Freitag, 16. Mai 2025

Naipaul, V.S. "Ein Haus für Mr. Biswas"

Naipaul, V.S. "Ein Haus für Mr. Biswas" (Englisch: A House for Mr. Biswas) - 1961

"'Ein Haus für Mr. Biswas' porträtiert anhand einer Reihe seiner Häuser und seines relativ kurzen Lebens den armen indischen Journalisten, der in Port of Spain, Trinidad, in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beamten wurde."

 Ich liebe V.S. Naipaul. Er ist ein wunderbarer Schriftsteller. Er erzählt uns nicht nur von einem Leben, in das wir nie hineinsehen könnten, sondern tut dies auch auf so hervorragende Weise.

Ein Mann hat einen Traum und arbeitet dafür. Nicht immer einfach. Viele Kämpfe. Je mehr er versucht, seine Ziele zu erreichen, desto weiter scheint er sich davon zu entfernen.

Eine Geschichte über Enttäuschungen im Leben und zerplatzte Träume, exquisit geschrieben. Ich habe dieses Buch geliebt.

Offensichtlich ein Roman mit einem großen autobiografischen Hintergrund. Die Hauptfigur, Mr. Biswas, der auf dem Vater des Autors basiert, ist kein besonders sympathischer Charakter, er ist eingebildet und hält viel von sich selbst und nicht viel von anderen. Doch dank V.S. Naipauls wunderbarer Sprache ist die Geschichte so schön, als würde er von einer schönen Prinzessin erzählen. Und obwohl der Protagonist nicht sympathisch ist, können wir nur Mitleid mit denen haben, die in ein bestimmtes Leben hineingeboren wurden und dem ihnen lange zuvor sie überhaupt hier auf der Erde waren beschriebenen Weg folgen müssen. Man fragt sich allerdings, wie gut die Beziehung zwischen V.S. Naipaul und seinem Vater war.

Wenn wir Herrn Biswas folgen, erhalten wir Einblicke in den Kolonialismus und den Kampf der Ureinwohner, ihm zu entkommen. Wir leben auch mit der Familie zusammen und lernen ihren Alltag kennen und wie viele Menschen versuchen, auf engstem Raum miteinander auszukommen.

Eine sehr komplexe Geschichte mit vielen Nebenhandlungen und Nebenfiguren, die ihr eine besondere Tiefe verleihen. Sie hat das Zeug zu einem echten Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Dieser Familien- und Entwicklungsroman spielt in Trinidad, im indischen Milieu dieser Insel, dem Naipaul entstammt. Mr. Biswas ist von Geburt an Außenseiter: Er wird 'falsch herum' geboren, mit sechs Fingern an einer Hand - Unglückszeichen, die ihm von vornherein eine Sonderstellung innerhalb der Familie verschaffen. Als Abkömmling indischer Einwanderer und Sohn eines armen Landarbeiters, der früh stirbt, bleibt Biswas auch am Rande der Gesellschaft von Trinidad. Dies ist Fluch und Chance zugleich. Mr. Biswas entwickelt eine Reizbarkeit und Fantasie, die den Zusammenstoß mit dem Familienklan, dem er durch seine Frau angehört, zu einem Kampf auf Leben und Tod werden lassen."

V.S. Naipaul erhielt den Nobelpreis für Literatur 2001 "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 15. Mai 2025

Gladwell, Malcolm "Der Tipping Point"

Gladwell, Malcolm "Der Tipping Point: Wie Kleine Dinge Großes Bewirken Können" (Englisch: The Tipping Point: How Little Things Can Make a Big Difference) - 2000

Warum verkaufen sich manche Produkte besser als andere, warum war die "Sesamstraße" so erfolgreich, warum verbreitet sich bestimmtes Verhalten wie eine Epidemie?

Malcolm Gladwell weiß alles. Er stellt verschiedene Konzepte vor, die alle ein Produkt, eine Idee oder irgendetwas an den Wendepunkt bringen können, von dem es kein Zurück mehr gibt.

In einer Rezension von George Stephanopolous hieß es: "Ein Buch für alle, denen die Funktionsweise der Gesellschaft und wie wir sie verbessern können am Herzen liegt." Dem kann ich nur zustimmen. Dieses Buch kann unser Leben wirklich verändern.

Buchbeschreibung:

"Eine totgesagte Schuhmarke, die über Nacht zum ultimativ angesagten Modeartikel wird. Ein neu eröffnetes Restaurant, das sofort zum absoluten Renner wird. Der Roman einer unbekannten Autorin, der ohne Werbung zum Bestseller wird. Malcolm Gladwell untersucht jenen magischen Moment, der eine modische oder soziale Lawine lostritt - den 'Tipping Point'. Gladwells Ideenfeuerwerk zeigt auch, wie wenig Aufwand zu einem Mega-Erfolg führen kann."

Mittwoch, 14. Mai 2025

Dahl, Roald "Alle Küsschen!"

Dahl, Roald "Alle Küsschen!" (Englisch: The Best of Roald Dahl) - 1978

Bevor ich wusste, dass Roald Dahl Kinderbuchautor war, kannte ich ihn durch seine Kurzgeschichten mit sehr schwarzem Humor. Sie wurden in Deutschland unter dem Titel "Küsschen Küsschen" veröffentlicht, und einige davon wurden als Fernsehserie gezeigt.

Ich war nie ein großer Fan von Kurzgeschichten, aber diese hier habe ich absolut geliebt. Meine Favoriten sind "Lammkeule" und "Des Pfarrers Freude". Beide sind urkomisch!

Wer Kurzgeschichten sucht etwas zum Lesen zwischendurch, etwas Lustiges, das einen auf jeden Fall zum Lachen bringt, für den ist dieses Buch genau das Richtige .

Dies sind alle Titel dieser Sammlung:
1. Madame Rosette
2. Mann aus dem Süden
3. Der Lautforscher
4. Geschmack
5. Einsatz
6. Haut
7. Edward der Eroberer
8. Lammkeule
9. Der rasende Foxley
10. Der Weg zum Himmel
11. Des Pfarrers Freude
12. Die Wirtin
13. William und Mary
14. Mrs. Bixby und der Mantel des Obersten
15. Gelée Royale
16. Georgy Porgy
17. Genesis und Katastrophe
18. Schwein
19. The Visitor
20. Der krumme Hund oder Mein Freund Claud
21. Wildwechsel
22. Auf dem Rücken
23. Der Anhalter
24. Ich sehe was, was du nicht siehst
25. Der Antiquar

Buchbeschreibung:

"Kennen Sie einen originelleren Erzähler als Roald Dahl?

Klassiker der makabren Erzählkunst: Diese fünfundzwanzig bösen Geschichten - 'Gelée Royale', 'Lammkeule', 'Schwein', 'Mann aus dem Süden' und viele andere - haben Roald Dahl berühmt gemacht.

Spannend, haarsträubend und immer extrem unterhaltsam: Der Meister des schwarzen Humors zieht alle in seinen Bann."

Ich habe u.a. auch "Charlie und die Schokoladenfabrik" (Charlie and the Chocolate Factory) von diesem Autor gelesen. Dies ist natürlich ein Kinderbuch.

Dahl, Roald "Charlie und die Schokoladenfabrik"

Dahl, Roald "Charlie und die Schokoladenfabrik" (Englisch: Charlie and the Chocolate Factory) - 1964

Ich bin nicht mit Roald Dahl aufgewachsen, ich habe ihn erst als Erwachsene kennengelernt. Zuerst habe ich seine Kriminalgeschichten gelesen. Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass er Kinderbuchautor ist. Dann zog ich nach England, wo wir uns in "Dahl County" niederließen, und ich las seine Bücher mit meinen Kindern.

Diese Geschichte handelt, wie der Titel schon vermuten lässt, von dem kleinen Jungen Charlie, der eine Führung durch die fabelhafte Fabrik von Willy Wonka gewinnt, wo Wonkas "Whipple-Scrumptious Fudgermallow Delights" (eine Art Schokoriegel) hergestellt werden. Die Geschichte ist voller fantastischer Namen, es gibt Charaktere namens Veruca Salt und Augustus Gloop - ziemlich fantasievoll. Die Sprache macht dieses Buch sowohl für Kinder als auch für Erwachsene lesbar.

Buchbeschreibung:

"Charlies wunderbare Erlebnisse im Willy-Wonka-Schokoladenland beweisen es: Es gibt ein Schlaraffenland! Köstlich ist die Schokolade, die in dieser Fabrik hergestellt wird, Könige und Kinder aus aller Welt sind hier Kunden. Aber Willy Wonka ist auch ein großer Erfinder er erfindet lauter süße Sachen, von denen Kinder sonst nur träumen: Leuchtlutscher für die Nacht, Erdbeersaft-Wasserpistolen, Karamellen für Zahnlöcher oder Zungenleim für geschwätzige Eltern."

Wenn ihr gerne ein Buch dieses Autors für Erwachsene lesen möchtet, schaut euch meinen Beitrag für "Alle Küßchen" (The Best of Roald Dahl) an.

Dienstag, 13. Mai 2025

Paton, Alan "Denn sie sollen getröstet werden"

Paton, Alan "Denn sie sollen getröstet werden" (Englisch: Cry, The Beloved Country: A Story of Comfort in Desolation) - 1948

Alan Paton war ein südafrikanischer Autor und Anti-Apartheid-Aktivist. Sein Roman erzählt die Geschichte von Menschen, die in einer Gesellschaft leben müssen, die von Ungerechtigkeit geprägt ist, die später zur Apartheid führen sollte. Man kann nicht anders, als Mitleid mit allen Charakteren der Geschichte zu haben, egal was sie tun, wie sehr sie sich auch bemühen, sie kommen nicht weiter.

Eine dramatische Lektüre, eine fantastische Lektüre. Geschichte, ja, aber wenn man sich umschaut, gibt es diese Art von Problemen immer noch überall.

Buchbeschreibung:

"Südafrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gewalt zwischen Schwarzen und Weißen regiert und zerstört das Land. Der Sohn des schwarzen Pfarrers Stephe
n Kumalo, Absalom, ist, wie viele junge Männer, nach Johannesburg gegangen und nicht wiedergekommen. Wer dorthin geht, kommt nie wieder zurück. Dann kommt ein Brief. Stephen Kumalo, der schwarze Pfarrer, macht sich auf den Weg in die große, unbekannte Stadt. Er findet seinen Sohn im Gefängnis. Absalom hat bei einem Einbruch in Panik einen jungen Weißen erschossen. Gerade dieser Mann aber hatte sich sehr für die Rechte der Schwarzen eingesetzt. In einem Land, in dem Schwarze keine Rechte haben und im Elend leben, scheint Absaloms Schicksal besiegelt. Die Versöhnung zwischen den Vätern des Opfers und des Täters, zwischen weiß und schwarz, erscheint als Zeichen der Verheißung für eine bessere Zukunft. Neuausgabe des Welterfolgs, der 1948 erstmals erschienen.
"

Montag, 12. Mai 2025

Kishon, Ephraim "Pardon, wir haben gewonnen"

Kishon, Ephraim "Pardon, wir haben gewonnen. Vom Sechstagekrieg bis zur Siegesparade ein Jahr danach" - So sorry we won - 1967

Dieses Buch wurde 1967 geschrieben. Kurz nach dem Sechstagekrieg. Was würde Kishon heute zu der Situation sagen? Vieles ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar.

Auf jeden Fall ist dies kein typisches Kishon-Buch. Es ist nicht witzig. Er macht sich nicht über seine Leidesngenossen, Landsleute, Familie oder sonstwen lustig. Er versucht, sein Land aus der Perspektive des gewonnenen Krieges zu sehen. Wenn euch das interessiert, lest dieses Buch.

Buchbeschreibung:

"Das vorliegende Buch unterscheidet sich von Kishons bisherigen Büchern vor allem dadurch, daß es nicht nur von Kishon, sondern auch von Dosh - Kariel Gardososh stammt. Dosh ist der Name des Karikaturisten, der im 'Ma'ariv', dem populären hebräischen Abendblatt (Auflage 300000), die tägliche Kishon-Kolumne illustriert."

Samstag, 10. Mai 2025

't Hart, Maarten "Das Wüten der ganzen Welt"

't Hart, Maarten "Das Wüten der ganzen Welt" (Niederländisch: Het woeden der gehele wereld) - The fury/rage/raging of the whole world - 1993

Der Titel ist dem Text des Gedichts "Au bord de l'eau" (Am Ufer des Wassers) von Sully Prudhomme (Nobelpreis 1901), vertont von Gabriel Fauré, entnommen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der Xanadu Reading Challenge 2021 gelesen: ein Buch in einer Sprache, mit der man vertraut ist, die man aber nicht sehr oft oder gar nicht liest. Ich habe meinen Stapel mit Büchern, die ich noch lesen möchte, nach niederländischen Büchern durchsucht und da war dieses, das sich von selbst präsentierte: Lies mich, Lies mich, Lies mich! Also habe ich es getan.

Dies ist ein sehr gut geschriebener Roman mit viel Humor, aber auch viel Verständnis für die Menschen der damaligen Zeit, die von den Nazis gejagten Menschen (darunter viele Niederländer, die zuschauten) sowie diejenigen, die "auf der falschen Seite" oder einfach "falsch" waren, wie er sie nennt oder wie sie in den Niederlanden genannt werden. Obwohl die Geschichte nicht während des Zweiten Weltkriegs spielt, sind die Ereignisse in diesem Roman Sequenzen davon. Wie viele Geschichten aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Besonders die niederländischen.

Alexander, der Protagonist, erzählt seine Lebensgeschichte aus der Perspektive eines 50-Jährigen. Er erzählt von seiner Jugend in einer Kleinstadt als Sohn eines Lumpenhändlers, dessen Hauptziel im Leben das Sparen war. Seine große Liebe ist die Musik und er schafft es trotz vieler Hindernisse, sie zu seinem Beruf zu machen. Als er zwölf ist, wird er Zeuge eines Mordes und die Angst, von derselben Person getötet zu werden, begleitet ihn für den Rest seines Lebens. Natürlich versucht er herauszufinden, wer hinter all dem steckt, und darum geht es in diesem Buch hauptsächlich. Aber es geht auch um Musik und das Leben in einer Kleinstadt und das Erwachsenwerden und und und.

Ich war von diesem Buch mehr als positiv überrascht, denn ich habe ein anderes Buch desselben Autors gelesen, "Die Sonnenuhr oder das geheime Leben meiner Freundin Roos" (De Zonnewijzer/The Sundial) und mich total gelangweilt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich dieses Buch so lange auf meinem Lesestapel hatte, weil ich keine Lust hatte, einen weiteren Roman desselben Autors zu lesen. Meine Güte, lag ich falsch!

Buchbeschreibung:

"Maarten 't Hart gehört zu den beliebtesten Autoren der Niederlande. In seinem Roman schildert er die kleine Welt eines südholländischen Städtchens. Dort, in der President Steynstraat, ist der Komponist Alexander Goudveyl als Sohn eines Lumpenhändlers aufgewachsen, großgezogen mit Gebeten und den alten Geschichten vom Krieg. 30 Jahre später erinnert er sich an diese Zeit, vor allem an den 22. Dezember 1956, einen regennassen Samstagnachmittag, an dem der Polizist Vroombout ermordet wurde."

Ein internationaler Bestseller, der 1994 mit dem Gouden Strop ausgezeichnet wurde.

Der Gouden Strop (dt. "Goldener Strick/Goldene Schlinge") ist ein niederländischer Preis für den besten Kriminalroman, der jährlich verliehen wird.