, es in die Länge zu ziehen.")
sowie über Krankheit ("Wenn man dann endlich krank ist und sich ins Bett zurückziehen muss, richtig krank, sagen wir mit Grippe, ist man so schrecklich schwach, so eindeutig krank, dass man kaum noch den Kopf hochhalten oder ihn auch nur auf ein Kissen legen kann. Lesen, so lange als wohlverdiente Belohnung angesehen, kommt plötzlich nicht mehr in Frage, genauso wenig wie aus dem Bett zu springen und tanzend – rennend – bis ans andere Ende des Hauses zu gehen.") auf eine Art und Weise, über die kaum jemand zuvor gesprochen hat.

Sie erzählt uns die tiefen Gedanken einer Witwe oder wahrscheinlich eines jeden Menschen, der aus irgendeinem Grund den Bezug zum Leben verloren hat ("Mensch sein heißt, mit Sinn zu leben. Ohne Sinn zu leben bedeutet, unmenschlich zu leben. Wie jemand, dessen Gehirnteil, in dem Sprache, Emotionen und Gedächtnis sitzen, geschädigt ist.")

Sie spricht auch über den Beginn ihrer Gürtelrose und wie sie das Gefühl hat, dass die Leute plötzlich ihre Krankheit zu akzeptieren scheinen. Als chronische Migränepatientin kann ich das gut nachvollziehen. ("Mein schmerzfreies Leben von vor wenigen Tagen erscheint mir jetzt idyllisch, aber es ist ein Maß für meine Wahnvorstellung, dass ich darüber fast fröhlich bin, denn Gürtelrose ist etwas Reales – 'Sichtbares' – und nicht der ontologische Status dieses hässlichen Echsenwesens, das mich dazu drängt, alle Pillen im Medikamentenschrank zu schlucken, mich zusammenzurollen und zu sterben.") sowie dieses Zitat ("Körperlicher Schmerz, emotionaler und psychischer Schmerz – hat das einen Sinn?")

Ihr denkt vielleicht, ich hätte das halbe Buch zitiert und es sei nicht mehr lesenswert. Glaubt mir, das ist es. Wenn diese Gedanken euch nicht dazu bewegen, diese Memoiren zu lesen, weiß ich nicht, was es sonst tun wird.

Sie ist so ehrlich, lässt nichts unversucht, keinen Gedanken unerwähnt. Wir können ihre Trauer, ihren Kummer, ihren Schmerz förmlich spüren.

Eine Freundin empfahl mir "Das Jahr magischen Denkens" (The Year of Magical Thinking) von Joan Didion, die ebenfalls einen ähnlichen Verlust erlitten hat. Vielleicht werde ich es irgendwann schaffen.

Am Ende dieses Buches bleibt nur eine Frage offen: Warum hat Joyce Carol Oates noch nicht den Nobelpreis für Literatur erhalten?

Buchbeschreibung:

"Joyce Carol Oates und Raymond Smith waren über ein halbes Jahrhundert ein Paar. Im Moment seines Todes ist Oates nicht nur dem Schmerz des Verlustes und dem Alleinsein ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, weiterleben zu müssen. Wie sieht ein Leben aus, wenn der Mensch nicht mehr da ist, mit dem man in Freundschaft und Liebe, in Höhen und Tiefen alles geteilt hat? Nie zuvor hat Oates so tiefen Einblick in ihr Innerstes gegeben. Hier tut sie es, bewegend, klug und überraschend. Wir lernen eine andere Joyce Carol Oates kennen: eine starke Frau, die am Ende sagen kann "Dies ist jetzt mein Leben'."

Mittwoch, 4. März 2026

Kerouac, Jack "Unterwegs"

Kerouac, Jack "Unterwegs" (Englisch: On the Road) - 1951 

Vor Jahren habe ich "Der Fänger im Roggen" (The Catcher in the Rye) gelesen und es hat mir nicht gefallen. Ich dachte, das läge daran, dass ich vielleicht zu jung war, um es wirklich zu verstehen.

Warum beginne ich eine Rezension über ein Buch mit einem anderen? Nun, dieses Buch erinnerte mich in vielerlei Hinsicht an J. D. Salinger. Kurz gesagt: Mir hat es auch nicht gefallen.

In diesem Buch geht es nicht um das Geschwafel eines verwöhnten Bengels, sondern um jemanden, der gerne einer wäre. Jemand, der glaubt, die Welt liege ihm zu Füßen, aber nicht in dem Sinne, wie sie einem bietet, wenn man nur hart genug arbeitet, sondern wie sie einem bietet, wenn man gar nicht arbeitet. Es ist alles "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" ohne den Spaß. Dieses Buch ist so öde, so langweilig, dass man am liebsten Sal und seine Freunde mit den Köpfen zusammenschlagen würde. Wer auch immer sie als Vorbild genommen hat, lebt heute bestenfalls vom Mindestlohn, ist aber wahrscheinlicher im Gefängnis gelandet.

Das ist eine sehr egozentrische Geschichte, die mich zu keinem Zeitpunkt fesseln konnte. Der Schreibstil ist monoton und repetitiv. Die Charaktere sind so fehlerhaft, dass man hofft, sie existieren im wirklichen Leben nicht.

Ja, mit Sicherheit das schlechteste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Warum es auf so vielen "Muss ich gelesen haben"-Listen steht, ist mir ein Rätsel.

Buchbeschreibung:

"Dies ist das literarische Statement einer Jugend, die inmitten der 'schlechtesten der Welten' ein leidenschaftliches Bekenntnis zum 'glückseligen Leben' ablegte. Tempo, Jazz, Marihuana, Sex und Freiheit waren die Zauberwörter der Beat Generation, die ständig auf der Suche nach einem intensiven, rauscherfüllten Dasein war. Ihre Trampfahrten durch die ungeheuren Weiten des Landes ließen sie ein Amerika entdecken, das die bürgerliche Erfolgsmoral nicht kannte."
Eine Karte von Kerouacs Überlandreise 1947–1948 im Kerouac ROMnibus findet ihr hier.