Samstag, 14. Dezember 2024

Ruiz Zafón, Carlos "Das Spiel des Engels"

Ruiz Zafón, Carlos "Das Spiel des Engels" (Spanisch: El juego del ángel) - The Angel's Game - 2008 
(Der Friedhof der vergessenen Bücher/El cementerio de los libros olvidados #2)

Dies ist genau das Richtige für alle, denen "Der Schatten des Windes" (The Shadow of the Wind) gefallen hat. Ein weiteres Buch über Bücher, Geschichte, Mysterien und die fabelhafte Stadt Barcelona. Es hat alles, es ist eine Liebesgeschichte und eine Kriminalgeschichte. Diesmal bringt uns ein Autor zurück zum Friedhof der vergessenen Bücher und in die Buchhandlung Sempere & Söhne, auf einer weiteren Suche nach dem Autor eines Buches.

Ich liebe einfach den Schreibstil von Carlos Ruiz Zafón, die Art, wie er einen dazu bringt, sich zu fragen, was als nächstes passieren wird, wie man versucht, herauszufinden, was hinter der Geschichte steckt, man ist fast da, erreicht es aber nie ganz. Seine Entwirrung des Fadens ist atemberaubend, außergewöhnlich. Ich kann sein nächstes Werk kaum erwarten. Seine Romane wecken in mir den Wunsch, besser Spanisch zu lernen, damit ich sie im Original lesen kann.

Buchbeschreibung:

"Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Bürgerkrieg: Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts auszulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät - und in welchen Strudel furchterregender Ereignisse.

Mit unwiderstehlicher erzählerischer Kraft lockt uns Carlos Ruiz Zafón wieder auf den Friedhof der Vergessenen Bücher: mitten hinein in einen Kosmos voller Spannung und Phantastik, Freundschaft und Liebe, Schrecken und Intrige. In eine Welt, die vom diabolischen Wunsch nach ewigem Leben und Ruhm regiert wird."

Freitag, 13. Dezember 2024

Dostojewskij, Fjodor "Die Brüder Karamazow"

Dostojewskij, Fjodor "Die Brüder Karamazow" (Russisch: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy) - The Brothers Karamazov - 1879-80

Ich habe schon immer gern russische Autoren gelesen. Dostojewskij ist da keine Ausnahme. Und dieser Roman hatte mehr als 1.200 Seiten, also das richtige Buch für mich.

Dies ist nicht das erste Buch, das ich von diesem Autor lese, und er hat mich bisher nicht enttäuscht. Brillant geschrieben, das Setting ist immer außergewöhnlich, die Art und Weise, wie sich die Geschichte entfaltet, die vielen verschiedenen Charaktere, die er detailliert beschreibt. Alles ist so gut gemacht. Man ist von der ersten Seite an gefesselt, bis man fertig ist. Was für ein Buch!

Und das Buch ist vollgepackt mit philosophischen und religiösen Fragen, Fragen zur menschlichen Existenz. Die drei Brüder Karamasow vertreten alle eine andere Seite, alle haben unterschiedliche Antworten. Dmitri oder Mitja ähnelt am meisten dem älteren Fjodor. Er ist Soldat und führt ein zügelloses Leben. Ivan hat die Universität besucht und ist ein eher aufgeklärter, geistig orientierter, atheistischer Intellektueller. Alexei oder Aljoscha, der Protagonist, ist ein religiöser Mann, er ist Novize in einem Kloster.

Dann gibt es noch einen vierten, unehelichen Bruder, der als Diener im Haus des Vaters arbeitet.

Wir entdecken die russische Gesellschaft durch diese verschiedenen Männer und ihr Leid. Die Geschichte ist fesselnd, nicht die einfachste Lektüre, aber sicherlich eine der lohnendsten. Es ist sowohl ein philosophisches als auch ein spirituelles Drama, ein Bericht über ein Land, das im Begriff ist, sich in die Moderne zu verwandeln, und was das mit seinen Bewohnern macht. Eine Geschichte, die uns noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

Nach "Schuld und Sühne" (Crime and Punishment), "Der Spieler" (The Gambler") and "Der Jüngling" (The Adolescent) ist dies mein vierter Roman dieses fantastischen Autors. Ich bin sicher, es wird nicht der letzte sein.

Buchbeschreibung:

"'Die Brüder Karamasow',das letzte große Werk von Fjodor Dostojewskij, ist nicht nur eine dramatische Familiengeschichte aus dem Russland des 19. Jahrhunderts und eine unerbittliche moralische Erkundung im Gewand eines Kriminalromans, sondern auch ein gewaltiger Spiegel der gesamten dichterischen Welt Dostojewskijs."

Dostojewskij, Fjodor "Schuld und Sühne"

Dostojewskij, Fjodor "Schuld und Sühne" (Russisch: Преступление и наказание = Prestupleniye i nakazaniye) - Crime and Punishment - 1866

Ich kann es nicht oft genug erwähnen. Ich liebe klassische Romane und ich liebe russische Autoren. Die Art, wie sie jede Situation, jedes kleine Detail beschreiben, ist unbezahlbar und einzigartig.

In "Schuld und Sühne" gelingt es Dostojewski, so viele verschiedene Themen einzubringen. Es ist ein klassischer Kriminalroman, aber auch ein historischer Roman und auch ein psychologisches und philosophisches Werk. Kein Wunder, dass er rund 800 Seiten braucht, um ein Verbrechen und seine Sühne zu beschreiben.

Man fühlt sich immer wie der Protagonist oder eine der anderen Figuren im Roman, man kann so denken wie sie. Der Autor ist einfach so großartig. Diese Geschichte wirft viele Fragen über den Sinn des Lebens, über die Gesellschaft und darüber auf, wie wir alle miteinander umgehen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Antworten, da bin ich mir sicher, aber jeder muss seine eigenen Lösungen, seine eigenen Antworten finden.

Buchbeschreibung:

"Unter den fünf meisterhaften Romanen des großen russischen Dichters ist 'Schuld und Sühne' neben 'Die Brüder Karamasow' der wohl berühmteste und wirkungsmächtigste. In berauschender Sprache und ergreifenden Bildern erzählt der 'größte Kriminalroman aller Zeiten' (Thomas Mann) die atemberaubende Geschichte des mittellosen Studenten Raskolnikow, der in fortschrittsgläubiger Verblendung einen Doppelmord begeht - und daran zerbricht. Er, der Verbrecher, sehnt sich fortan nach Strafe, um seine Untat zu sühnen, doch wahrhafte Rettung verspricht ihm allein seine Liebe zu der Prostituierten Sonja."

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Chevalier, Tracy "Die englische Freundin"

Chevalier, Tracy "Die englische Freundin" (Englisch: The Last Runaway) - 2013

Ich mag Tracy Chevalier seit meinem ersten Roman von ihr, "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (Girl with a Pearl Earring). Seitdem habe ich mehr von ihren Büchern gelesen, aber anscheinend immer noch nicht genug.

Ihre Geschichte über ein englisches Quäkermädchen, das Mitte des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten auswandert, ist absolut fantastisch. Ich denke, vor dem heutigen Hintergrund können wir alle die Gefühle und Gedanken von Honor Bright nachvollziehen und mit ihren Taten mitfühlen. Sie war ziemlich mutig, ihr Heimatland zu verlassen, um ihre Schwester zu begleiten, die dort heiraten sollte. Selbst mit der ganzen Familie hätten das viele nicht getan, wenn sie die Wahl gehabt hätten.

Ich denke, die Autorin hat den Hintergrund ziemlich gut recherchiert. Keiner von uns hat damals gelebt, aber ich habe ziemlich viele Bücher über Sklaverei, die Underground Railroad (die die Sklaven in Sicherheit gebracht haben), und Quäker gelesen, alles wichtige Themen in diesem Buch. Wir bekommen eine lange Liste von Büchern, die Tracy Chevalier als Hintergrundinformationen verwendet hat, was mich glauben lässt, dass wir darauf vertrauen können, dass das, was sie in ihrer Geschichte schreibt, wahr ist. Dies ist definitiv ein gut geschriebenes und glaubwürdiges Buch.

Ich mochte Honor Bright, aber ich mochte Belle Mills und Mrs. Reed genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr. Ich könnte sogar einigen der anderen Charaktere verzeihen, was sie getan haben. Heute wäre das inakzeptabel, aber damals war es so.

Ich fand es auch toll, dass sie eine Karte eingefügt haben. Ich meine, ich weiß, wo Ohio liegt, aber ich hätte nicht gewusst, wo die erwähnten Städte liegen sollen.

Am Ende des Buches erwähnt Tracy Chevalier, dass es uns immer noch Hoffnung gibt, dass wir auch unter extremen Umständen immer noch das Richtige tun würden. Ja, hoffen wir das, zumindest für uns, denn wir können jeden Tag sehen, dass viele, viele Menschen nicht das Richtige tun, und oft wird auch denen applaudiert, die es nicht tun.

Am Ende des Romans gibt die Autorin einige Empfehlungen für weitere Lektüre. Ich habe zwei der vier erwähnten Bücher gelesen und kann diese Meinung nur bestätigen.

Über den amerikanischen Bürgerkrieg:
Frazier, Charles "Cold Mountain" (Unterwegs nach Cold Mountain) - 1997
Jiles, Paulette "Enemy Women" - 2002
Olmstead, Robert "Coal Black Horse" - 2007

Über die Auswirkungen der Sklaverei:
Morrison, Toni "Beloved" (Menschenkind)

Buchbeschreibung:

"Als die Sklavenfrage Amerika entzweite – ein großer Frauenroman von Bestsellerautorin Tracy Chevalier

Die junge Quäkerin Honor verlässt 1850 aus Liebeskummer ihre Heimat, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie von einer harten Realität eingeholt, die Frage der Sklaverei spaltet die Nation. Zu ihrer einzigen Vertrauten wird die temperamentvolle Hutmacherin Belle. Dass sich ausgerechnet der Sklavenjäger Donovan für Honor interessiert, bringt sie in eine schwierige Lage, und sie muss sich zwischen schönen Worten und mutigem Handeln entscheiden."

Chevalier, Tracy "Der Kuss des Einhorns"

Chevalier, Tracy "Der Kuss des Einhorns" (Englisch: The Lady and the Unicorn) - 2003

Mein fünftes Buch dieser bemerkenswerten Autorin. Tracy Chevalier schafft es wie keine andere, Geschichte in ihre Romane einzuflechten. Selbst wenn ihre Figuren nicht existierten, hat man das Gefühl, als hätten sie existiert.

In diesem Fall erzählt sie die Geschichte der Einhorn-Wandteppiche, die irgendwann im 16. Jahrhundert gewebt wurden. Über sie ist wenig bekannt, aber man kann sich fast vorstellen, dass alles so, wie Tracy Chevalier es uns erzählt, tatsächlich passiert ist.

Dies ist die Geschichte echter Wandteppiche namens "Die Dame und das Einhorn", sechs Wandteppiche, von denen jeder einen unserer fünf Sinne darstellt: Sehen (La Vue), Hören (L'Ouïe), Riechen (L'Odorat), Tasten (Le Toucher), Schmecken (Le Goût) und ein sechster namens Mon Seul Désir (Mein einziger Wunsch).

Aber auch für diejenigen, die sich überhaupt nicht für Geschichte oder Kunst interessieren, ist dies eine nette Geschichte über das Leben im Mittelalter. Oder, wenn doch, dann kann man die Wandteppiche im Musée National du Moyen Âge (ehemals Musée de Cluny) in Paris besichtigen.

Für mich war der Teil, der in Brüssel geschah, der interessanteste. Ich habe früher in Brüssel gelebt und heute wohnt einer unserer Söhne da, so wir besuchen die Stadt immer noch so oft wie möglich. Es ist eine der schönsten Städte überhaupt, und man kann immer noch alle Gildehäuser und die meisten anderen Teile sehen, über die man heute spricht.

Buchbeschreibung:

"Eine Fülle von Blumen, leuchtenden Farben, ein gezähmtes Fabeltier und ein geheimnisvolles Lächeln - was verbirgt sich hinter der rätselhaften 'Dame mit dem Einhorn', die der wohl berühmtesten Teppichserie der Renaissance ihren Namen gab? Eine faszinierende Geschichte über die Macht von Kunst und Schönheit und die geheimnisvolle Kraft menschlichen Begehrens."

Chevalier, Tracy "Wenn Engel fallen"

Chevalier, Tracy "Wenn Engel fallen" (Englisch: Falling Angels) - 2001

Dies ist nicht das erste Buch von Tracy Chevalier und es wird auch nicht das letzte sein. Die Autorin schafft es einfach, die faszinierendsten Geschichten zu erzählen. Ich liebe ihren Stil. Und ihre Themen. Alle.

Zwei gewöhnliche Familien, die nicht viel gemeinsam haben, außer einer Familiengrabstätte auf einem Londoner Friedhof aus dem Zeitalter Eduards VII. (1901-14). Oder etwa doch? Die beiden kleinen Mädchen mögen sich auf Anhieb und werden beste Freundinnen, und von da an nimmt alles seinen Lauf. Tracy Chevalier hat das belebendste Talent, Ihr Interesse zu fesseln, wenn nicht von der ersten Seite an, dann sicherlich von der zweiten. Man möchte alles über die Waterhouses und die Colemans wissen, manfürchtet mit ihnen, manfreut sich mit ihnen.

Das Buch behandelt viele Themen: Freundschaft zwischen den beiden Mädchen, Rivalität zwischen und innerhalb der Familien, Liebe und Tod, Verrat, Engagement, Politik. Mit jedem Kapitel gibt Tracy Chevalier einer anderen Figur die Chance, uns ihren oder seinen Standpunkt mitzuteilen, was das Buch so viel spannender macht. Ich mag diese Art des Geschichtenerzählens.

Das Thema, das mich und wahrscheinlich auch die meisten anderen Frauen am meisten faszinierte, war die Geschichte der Suffragetten und wie viel sie ertragen mussten, um uns allen ein Recht zu geben, das für Männer selbstverständlich schien. Wer weiß, wie unsere Welt heute ohne sie aussehen würde? Aber wir sehen auch die Meinung derjenigen, die gegen die Idee waren, sogar Frauen, die dachten, es wäre besser, das Wählen den Männern zu überlassen.

Es ist großartig, dass die Autorin uns einen Einblick in eine längst vergessene Gesellschaft gewährt, die Herrschaft von König Edward VII., der ein Land übernehmen musste, das seine Mutter, Königin Victoria, gegründet hatte, die sein Volk in ein neues Jahrhundert führte, einen Übergang in eine neue Ära, er musste mit allen möglichen neuen Technologien und damit neuen Ideen in den Köpfen der Menschen zurechtkommen.

Tracy Chevaliers größte Stärke ist, dass sie uns die Geschichte ganz normaler Menschen in einer sich verändernden Welt, in einer schwierigen Zeit erzählt. Auf diese Weise ist es so viel einfacher, jede Art von Geschichte zu verstehen, welche Auswirkungen die große Politik auf die Menschen hatte. Dafür liebe ich ihre Bücher.

Tracy Chevalier hat auch eine wunderbare englische Seite über dieses Buch.

Buchbeschreibung:

"England zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Kitty Coleman, einer jungen und selbstbewussten Frau, wird ihre Zeit zum Verhängnis. Sie versucht ihrem von Langeweile und gesellschaftlichen Verpflichtungen geprägten Leben zu entkommen. Als sie das Korsett der viktorianischen Gesellschaft durchbricht, ahnt sie nicht, dass sie einen Skandal auslöst und zwei Londoner Familien in einen Strudel tödlicher Ereignisse zieht ... "

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Kishon, Ephraim "Im neuen Jahr wird alles anders"

Kishon, Ephraim "Im neuen Jahr wird alles anders" [Next year everything will be different] - 1982

Ich habe es schon öfter erzählt, Kishon bedeutet für mich letzte Deutschstunde vorm Ferienbeginn und da alle Sprachen immer meine Lieblingsfächer waren, habe ich wirklich eine wunderbare Erinnerung an die Geschichten.

Dieses Buch ist eigentlich eine Sammlung vieler anderer Bücher:
Seid nett zu Touristen
Unfair zu Goliath
Wettervorhersage: Neigung zu Regenschirmverlusten
Wie rächt man sich an einem Verkehrspolizisten
Die vollkommene Ehe
Der Fisch stinkt vom Kopfe
Kontakt mit dem Jenseits
Der Fuchs im Hühnerstall
Liebe deinen Mörder
Eine detaillierte Auflistung ist hier.

So begleiten wir Ephraim Kishon auf eine Reise durch Europa, wo wir etwas über unser Marotten und die unser Nachbarländer erfahren. Wir lernen von den Eigenheiten seiner Landsleute, z.B. wie einfach es ist, im Sommer mehrere Regenschirme auf einmal zu verlieren. Er berichtet vom Leben in der Ehe mit und ohne Kinder und/oder Tieren. Telefonate kommen besonders gerne in den Geschichten vor. Und dann gibt es auch noch einen Roman, "Der Fuchs im Hühnerstall", wo wir alles, aber auch alles über die Machenschaften der Politiker kennenlernen. Ach ja, und nicht zu vergessen: die beste Ehefrau von allen!

Und auch wenn die Bücher mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt sind, sind die Geschichten alle zum Brüllen, egal, wie lang und über welches Thema. Ephraim Kishon ist es immer wert, gelesen zu werden. 

Klappentext:

"Sachen gibt's, die gibt's nicht, lautet unsere Divise immer dann, wenn uns Ereignisse aus dem privaten oder öffentlichen Bereich zu Ohren kommen, oder gar selbst passieren, die?s im Grunde zwar gar nicht geben dürfte, die aber leider doch tagtäglich vorkommen. Unser Leben hier und heute im ach so fortschrittlichen 20. Jahrhundert ist eben (glücklicherweise!) doch nicht fortschrittliche genug, als daß wir uns ein für allemal vom blühenden Unsinn entfernt hätten. Ja, man könnte sagen: je stromlinienförmiger, glatter, glänzender, kurz: perfekter wir unsere Welt einzurichten versuchen, desto barocker wird sie, desto mehr häuft sich Sand im Getriebe, desto ungeheuerlicher wird der Nonsens unseres Alltags. Ephraim Kishon, der schmunzelnde Philosoph ohne Lehrstuhl, der medizynische Doktor ehrenhalber, der windmühlenstürmende Ritter wider den allzu menschlichen Ernst, hat dieses Paradoxon unserer Existenz schon seit Jahren mit spitzer Feder immer wieder aufgegriffen.

Und er hat's weit damit gebracht - nämlich schlicht und einfach zum Humoristen Numero Eins in der Gunst der deutschen Leser. Da er aber so ungeheuerlich viel Stoff hat (weil es soviel Ungeheuerliches an Nonsens in unserem Leben gibt), schafft es der Autor einfach nicht, sich auf die faule Haut zu legen. Fast jedes Jahr erscheint ein neues Buch von ihm.

Das wird gekauft, gelesen zustimmend begrinst und homerisch belacht, daß es eine wahre Wonne ist. Zu solch befreiender Lektüre sind Sie auch hier wieder eingeladen. Allerdings ging es bei dieser Auswahl aus Kishons ständig wachsendem Satiren-Schatz nicht so sehr um Aktualität, sonder eher um das, was man sich als geschworener Kishon-Freund immer wieder gern zu Gemüte führt. Kostproben gefällig. Lesen Sie nur mal, wie teuer einen das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Schweizer kommen kann; wie die Raumprobleme eines Weltstadt-Konsulats ratsuchende Menschen einfach auf Nimmerwiedersehen zum Verschwinden bringt; warum ein Ministerpräsident den obligatorischen Willkommensgruß von einem Wildfremden bekommen muß anstatt von seinem alten Arbeitskameraden; welche Erfahrungen ein Telefonkunde mit dem 'Fräulein vom Amt' bisweilen macht; zu welchem Gipfeltreffen es führen kann, falls man mal dringend einen Handwerker braucht, und schließlich, wie ein erholungsbedürftiger Staatsmann für ein beschauliches Dorf zum 'Fuchs im Hühnerstall' wird, als er das weltvergessene Kaff mit seinen politischen Ambitionen heimsucht.

Im neuen Jahr wird natürlich alles anders - da sind die Politiker und Behörden endlich nur noch um das Wohl des einzelnen Bürgers besorgt, und die beste Ehefrau von allen weiß schon 24 Stunden vor einer Einladung, welches von ihren zahlreichen Kleidern sie für die Silvesterparty anzieht."