Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

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