Freitag, 22. November 2024

Levy, Marc "Wenn wir zusammen sind"

Levy, Marc "Wenn wir zusammen sind" (Französisch: Mes amis mes amours) - London Mon Amour - 2006

Mathias und Antoine sind beide geschieden und ziehen zusammen, um sich die Verantwortung für ihre Kinder zu teilen. Ihre einzige Regel ist, dass keine Frauen im Haus sind. Natürlich wird diese Regel gebrochen, sobald sie ihre neue Wohnung betreten ...

Dieses Buch wurde verfilmt und ich kann mir vorstellen, dass es ein ziemlich guter Chick Flick ist, besonders da einer meiner Lieblingsschauspieler, Vincent Lindon, die Hauptrolle spielt. Was den Roman angeht, habe ich ihn nur deshalb weitergelesen, weil ich ihn auf Französisch gelesen habe. Das hat mir etwas zum Üben gegeben. Ich halte nicht viel von leichter Lektüre und das hier war zu seicht für mich. Trotzdem, wer seichte Frauenliteratur (Chick Lit) mag, für den ist es kein schlechtes Buch.

Buchbeschreibung:

"Mathias und Antoine, beide in den Dreißigern, beide allein-erziehende Väter, beschließen, gemeinsam in einem Haus in London zu wohnen und ihre Kinder zusammen zu erziehen. Zwei Spielregeln stellen sie sich auf: keine Babysitter – und keine Frau im Haus …

Fortan soll das Wohl ihrer Kinder, des kleinen Louis und der reizenden Emily, im Mittelpunkt stehen.
Doch wie das so ist mit den selbst auferlegten Regeln: Sie sind schnell aufgestellt, aber ebenso schnell gebrochen! Eines Tages nämlich tritt die Journalistin Audrey in Mathias’ Leben. Mathias ist sofort fasziniert von dieser Frau. Doch wie soll er seinem Hausgenossen Antoine, der streng auf die Einhaltung der Regeln pocht, klarmachen, dass er sich verliebt hat? Aber auch auf Antoine wartet bereits das Glück – in Gestalt der zauberhaften Floristin Sophie …"

Donnerstag, 21. November 2024

Faulkner, William "Licht im August"

Faulkner, William "Licht im August" (Englisch: Light in August) - 1932

Was für ein Buch. Das könnte siebzig Jahre später eine Fortsetzung von "Vom Winde verweht" (Gone With the Wind) sein. Ein Buch über den tiefen Süden, über das Landleben, Familien, harte Arbeit, Rassismus, Kriminalität, Religion, Moral, alles, was eine Geschichte über diese Region und Zeit haben sollte.

Faulkner hat eine brillante Art zu schreiben, ich mag seinen Stil, auch wenn er von Zeit zu Zeit hin und her springt, folgt er immer noch seinem Weg und man kann ihm gut folgen, ohne dass es zu Verwirrungen kommt. Es gibt ein paar Hauptgeschichten mit mehreren Nebenhandlungen, aber William Faulkner schafft es, sie alle auf eine Weise zu erzählen, dass es nicht schwer ist, ihnen zu folgen. Eine zugängliche Geschichte mit sowohl sympathischen als auch unsympathischen Charakteren.

Es überrascht mich nicht, dass er den Pulitzer-Preis für zwei seiner Werke erhielt, "Eine Legende" (A Fable) und "Die Spitzbuben" (The Reivers), die beide auf meiner Wunschliste stehen.

Buchbeschreibung:

"Mit sinnlicher Leidenschaft entrollt Faulkner in diesem Klassiker der Literatur des 20. Jahrhunderts drei Lebenswege in der weiten Landschaft des Mississippi: Lena Grove, eine junge Schwangere auf einer fremden Landstraße, sucht ihren Geliebten. Am Ende hat sich ihr Schicksal in der Begegnung mit einem anderen Mann erfüllt, aber das Chaos sündhafter Verstrickung entlässt sie wieder fast unberührt. Joe Christmas, ein Wanderarbeiter, der sich seiner Rassenzugehörigkeit nicht sicher ist, findet hingegen keinen anderen Ausweg aus seinem Dilemma, als selbst zum Mörder zu werden. Der Geistliche Gail Hightower durchschaut das Gewebe aus religiösem und rassischem Fanatismus, kann sich aber nicht aus seiner Verklärung der 'glorreichen' Südstaatenvergangenheit befreien ...

Faulkners zwingende Modernität, sein multiperspektivischer, psychologischer Stil machten '
Licht im August', 1932 geschrieben, bereits 1935 bei Rowohlt veröffentlicht, zu einem der wirkungsmächtigsten Romane des 20. Jahrhunderts - hierzulande vor allem nach dem Krieg, als er in einer rororo-Zeitungsausgabe einem breiten Publikum zugänglich wurde."

William Faulkner erhielt den Nobelpreis für Literatur 1949 "für seine kraftvolle und künstlerisch selbständige Leistung in Amerikas Romanliteratur."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels, und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 20. November 2024

Gao, Xingjian "Der Berg der Seele"

Gao, Xingjian "Der Berg der Seele" (Chinesisch: 灵山, língshān) - Soul Mountain - 1989

Ein außergewöhnliches Buch. Eine Biografie, eine Suche nach der Seele eines Menschen in einer Welt, in der das Individuum nichts bedeutet. Eine Sammlung von Geschichten aus der Gegenwart und der Vergangenheit, die hin und her springen, aber nach einer Weile hat man den Dreh raus. Eine Einführung in die Charaktere, die "ich" und "du", "er" und "sie" sind, aber sie scheinen sich alle zu vermischen. Eine Geschichte über einen Reisenden, der sein eigenes Land entdeckt und dabei sich selbst entdeckt. Und nebenbei führt er den Leser in viel chinesische Kultur, Religion, Politik und Geschichte sowie in seine eigene Geschichte ein, die Geschichte seines Vaters, seiner Vorfahren.

Mir gefiel auch seine Einsicht in viele Probleme, die nicht die seinen sind, man könnte meinen, er hätte andere eigene Probleme, über die er nachdenken muss, aber nein, er liefert Zitate wie "... wenn Menschen die Natur angreifen, rächt sich die Natur unweigerlich." oder "... nicht die Natur ist furchteinflößend, es sind die Menschen, die furchteinflößend sind!"

Eine meiner Lieblingspassagen: "Ich suche ständig nach Sinn, aber was ist Sinn eigentlich? Kann ich die Menschen davon abhalten, diesen großen Damm als Grabinschrift für die Vernichtung ihres Selbst zu bauen? Ich kann nur nach dem Selbst des Ich suchen, das klein und unbedeutend ist wie ein Sandkorn. Ich könnte genauso gut ein Buch über das menschliche Selbst schreiben, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob es veröffentlicht wird. Aber welche Konsequenzen hat es dann, ob ein Buch mehr oder ein Buch weniger geschrieben wird? Ist nicht schon genug Kultur zerstört worden? Braucht die Menschheit so viel Kultur? Und außerdem, was ist Kultur?"

Und dann liebe ich es, als Esperanto-Sprecherin, wenn ich meine Sprache in einem Buch finde: "Er hatte eine tiefe Stimme und konnte Die Internationale auf Esperanto singen."

Dies ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre, nichts, was man nebenbei liest, um eine "nette Geschichte" zu hören. Der Autor fordert uns auf, seine Lebensweise und die Lebensweise seiner Kultur zu verstehen. Und indem wir ihn auf seiner Suche nach dem Berg der Seele an der Quelle des Jangtse begleiten, können wirauch viel über uns selbst erfahren.

Buchbeschreibung:

"Der Berg der Seele ist der große autobiographische Roman des Nobelpreisträgers Gao Xingjian. Den Fluss Yangtze hinab von der Quelle bis ans Meer führt ihn eine epische Reise in das Herz eines unbekannten China. 1983 diagnostiziert ein Arzt bei Gao Lungenkrebs und gibt ihm nur noch wenige Monate. Dies stellt sich bald als falsch heraus und mit dem Gefühl, dem Tod durch Finger geschlüpft zu sein, beschließt er, der sich abzeichnenden politischen Repression in der Hauptstadt zu entgehen. Lingshan, der von Legenden umwobene Berg der Seele, wird zum Fluchtpunkt einer Reise, auf der er die leuchtenden Farben einer vom offiziellen Peking an den Rand gedrängten Welt entdeckt. Unterwegs wie Bruce Chatwin in Australien ist er auf der Spur einer anderen, einer sinnlichen Geschichte, begegnet er weisen Frauen, skurilen Helden und den letzten Schamanen."

Xingjian Gao erhielt den Nobelpreis für Literatur in 2000 "für sein Werk von universaler Güte, bitterer Einsicht und sprachlichem Sinnreichtum".

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Dienstag, 19. November 2024

Wharton, Edith "Ethan Frome"

Wharton, Edith "Ethan Frome" oder "Winter" (Englisch: Ethan Frome) - 1911

Das Einstiegsbuch für eines meiner Projekte auf meinem englischen Blog ("Six Degrees of Separation") war "Ethan Frome". Oft habe ich das Einstiegsbuch nicht gelesen oder auch nur davon gehört. Aber ich habe "Das Haus der Freude" (The House of Mirth) gelesen und mochte es, also beschloss ich, dieses hier zu lesen, besonders, da es nur eine Novelle ist, und so konnte ich es zwischendurch lesen.

Eine gute Geschichte über das Leben unter harten Umständen vor etwa einem Jahrhundert. Ich bin sicher, das hätte auch eine gute, dicke Geschichte sein können, aber die Autorin hat sich entschieden, sie kurz zu halten. Und ausnahmsweise hat es mich nicht einmal so sehr gestört.

Ich sollte wahrscheinlich mehr von Edith Wharton lesen. Irgendwelche Vorschläge?

Buchbeschreibung:

"In dem freudlosen, abgeschiedenen Ort Starkfield in Neuengland, der die meiste Zeit des Jahres im Schnee versinkt, sind auch die Gefühle der Menschen zu Eis erstarrt. Die Pulitzerpreisträgerin Edith Wharton erzählt von einer untergegangenen Welt, die in den Figuren ihres berührenden Romans erschreckend lebendig wird. Den Farmer Ethan Frome verbindet eine Dreiecksbeziehung mit seiner Frau und deren jüngerer Cousine Mattie. Ihr Leben ist geprägt von Liebe und Einsamkeit, von sexueller Frustration und moralischer Verzweiflung. Eine archetypische Geschichte von leidenschaftlichem Aufbegehren und tragischer Passivität, von Sprachlosigkeit und der Unfähigkeit, dem Schicksal zu entrinnen. Ein kompositorisches Meisterwerk, pure Erzählmagie!"

Montag, 18. November 2024

Towles, Amor "Eine Frage der Höflichkeit"

Towles, Amor "Eine Frage der Höflichkeit" (Englisch: Rules of Civility) - 2011

Nachdem ich "Ein Gentleman in Moskau" (A Gentleman in Moscow)  gelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr von diesem Autor lesen, und als mir eine meiner Lesekreismitglieder anbot, mir ihr Exemplar von diesem Buch zu leihen, sagte ich gerne zu.

Es ist nicht dasselbe wie der oben erwähnte Roman, aber auch sehr gut. Ein völlig anderes Gebiet, eine andere Situation, aber man hat ein ähnliches Gefühl. Dieser spielt in New York und dreht sich um das Leben eines jungen Mädchens, das nach New York kommt.

Wir erfahren nicht viel über die aus Russland eingewanderten Eltern, aber es ist ihre Herkunft, die ihr ihre Jobs verschafft, da sie Russisch sprechen kann.

Wir lernen ihre Freunde kennen, die Kreise, in denen sie sich bewegt. Ein gut geschriebener Bericht über das Leben in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Amor Towles ist sicherlich ein Autor, der weiß, wie man ein Publikum fesselt.

Im Nachwort finden wir eine der wahrscheinlich wichtigsten Zeilen des ganzen Buches (übersetzt von mir):

"Die Sache ist die: 1939 mag in Europa den Beginn des Krieges gebracht haben, in Amerika jedoch das Ende der Depression. Während sie annektierten und beschwichtigten, heizten wir die Stahlwerke an, bauten die Fließbänder wieder auf und bereiteten uns darauf vor, die weltweite Nachfrage nach Waffen und Munition zu befriedigen. Im Dezember 1940, als Frankreich bereits gefallen war und die Luftwaffe London bombardierte, beobachtete Irving Berlin in Amerika, wie die Baumwipfel glitzerten und Kinder den Schlittenglocken im Schnee lauschten. So weit waren wir vom Zweiten Weltkrieg entfernt."

Der Titel basiert auf George Washingtons "Regeln der Höflichkeit" und die finden wir hier.

Buchbeschreibung:

"New York, Neujahr 1937: Die beiden Freundinnen Kate und Eve – zwei Provinzschönheiten, die die Welt erobern wollen – gabeln in einer Jazzkneipe den charmanten Tinker Grey auf. Er trägt Kaschmir und scheint Single zu sein – ein Sechser im Lotto. Eine turbulente Freundschaft à trois beginnt. Die beiden jungen Frauen weisen Tinker in die geheime Kunst des Schnorrens ein, und Tinker revanchiert sich, indem er sie in die feinsten Clubs der City ausführt . Erst als das beschwingte Dauerabenteuer jäh durch einen Unfall beendet wird, stellt sich für Kate die Frage, wer eigentlich in wen verliebt ist – und was das Leben wirklich ausmacht."

Samstag, 16. November 2024

Trivizas, Eugene "Die drei kleinen Wölfe und das große böse Schwein"

 

Trivizas, Eugene "Die drei kleinen Wölfe und das große böse Schwein" (Englisch: The Three Little Wolves and The Big Bad Pig) - 1997 

Es gibt ein schönes Buch über die drei kleinen Schweinchen, das leider nicht ins Deutsch übersetzt wurde: "The True Story of the Three Little Pigs" (Die wahre Geschichte der drei kleinen Schweinchen) von Jon Scieszka. Diess hat einen ähnlichen Hintergrund, und es wurde übersetzt.

Wie der Titel schon andeutet, sind die Wölfe klein und das Schwein böse, also ist die ganze Geschichte genau das Gegenteil eines üblichen Märchens. Sie zeigt Kindern, dass jede Geschichte zwei Seiten haben kann und dass man jede Geschichte auch anders verstehen kann.

Der Anfang ist derselbe, die Wölfe wollen ein schönes Haus kaufen und das Schwein zerstört sie. Nur sind die Wölfe schlau und bauen ihre Häuser aus Ziegeln und Beton, aber das Schwein kommt mit Vorschlaghammer und Dynamit. Erst als sie ein Haus aus Blumen bauen und das Schwein den schönen Duft riecht, hört es auf, sie zu verfolgen.

Wir könnten auch sagen, dies ist eine "Make Love Not War"-Geschichte für Kinder, die ihnen zeigt, dass es besser ist, nett zueinander zu sein, als zu kämpfen.

Buchbeschreibung:

"Ein böses, garstiges Schwein zerstört das Haus, in dem drei kleine Wölfe leben. Diese sind untröstlich. Als sie sich dann aber ein neues Haus ganz aus Blumen bauen, geschieht etwas Unerwartetes: Das Schwein labt sich an dem herrlichen Blumenduft und macht einen Sinneswandel durch. Schwein und Wölfe werden die besten Freunde."

Freitag, 15. November 2024

Ibsen, Henrik "Peer Gynt"

Ibsen, Henrik "Peer Gynt" (Norwegian: Peer Gynt) - Peer Gynt - 1867

Ich habe die Musik "Peer Gynt" von Edvard Grieg immer geliebt und daher klang allein der Titel dieses Stücks für mich gleichzeitig geheimnisvoll und bezaubernd.

Ich habe es schon einmal erwähnt, ein Stück zu lesen ist nur die halbe Freude und ich würde mir viel lieber ein Stück ansehen, aber das ist nicht immer möglich. Also habe ich mich nach langem Überlegen endlich an dieses hier gewagt. Ich finde es noch schwieriger zu lesen, wenn es – wie hier – in Gedichtform geschrieben ist.

In diesem Stück gibt es Trolle, aber auch Reisen nach Nordafrika (Marokko und Ägypten), wir werden Zeugen einer Entführung und eines Mordes, Liebe und Verrat, Leben und Tod, diese Geschichte hat alles. Sie ist sowohl satirisch als auch mystisch.

Peer Gynt ist jedoch nicht die Art von Charakter, die man gerne hätte. Warum sogar seine Mutter ihn mag, weiß niemand. Er ist überhaupt nicht sympathisch, er ist zu niemandem nett, wir alle wären ohne ihn besser dran.

Sicherlich nicht mein Lieblingsbuch des Jahres, aber ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe.

Und inzwischen habe ich auch eien (sehr moderne) Aufführung des Stücks im Theater gesehen. Einfach sagenhaft!

Buchbeschreibung:

"'Peer, du lügst!', lässt Henrik Ibsen zu Beginn seines glanzvollen 'dramatischen Gedichts' Peer Gynts Mutter Aase ausrufen und ein Lügner ist ihr Sohn in der Tat: ein Prahlhans, ein Fabulierer, der sehnsüchtig alles Fantastische über die nüchterne, elende Wirklichkeit stellt. Zusehends verschwimmen die Grenzen zwischen Träumerei und Realität, und schon bald gerät der abenteuerhungrige Bauernsohn auf der Suche nach Ansehen und Wohlstand in das dämonisch-mythische Reich der Trolle ... Ibsens 'Peer Gynt', 1876 uraufgeführt, wurde zu Recht oft mit 'Don Quijote' und 'Faust' verglichen. "