Mittwoch, 21. Juni 2023

Handke, Peter "Immer noch Sturm"

Handke, Peter "Immer noch Sturm" - Storm Still - 2010

Ein Buch über die slowenische Minderheit in Kärnten. Wir wissen ja alle, dass es überall Gegenden gibt, in denen Einwanderer aus den verschiedensten anderen Ländern gibt, aber mein Wissen über Österreich und seine Ausländer ist recht beschränkt. Dieser Roman wird als Theaterstück beschreiben, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Zugegeben, die Geschichte wird von verschiedenen Familienmitglieder erzählt, aber es findet kaum ein Austausch statt.

So oder so, dies ist kein leichtes Buch, dem man einfach folgen kann und dann weiß, worum es geht. Man muss schon seine grauen Gehirnzellen anstrengen, um dem Autoren überhaupt folgen zu können. Handke ist ein sehr umstrittener Autor, auch seine Auszeichnung mit dem Nobelpries für Literatur wurde nicht von allen begrüßt. Aber er hat etwas. Man will einfach weiterlesen. Und in dem Jahrzehnt, dass seit der Veröffentlichung des Buches vergangen ist, hat sich nicht viel geändert, in Österreich oder anderswo, eher verschlechtert.

Buchbeschreibung:

"Ein Panorama, das weit über alle literarischen Genres hinausreicht und sie sich zugleich anverwandelt. Hier durchdringen sich Prosa und Drama, Theatralisches und Poetisches, Geschichtliches und Persönliches.

Das Jaunfeld, im Süden Österreichs, in Kärnten: Dort versammeln sich um ein 'Ich' dessen Vorfahren: die Großeltern und deren Kinder, unter ihnen die eigene Mutter. Gestaltet Peter Handke eine beispielhafte Familientragödie in Szenen? Erzählt er anhand einzelner Stationen das Epos eines Volkes, der Slowenen? Entwirft er das Geschichtsdrama der ewigen Verlierer? Oder wendet er sich, erzählend-dramatisch, zurück zur eigenen Biographie, deren Voraussetzungen und Folgen?
"

Peter Handke erhielt den Nobelpreis für Literatur 2019 "für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlichem Einfallsreichtum Randbereiche und die Spezifität menschlicher Erfahrungen ausgelotet hat".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 17. Juni 2023

Dumbach, Annette E. etc. "Die Geschichte der weißen Rose"


Dumbach, Annette E.; Newborn, Jud; Gierlichs, Annerose "Die Geschichte der weißen Rose" - Sophie Scholl and the White Rose - 2002


Wie ich schon in meiner Beschreibung von "Die weiße Rose" von Inge Aicher-Scholl geschrieben habe: Wenn es Bücher gibt, die jeder lesen sollte, so zählt die Geschichte der Weißen Rose auf jeden Fall dazu.

Dies ist ein weiteres Buch zu dem Thema. Während Inge Aicher-Scholl die Schwester der Geschwister Hans und Sophie war, waren die Autoren dieses Buches Journalisten, die das Leben der Gruppe recherchiert haben. Ein anderer Blickwinkel, der uns noch mehr Informationen zum Leben und Werk dieser jungen Leute bringt. Man muss sie einfach nur bewundern und sich fragen: Was hätte ich an ihrer Stelle getan?

Ein paar Zitate von Sophie Scholl, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten:
Steh zu den Dingen, an die du glaubst, auch wenn du alleine dort stehst.

Leistet passiven Widerstand, Widerstand, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschinerie, ehe es zu spät ist…
(Aus dem ersten Flugblatt; 1942)

Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.

Und von Hans:
Es lebe die Freiheit!

Buchbeschreibung:

"Im Juni 1942 begann ihre Flugblattaktion: Das beeindruckende Porträt der studentischen Widerstandsgruppe im 'Dritten Reich'.

Ein Buch über den Traum vom anderen Deutschland und eine Geschichte von der Tapferkeit des Herzens. Es sind ganz normale Menschen, die ihre Gleichgültigkeit überwinden. Das Porträt der studentischen Widerstandsgruppe im Dritten Reich - präzise recherchiert, packend erzählt, wird auf unnachahmliche Wiese lebendig.
"

Neben den Geschwistern Scholl sollten wir auch die anderen Mitglieder nicht vergessen, die auch hingerichtet wurden:
Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber.

Freitag, 16. Juni 2023

Arenz, Ewald "Der grosse Sommer"

Arenz, Ewald "Der grosse Sommer" [The Big Summer] - 2019

Unser Lesekreisbuch für den Monat Mai. Ein sehr netter Roman, der auch viele Fragen aufwirft. Man kann es als Grundlage zu Diskussionen zum Thema Erziehung, Familie, Freundschaft, Liebe im Wandel der Zeit, und und und.

Mich selbst hat dieses Buch auch in die Zeit versetzt, als meine Kinder noch zur Schule gingen. Frieder wird ja zu seinem Großvater geschickt, um für seine Nachprüfungen zu büffeln. Ich habe nämlich auch lange Zeit Schüler unterstützt, deren Versetzung gefährdet war und die für das ein oder andere Fach nachlernen mussten, z.B. Französisch. Hat auch immer geklappt, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe.

Zurück zum Buch. Frieder und seine Freunde machen so manches durch in diesem Sommer, aber die Geschichte wird zu keiner Zeit kitschig.

Ewald Arenz hat schon einige Bücher geschrieben und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. Frieder begegnet alles in dieser Zeit: die Liebe und der Tod, Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird."

Der Roman war 2021 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen das "Lieblingsbuch der Unabhängigen". Es ist somit das vierte der ausgezeichneten Veröffentlichungen, das unser Lesekreis gelesen hat. Sie sind es aber auch wirklich Wert.

Donnerstag, 15. Juni 2023

Dallaire, Roméo "Handschlag mit dem Teufel"

 

Dallaire, Roméo "Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda" (Englisch: Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda) - 2003

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Lesekreis im August 2009 besprochen.

Schwer zu lesen. Aber lohnenswert. General Dallaire war der UN-Kommandeur in Ruanda während des Völkermords im Jahr 1994 (dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde). Es ist unglaublich, was passiert ist. Roméo Dallaire beschreibt alles ausführlich. Es ist nicht einfach, sich alle Abkürzungen zu merken. Zum Glück gibt es ein Glossar hinten.

Sehr empfehlenswert, wenn man sich für die Probleme dieser Welt interessiert. Das Buch hinterließ bei allen einen großen Eindruck, es fühlte sich sehr wichtig an.

Man muss anmerken, dass der Autor kein Romanautor ist. Er ist ein General, ein Soldat, der versucht, die Ereignisse im Jahr 1994 zu beschreiben, als seine Aufgabe darin bestand, Frieden nach Ruanda zu bringen. Das Buch ist ein Bericht über das Geschehen, eine chronologische Liste, wenn man so will, seiner Erfahrungen. Seine Berichte sind voller Abkürzungen, Akronymen und Namen.

Zugegebenermaßen gibt es hinten eine beeindruckend große Liste aller Personen, eine mit allen Seiten jeder einzelnen Person im Buch, die andere mit der Beschreibung all dieser Abkürzungen, einer kurzen Erklärung der Personen usw. Aber man kann diese Listen nicht ständig aufrufen, sonst verliert man den Überblick über die Ereignisse. Daher ist es schwierig, dem Buch zu folgen, und es ist kein Buch, das man in ein paar Tagen lesen würde, insbesondere wenn man bedenkt, dass es 592 Seiten umfasst (auch ohne Anhang).


Dennoch ist es lesenswert!! Der Krieg, den dieser arme Mann führen musste - nicht mit den Ruandern, sondern mit der Bürokratie, den Leuten, die ihn dorthin geschickt haben, um einen Krieg zu verhindern. Und dann musste er zusehen, wie zwei Völker sich gegenseitig töteten, hauptsächlich eines, das das andere tötete, einer der größten Völkermorde in der Geschichte, ohne dass er das tun konnte, was er für notwendig hielt, um dies zu verhindern. Es muss herzzerreißend gewesen sein. Nun ja, das war es tatsächlich. Dieser Krieg zerstörte nicht nur das Leben von wahrscheinlich einer Million Tutsis und Hutus, sondern auch das Leben von General Dallaire und seiner Familie, da er damit nicht leben konnte. Ich kann mir vorstellen, dass man nach einem Krieg oder auch nur einem "Konflikt" nie in sein früheres Leben zurückkehren kann, sondern einfach daneben stehen und zusehen muss … na ja, lest das Buch selbst. Das ist es wert!

Wir haben alle einen großen Respekt für den Mann empfunden, vor dem, was er durchgemacht hat, es braucht eine bestimmte Art von Person. Wir waren sehr beeindruckt von ihm, woraus ist er gemacht, wie hat er durchgehalten und überlebt? Wir fanden ihn sehr sympathisch, sehr heldenhaft. Jemand sagte, wenn sie Soldatin werden wollte, würde sie gerne unter dem Kommando eines Menschen wie ihm stehen. Er hat von niemandem etwas erwartet, was er nicht auch selbst durchmachen würde.

Wir unterhielten uns über Völkermord und wie schwierig es gewesen sein muss, nicht teilzunehmen. Laut einer Studie verweigern 10 % die Teilnahme. 80 % machen mit, 10-15 % werden dabei geschädigt, sie werden zu Mördern. Unter sozialem Druck geben Menschen oft nach.

Wir müssen auf jeden Fall dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Buchbeschreibung:

"Als Kommandeur der UN-Blauhelme wurde General Roméo Dallaire 1993 nach Ruanda geschickt. Er sollte einen wackeligen Frieden zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi sichern. Extremisten in der ruandischen Regierung hatten jedoch längst einen Völkermord geplant und dabei das Zaudern der Vereinten Nationen einkalkuliert. Verzweifelt versuchte Dallaire, den Völkermord zu verhindern. Vergeblich. Mit einem zahnlosen UN-Mandat, einer viel zu kleinen Truppe und miserabler Ausrüstung versehen, von der UNO und den Westmächten im Stich gelassen, blieb ihm und seinen Soldaten kaum mehr übrig, als sich selbst zu verteidigen und dem Abschlachten ohnmächtig zuzuschauen. Obwohl es Dallaire gelang über 30.000 Menschen das Leben zu retten, erlebte er das Scheitern der UN-Mission als eigenes Scheitern und wäre daran fast zerbrochen. 'Handschlag mit dem Teufel' ist der verstörende Augenzeugenbericht eines tragischen Helden.'"

Lest auch die Geschichte eines überlebenden Mädchens:
Ilibagiza, Immaculée mit Erwin, Steve "Aschenblüte" (
Left to Tell: Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust)
Roméo Dallaire hat außerdem ein zweites Buch mit dem Titel
"They Fight Like Soldiers, They Die Like Children" geschrieben, in dem er "eine emotional gewagte und intellektuell aufschlussreiche Einführung in das Kindersoldatenphänomen sowie konkrete Lösungen für dessen völlige Ausrottung bietet." Ich habe es inzwischen gelesen und fand es genauso hervorragend geschrieben.

Montag, 12. Juni 2023

Ansay, A. Manette "Blauwasser"

Ansay, A. Manette "Blauwasser" (Englisch: Blue Water) - 2006

Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch von Manette Ansay gelesen (Vinegar Hill), und es hat mir sehr gut gefallen. Als ich vor einiger Zeit mit jemandem darüber redete, hatte ich das Gefühl, ich müsste unbedingt noch eines ihrer Bücher lesen. Und ich habe es nicht bereut.

Die Geschichte war fesselnd und spannend.
Ich konnte es kaum erwarten, die Seiten umzublättern. Die Autorin hat einen hervorragenden Schreibstil. Die Protagonisten sind hervorragend beschrieben, die Handlung lässt sich gut verfolgen und man kann mit den Charakteren mitfühlen.

Wie in ihrem anderen Buch fragen wir uns, wie viel ein Mensch ertragen kann, aber auch, wie wir jemandem vergeben können.
In dem Roman findet man alle möglichen Emotionen: Liebe und Hass, Wut und Hoffnung, Trauer und Vergebung. Es gibt Lösungen, aber auch Probleme, die nicht gelöst werden können. Eine interessante Geschichte.

Sicherlich nicht mein letztes Buch von Manette Ansay.

Buchbeschreibung:

"Der sechsjährige Sohn von Megan und Rex kommt bei einem Autounfall ums Leben. Für Megan bricht eine Welt zusammen. Der gewaltsame Tod nimmt ihr und ihrer Familie allen Lebensmut. Ein herzzerreißender  aber nie rührseliger Roman über Liebe, Verlust, Freundschaft und die Möglichkeit der Vergebung.

Gemeinsam mit ihrem Mann segelt Megan um die Welt. Beide hoffen, inmitten der Weite des Ozeans endlich alles hinter sich lassen zu können und wieder zueinander zu finden. Doch Megan erkennt, dass sie nicht davonlaufen kann: Sie muss sich ihrer Trauer stellen. Sie fliegt zurück nach Hause, wo sie der Unfallfahrerin, einer alten Schulfreundin, begegnet. Kann sie sich mit der Frau aussöhnen, die den Tod ihres Sohnes so leichtfertig verursacht hat?
"

Samstag, 10. Juni 2023

Weiler, Jan "In meinem kleinen Land"

Weiler, Jan "In meinem kleinen Land" [In My Little Country] - 2006

Vorwort:

"Erst seit es Navigationssysteme gibt, ist Voerde überhaupt auffindbar. Man muss gefühlte sechzehnmal die Autobahn wechseln. Und das auf einer Strecke von vielleicht vierzig Kilometern. Noch vor wenigen Jahren führte dies unweigerlich zu ausführlichen Orientierungsfahrten durch das westliche Ruhrgebiet ...

Die Stadt Voerde ist ein aus mehreren Gemeinden zusammengebastelter, nicht unbedingt trostloser, allerdings ebenso wenig tröstlicher Ort, bei dessen Ausgestaltung viel Wert auf die Verwendung von Waschbeton gelegt wurde. Solche Gemeinden gibt es zu Tausenden in unserem kleinen Land. Voerde ist so wenig besonders, dass man es leicht vergessen kann. Und dann gibt es hier aber doch etwas ganz Besonderes.

Jan Weiler machte sich auf, um sein Land und die Menschen darin kennenzulernen – von oben nach unten, von rechts nach links hat er es sich angeschaut. Seine zufälligen Erlebnisse und Begegnungen hielt er fest, in einem amüsanten und ganz persönlichen Reisetagebuch.
"

Jan Weilers kleines Land ist auch mein Land. Und das Vorwort zu seinem Reisebericht stimmt uns schon gut in die Geschichte ein.

Im Jahr 2006 geht Jan Weiler auf Reise. Er hat gerade "Antonio im Wunderland" geschrieben, das Buch über seinen italienischen Schwiegervater. Und seine Leser sind gespannt auf die Fortsetzung von "Maria, ihm schmeckt's nicht". Ich habe auch schon öfter an Vorlesungen teilgenommen (allerdings, leider, leider, noch an keiner von Jan Weiler) und fand daher den Blick hinter die Kulissen höchst interessant.

Zu Beginn habe ich mich ein wenig geärgert, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt. Aber das liegt daran, dass ich - total unüblich - einfach über die Landkarte am Anfang des  Buches hingweggeblättert habe, wohl mit dem Gedanken, Deutschland kenne ich ja. Aber, was ich übersehen hatte, die Karte vermerkt nicht nur all die Orte, die der Autor auf dieser Lesereise besucht hat, sondern markiert zu jedem Ort auch die Seitenzahl, auf der er darüber berichtet.

Ich kenne viele Städte in Deutschland und war deshalb besonders neugierig, was Jan Weiler wohl zu den Orten (und den Menschen darin) sagt. Und obwohl man sicher nicht von einem Abend mit ein paar Lesebegeisterten auf ganze Orte schließen kann, musste ich doch ab und zu sehr schmunzeln, er traf oft den Nagel total auf dem Kopf.

So kenne ich etliche Örtchen wie den eingangs beschriebenen, die man nur durch häufiges Nachfragen überhaupt erreichen kann. Adressen sind allerdings auch heute noch nicht immer einwandfrei zu finden, auch mit Navi.

Der Weilersche Humor ist auch in diesem Buch nicht zu übersehen, und viele kleine Anekdoten machen auf die Städte aufmerksam, die man noch nicht gesehen hat.

Danke, Jan Weiler, für eine unterhaltsame Leserunde. Ich freue mich schon auf unsere nächste Begegnung.

Buchbeschreibung:

"Neun Monate Deutschland

Tage, Wochen, Monate verbrachte Jan Weiler damit, seine Heimat zu erkunden: Von Wyk auf Föhr über Borgholzhausen, wo die Züge bremsen, indem sie einer Kuh gegen das pralle Euter fahren, bis nach Passau, der größten Kleinstadt, reist er in alle Ecken Deutschlands. Liebevoll und nachdenklich hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben. Und kommt zu dem Schluss: Unser kleines Land ist eine Reise wert!
"

Mittwoch, 7. Juni 2023

Mann, Heinrich "Der Untertan"

Mann, Heinrich "Der Untertan" - Man of Straw, The Patrioteer, or The Loyal Subject - 1914

Thomas Mann (englische Einträge) ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, aber ich hatte noch nie etwas von seinem Bruder gelesen, und als eine Freundin mir den "Untertan" empfahl, habe ich ihn mir endlich vorgenommen.

Ich will jetzt nicht die beiden Brüder vergleichen, ich glaube, das ist kaum möglich. Wegen seiner politischen Ansichten und seiner Kritik am Faschismus musste er nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland fliehen.

Man merkt in der Geschichte sofort, was der Autor von seinem Protagonisten Dietrich Heßling hält, ihm passt das untertänige Getue gar nicht. Letztendlich hat es ja auch zum schrecklisten Teil der deutschen Geschichte geführt. Die Beschreibung 'Vorgestalt des Nazi' passt genau. So stellt man sich die Befürworter vor, ob nun Parteimitglieder oder Mitläufer. Irgendwo habe ich auch gesehen, dass man ihn mit Trump verglichen hat. Treffer!

Wenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert, ist dieses ironische Buch sowohl erheiternd als auch erschreckend, vor allem, weil wir wissen, was danach kommt. Der Roman hat mir wirklich gut gefallen, ich denke, ich werde noch mehr von Heinrich Mann lesen.

"Der Untertan" ist das erste Buch der Das Kaiserreich-Trilogie, die anderen Teile heißen "Die Armen" und "Der Kopf".

Buchbeschreibung:

"Dietrich Heßling, wohl einer der widerlichsten Protagonisten der Literatur, ist das Paradebeispiel eines feigen Opportunisten, eine 'Vorgestalt des Nazi', wie Heinrich Mann später sagte. Als Kind eines Papierfabrikanten aus der Kleinstadt Netzig vom Vater gedemütigt, findet Heßling seinen Platz im bierseligen Kollektiv einer Burschenschaft. Als wohlhabender Fabrik-Erbe bringt er es zum angesehenen Bürger, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Die Geschichte vom Prototyp des wilhelminischen Spießbürgers ist sowohl ein satirisches Porträt als auch ein Sittengemälde der spätwilhelminischen Gesellschaft."