Donnerstag, 10. Februar 2022

Steinbeck, John "Jenseits von Eden"

Steinbeck, John "Jenseits von Eden" (Englisch: East of Eden) - 1952

Ich habe den Film vor Ewigkeiten gesehen und wollte dann immer das Buch lesen. Irgendwann war es so weit, und ich bin froh, dass ich es getan habe. John Steinbeck ist ein wunderbarer Schriftsteller. Sein Schreiben ist fast Poesie, seine Gedanken philosophisch und doch sind seine Geschichten so lebendig. Man hat das Gefühl, bei den Charakteren zu sein, man lacht und weint mit ihnen.

Steinbeck spricht über Probleme, die so alt sind wie die Menschheit, er erzählt die Geschichte von Kain und Abel nach, nur dass sie hier Caleb und Aaron heißen (der Vater ist aber immer noch Adam), und sie leben in seiner Heimat Kalifornien.

Ein hervorragender Bericht über das Erwachsenwerden, das Wachsen in verschiedene Richtungen, über Gut und Böse, Jung und Alt, eine sehr bewegende Geschichte, so viele Leben, die man fürchtet und mit denen man hofft.

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Lesekreis besprochen. Wir hatten eine wunderbare Diskussion, jeder schien etwas von der Geschichte zu haben, auch wenn wir die Personen nicht mochten.


Einige Kommentare:

  • "Ich habe den Schreibstil geliebt. Atemberaubende, beschreibende Kraft, die erste Seite. Ich gehe normalerweise schnell über beschreibende Dinge der Natur, aber diesmal nicht. Ich mag seinen Schreibstil sehr, so die vielen Details. Wenn man sich nur das erste Kapitel ansieht, kann man sich selbst dort vorstellen, den Geruch riechen, den Wind spüren, die Charaktere sind sehr strukturiert. Auch wenn ich keine traurigen Bücher mag, finde ich dies faszinierend. Er ist ein guter Schriftsteller, trägt einen mit. Er versuchte zu dokumentieren, wie es damals im Salinastal war. Es liest sich wie ein Western. Warum habe ich das nicht schon früher gelesen?
  • Biblische Geschichte: Eine rabbinische Auslegung des freien Willens. Es hat die Personen daran gehindert, sich weiterzuentwickeln. Ich wurde vorsichtig wegen seines Beharrens auf der biblischen Geschichte, ich bin nicht dumm, hatte es satt, dass er sie die ganze Zeit wiederholte.
  • Ich mochte das Gute und das Böse, das Schwarz und das Weiß nicht.
  • Hat er die biblischen Bezüge absichtlich gemacht?
  • Ich dachte, dies sei eine Nacherzählung der Bibel, also mussten die Charaktere so handeln, wie sie handelten.
  • Charaktere: Der Autor zwingt seine Charaktere dazu, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten.
  • Ich habe Adam gehasst. Er kam zu leicht davon.
  • Ruft jeden an, der einen Rückzieher machen könnte, weil er mit sich selbst zu kämpfen hat.
  • Ich hasste die meisten Personen, die, die ich mochte, hatten ein gewisses Rückgrat.
  • Schwere, in Schubladen gesteckte Charaktere, Steinbeck hat sie in eine Kiste gesteckt.
  • Ich liebte die Beziehung zwischen Lee und Samuel.
  • Kate basiert auf seiner Ex-Frau, die ihn seine beiden Söhne nicht sehen ließ. Vielleicht war sie deshalb so negativ.
  • Ich liebte Lee, die Geschichten wiederholten sich.
  • Abra war interessant, ich fragte immer 'Warum hast du den Verlierer von den beiden Brüdern ausgesucht, warum hast du gewartet?' Ich war abgestoßen von den Personen, habe ständig die Seiten umgeblättert. Samuel war zu gut, um wahr zu sein (die Hamiltons waren Steinbecks Familie nachempfunden), seine Kinder waren die einzigen, die eine echte Chance hatten, sich so zu entwickeln, wie sie wollten."

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.

Buchumschlag:

"Von der Mitte des letzten Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs reicht die Zeitspanne, die diese große amerikanische Familiensaga umfaßt. Sie erzählt die Geschichte der Trasks und der Hamiltons: die Geschichte von Charles und Adam, den ungleichen Brüdern, die um die Liebe ihres Vaters buhlen und den Reizen derselben Frau erliegen. Von eben jener Cathy die ihren Mann und die neugeborenen Zwillinge verläßt, um sich ihren Lebensunterhalt in einem Bordell zu verdienen. Und von Aron und Caleb, ihren beiden Söhnen, deren spannungsgeladenes Verhältnis in einer modernen Version des biblischen Kainsmythos gipfelt."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

John Steinbeck erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1962 "für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn".
 
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 9. Februar 2022

Borrmann, Mechtild "Der Geiger"

Borrmann, Mechtild "Der Geiger" [The Violinist] - 2012

Sascha Grenko hatte eine schwere Kindheit, er wurde zuerst auf eine Sonderschule geschickt, dann ins Heim, als seine Eltern, mit denen er als Kind aus Kasachstan kam, starben, Dann erhält Sascha einen Brief seiner Schwester, der ihn zur Stradivari seines Großvaters führt. Dieser war aufgrund einer Intrige 1948 in ein Arbeitslager geschickt worden, seine Familie wurde verbannt. Sascha weiß von all dem nichts, und wir erfahren es mit ihm.

Mechthild Borrmann hat hier eigentlich drei interessante Geschichten erzählt, die von Ilja, dem Großvater, die von Galina, seiner Frau und die von Sascha, dem Enkel.

Ein spannender Roman, der leider genauso hätte stattfinden können.

Buchumschlag:

"In einer Nacht im Mai 1948 verliert der begnadete Geiger Ilja Grenko seine beiden wertvollsten Schätze: seine Familie und seine Stradivari. Erst dem eigensinnigen Sascha Grenko, Iljas Enkel, wird es viele Jahrzehnte später gelingen, Licht in das grausame Geschehen von damals zu bringen. Doch der Preis dafür ist hoch - viel zu hoch …"

Dienstag, 8. Februar 2022

Kingsolver, Barbara "Die Giftholzbibel"


Kingsolver, Barbara "Die Giftholzbibel" oder "Willkommen in Kilanga" (Englisch: The Poisonwood Bible) - 1998

Eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Diese Geschichte wird in Tagebuchform von der Frau und den vier Töchtern eines Predigers erzählt. Er nimmt sie mit nach Afrika, wo alle fünf unterschiedliche Erfahrungen machen und das Land mit unterschiedlichen Perspektiven sehen. Der Vater ist ziemlich gewalttätig, nicht das, was man von einem religiösen Mann erwarten würde (obwohl eine meiner Freundinnen sagt, dass sie einen Mann genau wie ihn kennt und deshalb den Roman nicht mag).

Dieses Buch erzählt nicht nur die Geschichte einer Familie und verschiedener Frauen, sondern auch die Geschichte Belgisch-Kongos und die Unterschiede der Kulturen.

Buchumschlag:

"Idealistisch, mutig und von grenzenlosem Gottvertrauen beseelt, verlässt Reverend Price mit seiner Frau und seinen vier jugendlichen Töchtern die amerikanische Heimat, um im Kongo zu missionieren. Doch als das Land seine Souveränität erklärt, erlebt die Familie die ganze Kraft Afrikas: Sie muss um ihr Überleben kämpfen, aber vor allem die Töchter lieben längst die Schönheiten und Verlockungen des geheimnisvollen Kontinents. Ein hinreißendes Afrika-Epos und eine großartige Familiensaga."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Ich habe inzwischen mehrere andere Kingsolver-Romane gelesen und mochten sie alle, meine Beschreibungen sind hier. Obwohl dieser neben "The Lacuna" (leider immer noch nicht ins Deutsche übersetzt) immer noch mein Favorit ist.

Barbara Kingsolver wurde 1999 mit "The Poisonwood Bible" für den Pulitzer-Preis nominiert.

Montag, 7. Februar 2022

Schnoy, Sebastian "Das bisschen Frieden"

Schnoy, Sebastian "Das bisschen Frieden: Eine heitere Geschichte Europas in drei Revolutionen und einem Geistesblitz" [That Little Bit of Peace] - 2019

Ein Buch über Europa für Anhänger der Europäischen Union, aber noch mehr für Gegner davon.

Was hat uns die EU alles beschert? Freie Grenzen, ein Zahlungsmittel, das (fast) überall gilt, wir können wohnen und arbeiten, wo wir wollen. Aber, und das vergessen viele, fast 80 Jahre Frieden auf einem Kontinent, in dem es einen Krieg nach dem anderen gab.

Sebastian Schnoy versucht, das hier aufzuzeigen.

Wir sollten es lesen und weitererzählen. Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung.

Klappentext:

"Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an einen unterschätzten Kontinent, denn in Europa wurde gezeigt, wie aus Erzfeinden ziemlich beste Freunde werden konnten. Den dabei benutzten Friedensrezepten spürt Historiker und Kabarettist Sebastian Schnoy nach und zeigt: Frieden schließen ist verblüffend einfach. Als Trüffelsucher der Geschichte findet Schnoy mutige Frauen und Männer, die sich von 1525 bis heute mit großen und kleinen Tagen für einen bessere Welt einsetzten. Mindestens so wichtig wie Frieden und Freiheit waren dabei aber auch die Erfindung von Waschmaschine, Hakenpflug und WC-Knie. Denn nichts ist so befreiend wie die Befreiung von Mühsal. Sebastian Schnoys Geschichte des Friedens und der Geistesblitze zaubert jedem Pessimisten ein Lächeln ins Gesicht und liefert neue Argumente für müde Aufklärer."

Samstag, 5. Februar 2022

Lee, Harper "Wer die Nachtigall stört"

Lee, Harper "Wer die Nachtigall stört" (Englisch: To Kill a Mockingbird) - 1960

Sicherlich eines der besten Bücher überhaupt, auch nach langer Zeit bleibt er einem im Gedächtnis.

Ein wunderbarer Schreibstil, eine packende Geschichte, ein Thema, über das man auch heute noch nachdenken muss. Es kombiniert wichtige Themen über Rasse und Menschlichkeit und schafft eine sehr berührende Geschichte über Charaktere, die wir einfach lieben müssen.

Ein Freundin sagte: "Dies sollte von allen gelesen werden. Es sollte ganz oben auf einer Pflichtlektüre für die Menschheit stehen." Dem muss ich voll und ganz zustimmen.

Es gehört sicherlich zu den klassischen Büchern, die für immer auf der Klassikerliste bleiben werden und zu meinen absoluten Favoriten gehören.

Und dann gibt es da ja auch noch den wunderbaren Film mit Gregory Peck.

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Lesekreis im November 2010 besprochen und nochmal in unserem Online-Lesekreis im Januar 2018.

Klappentext:

"Amerika in den 30er Jahren. In die idyllische Südstaaten-Kindheit der achtjährigen Scout und ihres älteren Bruders Jem drängt sich die brutale Wirklichkeit aus Vorurteilen und Rassismus. Scouts Vater Atticus, ein menschenfreundlicher Anwalt, soll den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson verteidigen, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat. Tapfer versuchen Scout und ihr Bruder, das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters zu unterstützen, und geraten dabei selbst in große Gefahr."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Harper Lee erhielt den Pulitzer-Preis für "To Kill A Mockingbird" in 1961.

Freitag, 4. Februar 2022

Weiler, Jan "Das Pubertier"

Weiler, Jan "Das Pubertier" [Teenosaurus Rex/Wordplay: The Puberty-Animal] - 2014

Ein tolles Buch. Ich habe ja schon einiges von Jan Weiler gelesen (Maria, ihm schmeckt's nicht, Antonio im Wunderland, Drachensaat, Kühn hat zu tun) und fand alle seine Bücher gut. Aber "Das Pubertier" hat alle noch übertroffen. Ich habe zwei Söhne, die sich ganz anders benommen haben in ihrer Teenagerzeit als Jan Weilers Tochter Carla (und ich wette, er hat auch arg übertrieben und alles aufgeschrieben, was ihm irgendwie von anderen Teenagern zu Ohren gekommen ist), aber manches kam mir doch bekannt vor and ich habe mich köstlich amüsiert. Ich muss nun unbedingt sehen, wie es mit seinem Sohn Nick aussieht. Den treffe ich vermutlich "Im Reich der Pubertiere". Ich freue mich schon.

Mittlerweile hat man das Buch auch schon verfilmt. "Teenosaurus Rex" ist hoffentlich genausogut wie das Buch.

Buchrücken:

"Sie waren süß. Sie waren niedlich. Jeden Milchzahn hat man als Meilenstein gefeiert. Doch irgendwann mutieren die Kinder in rasender Geschwindigkeit von fröhlichen, neugierigen und nett anzuschauenden Mädchen und Jungen zu muffeligen, maulfaulen und hysterischen Pubertieren. Aus rosigen Kindergesichtern werden Pickelplantagen. Nasen, Beine und Hinterteile wachsen in beängstigendem Tempo. Stimmen klingen wie verstimmte Dudelsäcke, aber die Kommunikation scheint ohnehin phasenweise unmöglich, denn das Hirn ist wegen Umbaus vorübergehend geschlossen. Und doch ist da ein guter Kern. Irgendwo im Pubertier schlummert ein erwachsenes Wesen voller Güte und Vernunft. Man muss nur Geduld haben, bis es sich durch Berge von Klamotten und leeren Puddingbechern ans Tageslicht gewühlt hat. Verdammt noch mal."

Donnerstag, 3. Februar 2022

Kerkeling, Hape "Frisch hapeziert"

Kerkeling, Hape "Frisch hapeziert. Die Kolumnen" [Freshly "hallpapered"] - 2018

Ich habe Hape Kerkeling gemocht, seitdem ich ihn das erste Mal im Fernsehen gesehen habe. Er war und ist total witzig. Wer erinnert sich nicht an "lecker Mittagessen", "Hurz" und die "Mitropa-Kaffeemaschine"?

Seine Bücher "Ich bin dann mal weg" (I'm off then) und "Der Junge muss an die frische Luft" fand ich genauso köstlich, deshalb konnte ich auch an "Frisch hapeziert" nicht vorbeigehen. Ich interessiere mich eigentlich nicht für das Leben sogenannter Promis, deshalb lese ich auch die entsprechenden Blättchen nicht, auch nicht biem Arzt oder Friseur, man kann gut ein Buch mitnehmen.

Deshalb hatte ich auch die Kolumnen nicht gelesen. Und bin froh, dass der Autor und seine Zeitschrift beschlossen haben, sie in einem Buch herauszugeben.

Sie sind, wie alles von Hape, köstlich. uch wenn man sich nicht für das Leben der Promis interessiert, die Art wie der Autor darüber erzählt, ist schon einmalig.

Klappentext:

"Hape Kerkeling liebt Entertainment, stilvollen Klatsch und die Royals. Als Gesellschaftsreporter sinniert er über Blaublütige und Celebritys, plaudert er aus dem Nähkästchen seiner Erfahrungen mit Stars und Sternchen. Darüber, was einen echten A-Promi vom 'Adabei' unterscheidet und wie die europäischen Königshäuser miteinander verwandt sind. Über Tücken im Urlaub, die List mancher Fernbedienung, seine persönlichen Lieblingssportarten (Billard und Mau-Mau) und darüber, wie einfach Facebook-Fasten geht.

Mit neuen exklusiven Texten zur Faszination gekrönter Häupter und einem Loblied auf die deutsche Sprache.
"