Wimschneider, Anna "Herbstmilch. Lebenserinnerungen einer Bäuerin" [Autumn Milk. Memories of a farmer's wife] - 1985
In den 1980ern gab es viel Aufsehen um den Film "Herbstmilch". Man sah Dana Vávrová, die Hauptdarstellerin, und ihren Mann Joseph Vilsmaier, oft im Fersehen, manchmal auch die nette alte Autorin Anna Wimschneider. Seit damals wollte ich eigentlich ihre Buch lesen. Warum ich mehrere Jahrzehnte gebraucht habe, kann ich eigentlich nicht entschuldigen.
Ich bin aber froh, dass ich dann doch noch dazu gekommen bin. Meine Eltern kommen zwar nicht aus Süddeutschland, aber ihre Geschichten hörten sich doch sehr ähnlich an. Es ging dem "kleinen Mann" damals wirklich nicht sehr gut. Auch meine Eltern erzählten immer, dass sie zum Glück nicht wirklich hungern mussten während der Kriegsjahre, weil sie eben alles selbst angebaut haben. Aber dass man mit seiner Gesinnung sehr hinter dem Berg halten musste, wenn man sich nicht gerade den Nazis verbunden fühlte, das habe ich immer wieder gehört. Auch, dass diejenigen, die "nicht bis drei zählen" konnten, gleich die größten Verehrer Hitlers waren und sofort irgendeinen wichtigen Posten hatten, das wurde oft erzählt. Ist ja heute mit Anhängern von Pegida, AfD usw. auch nicht anders.
Die Erzählung ist einfach geschrieben, als ob die eigene Oma in der Stube sitzt und von ihrer Kindheit, Jugend und frühen Ehejahren erzählt.
Ja, wie gesagt, die Anna Traunspurger, die mit acht Jahren ihre Mutter verlor und dann nicht nur ihren sieben Geschwistern nicht nur die Mutter ersetzen sondern auch noch den Haushalt führen und den Hof mit verwalten und dann - ach ja, ab und zu noch zur Schule gehen - musste, die hat dann später den Arthur Wimschneider geheiratet. Aber da kam sie vom Regen in die Traufe. Ihr Mann musste eine Woche nach der Trauung in den Krieg, sie hatte zwei Onkel, eine Tante und eine sehr feindselige Schwiegermutter zu versorgen.
Eine hervorragende Erzählung einer mutigen Frau, einer Frau, die es trotz allem geschafft hat, ihre Familie zu versorgen und drei Kinder großzuziehen. Eine Erinnerung, die uns bleibt.
Buchbeschreibung:
"'Herbstmilch' ist die Lebensgeschichte der Bäuerin Anna Wimschneider - ein Dokument des 20. Jahrhunderts, das vom Schicksal der kleinen Leute handelt, von Menschen, die im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot verdienen und ihr Leben bewältigen, aufrecht und unerschütterlich. Das Buch wurde über Nacht zum Bestseller und Anna Wimschneider mit ihrem pfiffigen Charme schnell ein Liebling des Publikums. Josef Vilsmaier hat ihr mit der Verfilmung der Lebenserinnerungen ein weiteres Denkmal gesetzt."
Samstag, 29. April 2023
Wimschneider, Anna "Herbstmilch"
Freitag, 28. April 2023
Krone-Schmalz, Gabriele "Russland verstehen"
Krone-Schmalz, Gabriele "Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens" [Understanding Russia. The battle for the Ukraine and the arrogance of the West] - 2015
Gabriele Krone-Schmalz war jahrelang Fernsehkorrespondentin in Moskau und kennt sich mit Russland sicher besser aus als der Durchschnittsdeutsche. In diesem Buch versucht sie, uns Russland nicht nur näherzubringen sondern uns auch zu helfen, Verständnis für das Land aufzubringen.
Allerdings ist das Buch auch schon acht Jahre alt und ich denke, heute würde sie es (hoffentlich) anders schreiben, denn im Moment verstehen wir es alle nicht. Und wollen das auch gar nicht.
Ich habe dieses Buch auch schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht ganz verstehen können. Gut, Frau Krone-Schmalz hat in Russland gelebt und das Land wohl auch geliebt. Aber deshalb sollte man nicht für jemanden eintreten, der zuerst Teile eines Landes annektiert und dann auch noch einen Krieg anzettelt.
Ich kann ein Land mögen, muss aber trotzdem nicht mit deren Politik oder unmöglichen Politikern einverstanden sein. Ich habe jahrelang in England gelebt (ja, England, nicht Schottland, Wales oder Nordirland sondern England, ganz unten im Süden) und liebe Land und Leute. Aber ich bin trotzdem gegen Brexit und viele der heutigen Politiker, die das gutheißen, finde ich einfach zum Kotzen. So würde es mir auch gehen, wenn ich in Russland statt in England gelebt habe. Von Frau Krone-Schmalz sollte man erwarten, dass sie das auch trennen kann. Und als arrogant würde ich in diesem Fall nicht den Westen bezeichnen sondern ganz jemand anderen.
Buchbeschreibung:
"Wie ist es um die politische Kultur eines Landes bestellt, in dem ein Begriff wie 'Russlandversteher' zur Stigmatisierung und Ausgrenzung taugt? Muss man nicht erst einmal etwas verstehen, bevor man es beurteilen kann? Gabriele Krone-Schmalz bietet in diesem Buch eine Orientierungshilfe für all jene, denen das gegenwärtig in den Medien vorherrschende Russlandbild zu einseitig ist. Antirussische Vorbehalte haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in zwei Weltkriegen verfestigt worden. Auch in der Ukraine-Krise lässt sich ihre Wirksamkeit beobachten. Tatsächlich ist aber nicht nur das Verhältnis zwischen Russland, dem Westen und der Ukraine vielschichtiger, als es der Medien-Mainstream suggeriert, sondern auch die russische Geschichte seit dem Ende des Kalten Krieges. Demokratie und Menschenrechte verbreiten - wer möchte das nicht. Es lässt sich aber sehr wohl über das Tempo und über die Methoden streiten. Und es lässt sich fragen, welche Interessen der Westen unter dem Deckmantel einer Menschenrechtsrhetorik verfolgt."
Donnerstag, 27. April 2023
Wiesel, Elie "Die Nacht"
Elie Wiesel hat diesen Roman als Bericht über sein Leben in den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz/Oswiecim geschrieben.
Selten waren wir uns bei einem Buch so einig wie diesmal. Wir fanden es schockierend und unglaublich. Die Ungeheuerlichkeit, die Pläne, alles war so kalkuliert. Es ist erschreckend zu sehen, wozu Menschen in der Lage sind. Wir konnten verstehen, dass die Leute es damals nicht glauben wollten, weil es auch heute noch schwer zu glauben ist.
Vieles wird geleugnet, aber es gibt auch Fehlinformationen. Das Konzentrationslager Terezín (Theresienstadt) in der Tschechischen Republik war ein Schaufenster, in dem demonstriert werden sollte, dass sie nur die Juden zusammenbrachten.
Wir waren uns nicht sicher, was wir von den Überzeugungen dieser Leute halten sollten. Einige von ihnen beteten bis zum bitteren Ende, andere, wie der Autor, glaubten, dass Gott tot ist.
Wir haben festgestellt, dass Menschen, die zu Tieren degradiert werden, ihre menschliche Note verlieren. Was sie mit deinem Verstand anstellen können, wie Menschen Grausamkeit als Tatsache ansehen und dies akzeptieren können.
Wir waren uns auch einig, dass wir weiterlesen müssen, damit wir es glauben können. Das ist jetzt besonders wichtig, wir müssen die Geschichte am Laufen halten, weil die letzten Zeitzeugen sterben.
Anderes Thema: Wahlen. Wenn der normale Wähler sein Recht nicht wahrnimmt, gewinnen die extremen Parteien prozentual mehr. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir machen die Medien für schlechte Informationen verantwortlich, anders als in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts können wir die Informationen bekommen, aber wir entscheiden uns oft dagegen.
Wir waren nicht der Meinung, dass Zwölfjährige dies in der Schule lesen sollten. Es ist vielleicht etwas zu früh, um die ganzen Hintergründe zu verstehen und sich mit der Wirkung eines solchen Buches auseinanderzusetzen.
Wir haben auch darüber gesprochen, dass Religion oft als Vorwand für Konflikte benutzt wird, die normalerweise einen ganz anderen Grund haben, meistens Geld und Macht.
Glaubte Elie Wiesel noch an Gott? Nur er hätte diese Frage beantworten können, und wir konnten nirgendwo feststellen, dass er das getan hat. Er sagte in seiner Rede, dass wir alle Waisen sind. Ist das, weil Gott tot ist?
Ich habe einige Berichte von Überlebenden der Nazizeit und einige von Opfern aus den Konzentrationslagern gelesen. Ich denke, er verdient wirklich den Friedensnobelpreis, der ihm 1986 verliehen wurde, da er versucht, die Menschen daran zu erinnern, was passiert ist, ohne den anderen Stein zu werfen. Er entschuldigt seine Peiniger nicht (warum sollte er?), aber er gibt auch nicht allen die Schuld. (Wer keine guten Nerven hat, sollte dies wahrscheinlich nicht lesen, da jeder Bericht über einen Juden aus dem Zweiten Weltkrieg schrecklich sein muss.)
Einige der Konzentrationslager dienten auch der "medizinischen Forschung". Man kann nicht verstehen, wie man Menschen auf verschiedene Ebenen stellen und sie so behandeln kann, als wären sie noch weniger als Tiere. Jemand erwähnte eine "Studie", die in Tuskegee, Alabama, durchgeführt wurde. Mehr darüber könnt ihr hier lesen.
In diesem Zusammenhang fiel ein berühmter Satz:
"Alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher als andere" aus dem Roman "Animal Farm" (Farm der Tiere) von George Orwell.
Aber dies war nicht das erste Mal, dass so etwas passierte. Jede Art von Sklaverei tut dies, man kanneinen Menschen nur als seinen Besitz behandeln, wenn man ihn nicht wie einen Menschen ansieht. Ich hatte eine interessante Seite über 200 Jahre Sklaverei gefunden, sieht aus wie eine Serie, die in den Staaten ausgestrahlt wurde, aber die Seite existiert leider nicht mehr.
Es scheint eine Serie auf PBS zu geben, sie sieht sehr interessant aus, vielleicht zeigen sie sie hier eines Tages, oder nicht …
The Terrible Transformation (Die schreckliche Transformation) 1450-1750
Revolution (Revolution) 1750-1805
Brotherly Love (Brüderliche Liebe) 179-1831
Judgment Day (Gerichtstag/Jüngstes Gericht) 1831-1865
Dann gibt es den berühmt-berüchtigten Lebensborn (Quelle des Lebens), das SS-Offiziere offiziell ermutigte, mehr Kinder zu haben. Aber sie hatten auch Lager, in denen "arische" Frauen Kinder mit "arischen" Soldaten bekamen, also war es ein echtes Zuchtprogramm. Hier kann man mehr darüber lesen.
Und wer noch nicht genug vom Lesen über das Thema Nazis hat, jede von uns scheint mindestens ein anderes lesenswertes Buch zu kennen, deshalb hier eine Liste dieser Literatur.
Corrie Ten Boom "The Hiding Place" (De schuilplaats), 1971 (Die Zuflucht)
Es gibt auch eine Kurzversion in Easy English: The Secret Room
Webseiten: Wikipedia, amazon
Lois Lowry "Number the Stars" (Jugendbuch, 10-14 yrs) - 1990 (Wer zählt die Sterne) (Goodreads)
Dieser
Newbery-Gewinner von 1990 spielt im von den Nazis besetzten Dänemark im
Jahr 1943 und erzählt von einem 10-jährigen Mädchen, das eine
gefährliche Mission unternimmt, um ihre beste Freundin zu retten.
Webseiten: Wikipedia, amazon.
Jurek Becker "Jacob the Liar" (Jacob der Lügner), 1969 (Goodreads)
Webseiten: Wikipedia, amazon
Imre Kertész "Fatelessness" (older translation: Fateless) (Sorstalanság) - 1975 (Roman eines Schicksallosen) (Goodreads)
Webseiten: Wikipedia, Wikipedia, amazon
Tessa de Loo "The Twins" (De Tweeling) - 2000 (Die Zwillinge)
Webseiten: Wikipedia, amazon
Todd Strasser (pen name: Morton Rhue) "The Wave"- 1988 (Die Welle)
Webseiten: Wikipedia, amazon
J.N. Stroyar "The Children's War" - 2001 - EINES MEINER LIEBLINGSBÜCHER
Was wäre passiert, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten? Wie würden wir jetzt leben? Ziemlich schockierend!!!
Webseite: amazon
Elizabeth Rosner "The Speed of Life" - 2001 - Die Geschwindigkeit des Lichts - Noch einer meiner absoluten Favoriten.
Wie verarbeiten Holocaust-Überlebende und ihre Kinder ihre Erinnerungen?
Webseiten: Wikipedia, amazon
Wir sprachen auch über mehrere Filme zu unserem Thema. Der erste handelte von einem Orchester, das Juden rettete, die darin spielten. Das einzige, was ich finden konnte, war das Mädchenorchester aus Auschwitz/Oswiecim. Hier kann man darüber auf Deutsch lesen.
Schindler's List (Schindlers Liste)
nach dem Buch von Thomas Keneally "Schindler's Ark" (Schindlers Liste)
Zwartboek - (The Black Book) (Das schwarze Buch)
Band of Brothers (Band of Brothers - Wir waren wie Brüder)
The Twins - Film nach dem gleichnamigen Buch von Tessa de Loo (das wir in diesem Lesekreis gelesen haben):
Then we mentioned other movies we thought worth seeing, these two on the
life of the Germans in East Germany (the movie received the Oscar this
year for best foreign picture): "Das Leben der anderen" (The Lives of Others)
Und "Goodbye Lenin" (Good Bye Lenin!),
ein lustiger, aber auch zum Nachdenken anregender Film über einen Sohn,
der für seine Mutter, die beim Mauerfall im Koma lag, die DDR nachbauen
muss und nun keine Veränderungen mehr ertragen kann.
Dies haben wir im März 2007 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.
Buchbeschreibung:
"Atemlos, bewusst karg im Stil erzählt Elie Wiesel seine Erfahrung als Kind in Auschwitz. Jeder Satz ist ein Testament, jede Zeile spricht uns unmittelbar an. Das wichtigste Werk Elie Wiesels und Bezugspunkt all seiner anderen Bücher. Ein Grundbuch zu einem unauslöschlichen Kapitel deutscher Geschichte und ein zeitloses menschliches Dokument."
Jiddischer Originaltitel: Un di Velt Hot Geshvign/Und die Welt hat geschwiegen
Elie Wiesel erhielt den Friedensnobelpreis 1986 "für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus".
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier
finden.
Mittwoch, 26. April 2023
Doron, Lizzie "Who the Fuck Is Kafka"
Doron, Lizzie "Who the fuck is Kafka" [Hebräisch: Who the Fuck is Kafka? *] - 2015
Ein fabelhafter Roman, der uns die Probleme im Nahen Osten nahebringt, der uns verständlich macht, dass die Probleme nicht verständlich zu machen sind.
Ein sehr wichtiges Thema. Die Schriftstellerin erzählt hier das Leben eines befreundeteten Palästinensers aus dem Ost-Jerusalemer Stadtteil Silwan, den sie auf einer Friedenskonferenz in Rom kennengelernt hat.
Buchbeschreibung:
"Who the Fuck Is Kafka: Eine israelische Schriftstellerin, ein palästinensischer Journalist. Er will einen Film über sie drehen, sie erzählt sein Leben.
Jeder braucht jemanden zum Hassen od er die Geschichte von Nadim Abu Heni aus Ost-Jerusalem, der sagte: 'Wären wir nicht Feinde, wir wären niemals Freunde geworden.' Lizzie Doron erkundet das Schicksal zweier Völker, die das Unverständnis füreinander überwinden müsen, wollen sie eine Chance haben, zu überleben. Es gibt Wahrheiten, die tödlich sein könnten, würden sie nicht als Fiktion ausgesprochen werden. Dieser Roman ist brisant, eindringlich, aberwitzig, bestürzend."
* Dieses Buch wurde zwar auf Hebräisch geschrieben, es ist aber immer noch nicht auf Hebräisch veröffentlicht.
Dienstag, 25. April 2023
Schmitz, Ralf "Schmitz' Häuschen"
Schmitz, Ralf "Schmitz' Häuschen: Wer Handwerker hat, braucht keine Feinde mehr" [Schmitz' Little House: If You Have Craftsmen, You No Longer Need Enemies] - 2014
Ralf Schmitz erbt ein Haus. Ein altes Haus. Und das will er renovieren. Na ja, wer schon einmal ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung hatte, wird wohl wissen, was da auf ihn zukommt. Aber, wer das noch niemals mitgemacht hat, sollte unbedingt vorher dieses Buch lesen, dann ist er auf alles vorbereitet.
Hier ein paar Auszüge:
Da darf man sich dann nicht wundern, wenn in einem Einfamilienhaus z.B. nur zwei Leitungen zu einer Steckdose führen statt drei, Fliesen mitten in der Wand zerschnitten wurden, Rollädengurte falsch angebracht werden, usw. usw.
Und dann noch dieser:
Ich frage mich, wo sind die eigentlich alle? Ach ja, im Regierungsbezirk Düsseldorf.
Kann sein, dass Ralf Schmitz hie und da ein wenig übertrieben hat, ist einem Komiker ja erlaubt, aber ich habe viele der Geschichten entweder selbst erlebt oder gute Freunde und Familie haben es mitgemacht.
Und dem Untertitel kann man eigentlich nur zustimmen, manche Feinde tun einem nicht so viel an. Aber, wir brauchen die Handwerker!
Aber das Buch hat mich häufig zum Lachen gebracht und da Ralf Schmitz auch noch ein Buch über seine Katze (Schmitz' Katze) und seine Mama (Schmitz' Mama) geschrieben hat, werde ich diese wohl auch irgendwann in Angriff nehmen.
Buchbeschreibung:
"Ralf Schmitz baut um - und ist kurz davor durchzudrehen. Denn nichts läuft nach Plan: Maurer ziehen Wände auf der falschen Etage hoch, Maler verputzen abgeklebte Fenster, und Elektriker montieren Lichtschalter, bei deren Betätigung die Dachluke aufgeht. Und das ist erst der Anfang. Was für ein Glück, dass der Top-Comedian bei all diesen Katastrophen nicht seinen unvergleichlichen Humor verliert. Ralf Schmitz erkundet die verrückte Welt der Heim- und Handwerker. Am Ende ist klar: Das Leben ist eine Baustelle, nach fest kommt ab - und den Rest bringt der Putz!"
Montag, 24. April 2023
Machfus, Nagib "Die Midaq-Gasse"
Machfus, Nagib "Die Midaq-Gasse" (Arabisch: Zuqaq El Midaq/زقاق المدق) - Midaq Alley - 1947
Dies ist mein fünftes Buch des mit dem Nobelpreis ausgezeichneten ägyptischen Autors Nagib Machfus. Und jedes scheint noch besser zu sein als das letzte. Aber das liegt wahrscheinlich nur daran, dass es das neueste ist. Sie sind alle brillant. Er war einfach so ein fantastischer Autor. Wir lernen die Menschen in der Midaq-Gasse kennen, als ob wir die meiste Zeit unseres Lebens unter ihnen gelebt hätten.
Ein Krieg tobt in Europa und schlägt auch in Ägypten Wellen, wenn auch nicht so, wie wir vielleicht denken.
Die Gasse liegt im ärmeren Teil von Kairo mit seinen Bewohnern, die der ärmeren Bevölkerung angehören, wahrscheinlich dem unteren Ende der Mittelschicht. Sie alle haben ihre Träume von einem besseren Leben, von der Straße wegzukommen, obwohl die meisten von ihnen wissen, dass sie hier hingehören und woanders vielleicht nicht leben könnten.
Es ist fast wie in einem Dorf. Wenn jemand an einem Ende der Straße hustet, ist er laut den Leuten auf der anderen Seite innerhalb von fünf Minuten schon tot. Jeder weiß alles über die anderen, man hat keine Geheimnisse. Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile.
Diese Geschichte hätte also woanders stattfinden können, vielleicht sogar vor unserer Haustür, aber der Autor erzählt uns das Leben seiner Landsleute. Wer noch nichts von diesem Autor gelesen hat, sollte ihn unbedingt versuchen.
Buchbeschreibung:
"'Welches Kairo meine ich? Das Kairo der Fatimiden, der Mamluken oder das der Sultane? Allein Gott und die Archäologen wissen das. Auf jeden Fall ist diese Gasse ein geschichtliches Denkmal, und zwar ein wertvolles. Wie auch nicht, wo doch die mit Steinplatten belegte Straße direkt zur Sanadiquija-Straße hinunterführt, diesem historischen Winkel mit dem berühmten Kirscha-Kafeehaus, mit seinen Wänden voller Arabesken aus längst vergangener Zeit, bröckelig und morsch nun, und mit dem starken Duft uralter Heilkräuter, die mittlerweile zu wohlduftenden Parfums geworden sind. Obwohl die Gasse fast gänzlich ausgeschlossen vom Getriebe der Welt lebte, war sie doch vom Lärm ihres eigenen Lebens erfüllt, einem Leben, das in tiefstem Innern unlösbar im Ganzen, vollen Sein verwurzelt war und erst noch die Geheimnisse der alten, vergangenen Welt in sich barg und bewahrt.'
Kairo, Mitte der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts: In der Midaq-Gasse tummeln sich alle, etwa Onkel Kamil, der Bonbonverkäufer, oder Abbas al-Hilu, der Friseur; es gibt den alten Dichter, dem das Radio die Zuhörer raubt, und Zita, den Knochenbrecher, dessen Beruf es ist, erfolgreiche Bettler zu schaffen. Doch in der Gasse ist der Rhythmus einer neuen Zeit gefahren. Davon kann Umm Hamida, die Heiratsvermittlerin, erzählen. Manche wollen fort wie Hussein, der zur britischen Armee geht. Die schöne Hamida will nicht in Kleinbürgerlichkeit versauern, sondern mittels Heirat aufsteigen zu Reichtum, Macht und Ansehen. Abbas aber, der Hamida liebt, würde wohl zufrieden sein mit seinem Leben in der Gasse, aber dann entschließt er sich doch, sie zu verlassen ..."
Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier
finden.
Samstag, 22. April 2023
Boning, Wigald "In Rio steht ein Hofbräuhaus"
Boning, Wigald "In Rio steht ein Hofbräuhaus. Reisen auf fast alle Kontinente" [There is a Bavarian Brewery in Rio. Travels Through Most Continents] - 2010
Wigald Boning ist ein Komiker. Wer ihn zuerst in der "RTL Samstag Nacht" (die schon dreißig Jahre alt ist, du meine Güte!) gesehen hat, muss ihn einfach gern haben. Bei "Zwei Stühle - eine Meinung" "interviewte" er immer prominente Persönlichkeiten (dargestellt durch seinen Comedy-Kollegen Olli Dietrich). Dafür erhielten sie, verdientermaßen, den Adolf-Grimme-Preis. Auch seine Außenreportagen "Wigalds Welt" waren urkomisch. Es folgten das Album "Lieder die die Welt nicht braucht" von "Die Doofen" (wieder Olli) und zahlreiche, zum größten Teil satirische Sendungen im Fernsehen. Bei der Panel-Sendung "Genial daneben" ist er ein häufiger Gast.
Wer also diesen Wigald Boning kennt, sollte unbedingt dieses Buch lesen, in dem Wigald auf Weltreise geht - natürlich auf seine ihm eigene Art. Und wer ihn noch nicht kennt, für den wird es Zeit, das nachzuholen.
Hier ein paar Zitate:
In der Türkei: "Im Zentrum paaren sich höchstmögliche Bevölkerungsdichte mit geringstmöglicher Verkehrsdisziplin." (Ich glaube, das gilt für viele Länder.)
In Gambia: "... in Ländern, in denen man alle 100 Meter auf Großwerbeflächen stößt, auf denen zum Beispiel 'Happy Birthday to our beloved leader' zu lesen ist, kann ich den demokratischen Institutionen grundsätzlich nur beschränktes Vertrauen entgegenbringen." (Auch das findet man leider immer noch in etlichen Ländern.)
Buchbeschreibung:
"Rio ist wie Gisele Bündchen mit Mundgeruch, Paris macht auch mit verbundenen Augen Spaß, und am Yukon trinkt man Menschenschnaps - diese und viele andere höchst interessante Erkenntnisse gewann Wigald Boning auf seinen vielen Reisen nach nah und fern. Er fotografierte Telefonzellen in Tiflis, tanzte im Samba Express an die 'karibische Ostsee' und wurde von thailändischen Fans in Bangkok ehrfürchtig bestaunt - und er kommentiert diese skurrilen und bewegenden Begegnungen auf gewohnt trockene Art. Eine unterhaltsame Reise auf (fast) alle Kontinente und ein respektvoll-augenzwinkernder Blick auf die kulturellen Unterschiede zwischen uns und dem Rest der Welt."










