"Fünf Finnen und ein Sanierungsfall
Dienstag, 7. Oktober 2025
Raittila, Hannu "Canal Grande"
"Fünf Finnen und ein Sanierungsfall
Montag, 6. Oktober 2025
Vreeland, Susan "Die Malerin"
Ich habe "Mädchen in Hyazinthenblau" (Girl in Hyacinth Blue) von dieser Autorin vor ein paar Jahren gelesen und war begeistert. Ich wollte schon immer mal wieder etwas von ihr lesen. Nun stieß ich auf dieses Buch über eine Frauenfigur aus dem Barock. Obwohl ich Kunst liebe, hatte ich noch nie von Artemisia Gentileschi gehört. Typisch, Frauen werden normalerweise nicht besonders gewürdigt.
Zunächst einmal gefällt mir die Einleitung der Autorin sehr gut. Sie erwähnt, dass jedes fiktive Werk über Geschichte oder eine historische Figur ein Werk der Fantasie und nicht der Realität ist. Sie erzählt ihre Geschichte auf der Grundlage bekannter Beweise. Sie verwendet tatsächliche Werke der Künstlerin und wirkliche Ereignisse. Das hat mir sehr gefallen.
Ihr Schreibstil ist sehr lebendig. Ihre Beschreibungen sind sehr detailliert. Wir konnten sehen, wie die Menschen damals lebten, was ihre Hoffnungen und Ängste waren. Welchen Einfluss die Kirche auf ihr Leben hatte.
Durch diesen Roman lernte ich eine wundervolle Frau kennen, eine begeisterte und begabte Malerin, die mit den Zwängen der Zeit zu kämpfen hatte, aber dennoch wunderschöne Kunstwerke schuf.
Ich werde nach weiteren Büchern von Susan Vreeland suchen. Sagt mir Bescheid, wenn ihr eines gelesen habt.
Buchbeschreibung:
"Rom zur Zeit der Renaissance: Die junge Künstlerin Artemisia Gentileschi lebt nur für ihre große Leidenschaft, die Malerei. Doch ihre Liebe zur Kunst wird ihr zum Verhängnis, als Artemisia den Mann, der ihr im Atelier ihres Vaters Gewalt angetan hat, vor aller Augen anklagt. Sie wendet sich damit gegen die Moralvorstellungen ihrer Zeit und wird öffentlich gedemütigt."
Samstag, 4. Oktober 2025
Kemal, Yaşar "Auch die Vögel sind fort"
Obwohl der Titel dieses Buches nur von den Vögeln spricht, handelt dieser kurze Roman von den Jungen, die sie fangen. Anscheinend kauften die Menschen in der Türkei den Kindern, die sie gefangen hatten, die Vögel ab und gaben ihnen ihre Freiheit zurück, damit sie ins Paradies fliegen und dort auf sie warten konnten.
Doch die Zeiten ändern sich, die Menschen sind nicht mehr religiös und kaufen die Vögel nicht mehr, sodass die Jungen ihr Geschäft verlieren.
Eine interessante Geschichte nicht nur über die Jungen aus Istanbul, sondern auch über den ständigen Wandel der Zeit, das Zerplatzen von Träumen und über die Straßen Istanbuls. Eine farbenfrohe Stadt, sehr gut beschrieben in der Geschichte, erzählt von einem Erzähler, der selbst in der Geschichte auftritt und versucht, den Jungen zu helfen.
Dieses Buch repräsentiert die orientalische Seite der Literatur stark. Sehr empfehlenswert.
Buchbeschreibung:
"Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, daß die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie.
Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die keine Ruhe mehr findet für die großzügige Geste, wo sich keine Hand mehr öffnet, nur um Freiheit zu schenken."
Yaşar Kemal hat 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandles erhalten.
Kemal, Yaşar "Anatolischer Reis"
Buchbeschreibung:
"Als der junge Landrat in dem anatolischen Provinzstädtchen eintrifft, ist er überwältigt von dem herzlichen Empfang, den ihm die örtlichen Honoratioren bereiten. Eigentlich hatte er befürchtet, einer Clique ausbeuterischer Großgrundbesitzer gegenübertreten zu müssen, die riesige Landstriche für den Reisanbau überfluten lassen, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, die unter der Malaria leidet und deren Anbaumöglichkeiten immer weiter eingeschränkt werden. Bald muss er feststellen, dass der Empfang nicht umsonst so freundlich war, dass die Reispflanzer um jeden Preis ihre Interessen durchsetzen wollen. Der Landrat stellt sich dem Kampf."
Yaşar Kemal hat 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandles erhalten.
Freitag, 3. Oktober 2025
Akmakjian, Hiag "Gedanken eine Supermodels nach dem dritten Glas Wodka"
Ein schräger Roman über die Modebranche und ihre Probleme. Ich denke, die Beschreibung "Unbewusste Bestätigung der Maxime, dass die USA eher eine Salatschüssel als ein Schmelztiegel sind" sagt alles. Es gibt zwar einige Einblicke in die menschliche Psyche und Beziehungen, aber insgesamt will das Buch mehr sein, als es ist. Es ist kein Groschenroman, aber auch nicht tiefgründig. Ich glaube, mich hat der Name des Autoren mehr als alles andere zu diesem Buch hingezogen.
Buchbeschreibung (übersetzt vom englischen Original):
"Inge, ein finnisches Model in den Zwanzigern, hat einen Freund, einen Fotografen, der mehr als nur ein Auge für Kunst hat. Inge quält sich mit imaginären Entführungsszenarien, nachdem ihr Landsmann verschwunden ist, doch Besuche bei ihrem Psychiater führen sie zu der Erkenntnis, dass ihr Verlustgefühl möglicherweise eine andere Ursache hat."
Donnerstag, 2. Oktober 2025
Lindbergh, Anne Morrow "Muscheln in meiner Hand"
"'Ursprünglich schrieb ich diese Seiten nur für mich selbst. Ich wollte meinen eigenen Lebensstil, meinen persönlichen Lebensrhythmus zwischen meiner Arbeit und meinen menschlichen Beziehungen überdenken. Und da ich am leichtesten mit dem Bleistift in der Hand denke, ergab sich das Schreiben von selbst.' Seit Jahrzehnten gibt dieses Buch unzähligen Menschen Hilfe auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Anne Morrow Lindbergh, die Frau des berühmten Ozeanfliegers Charles Lindbergh, fand in der Einsamkeit einer Meeresküste die Muße, dem verborgenen Sinn unseres Daseins nachzuspüren."
Mittwoch, 1. Oktober 2025
Schöfer, Maike "Nö: Eine Anstiftung zum Neinsagen"
Wir haben dies mit unserem deutschen Lesekreis im September 2025 gelesen.
Ein Buch über das Neinsagen. Die Autorin ist eine evangelische queere Pastorin. Ich hatte eigentlich gedacht, es ginge mehr um Frauen, aber es geht wirklich viel um LGBTQ+. Obwohl ich glaube, dass auch die Betroffenen ähnliche Gedanken haben könnten wie ich.
Im Großen und Ganzen hatte ich auch nicht das Gefühl, dass hier irgendwelche Hilfestellungen gegeben wurden, dass irgend etwas Neues dabei herauskam.
Ich bin kein Fan von Selbsthilfebüchern, und dies hat mich sehr an so ein Geschreibsel erinnert.
Die Autorin erklärt immer wieder, wie sie bestimmte Sachen tun musste, weil sie nicht laut genug Nein gesagt hat. Ja, das haben wir alle. Leider gibt sie kaum einen Hinweis darauf, was wir selbst ändern können. Außer eben "Nein" zu sagen, aber das muss ich nicht 456mal (hat sie selbst gezählt und ist auch noch stolz darauf) auf 215 Seiten lesen, da sollte schon etwas mehr dabei herauskommen.
Auch schreibt sie selbst auf S. 77: "Und auch beim Schreiben dieses Buches bin ich permanent begleitet von dem Gefühl, dass meine Texte zu oberflächlich, zu plump sind, dass sie nicht eloquent genug und nicht edgy sind." Da muss ich ihr leider zustimmen.
Außerdem "zitiert" sie auf S. 46 die von mir sehr geachtete Carolin Emcke mit "Macht wird meist als Herrschaftsform beschrieben ..." aus ihrem Buch "Ja heißt Ja, und ...?". Bei meiner Suche nach mehr Informationen fand ich allerdings, dass sie das so in dem Buch nicht gesagt hat. Dies ist allerdings ein Buch, dass ich gerne selbst lesen würde.
Den anderen Mitgliedern des Lesekreises ging es auch nicht viel besser. Wir waren alle ziemlich einer Meinung, dass dieses Buch uns nicht (mehr) betrifft und die Autorin einen trotzigen, wütenden Eindruck machte, und insgesamt sehr unzufriedenen mit ihrem eigenen Leben ist. Auch fanden wir die Sprache ungehobelt und flapsig, ...
Eine Anmerkung von einem Mitglied, die leider nicht dabei sein konnte, hätte vielleicht zu einer etwas regeren Diskussion geführt:
"Ich finde, dass die Autorin viele interessante Denkanstöße gibt, was das überall immer noch vorherrschende Patriarchat in allen Lebensbereichen der heutigen Zeit und der letzten 2000 Jahre anbelangt. Mich faszinieren vor allem die religiösen Themenbereiche und vielfach sehe ich die Dinge ähnlich wie die evangelische Pastorin Maike Schöfer.
Teilweise empfinde ich aber ihre feministischen Ansichten als etwas übertrieben, vor allem verherrlicht sie das 'Queer-Sein' zu sehr.
Manchmal kann ich mit mit der Anhäufung von komplizierten Fremdwörtern wenig anfangen und z. T. ist mir ihre Ausdrucksweise etwas zu flapsig.
Insgesamt gefällt mir das Buch und ich werde auch die zweite Hälfte zu Ende lesen.
Leichte Kost ist es jedenfalls nicht und es lässt sich auch nicht so weglesen… ."
Und noch eine Meinung: "Auch ich bin nicht angetan. Ich fand diesen bemüht lässigen Stil nervig und ich frage mich, welche Zielgruppe sie erreichen möchte. Ich habe den Eindruck, dass sie sich fast für ihren Beruf entschuldigt: hey, ich bin ja trotzdem so cool!"
Ein anderes Mitglied erwähnte den Titel von Herbert Fensterheim "Sag nicht ja, wenn du nein sagen willst. Wie man seine Persönlichkeit wahrt und durchsetzt" (Don't say yes when you want to say no) (Goodreads) sowie das Buch von Susan Jeffers "Selbstvertrauen gewinnen: Die Angst vor der Angst verlieren" (Feel the Fear and Do It Anyway) (Goodreads), die sicher für unsere Gruppe besser gewesen wären.
Buchbeschreibung:
"Wir alle kommen mit einem Nein auf die Welt. Schreien, weil etwas nicht stimmt. Als trotzige Mädchen sind wir erst süß, dann wird uns der Protest abtrainiert. Wir sollen gefallen, keine Probleme machen. Maike Schöfer gibt uns mit diesem Buch das Nein zurück. Ein Nein kann Akt der Selbstbehauptung sein, Ablehnung bedeuten, aber auch etwas viel Größ Widerstand. Ob als befreiendes Nö zu Dingen, die wir nicht tun wollen, oder als wütendes Nein zu festgefahrenen Strukturen und Diskriminierung. Eine inspirierende, persönliche Untersuchung des wohl feministischsten Wortes, das wir wählen können."
Ein anderes Buch zu diesem Thema, dass ich empfehlen könnte:
Adichie, Chimamanda Ngozi "Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories" (Englisch: We Should All Be Feminists) - 2014












