Montag, 9. Februar 2026

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden"

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden" (Englisch: We need to talk about Kevin) - 2003

Was geht einem Massenmörder durch den Kopf? Was geht seiner Mutter durch den Kopf? Dieses Buch versucht, diese Frage zu beantworten.

Eva schreibt Briefe. Briefe, in denen sie ihrem Mann erklärt, warum sie nie eine enge Bindung zu ihrem Sohn aufgebaut hat. Eine interessante Herangehensweise an das Problem.

Da ich selbst Mutter zweier Söhne bin, fiel mir die Lektüre dieses Buches sehr schwer, und dennoch konnte ich es nicht weglegen. Ich persönlich habe noch nie ein solches Kind getroffen. Ich kann es kaum glauben. Und wenn es ihn wirklich gab, warum bekam sie dann überhaupt keine Hilfe, warum bemerkte niemand, dass sie es nicht alleine schaffte?

Die Ehe der beiden schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und wir alle wissen, dass es die schlechteste Idee ist, in einer solchen Situation ein Kind zu bekommen. Ein Kind, jedes Kind, wird das Leben seiner Eltern verändern, und sie müssen zusammenhalten, um das durchzustehen. Selbst ein unkompliziertes Kind hat schlaflose Nächte, selbst das langsamste Kind versucht, seine Eltern zu "erziehen", und wenn man keine gemeinsamen Regeln aufstellt, merkt das Kind das sofort und spielt die beiden gegeneinander aus.

Ich glaube nicht, dass Eva Schuld daran hat, dass ihr Sohn so geworden ist, wie er geworden ist. Ich glaube auch nicht, dass der Vater Schuld hat, aber mit etwas mehr Verständnis wäre es vielleicht anders gekommen. Natürlich sieht er es wahrscheinlich ganz anders, und wir würden mehr erfahren, wenn er auch seinen Teil der Geschichte hätte erzählen können.

Wie dem auch sei, Lionel Shriver hat es geschafft, sowohl der Mutter als auch dem Sohn unter die Haut zu gehen. Ich kann nicht glauben, dass sie selbst keine Kinder hat, sie hat alles so gut beschrieben.

Obwohl das Buch selbst schon ein Schock war, ist das Ende noch schockierender. Ich will hier nichts verraten für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber ich hätte nicht gedacht, dass das passieren würde. Und trotz allem, was passiert ist, stimmt es sehr hoffnungsvoll, dass Eva Kevin im Gefängnis besucht und sich sogar wünscht, dass er nach Verbüßung seiner Strafe zu ihr zurückkommt.

Ein Buch, das jeder lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Evas Sohn Kevin hat eine furchtbare Gewalttat begangen: In der Schule hat er mehrere Menschen getötet. Von allen verurteilt und von jetzt an auf sich selbst gestellt, findet Eva den Mut, sich in aller Offenheit den quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Hätte sie ihre Ehe retten können? Stilistisch brillant und mit erschütternder Klarheit lotet dieser Roman die Tiefen und Untiefen der modernen Gesellschaft aus. Lionel Shriver erzählt aus der Sicht einer Mutter, die sich auf schmerzhafte und ehrliche Weise mit Schuld und Verantwortung auseinandersetzt."

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