Mittwoch, 7. Januar 2026

Liao, Yiwu "Für ein Lied und hundert Lieder"

Liao, Yiwu/Lao Wei "Für ein Lied und hundert Lieder: Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen" (Chinesisch: 證詞/Zheng-Ci) - Testimonials or: For a Song and a Hundred Songs: A Poet's Journey Through a Chinese Prison - 2000 

Ich habe die erweiterte deutsche Übersetzung des chinesischen Buches gelesen. Er hat gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Das Buch beschreibt die grausame Behandlung von Liao Yiwu und anderen politischen Gefangenen in einem Gefängnis in Chongqing, die nach der Razzia am 4. Juni 1989 verhaftet wurden.

Es ist erschreckend zu lesen, was Menschen in chinesischen Gefängnissen durchmachen müssen. Dieses Buch ist lesenswert, aber es zeigt auch schreckliche Bilder dessen, was sie einander antun. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen so sein können.

Was für ein tragischer Bericht über so viele verlorene und vergeudete Leben. Manchmal dachte ich: "Will ich das wirklich alles wissen?" Aber dann machte ich weiter, denn wenn Menschen diese Folter ertragen können, sollten wir uns zumindest bemühen, darüber Bescheid zu wissen. Wie viel kann ein Mensch ertragen?

Da Yiwu Liao ein Dichter ist, enthält das Buch auch viel Poesie, sowie viel chinesische Geschichte und Literatur und Informationen über das chinesische Leben und Denken. Mein Lieblingszitat lautet: "Wasser in der Ferne wird deinen jetzigen Durst nicht stillen."

Buchbeschreibung:

"Ein großes literarisches Zeugnis über das Menschsein in widrigsten Umständen

Bis zum Vorabend des 4. Juni 1989 führt Liao Yiwu das Leben eines so unbekannten wie unpolitischen Hippie-Poeten. Doch mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ist schlagartig alles anders. Nachdem Liao ein kritisches Gedicht verfasst hat, wird er zu vier Jahren Haft im Gefängnis und in einem Arbeitslager verurteilt.

In seinem großen Buch schildert Liao auf literarisch höchst eindringliche Weise die brutale Realität seiner Inhaftierung. Dabei ist er schonungslos, auch sich selbst gegenüber: Er beschreibt, wie er und seine Mithäftlinge zu Halbmenschen degradiert werden und dabei manchmal selbst vergessen, was es bedeutet, Mensch und Mitmensch zu sein.

Liao Yiwu zeigt sich in diesem eindrucksvollen Buch abermals als einer der ganz großen Autoren Chinas, als einer der sprach- und bildmächtigsten Schriftsteller unserer Zeit.
"

Yiwu Liao hat 2012 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

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