Samstag, 19. September 2026

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano"

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano" (Spanisch: La maldición de los Palmisano) - The Last Son's Secret - 2015

Ich mag spanische Autoren im Allgemeinen sehr und freue mich immer, wenn ich einen weiteren für meine Liste entdecke. Der Autor wird mit dem Satz vorgestellt: "Rafel Nadel kann besser schreiben als Tennis spielen." Ein guter Spruch! Ich habe keine Ahnung, wie gut er (der Autor) Tennis spielt, aber ich kann versichern: Er schreibt hervorragend.

Die Geschichte führt uns nach Italien. Ein Besucher bemerkt, dass ein Dorf im Ersten Weltkrieg 42 Söhne verloren hat und dass die Hälfte von ihnen den Nachnamen Palmisano trägt. Im Zweiten Weltkrieg hingegen gibt es keinen Einzigen mit diesem Namen, dafür aber wieder eine Familie, die die Hälfte der Liste ausmacht: die Familie Convertini. In diesem Buch lernen wir beide Familien sowie das Geheimnis kennen, das sie hüten.

Eine sehr interessante Geschichte, gut geschrieben, mit sympathischen – und natürlich auch einigen unsympathischen – Charakteren. Wir erhalten Einblick in das Leben der Italiener während der Kriege, sowohl bei den Anhängern der bösen Mächte als auch bei jenen, die sich den Partisanen anschließen; wir schließen die Menschen ins Herz und verstehen ihre Beweggründe. Die Verknüpfung von Fiktion und historischen Fakten ist sehr gut gelungen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, und ich glaube, dass diese Geschichte auch für diejenigen viel zu bieten hat, die eigentlich nicht gerne über den Krieg lesen.

Buchbeschreibung:

"Ein Dorf in Süditalien wird zum Schauplatz eines halben Jahrhunderts europäischer Geschichte - eine großartige Familiensaga.

Einundzwanzig Tote, alle im Ersten Weltkrieg gefallen. Das ist die traurige Bilanz der Familie Palmisano, die seitdem als verflucht gilt. Als die Witwe Donata Palmisano kurz nach Kriegsende einen Sohn zur Welt bringt, fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie gibt Vitantonio als Sohn ihrer Cousine aus, um ihn zu schützen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ist Vitantonio ein kräftiger junger Mann, der in die Schlacht ziehen soll - genau wie seine Vorfahren. Kann er sein Schicksal besiegen und dem Fluch der Familie entrinnen?"

Freitag, 18. September 2026

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus"

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus" (Spanisch: La Casa del Papel) - The House of Paper - 2007

Ein interessantes Buch über eine Frau, die beim Lesen stirbt, einen Mann, der ein Haus aus Büchern baut, und einen weiteren Mann, der versucht, die Verbindung zwischen ihnen zu finden. Für meinen Geschmack etwas zu kurz (nur 96 Seiten): Man lernt die Figuren nicht lange kennen – gerade erst eingelesen, ist die Geschichte schon vorbei.

Dennoch war es eine durchaus angenehme Lektüre. Als Bonus gibt es vorne im Buch eine schöne Karte, die den Weg der Hauptfigur nach Südamerika zeigt. Sie erinnert an alte Karten auf Pergament – ​​ein Detail, das auch jedem Bücherliebhaber gefallen dürfte. Eine wunderbare kleine Geschichte über Menschen, die Bücher lieben.

Buchbeschreibung:

"Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden."

In diesem Roman werden viele Bücher erwähnt. Das wichtigste ist
"Die Schattenlinie" (The Shadow-Line) von Joseph Conrad.

Andere:
Burckhardt, Jacob "Die Cultur der Renaissance in Italien"
Cervantes, Miguel de "Don Quixote von der Mancha" (SPAN: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha/Don Quixote)
Dickinson, Emily "Gedichte" (Poems)
Dostoevskij, Fyodor "Die Brüder Karamasow" (RUS: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy/The Brothers Karamazov)
Faulkner, William "Absalom! Absalom!" (Absalom! Absalom!)
Hesse, Hermann "Siddhartha" (Siddhartha: An Indian Poem)
Hemingway, Ernest "In einem anderen Land" (A Farewell to Arms)
Salgari, Emilio "Sandokan, der Tiger von Malesia" (IT: I Tigri di Momprasem)

Donnerstag, 17. September 2026

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug"

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug" (Englisch: A State of Freedom) - 2017

Ich mag Geschichten, die in Indien spielen, und bisher bin ich noch auf keine gestoßen, die mir nicht gefallen hätte. Nun, diesmal ist es wohl doch passiert. Was ich nicht wusste – und was im Buch nirgendwo erwähnt wird –, ist, dass es sich eigentlich um eine Sammlung von Kurzgeschichten handelt; das merkt man erst, als die erste Geschichte plötzlich endet (auf Seite 22).

Die beiden längeren Geschichten scheinen zusammenzugehören, hätten aber ebenso gut von völlig unterschiedlichen Personen handeln können, da man erst gegen Ende bemerkt, dass es sich um dieselbe Person handelt, von der in der anderen Geschichte die Rede ist. Das waren auch die einzigen Geschichten, die mich wirklich fesseln konnten. Bei den anderen drei fand ich keinen rechten Zugang zu den Figuren, geschweige denn zur Handlung selbst. Die zweite und die vierte Geschichte handeln von einem wohlhabenden Inder, der alle zwei Jahre in seine Heimat zurückkehrt, um seine Familie zu besuchen; die vierte Geschichte beleuchtet dabei stärker das Leben des Hauspersonals, das seine Familie beschäftigt. Diese hat mir am besten gefallen.

Auch die erste, dritte und fünfte Geschichte sollen miteinander verknüpft sein, doch der Zusammenhang ist weitaus weniger offensichtlich und bereichert die einzelnen Geschichten nicht wirklich.

Wie gesagt: Obwohl ich Geschichten aus Indien eigentlich mag, war dieses Buch nichts für mich. Ich werde mich künftig wieder Autoren wie Amitav Ghosh, Jhumpa Lahiri, Rohinton Mistry, V.S. Naipaul, Vikram Seth und anderen zuwenden, auf die ich hoffentlich noch stoßen werde.

Eine Empfehlung an den Verlag: Bezeichnet Kurzgeschichten nicht als Roman; das führt zu schlechten Rezensionen von Lesern, die einen Roman erwarten, während Leser, die Kurzgeschichten mögen, das Buch gar nicht erst zur Hand nehmen.

Buchbeschreibung:

"Was geschieht, wenn wir versuchen, das Leben, in dem wir zu Hause sind, für etwas Besseres zu verlassen? In fünf Schicksalen entfaltet sich in diesem Roman ein grandioses Panorama der modernen indischen Gesellschaft.

Neel Mukherjee erzählt in
Das Leben in einem Atemzug von Menschen, die aufbrechen, ihr Zuhause verlassen, um für sich und ihre Familien ein besseres Leben zu erlangen. Da ist die Köchin in Mumbai, die in sechs Haushalten kocht; da ist der Mann, der mit seinem Tanzbär von Ort zu Ort zieht, da ist das Mädchen, das vor den Terroristen, die ihr Dorf bedrohen, in die Stadt flieht – sie alle erleben, was es bedeutet, nicht mehr im eigenen, vertrauten Umfeld zu sein. Ihre Schicksale erzählen von den Frösten der Freiheit, vom Fremd- und Alleinsein, von Armut und Arbeit. Aber auch von der Hoffnung und Glück. Ein atmosphärisch dichter Roman aus dem heutigen Indien, einer modernen Gesellschaft, in der die Schatten einer anderen noch deutlich spürbar sind. Leidenschaftlich und voller Empathie entfaltet sich in einem Reigen von Geschichten das unstillbare menschliche Streben nach einem anderen, besseren Leben."

Mittwoch, 16. September 2026

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger"

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger" (Englisch: Less) - 2017

Bislang habe ich noch nie einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman gelesen, der nicht interessant gewesen wäre. Irgendwann musste ich wohl auf einen solchen stoßen. Hier war's so weit.

Hätte der Autor die Angst des Protagonisten vor dem Älterwerden – oder auch die Angst, seit der Hochzeit seines Freundes allein dazustehen – stärker vertieft, hätte daraus eine gute Geschichte werden können. Oder hätte er sich auf die verschiedenen Veranstaltungen konzentriert, die der Protagonist in unterschiedlichen Ländern besucht, wäre es vielleicht eine gute 'Urlaubsgeschichte' oder Sommerlektüre gewesen. So aber war es schlichtweg nichts. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her; und obwohl ich das normalerweise mag, möchte ich doch wissen, wo ich mich gerade befinde.

Laut dem Klappentext soll das Buch lustig, ja sogar urkomisch sein. Ich habe kein einziges Mal gelacht.

Der einzige Unterschied zwischen diesem Buch und "Chick-Lit"? Es ist nicht ständig die Rede von Schuhen.

Buchbeschreibung:

"Mister Weniger ist eine schreiend komische Liebeskomödie, die sich nicht um Konventionen schert, ein Wundermittel gegen Liebeskummer und Trost für alle, die schon gemerkt haben, dass die Liebe manchmal seltsame Wege geht.

Der Schriftsteller Arthur Weniger hat von allem ein bisschen zu wenig. Wo anderen ein dickes Fell gewachsen ist, schmückt ihn bloß die zarte Schale eines Butterkrebses. Um sich vor der Hochzeit seiner Langzeitaffäre Freddy zu drücken, führt der arglose Weniger tapfer sein geschundenes Herz spazieren – New York, Berlin, Mexico City, Kyoto –, Hauptsache weg. Überall begegnet er der Liebe und nirgends läuft sie, wie sie soll. Doch erst die totale Schieflage rückt wieder alles ins Lot.

Eine erfrischend andere Liebeskomödie."

Andrew Sean Greer erhielt 2018 den Pulitzerpreis für "Less".

Dienstag, 15. September 2026

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm"

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm … weil's den andern auch so geht" [Actually, it's not that bad... because others are in the same boat] - 1989

Wie ich schon in ihrem anderen Buch, "Nehmt die Männer wie sie sind. Es gibt keine anderen" gesagt habe, war Heilweg von der Mehden DIE Brigitte Kolumnistin vor Elke Heidenreich. Beide Autorinnen haben mir viele amüsante Stunden beschert.

Also konnte ich an diesem gebrauchten Buch nicht vorbeigehen. Hier geht es um all die kleinen und großen Ärgernisse im Leben und wie man sie mit Humor nimmt. Da geht es ums Fernsehen und Elternschaft, um Autofahrer und Vierbeiner, um Arztbesuche und Reisen, um Geld und Moderne Zeiten, und vieles mehr, was uns den Alltag oft so schwer macht.

Aber mit den Artikeln dieser schon 1997 verstorbenen, großartigen Kolumnistin ist es alles wirklich nur noch halb so schlimm.

Mal sehen, ob ich noch mehr von ihren Büchern auftreiben kann.

Buchbeschreibung:

"Wenn Heilwig von der Mehden Anlässe zum Verdruß behandelt, spürt man sofort die Wirkung ihrer wohltuenden 'Medizin', einer klug dosierten, fein abgestimmten Mischung von Schafsinn, Humor und Lebensklugheit, dargeboten in dem funkelnden Gefäß einer brillanten Sprache.

Wenn man will, kann man sich ja ununterbrochen ärgern. Es soll sogar Menschen geben, die ihren 'Frust tragen' wie andere einen schicken Blouson. Aber vergnüglich ist das nicht. Heilwig von der Mehden weiß ein einfaches Rezept, mit Mißhelligkeiten fertig zu werden: 'Unsere Großmutter kannte das schon: Halb so schlimm, sagte sie lächelnd, wenn wir sie als Kinder mit unseren kleinen Katastrophen vertraut machten. Und so war es denn auch meistens, hinterher betrachtet. Wenn wir das doch schon vorher gewußt hätten!'

Daß diese Regel auch für Erwachsene gilt, hat Heilwig von der Mehden, die beliebte 'Brigtte'-Kolumnistin, in vielen ihrer Geschichten humorvoll und spritzig nachgewiesen, so auch in diesem Band."

Montag, 14. September 2026

Némirovsky, Irène "Die Familie Hardelot"

Némirovsky, Irène "Die Familie Hardelot" (Französisch: Les Biens de ce monde) - All Our Wordly Goods - 1941

Ich hatte bereits zwei Bücher von Irène Némirovsky gelesen ("Suite française" und "La Proie"), die mir beide gut gefallen haben. Daher war ich auf dieses Werk gespannt.

Und ich wurde nicht enttäuscht. "Die Familie Hardelot" war sogar noch besser als die beiden anderen – wahrscheinlich, weil sie es noch vollenden konnte bevor man sie umbrachte.

Die Geschichte beginnt im Ersten Weltkrieg und reicht bis ins Jahr 1940. Wir erleben zwei Kriege mit – oder zumindest den Beginn des zweiten. Doch wir sehen das Geschehen aus der Perspektive der einfachen Bevölkerung, nicht aus der der Soldaten. Zwar werden die Männer an die Front geschickt, doch ihre Geschichten stehen nicht im Mittelpunkt. Wir erleben, was die Alten, die Frauen und die Kinder durchmachen müssen.

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Die Charaktere sind allesamt sehr lebendig gezeichnet.

Buchbeschreibung:

"Satt, selbstzufrieden und in der wohligen Gewissheit, dass sich nie etwas ändern wird: Die Fabrikantenfamilie Hardelot aus der französischen Provinz wiegt sich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in trügerischem Glück. Doch innerhalb einer Generation wird ihre bürgerliche Welt für immer hinweggefegt.

Im Frühjahr 1940 beginnt Irène Némirovsky die Arbeit an einem Buch, das ganz in der Tradition des großen europäischen Familienromans steht. Über Jahre hat sie die träge Selbstzufriedenheit der bürgerlichen Kreise, in denen sie verkehrte, beobachtet. Sie hat erlebt, wie diese Familien sich in Sicherheit wiegen und sich weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Nun will Némirovsky ihnen den Spiegel vorhalten. Der Roman, der unmittelbar vor Suite française entstand, wurde erst posthum 1947 veröffentlicht und ist der illusionslose Abgesang auf ein Bürgertum, das feige vor der Wirklichkeit die Augen verschließt.

Ein großer Familienroman und zugleich ein Sittengemälde des französischen Bürgertums und seines Verfalls."

Samstag, 12. September 2026

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence"

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence" (Englisch: A Year in Provence) - 1989

Ich habe schon etliche Bücher von Menschen gelesen, die ihre Heimat (vorwiegend England) verlassen haben, um sich anderswo (hauptsächlich in Südeuropa – Frankreich, Spanien, Italien) niederzulassen.

Meine Favoriten darunter sind die "Der Olivenhain. Liebe in der Provence"-Reihe (The Olive Series) von Carol Drinkwater und "Unter den Zitronenbäumen" (Driving Over Lemons) von Chris Stewart (ehemaliger Genesis-Schlagzeuger).

Ich bin allerdings auch auf weniger gelungene Exemplare gestoßen, und mit der Zeit wiederholen sich die Inhalte ein wenig. Eine Freundin erzählte mir jedoch, sie habe alle Bücher von Peter Mayle über sein Leben in der Provence gelesen und fand sie urkomisch; also beschloss ich, es auch einmal damit zu versuchen.

Das Buch hat mir gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie die bereits erwähnten Werke. Der Autor besitzt Humor, und seine Geschichten über die französischen Nachbarn, die Handwerker und das Essen sind durchaus interessant. Wer diese Art von Büchern mag, sollte es lesen. Er hat zwar noch weitere Bücher über sein Leben in der Provence geschrieben, aber da ich schon so viele Bücher dieses Genres gelesen habe, werde ich ihn und seine Frau nicht weiter auf ihrem Weg begleiten.

Buchbeschreibung:

"Ein charmanter und humorvoller Blick auf das Leben in der Provence, als ein Brite beschließt, seinen Traum zu verwirklichen.

In Mein Jahr in der Provence erzählt Peter Mayle von seinem Abenteuer, als er beschließt, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und in die malerische Provence zu ziehen. Doch das erste Jahr in der neuen Heimat bringt so manche Herausforderung mit sich. Nicht nur die Sprache, sondern auch die französische Lebensart sorgen immer wieder für amüsante Missverständnisse und Überraschungen.

Der Duft von Lavendel und der Geschmack von gutem Wein

Mit viel Charme und Humor schildert Mayle seine Erlebnisse, die kulinarischen Genüsse und die Eigenheiten der Einheimischen. Eine wahre Geschichte, die Lust macht, die Provence mit ihren malerischen Landschaften, dem köstlichen Wein und der einzigartigen Küche selbst zu entdecken. Ein im wahrsten Sinne des Wortes köstliches Buch, durchzogen vom Duft von Jasmin und Lavendel, von Olivenöl, Knoblauch und gutem Wein. Ein unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Auswanderers, der seinen Traum lebt."

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana"

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana: Das Leben bietet dir tausend Chancen ... - Du mußt sie nur wahrnehmen" auch "Das Paradies heißt Bramasole. Eine Liebeserklärung an die Toskana" (Englisch: Under the Tuscan Sun) - 1996

Ich habe ähnliche Bücher von Menschen gelesen und genossen, die ihre (meist europäische) Heimat verließen, um sich im Süden niederzulassen. Selten hatte ich das Gefühl, dass die Person auf die Menschen in ihrer neuen Heimat herabblickte. Dieses Gefühl hatte ich hier. Es gefiel mir überhaupt nicht und ich habe es deshalb nicht zu Ende gelesen – und das kommt sehr selten vor.

Der Roman "Swan" der Autorin hat mir allerdings gut gefallen. Er wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Es ist Liebe auf den ersten Blick, als die amerikanische Reiseschriftstellerin Frances Mayes und ihr Lebensgefährte Ed im Sommer 1990 Bramasole besichtigen, ein kleines Haus in den Hügeln nahe der Etruskerstadt Cortona. Doch von einer toskanischen Idylle sind die beiden noch weit entfernt: Bis das Geld zusammengekratzt, die ersten Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie gemacht und einige Handwerker als Schlitzohren enttarnt sind, vergehen Wochen. Doch die Mühen lohnen sich: Irgendwann können sich die beiden den angenehmeren Seiten des Lebens zuwenden. Für die leidenschaftliche Köchin Frances ist das vor allem die toskanische Küche, aber es bleibt auch immer genügend Zeit für kleine Ausflüge in die Umgebung, in der es so vieles zu entdecken gibt: romantische Straßen, liebliche Landschaften, alte Städte, herrliche Märkte und, nicht zu vergessen, die Italiener selbst mit all ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme. Das erste Essen an einem langen Tisch im Garten, die erste Flasche Öl von den eigenen Olivenbäumen, das erste italienische Weihnachten. Mit ihren Schilderungen und ihren Rezepten nimmt Frances Mayes den Leser mit auf eine Reise durch ihr toskanisches Jahr, und in einem wird er ihr mit Sicherheit zustimmen: Das Paradies liegt in Bramasole."

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain"

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain. Liebe in der Provence" (Englisch: The Olive Series) - 2001

Ich habe nur die ersten drei Bände der Reihe gelesen, aber sie haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht bin ich zufällig auf den ersten gestoßen, weil mir die Autorin bekannt vorkam. Ja, sie ist Helen Herriot, James Herriots Frau in der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (All Creatures Great and Small). Sie hat ein arbeitsreiches Leben als Schauspielerin, aber das schien ihr nicht genug zu sein. Sie heiratete Michel, einen französischen Fernsehproduzenten, und gemeinsam kauften sie eine Olivenfarm in der Provence. Viele Nordeuropäer und US-Amerikaner haben das schon getan und darüber geschrieben. Besonders gut gefiel mir Chris Stewarts Geschichte "Unter den Zitronenbäumen" (Driving over Lemons), aber Helen Stevensons "Instruction for Vistors" oder Frances Mayes' "Unter der Sonne der Toskana" (Under the Tuscan Sun) haben mich nicht so sehr beeindruckt.

Dies ist jedoch eine wunderschöne Geschichte, in der Carol Drinkwater über ihre Liebe zu ihrem Mann und ihre gemeinsame Liebe zur Olivenfarm spricht, über die Arbeit, die ein solches Abenteuer mit sich bringt, und über die Vorteile. Sie beschreibt wunderbar sowohl die Landschaft und ihre Menschen als auch die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es überrascht mich nicht, dass sie inzwischen sieben Bände der Reihe veröffentlicht hat. Die Lektüre ihres Buches kommt mir vor wie ein Urlaub in Südfrankreich. Ich fand es toll.

Buchbeschreibung:

"Carol Drinkwater erzählt uns von den zwei großen Leidenschaften ihres Lebens: Von Michel, dem französischen Filmproduzenten, und von 'Apassionata', einer verlassenen Olivenfarm, in die sich Carol und Michel unter dem weiten Himmel Frankreichs verlieben."

Hier sind die Titel der englischen Serie, von denen leider nur dieses übersetzt wurde:
The Olive Farm: A Memoir of Life, Love and Olive Oil in the South of France - 2001
The Olive Season: Amour, a New Life and Olives Too - 2003
The Olive Harvest: A Memoir of Love, Life and Olives in the South of France - 2004
The Illustrated Olive Farm - 2005
The Olive Route: A Personal Journey to the Heart of the Mediterranean - 2007
The Olive Tree: A Personal Journey Through Mediterranean Olive Groves - 2008
Return To the Olive Farm - 2010

Freitag, 11. September 2026

Donaldson, Julia "Der Grüffelo"

Donaldson, Julia "Der Grüffelo" (Englisch: The Gruffalo) - 1999

Ein fröhliches Buch. Ein lustiges Buch. Ein Buch über ein Tier, das gar nicht existiert – und das deshalb zwar schreckliche Krallen und ein schreckliches Maul haben mag, einem aber keine Angst einjagen kann, weil es eben ... nicht existiert.

Bei uns zu Hause war dieses Buch ein absoluter Liebling, als die Jungs noch klein waren. Es erinnert an ein Märchen, ist aber eine moderne Bilderbuchgeschichte. Wunderschöne Illustrationen, eine lustige und doch einfache Geschichte; nicht ganz so kurz wie manche anderen Pappbilderbücher – schon ein Buch für "große Kinder", aber bei Kindern jeden Alters gleichermaßen beliebt. Es ist in Reimen verfasst, sodass man den Rhythmus fast mitsingen kann; vor allem aber kann man herrlich mitknurren und -tönen und all die Tiergeräusche aus dem Wald nachahmen.

Einfach bezaubernd.

Buchbeschreibung:

"Die kleine Maus überlistet den großen Grüffelo überlistet. Der große Wald ist voller Gefahren. Da ist es gut, wenn man einen starken Freund hat. Und wenn man keinen hat, muss man einen erfinden. Die kleine Maus droht jedem, der sie fressen will, mit dem schrecklichen Grüffelo. Dabei gibt's Grüffelos gar nicht. Doch dann taucht er plötzlich wirklich auf, und sein Lieblingsschmaus ist Butterbrot mit kleiner Maus. Aber was eine clevere Maus ist, die lehrt auch einen Grüffelo das Fürchten."

Ich habe gesehen, dass es auch eine schottische Ausgabe gibt. Das dürfte lustig sein.

Donnerstag, 10. September 2026

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise"

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise" (Estnisch: Professor Martensi ärasõit) - Professor Martens' Departure - 1984

Ich hatte mir vorgenommen, für mein Projekt "Die Welt durch Bücher bereisen" (Travel the World Through Books) ein Buch über Estland zu lesen.

Dabei stieß ich auf ein Buch über Estland, das die Geschichte anhand des Lebens von Friedrich Fromhold Martens erzählt – einem estnischen Diplomaten im Dienste des russischen Zaren. Es steckt voller Geschichte. Professor Martens verfasste zahlreiche Werke zum Völkerrecht und war maßgeblich an der Etablierung dessen beteiligt, was wir heute als Völkerrecht bezeichnen. Er gehörte zu den Politikern, die nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges verhandelten; es kursierte sogar die (falsche) Meldung, er habe den Friedensnobelpreis erhalten – eine Auszeichnung, die er zweifellos verdient hätte. Dennoch wurde er mit diversen anderen Preisen und Ehrentiteln geehrt. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Gründung des Weltgerichtshofs in Den Haag.

Obwohl das Werk als Roman deklariert ist, liest es sich wie eine Biografie – und es ist wahrscheinlich historisch akkurater als viele Bücher, die diesen Anspruch tatsächlich erheben. Schon nach kurzer Lektüre verspürt man den Wunsch, mehr über diese Persönlichkeit zu erfahren und zu wissen, ob er tatsächlich so war, wie er im Buch geschildert wird. Das Internet ist voll von Artikeln über ihn. Auch das Buch selbst ist reich an Details und erzählt die faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes aus einer Region, über die wir noch immer viel zu wenig wissen.

Buchbeschreibung:

"Estland zu Beginn dieses Jahrhunderts: Professor Martens fährt nach Petersburg. Unterwegs läßt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen. Es ist, von außen gesehen, eine steile Karriere, vom Sohn eines Flickschneiders zum international angesehenen Diplomaten. Doch als er auf den inneren Konflikt zwischen politischem Opportunismus und persönlicher Integrität stößt, weicht sein Stolz der Todesangst. In diesem historischen Roman voller politischer Brisanz stellt Jaan Kross die Frage nach der Mittäterschaft unter einem autoritären Regime."

Mittwoch, 9. September 2026

Boom, Corrie ten "Die Zuflucht

Boom, Corrie ten with Sherrill, John and Elizabeth "Die Zuflucht: Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945" (Niederländisch: De Schuilplaats) - The Hiding Place. The Triumphant Story of Corrie Ten Boom - 1972

Wenn ihr Anne Franks "Tagebuch" gelesen haben, solltet ihr auch dieses Buch lesen. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschen wie die Familie Frank versteckte, und schildert, was ihnen widerfuhr.

Wie jemand diese Gräueltaten mitansehen kann – sei es aufseiten des Feindes oder im eigenen Volk – und dabei dennoch so positiv bleibt und an einen Sinn hinter all dem glaubt ... das ist für mich unfassbar. Ich bin dankbar, dass es solche Menschen gibt, und hoffe, dass ich genauso reagieren würde, wenn ich vor dieser Entscheidung stünde.

Die Familie ten Boom gehörte jedenfalls zum niederländischen Widerstand. Sie versteckten jeden, der Hilfe brauchte – vor allem Juden – und verhalfen ihnen zur Flucht aus dem Land.

Besonders gut gefiel mir der Vater, der seiner Familie ein echtes Vorbild war. Hier ist ein Zitat, das dies wunderbar veranschaulicht:
"Vater hielt das Baby fest an sich; sein weißer Bart streifte dessen Wange, während er in das kleine Gesicht blickte – mit Augen, die so blau und unschuldig waren wie die des Kindes selbst. Schließlich sah er zu dem Pastor auf.'‚Sie sagen, wir könnten für dieses Kind unser Leben verlieren. Ich würde das als die größte Ehre betrachten, die meiner Familie zuteilwerden könnte.'"

Ein weiteres Zitat, auf das ich eingehen möchte:
"Seltsamerweise fiel es den Menschen nicht am schwersten, den Deutschen oder Japanern zu verzeihen; vielmehr waren es die eigenen Landsleute, die sich auf die Seite des Feindes geschlagen hatten."
Das kann ich gut verstehen. Viele Deutsche oder Japaner hatten keine Wahl, doch diese Leute hatten ihre eigenen Landsleute verraten. Allerdings muss ich – nachdem fast zwanzig Jahre in den Niederlanden lebe – widersprechen, dass man den Deutschen so bereitwillig verzieh; es gibt hier viele Menschen, die es bis heute nicht vergessen haben.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Versteck errichteten und wie es ihnen gelang, ein zusätzliches Zimmer in das Haus einzubauen, ohne dass es jemand bemerkte.

Zugegeben, das Buch ist stark religiös geprägt; Corrie ten Boom und ihre Familie waren Kalvinisten und gehörten der Niederländisch-Reformierten Kirche an, die sehr streng und konservativ war. Doch genau das war ein Beweggrund für ihr Handeln. Auf jeden Fall ist das Buch absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Corrie ten Boom, die niederländische Autorin wurde vor allem mit ihrem Buch 'Die Zuflucht' berühmt, in dem sie erzählt, wie ihre Familie während des Dritten Reichs Juden in ihrem Haus versteckte und dabei schwere Opfer bringen mußte. In ihren Werken spiegeln sich die ungewöhnliche Tiefe und Kraft ihres Glaubens und ihre warmherzige Art auf bewegende Weise wider.

Der internationale Bestseller berichtet über die entscheidenden Jahre im Leben Corrie ten Booms. Mit ihrer ganze Familie bietet sie Verfolgten Schutz und wird selbst zu einer Verfolgten: 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen.

Trotz alldem wird sie eine Botschafterin des Themas "Vergebung" und predigt nach dem Krieg in über 60 Ländern.
"

Dienstag, 8. September 2026

McBratney, Sam "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?"

McBratney, Sam "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?" (Englisch: Guess How Much I Love You) - 1994

Noch ein wunderschönes Buch, das man gemeinsam mit den Kleinen genießen kann – und das für sie genauso reizvoll ist wie für uns. Eine herrliche Gute-Nacht-Geschichte, die zum Mitmachen einlädt: Das Kind kann in die Rolle des kleinen Hasen schlüpfen, der den großen Hasen bis zum Mond und wieder zurück liebt.

Und wir können dieses Buch ebenfalls bis zum Mond und darüber hinaus lieben. Die Illustrationen sind wunderschön, die Sprache ist einfach, aber fesselnd. Einfach perfekt.

Buchbeschreibung:

"Der kleine Hase hat den großen Hasen lieb. Wie lieb? Sooo lieb hat er ihn und breitet die Ärmchen aus. Aber die Arme des großen Hasen reichen weiter. Manchmal, wenn man jemanden sehr, sehr gern hat, sucht man nach Worten, die dieses überwältigende Gefühl beschreiben können. Der kleine und der große Hase machen es vor, wie das gehen kann.

Ein zeitlos schönes Bilderbuch."

Montag, 7. September 2026

Williams, Tennessee "Endstation Sehnsucht"

Williams, Tennessee "Endstation Sehnsucht" (Englisch: A Streetcar Named Desire) - 1947

Normalerweise lese ich nicht gerne Theaterstücke. Doch dies ist eine großartige Geschichte, die sich gar nicht wie ein Theaterstück liest; der Schreibstil ist so lebendig, dass man keine Schauspieler braucht, um das Geschehen vor Augen zu haben. Man kann sich die Figuren, die Schauplätze und die Handlung bildlich vorstellen. Eine tragische Geschichte, die uns mit den Menschen mitfühlen lässt – mit allen von ihnen.

Ein brillantes Buch.

Buchbeschreibung:

"Endstation Sehnsucht erzählt die Geschichte von Blanche Dubois, einer Lehrerin aus den Südstaaten. Blanche erlebt die Auflösung ihrer Familie, einer nach dem anderen stirbt, sie muß zusehen, wie der einstmals stolze Besitz, das Herrenhaus 'Belle Reve', zwangsversteigert wird.

Die einzige Zuflucht, die ihr bleibt, ist ihre Schwester Stella, die in New Orleans lebt, mit einem Mann verheiratet ist, der nach Blanches Meinung weit unter ihrem sozialen Status steht. Blanche versucht, sich im Hause ihrer Schwester einzuleben, doch ihre Unfähigkeit, die Wirklichkeit zu akzeptieren, das dadurch verstärkt auftretende Mißverhältnis zwischen tatsächlicher und erträumter Realität führt zur Katastrophe.

Endstation Sehnsucht wurde 1947 in New York uraufgeführt. Tennessee Williams erhielt dafür den Pulitzer-Preis. Mit Marion Brando in der Rolle des Stanley Kowalski wurde es in Hollywood verfilmt."

Tennessee Williams erhielt 1948 den Pulitzer Prize für "A Streetcar Named Desire".

Samstag, 5. September 2026

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn"

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn" (Englisch: A Tree Grows in Brooklyn) - 1943

Viele meiner Freunde haben mir von diesem Buch erzählt, und es stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen – und ich bin froh darüber. Ein junges Mädchen, das in Armut aufwächst, liebt das Lesen. Das hätte auch meine Geschichte sein können, auch wenn wir nie so arm waren wie die Familie Nolan. Wahrscheinlich lag das daran, dass mein Vater nicht trank und seinen Lohn aus seiner Arbeit nach Hause brachte. Aber ich kann mich sehr gut in Francie hineinversetzen: wie sie die Liebe zu Büchern entdeckte und wie diese manchmal zu ihren einzigen Freunden wurden. Bücher sind immer für einen da.

Ich konnte auch Francies Mutter Katie verstehen und nachvollziehen, wie sie versuchte, jeden Cent zu sparen, um Essen auf den Tisch zu bringen. Das muss unglaublich schwer für sie gewesen sein.

Francie lebte vor hundert Jahren, doch ihre Botschaft lebt weiter und ist heute noch genauso gültig wie damals: Mit Bildung können wir uns aus dem tiefsten Loch befreien.

Das Buch ist hervorragend geschrieben – aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens, aber mit einer sehr reifen, erwachsenen Sichtweise. Es regt dazu an, über das Leben und seinen Sinn nachzudenken.

Auf jeden Fall konnte ich mich so gut mit Francie identifizieren, dass ich dieses Buch einfach lieben musste. Ich hätte es sehr gerne schon in meiner Jugend gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin, eine Süßigkeiten-Connaisseuse, eine genaue Beobachterin der menschlichen Natur – und sie hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der in dem bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten, jeden Tag wird von dem hart verdienten Geld das Essen zusammengeklaubt, Kinder strömen samstags durch die Straßen, um für ihren gesammelten Trödel einige Pennies für Süßes zu ergattern. Doch wenn Francie auf der Feuertreppe in der Sonne sitzt und liest, kann sie sich keinen schöneren Ort vorstellen. Und wenn sie auch gegen so manche Widrigkeit anschreiben muss, trägt sie doch eines in sich: dass es sich immer lohnt, nach dem puren Leben zu streben."

Freitag, 4. September 2026

Bandi "Denunziation"

Bandi (반디) "Denunziation" (Koreanisch: 고발/Gobal) - The Accusation: Forbidden Stories from Inside North Korea - 2014

Sieben Kurzgeschichten erzählen uns vom Leben in Nordkorea. Sieben individuelle Geschichten über sieben Menschen und ihre Familien. Wir können uns vorstellen, dass das Leben in einer derart abgeschotteten Diktatur nicht einfach sein kann; doch der Autor gewährt uns einen tiefen Einblick in das Leben von Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen. Und die Verhältnisse sind für alle schlichtweg entsetzlich.

Ein sehr beeindruckendes Buch. Ein äußerst wichtiges Buch. Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Kurzgeschichten, doch dieses Werk ist definitiv lesenswert. Sowohl der Autor als auch die Person, die die Aufzeichnungen außer Landes schmuggelte, riskierten ihr Leben, um uns diese Geschichten zugänglich zu machen – wir sollten sie nicht enttäuschen.

Buchbeschreibung:

"Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunziger Jahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. Denunziation ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur."

Mittwoch, 2. September 2026

Mbue, Imbolo "Das geträumte Land"

Mbue, Imbolo "Das geträumte Land" (Englisch: Behold the Dreamers) - 2016

Dies ist weniger ein Buch über Kamerun als vielmehr über Einwanderer in den USA. Zwar gibt es einige Passagen, die von Kamerun handeln, doch der Großteil der "Handlung" spielt in New York City.

Es ist interessant, den Vergleich zwischen einer Einwandererfamilie zu sehen – die in ihrer Heimat nichts besaß – und einem US-Amerikaner, der alles hat, dessen Leben jedoch völlig zerbricht, als er seinen Arbeitsplatz verliert (bzw. seine Firma Konkurs anmeldet). Es zeigt, wie sie mit den Problemen umgehen, denen sie gegenüberstehen.

Dies wäre ein hervorragendes Buch für einen Lesekreis. Wollen wirklich alle nach Amerika kommen? Werden Frauen in den beiden Kulturen tatsächlich so unterschiedlich behandelt? Und wie steht es um die Kinder? Ja – großartige Themen für eine Diskussion.

Die Charaktere waren sehr gut gezeichnet; einige von ihnen schloss man schnell ins Herz, andere weniger. Es dürfte wohl niemanden überraschen, dass ich die afrikanischen Figuren bevorzugte – doch ich frage mich, wie sich wohl jeder Einzelne von ihnen verhalten hätte, wäre er in der jeweils anderen Kultur geboren worden …

Dies war zwar ein Debütroman, doch ich hoffe sehr, dass Imbole Mbue noch weitere Bücher schreiben wird.

Buchbeschreibung:

"Jende Jonga, ein in New York lebender kamerunischer Einwanderer, ist auf der Suche nach einem besseren Leben für sich, seine Frau Neni und den sechsjährigen Sohn in die USA gekommen. Jende kann sein Glück kaum fassen, als er im Herbst 2007 den Job als Fahrer von Clark Edwards ergattert, einem leitenden Manager bei Lehman Brothers. Clark verlangt Pünktlichkeit, Diskretion und Loyalität – und Jende will um jeden Preis gefallen. Clarks Ehefrau Cindy bietet Neni sogar an, in den Ferien im Sommerhaus der Edwards in den Hamptons als Nanny zu arbeiten. Endlich können Jende und Neni in Amerika Fuß fassen, sie malen sich ihre Zukunft in den buntesten Farben aus. Doch die Welt der Mächtigen und Reichen birgt verstörende Geheimnisse, und schon bald entdecken Jende und Neni feine Risse in der Fassade ihrer Arbeitgeber. Als der Zusammenbruch der Lehman Brothers die Finanzwelt erschüttert, versuchen die Jongas verzweifelt, Jendes Job zu retten – auch um den Preis ihrer Ehe. Das Leben der beiden Paare wird dramatisch auf den Kopf gestellt: Jende und Neni sehen sich gezwungen, eine unmögliche Entscheidung zu treffen."

Dienstag, 1. September 2026

MacGregor, Neil "Deutschland"

MacGregor, Neil "Deutschland. Erinnerungen einer Nation" (Englisch: Germany. Memories of a Nation) - 2014

Früher habe ich Geschichte in der Schule gehasst. Es drehte sich alles nur um Fragen wie: "Wo fand diese Schlacht statt?" oder "Wann war dieser Krieg?" – und das meist ohne viele Details. Deshalb bin ich heute dankbar für all die wunderbaren Bücher, die ich lesen kann und die mir so viele Informationen liefern und alles so viel interessanter machen.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Bücher über Weltgeschichte, europäische Geschichte, britische Geschichte, die beiden Weltkriege und auch einzelne Aspekte der deutschen Geschichte gelesen. Allerdings gibt es kaum Bücher, die die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit behandeln – wohl deshalb, weil das Deutschland, wie es heute existiert, noch gar nicht so lange in dieser Form besteht. Und dabei spreche ich nicht nur von der Wiedervereinigung, die nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Zufällig bin ich auf ein Buch von Neil MacGregor gestoßen – einem britischen Historiker, der all jene Faktoren zusammengetragen hat, die unsere heutige Nation geformt haben.

Wer noch nicht viel über Deutschland weiß (abgesehen davon, dass es hier Nazis gab – das weiß schließlich jeder), für den ist dies das ideale Buch. Ich selbst wusste nie so viel über mein eigenes Land und bin dem Autor unglaublich dankbar dafür, dass er all diese Zusammenhänge aufgearbeitet hat. Es hat mich ziemlich stolz gemacht – wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben.

Er zeigt auf, was in Deutschland vor jenem dunklen Kapitel der Geschichte geschah und wohin der Weg danach führte: die Herausforderungen und die Errungenschaften, Kultur und Kunst, Wissenschaft und Industrie, die Vergangenheit und die Zukunft. Ihm zufolge scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich an die Schattenseiten seiner Geschichte erinnert – und nicht bloß an die Siege in bestimmten Kriegen.

Und das Beste daran: Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Er versucht zu verstehen, wie sich alles ereignen konnte, und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein Anhänger der Nazis war – und dass gerade für diese Menschen jene Zeit besonders schwer war.

Zweifellos eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Es war jede Minute wert. Ich würde sehr gerne auch eines seiner anderen Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind.

Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Samstag, 29. August 2026

Han, Kang "Die Vegetarierin"

 
Han, Kang "Die Vegetarierin" (Koreanisch: 채식주의자/Ch'angbi) - The Vegetarian - 2007

Als ich dieses Buch fand, dachte ich, es ginge vielleicht um eine Frau, die Vegetarierin wird. Und das tat es auch. Aber irgendwie auch nicht. Das Buch wurde als düster beschrieben, und das trifft es genau. Aber es ist auch seltsam. Es fällt mir schwer, den Gedanken der Protagonisten zu folgen. Ich versuche immer, mich in ihre Probleme hineinzuversetzen, aber in diesem Fall fiel es mir schwer.

Die Geschichte handelt von zwei Schwestern und ihren Ehemännern, von Liebe und Begierde. Es gibt drei Erzählstränge über Yeong-hye, die Vegetarierin, deren Leben eine unerwartete Wendung nimmt und nach der das Leben von niemandem mehr so ​​sein wird wie zuvor. Der erste Erzählstrang wird von ihrem Ehemann, der zweite von ihrem Schwager und der dritte und letzte von ihrer Schwester erzählt.

Ich hätte dieses Buch gern gemocht. Aber ehrlich gesagt, war das nicht der Fall. Ich habe es gelesen, bevor der Autorin der Nobelpreis verliehen wurde.

Buchbeschreibung:

"Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

'Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.'

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. 'Ich hatte einen Traum', so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet."

Kang Han erhielt 2016 den Booker International Prize für "The Vegetarian".

Kang Han erhielt den Nobelpreis für Literatur 2024 "für ihre intensive poetische Prosa, die historische Traumata anspricht und die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens aufzeigt".

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