Montag, 16. Mai 2022

Schulze, Ingo "Simple Storys"

Schulze, Ingo "Simple Storys: Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz" [Simple Storys: A Novel from the East German Province] - 1998

Kurzgeschichten sind eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Aber 30 Jahre nach dem Fall der Mauer fanden wir es eine gute Idee, so ein Buch anzupacken.

Wie in all diesen Sammlungen von zusammengewürftelten Erzählungen, die nicht viel gemeinsam haben, kratzt der Autor auch hier nur an der Oberfläche. Wenn auch die ein oder andere Geschichte ganz interessant ist, hätten sie alle für meinen Geschmack länger sein können, tiefer gehen können. Dass man sich in die Personen nicht hineinversetzen kann, liegt sicher zum größten Teil daran, dass wir sie kaum kennenlerne, dass sie einfach zu anonym bleiben, als dass wir auch nur ein wenig ihr Schicksal einsehen könnten. Schade.

Das beste Buch, dass ich bislang über die ehemalige DDR gelesen habe, bei der man an dem Leben der Menschen teilhaben kann, ist "Der Turm" (The Tower) von Uwe Tellkamp. Aber das war den anderen Lesekreismitgliedern zu lang.

Wir haben dieses Buch im November 2010 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Mit seinem lakonischen, gänzlich unpathetischen Stil an die Tradition der amerikanischen Short Story anknüpfend, erzählt Schulze scheinbar einfache Geschichten. Was den Bewohnern der ostthüringischen Kleinstadt Altenburg, eines in der DDR verfallenen architektontichen Kleinods inmitten von Uran- und Kohleabbau, in diesem 'Simplen Storys' widerfährt, erscheint auf den ersten Blick nicht weiter ungewöhnlich. Und doch offenbart sich in den vielen kleinen Alltagsbegebenheiten das Zusammenstürzen einer ganzen Welt, jener traumatische Bruch, der sich nach 1990 durch so viele ostdeutsche Biographien zieht. Und so zeichnet er völlig unsentimental die Hoffnung und Hilflosigkeit, die Irrungen und Wirrungen und vielen tragikomischen Situationen, mit denen die Bewohner der ehemaligen DDR tagtäglich konfrontiert werden - befreit von einer Mauer, die sowohl Tragödien zeitigte als auch Sicherheiten gewährte."

Samstag, 14. Mai 2022

Degen, Michael "Nicht alle waren Mörder"

Degen, Michael "Nicht alle waren Mörder - Eine Kindheit in Berlin" [Not All Of Them Were Killers] - 1999

Die Erzählung des bekannten Schauspielers, wie er den 2. Weltkrieg als Jude in Deutschland erlebt hat. Wie ihm und seiner Mutter Freunde, Nachbarn und Fremde geholfen haben. Wie diese ihr Leben riskierten, um das seine zu retten.

Es gibt wenige Bücher über die Zeit, in denen die Deutschen auch mal von einer guten Seite beschrieben werden. Wie Michael Degen schon sagte: "Nicht alle waren Mörder." Und nicht alle waren Nazis. Das vergessen auch heute noch viel zu viele. Leider.

Drei Jahre war der 1932 geborene Junge Michael mit seiner Mutter untergetaucht. Was er alles erlebt hat, erzählt er in diesem Buch. Er ist kein Autor, es handelt sich hier wirklich um eine Erzählung von ihm selbst, das merkt man, der Autor spricht mit seinem Herzen.

Auf der Suche nach einem Foto von dem Buch habe ich festgestellt, dass er noch eines geschrieben hat: "Mein heiliges Land: Auf der Suche nach meinem verlorenen Bruder". Das dürfte sicher genauso interessant sein.

Wir haben dieses Buch im Juni 2010 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Mit elf Jahren musste Michael Degen zusammen mit seiner Mutter vor den Nationalsozialisten fliehen. Es folgte ein Leben im Untergrund, mit der ständigen Angst entdeckt und deportiert zu werden. Aber in dieser Welt, die aus den Angeln gehoben war, gab es Menschen, die sie versteckten, bis der Krieg vorbei war. Freunde und Fremde, Menschen die nicht fragten, sondern wortlos halfen."

Freitag, 13. Mai 2022

Fleischhauer, Wolfram "Das Buch in dem die Welt verschwand"

Fleischhauer, Wolfram "Das Buch in dem die Welt verschwand" [The Book In Which The World Disappeared] - 2003

Bei diesem Buch handelt es sich nicht um einen Krimi sondern es ist ein historischer Roman über das Zeitalter der Aufklärung.

Geheimnisvolle Todesfälle führen einen bekannten Arzt von einer Leiche zu einer Intrige durch Mord und Totschlag, Epidemien, Brandstiftungen und Aberglauben zu den Anfängen einer neuen Zeit, der Aufklärung.

Wenn man sonst nicht viel für Philosophie übrig hat, diese Zeit wird anhand der Geschichte gut erklärt.

Die Geschichte spricht auch die Entwicklung in der Medizin zu dem Zeitpunkt an, u.a. die Bakterien sowie verschiedene neue Untersuchungsmethoden, dann aber auch die Philosophie, Freimaurer, Illuminati, Immanuel Kant.

Wolfram Fleischhauer hat gesagt, er hätte gerade ein ganz anders Buch geplant, als die Attentate in New York am 11.09.01 passierten. Dadurch ist er auf die Idee gekommen. In einem Aufsatz von Heine hatte er gelesen, dass Kant Gott umgebracht habe, und die Tragweite dieser Tat wohl erst in 200 Jahren verstanden werde. Da sind wir jetzt. Aber ich glaube, viele haben es bis heute nicht verstanden.

Das "Verschwinden" der Welt ist auf die Philosophie der Zeit zurückzuführen, der Aufklärung. Wenn eine neue Welt entsteht (und das tat sie ja mit den neuen Gedanken), stirbt eine alte.

Ich habe später das Buch "Schule der Lügen" (oder: Die Inderin) (In a Tender Hold) von dem gleichen Autoren gelesen, auch sehr gut. Dieses handelt vom Einfluss der östlichen Philosophie auf Europa, darüber, wie bestimmte Richtungen eingeschlagen wurden, um die Menschen dorthin zu bringen, wo man sie haben will.

Wir haben dieses Buch im Juni 2008 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchumschlag:

"In einem verschneiten fränkischen Wald macht der Lizenziat Nicolai Röschlaub eine entsetzliche Entdeckung: Inmitten der Spuren eines heftigen Kampfes liegt eine blutüberströmte Leiche ohne Hände und mit schrecklich zugerichtetem Gesicht. Doch der schlimmste Anblick für den jungen Nürnberger Arzt sind die Augen des Toten, die der Mörder mit einem Dolch an den nächsten Baum gespießt hat, auf dessen scharfer Klinge die Mahnung eingraviert ist: "In te ipsum redi -- Schaue in Dich selbst!" Einziger Zeuge der grauenhaften Tat ist eine ebenso geheimnisvolle wie verwirrend verführerische junge Frau ohne Namen, der Nicolai mehr und mehr verfällt.

Doch die schöne Unbekannte ist nicht das einzige Rätsel, das sich der Aufklärung des Falles entgegen stellt. Der dubiose Justizrat Di Tassi, der Nicolai in seine Dienste stellt, arbeitet für Machthaber, deren Motive im Dunkeln liegen, und doch ist auch er nur einer von vielen Spielern und Gegenspielern, die versuchen, am Ende des 18. Jahrhunderts die Herrschaft im Deutschen Reich an sich zu reißen. Während Nicolai versucht, das Geheimnis der jungen Schönen zu lüften, gerät er immer tiefer in den Strudel der Gewalt und den verbissenen Kampf zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung, in dessen Zentrum ein Buch steht, das ein neues Zeitalter einläutet und dabei eine alte Welt zum Verschwinden bringt.

Souverän und geschickt bedient sich Wolfram Fleischhauer auch in seinem vierten Buch der Mittel des historischen Romans, um eine ebenso spannend wie intelligent konstruierte Handlung aufzubauen. Zwar wirkt die Mischung aus Aufklärungsschwärmerei, feudalistischer Unterdrückung, religiösem Fanatismus und konspirativen Sekten von den Freimaurern bis zu den Illuminaten nicht gerade neu, doch Fleischhauer gelingt es durchaus, dem Bekannten überraschende Aspekte abzugewinnen. Wie schon in seinen früheren Romanen
Die Purpurlinie, Die Frau mit den Regenhänden und Drei Minuten mit der Wirklichkeit erweist sich Fleischhauer als Regisseur präzise kalkulierter Effekte und einer Geschichte mit großer assoziativer Dichte und voller Anspielungen auf Philosophie, Kunst und Literatur. Auch wenn sein Buch die Welt nicht zum Verschwinden bringt, Zerstreuung auf höchstem Niveau bietet es allemal!"

Ich muss unbedingt mehr von Wolfram Fleischhauer lesen.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Austen, Jane "Emma"

 

Austen, Jane "Emma" (Englisch: Emma) - 1816

Jane Austen ist meine absolute Lieblingsautorin. Ich habe alle ihre Romane gelesen und versuche, alles andere zu lesen, was sie jemals festgehalten hat.

"Emma" ist nicht unbedingt der berühmteste von Austens Romanen. Emma Woodhouse, ein reiches, kluges Mädchen, das bei ihrem Vater lebt, ist ziemlich verwöhnt. Sie will nicht heiraten, da sie selbst genug Geld hat, aber sie kümmert sich um alle anderen.
Jane Austen schrieb: "Ich werde eine Heldin nehmen, die niemand außer mir sehr mögen wird."

Sie könnte das geschafft haben. Trotzdem hat Emma etwas Sympathisches. Sie ist ziemlich egoistisch und fängt viele verschiedene Dinge an, nur um sie später wieder aufzugeben, aber sie meint es gut mit anderen Menschen. Sie war vielleicht zu intelligent für ihre Zeit, Frauen hatten nicht zu denken.

Emma ist Jane Austens einzige Heldin ohne Geldprobleme, das ist schon ein Unterschied zu ihren anderen Romanen. Vielleicht macht es das so interessant.

In der Gruppe The Motherhood and Jane Austen Book Club habe ich Emma ein zweites Mal rezensiert.

Dieser Blogeintrag ist hier und eine Liste aller meiner "Mutterschafts"-Rezensionen hier. Ich lese viele Romane von oder über Jane Austen. Hier ist ein Link zu allen meinen englischen Jane-Austen-Besprechungen.

All diejenigen, die diesen Roman nicht gelesen haben, weise ich darauf hin, dass nachfolgend auch Spoiler enthalten sind.

Ich denke, Emma ist der Roman von Jane Austen mit den wenigsten Müttern oder Mutterfiguren. Wir haben ein paar, die den Platz von Müttern einnehmen, aber die Mütter selbst nehmen im Roman einen sehr kleinen Platz ein. Trotzdem gibt es zu jedem von ihnen etwas zu sagen und wie sie die anderen Charaktere beeinflussen.

Mütter:
Mrs. Bates, Mrs. John Knightley
Nicht anwesende Mütter: Mrs. Woodhouse
Nicht-Mütter: Mrs. Weston, Mrs. Churchill


Mrs. Bates
Sie ist die Mutter der sehr gesprächigen Miss Bates. Von der Mutter hören wir nicht viel, können aber ihrer Tochter und einigen anderen Bemerkungen entnehmen, was für ein Schicksal Mrs. Bates hatte. Sie ist wahrscheinlich das Äquivalent zu Mrs. Dashwood in "Verstand & Gefühl" oder "Sinn & Sinnlichkeit" (Sense & Sensibility) (oder was Mrs. Bennett in "Stolz & Vorurteil" (Pride & Prejudice) fürchtet), weil sie früher reich war und jetzt sehr arm ist. Sie muss daher ihren Reichtum mit dem Tod ihres Mannes verloren haben, dessen Nachlass und Geld an einen entfernten Verwandten ging, der nicht glaubte, dass er sich um Mrs. Bates und ihre Tochter kümmern musste.

Sie ist eine ruhige und stille Person, zu alt und zu krank, um etwas für ihre Tochter zu tun, und hat auch keinen Einfluss auf die anderen Figuren des Romans.

Mrs. John Knightley, geb. Isabella Woodhouse
Emmas Schwester Isabella ist mit Mr. John Knightley verheiratet, dem Bruder von DEM Mr. Knightley. Sie ist wahrscheinlich mehr wie ihr Vater als wie ihre Mutter, sie hat definitiv seine Angst geerbt, sich jegliche mögliche Krankheit einzufangen. Die Knightleys sind eine Familienfamilie, sehr nah an ihren Kindern, sehr fürsorglich, aber das ist ungefähr alles, was wir von ihnen hören.

Mrs. Woodhouse
Sie war die Mutter von Emma und Isabella, ist Mr. Woodhouses verstorbene Frau. Ihr früher Tod mag seine Hypochondrie beeinflusst haben, aber ich bin sicher, dass es schon vor ihrem Ableben einige Hinweise darauf gab. Wäre Emma ein anderer Mensch gewesen, wenn ihre Mutter noch am Leben gewesen wäre? Wahrscheinlich. Da wir nicht viel über sie wissen, können wir nur vermuten, dass sie vielleicht etwas strenger war als ihr Vater, der Angst hat, sie an irgendetwas zu verlieren, oder als ihre Gouvernante, die eher eine Freundin gewesen zu sein scheint als ein Elternteil.


Mrs. Weston geb. Taylor
Zu Beginn des Romans heiratet Miss Taylor, Emmas langjährige Gouvernante, Mr. Weston, einen "Mann mit Vermögen". Wir sehen sie nicht mehr in Highbury arbeiten, der Residenz der Woodhouses, aber die Familien besuchen sich gegenseitig und es gibt mehrere Gespräche mit Mr. Knightley über Emma. Daraus können wir eine gute Vorstellung davon bekommen, wie sie Emma behandelt hat und dass ihre Nachsicht Emma dazu gebracht hat, eine junge Dame zu werden, die eine sehr hohe Meinung von sich hat. Mrs. Weston ist die Ersatzmutter von Emma geworden, obwohl sie ein wenig nachsichtig mit ihr war und eher wie eine Freundin funktionierte, sie liebt sie so sehr wie eine Tochter und Emma liebt Mrs. Weston so sehr wie eine Mutter, aber ich glaube nicht, dass sie Emma einen großen Dienst erwiesen hat, indem sie sie ganz ohne Strenge erzogen hat.

Mrs. Churchill
Mr. Weston, der Emmas Gouvernante Miss Taylor heiratet, hat einen Sohn. Als seine Frau starb, war Frank noch sehr klein und so zog ihn der kinderlose Bruder seiner Frau und dessen Frau auf. Mrs. Churchill scheint eine sehr anspruchsvolle Mutter zu sein, sie verlässt sich sehr auf Frank und lässt ihn nicht einmal an der Hochzeit seines Vaters teilnehmen.

Ist sie eine gute Mutter? Nun, sie nahm den Neffen ihres Mannes auf, aber das taten damals viele Leute, sogar einer von Jane Austens eigenen Brüdern wuchs in einer anderen Familie auf. Sie kommt sicherlich als sehr egoistisch daher, weil Frank seine Liebe zu Jane Fairfax verbergen muss und sie erst heiraten kann, nachdem Mrs. Churchill gestorben ist. Da wir sie nie wirklich persönlich treffen, sondern nur von Leuten über sie sprechen hören, die Frank gerne öfter sehen würden, können wir sie nur nach der negativen Stimmung, die wir durch ihre Bekannten wahrnehmen.

Alles in allem gibt es nicht viele Mütter in diesem Roman, aber dennoch einige, die einen großen Einfluss auf die Geschichte haben.

Dies war das vierte Buch, das ich mit diesem Blog gelesen habe

Andere Romane von
Jane Austen, die ich in Bezug auf Mutterschaft gelesen habe:

"Emma" (Emma) - 1816
"Mansfield Park" (Mansfield Park) - 1814
"Kloster Northanger" oder "Die Abtei von Northanger" (Northanger Abbey) - 1818
"Überredung" (Persuasion) - 1817
"Stolz & Vorurteil" (Pride & Prejudice) - 1813
"Verstand & Gefühl" oder "Sinn & Sinnlichkeit" (
Sense & Sensibility) - 1811

Und hier ist ein Link zu all meinen englischen Jane Austen-Rezensionen.

Buchbeschreibung:

"Die kluge Emma Woodhouse lebt für das Ehestiften und lenkt gerne die Geschicke anderer. Allerlei ungewollte Komplikationen und Missverständnisse zwingen sie jedoch zu Selbstkritik und -reflexion in dieser Komödie der Irrungen und Wirrungen."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Mittwoch, 11. Mai 2022

Sampedro, José Luis "Das etruskische Lächeln"

Sampedro, José Luis "Das etruskische Lächeln" (Spanisch: La sonrisa etrusca) - The Etruscan Smile - 1985

Das etruskische Lächeln spielt in Italien, wurde aber von einem Spanier in Spanisch verfasst. Es geht um einen alten Bauer in Kalabrien, der in seiner Jugend Widerstandskämpfer war. Jetzt ist er krank und muss zu seinem Sohn nach Mailand ziehen. Vom Süden in den Norden. Die Umstellung ist ziemlich hart.

Aber er lernt auf diese Weise auch seinen Enkel kennen und lieben. Durch ihn findet er den Sinn des Lebens. Die Probleme des kleinen Jungen mischt er mit seinen Erfahrungen aus dem Krieg. Er lernt viele neue Emotionen, vor allem seinen Feinden zu vergeben, aber auch das Gute im Menschen zu erkennen.

Ein hervorragendes Buch, sehr ergreifend und zu Herzen gehend.

Weitere Bücher des Autoren, die ins Deutsche übersetzt wurden: "Der Fluss, der uns trägt" (El río que nos lleva, 1961) und "Der Gesang der Sirene" (La vieja sirena, 1990). Ich habe sie direkt auf meine Wunschliste gesetzt.

Wir haben dieses Buch im Juni 2010 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Liebe, Mitgefühl und Schmerz sind im Leben das Wesentliche: Der gealterte Widerstandskämpfer Salvatore Roncone, der sein ganzes Leben als Bauer im kalabrischen Süden Italiens zugebracht hat, wird durch seinen Gesundheitszustand gezwungen, zu seinem Sohn in die Großstadt Mailand zu ziehen. Erst durch die Liebe zu seinem Enkelsohn entdeckt der alten Patriarch nie geahnte Seiten an den Menschen und an sich selbst. So darf er kurz vor seinem Tod die wahre Schönheit des Lebens erfahren und erkennt, dass ein Lächeln selbst den Tod überdauert, wenn man wirklich gelebt hat."

Dienstag, 10. Mai 2022

Austen, Jane "Verstand & Gefühl"

 

Austen, Jane "Verstand & Gefühl" oder "Sinn & Sinnlichkeit" (Englisch: Sense & Sensibility) - 1811

Dieser Roman beschreibt das Leben von Elinor und Marianne Dashwood, zwei völlig unterschiedlichen Schwestern. Elinor, die Ältere, ist der "Verstand" (oder Sinn), Marianne das "Gefühl" oder die "Sinnlichkeit". Nach dem Tod ihres Vaters müssen sie in Armut leben, ihren eigenen Weg im Leben finden und sich mit der Liebe und all den damaligen damit verbundenen Problemen auseinandersetzen.

Ich habe diesen Roman geliebt, wie ich alle Bücher von
Jane Austen liebe. Was es so bemerkenswert und auch heute noch interessant macht, ist die Beschreibung der verschiedenen Schwestern und wie sie mit den Problemen umgehen, die die Gesellschaft ihnen auferlegt.

Die Menschen sind immer noch eher eine "Elinor" oder eine "Marianne", manchmal muss man das eine oder das andere sein, manchmal kann man beides sein.

In der Gruppe The Motherhood and Jane Austen Book Club habe ich Sense & Sensibility ein zweites Mal rezensiert.

Dieser Blogeintrag ist hier und eine Liste aller meiner "Mutterschafts"-Rezensionen hier. Ich lese viele Romane von oder über Jane Austen.
Hier ist ein Link zu allen meinen englischen Jane-Austen-Besprechungen.

Dies war das sechste und letzte Buch, das ich mit diesem Blog gelesen habe.

All diejenigen, die diesen Roman nicht gelesen haben, weise ich darauf hin, dass nachfolgend auch Spoiler enthalten sind.

In diesem Roman gibt es viel mehr Mütter als im letzten, das ganze Buch ist voll von Müttern, die alle viel zur Geschichte beitragen. Es gibt viele Handlungen in diesem Roman, das Leben ist nicht ohne Herausforderungen für unsere Heldinnen, die Dashwood-Schwestern, und der Schauplatz wechselt mehrmals, vom Anwesen ihres Vaters Norland Park in Sussex nach Barton Cottage in Devonshire und dann nach London und zurück nach Devon über Cleveland, das Anwesen der Parkers.


Aber schauen wir uns alle Mütter in Sinn & Sinnlichkeit an.

Mütter: Mrs. Dashwood, Fanny Dashwood (geb. Ferrars), Mrs. Ferrars, Mrs. Jennings, Lady Middleton (geb. Jennings), Charlotte Palmer (geb. Jennings)
Nicht-Mütter: Mrs. Smith, Tante von John Willoughby

Mrs. Dashwood
Sie ist die zweite Ehefrau von Mr. Henry Dashwood. Sein Haus muss an seinen Sohn aus erster Ehe weitergegeben werde, was Mrs. Dashwood und ihre Töchter in der Position zurücklässt, vor der Mrs. Bennett aus
Stolz & Vorurteil immer Angst hat. Obwohl sie selbst eine völlig hilflose Person ist, scheint sie, genau wie Mrs. Bennett, in der Lage gewesen zu sein, eine völlig vernünftige Tochter, Elinor, großzuziehen, die alle Sorgen für die Familie zusätzlich zu ihren eigenen übernimmt.

Sie will das Beste für ihre Töchter, oder zumindest das, was ihrer Meinung nach das Beste für ihre Töchter ist. Sie ermutigt Marianne, John Willoughby hinterherzulaufen, anstatt auf Elinors Rat zu hören, vorsichtig zu sein.

Aber sie wurde wahrscheinlich genauso erzogen, die Art von Tochter, die gut heiraten soll und sich dann zurücklehnt und andere ihre Kinder großziehen lässt. Das war damals die einzige Option für Frauen, zumindest die einer bestimmten Klasse.

Fanny Dashwood (geb. Ferrars)
Oh je, kann jemand egoistischer, manipulativer, snobistischer sein? Sie hat John Dashwood nur wegen des Geldes geheiratet, da bin ich mir sicher. Und das ist der Hauptgrund, warum sie keine Schwester ihres Mannes für ihren Bruder will, weil die Schwestern mittellos sind. Und so müssen auch ihre Brüder des Geldes wegen heiraten. So haben es die Leute früher in diesen Kreisen gemacht.

Ich glaube nicht, dass sie sehr glücklich mit ihrem Mann ist, und ich wage zu behaupten, dass sie auch keine gute Mutter ist. Sie wird sagen, dass sie ihre Kinder von ganzem Herzen liebt, aber ich bin mir sicher, dass sie ihnen dasselbe antun würde wie ihre Mutter Edward, falls sie mit einem unerwünschten Partner auftauchen.

Mrs. Ferrars
Gibt es einen "Bösewicht" in einem der Austen-Romane, der schlimmer ist als Mrs. Ferrars? Enterbt ihren eigenen Sohn, weil er niemanden heiraten will, den sie für ihn ausgesucht hat. Was ist das für eine Mutter? Nun, das wäre heute undenkbar, damals war es
für Leute mit Geld wahrscheinlich nicht so ungewöhnlich, aber ich kann immer noch nicht glauben, dass jemand das tut. Am Ende öffnet sie ihm damit nur den Weg, jemanden zu heiraten, den er wirklich will. Geschieht ihr recht.

Mrs. Jennings
Ich weiß, sie ist eine ziemliche Schwätzerin und klatscht über jeden, aber man muss sie einfach mögen, sie meint es gut, sie liebt ihre Töchter, sie liebt sogar die Dashwood-Mädchen, die nichts mit ihr zu tun haben. Sie nimmt sie unter ihre Fittiche mit dem Ziel, ihnen einen guten Ehemann zu finden.

Natürlich mag Marianne sie nicht, aber sie hat wirklich ein gutes Herz und ist sehr hilfsbereit und unterstützend.

Lady Middleton (geb. Jennings)
Ihr Ehemann, Sir John Middleton, ist der Verwandte von Dashwood, der ihnen Barton Cottage zur Verfügung stellt. Er scheint ein sehr großzügiger und fürsorglicher Mensch zu sein, während seine Frau, die Tochter von Mrs. Jenning, eher der modische Typ Frau zu sein scheint, die allen nur ihre schönen Kleider präsentiert, die Erziehung ihrer Kinder dem Kindermädchen überlässt und sich überhaupt nicht um andere
kümmert. Wiederum wahrscheinlich etwas, wozu Frauen damals erzogen wurden. Dennoch gibt es andere, die ihr Herz mehr zeigen, einschließlich ihrer eigenen Mutter.

Charlotte Palmer (geb. Jennings)
Mrs. Jennings' andere Tochter, die gesprächiger zu sein scheint als ihre Schwester, ein wenig einfacher, aber viel gutherziger. Sie ist vielleicht nicht die klügste der Damen in diesem Roman, aber sie ähnelt eher ihrer Mutter als ihrer Schwester, kümmert sich auch mehr um die Dashwood-Schwestern als um ihre Schwester und ist eine der wenigen, die wirklich wissen wollen, wie es ihnen geht. Sie kümmert sich auch sehr um ihr Kind, mehr als die meisten anderen Damen im Roman. Sie scheint eine sehr gute Mutter zu sein, besonders wenn man sich die Zeit ansieht und was von Menschen eines gewissen Standes erwartet wurde.


Mrs. Smith
Sie kommt im Roman eigentlich nicht vor, aber sie wird oft erwähnt und hat einen großen Einfluss auf die ganze Geschichte.
Sie ist Willoughbys Tante, die er besucht, wenn er in Devon ist, und deren Haus und Reichtum er erben soll. Hätte sie nicht von seinen Fehlern gehört (oder hätte er sie nicht begangen), wäre er immer noch ihr Erbe und hätte Marianne heiraten können. Aber so hört sie davon und enterbt ihn. Und Bravo dafür. Sie tritt für ihre Prinzipien ein und zeigt dem jungen Mann, dass er nicht einfach machen kann, was er will, ohne die Konsequenzen zu spüren. Nun, Marianne spürt die Folgen noch mehr, aber wir alle wissen, dass auch das ein Happy End haben wird.


Andere Romane von Jane Austen, die ich in Bezug auf Mutterschaft gelesen habe:

"Emma" (Emma) - 1816
"Mansfield Park" (Mansfield Park) - 1814
"Kloster Northanger" oder "Die Abtei von Northanger" (Northanger Abbey) - 1818
"Überredung" (Persuasion) - 1817
"Stolz & Vorurteil" (Pride & Prejudice) - 1813
"Verstand & Gefühl" oder "Sinn & Sinnlichkeit" (
Sense & Sensibility) - 1811

Und hier ist ein Link zu all meinen englischen Jane Austen-Rezensionen.

Buchbeschreibung:

"Zwei grundverschiedene Schwestern, die rationale Elinor und die impulsive Marianne bereiten Mutter Dashwood erhebliche Sorgen. Nach dem Tod des Vaters sind sie alles andere als eine gute Partie, aber unverhofft mangelt es weder an Bewerbern noch an überraschenden Turbulenzen."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Montag, 9. Mai 2022

Stelter, Bernd "Der Killer kommt auf leisen Klompen"

Stelter, Bernd "Der Killer kommt auf leisen Klompen: Camping-Krimi" [The killer comes on quiet clogs: A Camping thriller] - 2017

Bernd Stelter ist einfach unschlagbar. Er hat seinen niederländischen Wahlnachbarn gut auf die Finger geschaut, ihre Sprache gelernt, ihre Eigenarten studiert.

Wie schon in seinem ersten Krimi (Der Tod hat eine Anhängerkupplung) muss auch hier Inspecteur Piet van Houvenkamp nicht nur einen Mord untersuchen, sondern sich auch noch mit den deutschen Touristen rumschlagen, die meinen, sie könnten ihm irgendwie behilflich sein. Aber am Ende helfen ihre Einmischungen doch, dass er seinen Fall lösen und den Mörder dingfest machen kann, wenn auch nicht so, wie er es sich eigentlich vorgestellt hatte.

Eine tolles Buch für alle Bernd Stelter-Fans und solche, die es bestimmt noch werden, sobald sie von ihm gehört haben.

Buchumschlag:

"Eine Leiche auf einem Hausboot und die zwielichtige Welt der Reichen und Schönen

Eine Leiche, so kurz vor dem Rentenalter, sechs Jahre vor der Pension, das brauchte niemand. Er ließ einen weiteren Schluck Grimbergen an der entzündeten Zahnwurzel vorbeilaufen. Und dann noch auf einem Hausboot. Damals, als er jung und ehrgeizig war, hatte er sich manchmal ausgemalt, wie es wäre, wenn eine Leiche auf einem Hausboot gefunden würde. Alle Zeugen noch an Bord, und er wäre Hercule Poirot, der durch die Kabine schlenderte, der einen Verdächtigen nach dem anderen auf die Planken nageln würde …

Ein neuer Kriminalfall für den sympathischen Inspecteur Piet van Houvenkamp und die Camper von '
De Grevelinge' mischen auch wieder mit – spannend, humorvoll und mit viel holländischem Lokalkolorit."