Dies war vor ein paar Jahren einer unserer Lesekreis-Vorschläge. Es wurde nicht ausgesucht, ich habe es dann später geschafft, es zu lesen. Ich hatte zuvor "Gefangene im Namen Gottes" (Escape) von Carolyn Jessop gelesen und obwohl das ein späteres Buch ist, hat es mir geholfen, dieses hier ein wenig besser zu verstehen.
Der Schreibstil war nicht sehr einladend, es war ein Sachbuch, das wie ein Roman geschrieben sein wollte. Aber das war es nicht. Der Autor sprang viel hin und her und es war manchmal schwer, ihm zu folgen, wenn er eine Geschichte fortsetzte, die er mehrere Kapitel zuvor begonnen hatte. Viele, viele Namen, die mir normalerweise nicht so viel ausmachen. Vielleicht ist es schwieriger, weil ich keine Amerikanerin bin oder vielleicht habe ich mehr einen Bericht als nur eine Anführung von Fakten erwartet, ich weiß es nicht, es war einfach nicht das, was ich erwartet hatte.
Dieses Buch hat keine Fragen beantwortet, die jemand über Mormonen und insbesondere die Fundamentalisten haben könnte, die in Polygamie leben und "auf Gott hören". Er spricht z. B. über diese Brüder, die losziehen und eine Frau und ihr Baby töten, nachdem sie eine Offenbarung von Gott erhalten haben. Hier hätte er anfangen können, nun ja, hier hat er angefangen, aber dann springt er hin und her zum Buch Mormon, zu Joseph Smith und Brigham Young, zu Massakern zwischen den Mormonen bzw. der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" und den Paiute-Indianern, um nur einige Beispiele zu nennen.
Ein Buch, das versprach, so interessant zu sein, aber ich fand es nicht so.
Buchbeschreibung:
"Am 24. Juli 1984 trat Dan Lafferty im Hause seines Bruders Allen mit einem Ausbeinmesser an das Kinderbett seiner kleinen Nichte Erica. 'Ich weiß nicht genau, worum es hier geht', sagte er, 'aber anscheinend ist es Gottes Wille, dass du diese Welt verlässt; vielleicht können wir später mal darüber reden.' Dann schlitzte er der Kleinen die Kehle auf und tötete anschließend ihre Mutter Brenda. Zu dem Doppelmord angestiftet worden war er von seinem Bruder Ron, und der hatte den Mordauftrag angeblich direkt von Gott.
Ron wurde später zum Tode verurteilt. Dan selbst zu zweifach lebenslanger Haft. Das sind kurz zusammengefasst die Fakten dieser von zwei aus der 'Kirche Christi der Heiligen der Letzten Tage' exkommunizierten fundamentalistischen Mormonen begangenen Bluttat. Als Hintergrund vermutet man Rache. Offenbar machte Ron seine Schwägerin dafür verantwortlich, dass ihm seine Frau im Streit um den rechten Glauben zuerst den Gehorsam verweigert hatte und ihm dann auch noch davongelaufen war. Wohl daraufhin befahl der entrüstete Mormonengott -- 'Es ist mein Wille und Gebot, dass du die folgenden Menschen beseitigst" --, Brenda samt ihres Kindes zu töten.'
Doch von dem vordergründig persönlichen Motiv darf man sich nicht in die Irre führen lassen. Der 'religiöse' Hintergrund ist nämlich, wie Jon Krakauer in seinem neuen Buch sehr anschaulich belegt, aus mehreren Gründen über die konkrete Tat hinaus von einiger Bedeutung. Zwar gehören Ron und Dan Lafferty zu einer Splittergruppe mormonischer Fundamentalisten. Doch auch die offizielle 'Kirche Jesu der Heiligen der Letzten Tage', die -- bei beängstigend hoher Geburtenrate -- über eine Millionenschar äußerst missionsfreudiger Anhänger verfügt, beruht selbst auf dem extrem verqueren Gebräu einer vermeintlich göttlichen Offenbarung. Diese soll 1823 dem Wahrsager Joseph Smith aus Vermont in der Gestalt eines Engels mit dem Namen Mormoni zuteil geworden sein, der ihm eine in massive Goldplatten geprägte heilige Schrift zuspielte, die er mithilfe einer wundersamen Brille und eines Zaubersteins entziffert und übersetzt haben will. Das Ergebnis ist das 1828/29 von ihm diktierte Book of Mormon, das der 1830 gegründeten mormonischen Kirche seither als Bibel gilt.
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