Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Die Stadt der Blinden"

 
Saramago, José "Die Stadt der Blinden" (Portugiesisch: O Ensaio sobre a Cegueira) - Blindness - 1995

Dies ist mein zweites Buch dieses wunderbaren Autors. Genau wie "Kain" (Cain) ist auch dieses Buch absolut fesselnd.

Wir erfahren nichts über die Stadt oder gar das Land, in dem es spielt. Es handelt sich jedoch um einen dystopischen Roman, und dies könnten überall stattfinden. Wir wissen nie, was passiert, wenn uns eine Katastrophe – oder in diesem Fall eine Epidemie – trifft (Merke, das Buch wurde vor Corona geschrieben).

In diesem Buch verlieren die Menschen den Verstand. Jeder erblindet nacheinander und hat Angst. Das heißt aber nicht, dass sie alle gleich reagieren. Es gibt diejenigen, die zusammenhalten und anderen helfen, und andere, die nach dem Motto "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" leben. Es wäre nicht einmal fair gegenüber den Tieren, zu behaupten, sie würden sich wie sie verhalten, denn Tiere nehmen sich zumindest nur, was sie brauchen.

Sowohl die Sätze als auch die Absätze in diesem Buch sind sehr lang, man findet kaum eine Stelle zum Anhalten. Aber das macht es noch fesselnder; man hat das Gefühl, im Buch gefangen zu sein, genau wie die Blinden in ihrem Schicksal gefangen sind. Eine gute Art, die Situation zu verdeutlichen.

Keine der Figuren hat einen Namen. Sie werden nur "der erste Blinde", "die Frau des Arztes" oder "das Mädchen mit der dunklen Brille" genannt. Das macht es uns wohl leichter, uns mit ihnen zu identifizieren. Jeder könnte einer der Jungs oder eines der Mädchen sein.

Er macht es uns definitiv leicht, uns vorzustellen, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Wir können versuchen, uns vorzustellen, wie es ist, wenn man erblindet. Und wir können mit den Menschen mitfühlen, die nicht nur erblinden, sondern auch ihr bisheriges Leben verlieren.

Ein großartiger Roman. Wie viele dystopische Bücher bietet er einen Einblick in die Menschlichkeit oder deren Fehlen.

Buchbeschreibung:

"Saramagos Antwort auf Die Pest von Albert Camus.

Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann …"

Wir haben dieses Buch im April 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar machterhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

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