Samstag, 30. April 2022

Molnár, Ferenc "Die Jungen der Paulstraße"

Molnár, Ferenc "Die Jungen der Paulstraße" (Ungarisch: A Pál-utcai Fiúk) - The Paul Street Boys - 1907

Diese Geschichte spielt in Budapest Ende des 19. Jahrhunderts, als Ungarn und Österreich noch zusammengehörten. Eine Gruppe von Jungen spielt auf einem Lagerplatz zwischen Hochhäusern und betrachtet das als ihre Heimat. Sie haben sogar ihre eigene Flagge in Rot, Grün und Rot, den Farben Ungarns. Eine andere Gruppe mit einer roten Fahne, die die Rebellen repräsentiert, will den Platz übernehmen und den Krieg erklären.

Wir haben alle typischen Charaktere wie in einem echten Krieg, wir haben die zwei Gruppen, die dasselbe wollen, aber nicht teilen wollen, wir haben den Verräter, der meint, es sei besser, zur anderen Gruppe zu gehören, wir haben den Helden (der nicht immer der Stärkste ist oder von dem erwartet wird, der Held zu sein), der den Tag rettet, egal was es ihn kostet.

Es ist erstaunlich, wie viel in jedem Krieg immer gleich ist. Und der Grund ist normalerweise materialistisch. Eine Gruppe will etwas, was die andere hat. Da ist nichts Neues. Aber die Idee, Kinder die "großen Krieger" nachahmen zu lassen, ist faszinierend. Ich meine, Kinder kopieren Erwachsene. Und ich erinnere mich, dass meine Brüder Cowboys und Indianer spielten, als sie klein waren (obwohl es die bei uns ja nie gegeben hat), wahrscheinlich ein ähnliches Spiel wie der "Krieg", den die Jngen aus der Paulstraße spielten.

Und wie in allen Kriegen verlieren alle, auch die "Gewinner". Und ich denke, dieses Buch zeigt das noch besser als alle Zahlen, die wir über "echte" Kriege bekommen. Es sollte uns dazu bringen, mehr über Patriotismus nachzudenken und darüber, was er den Menschen antun kann. Dieses Buch ist in Ungarn so bekannt, dass es in Budapest sogar eine Skulptur gibt, die die Jungen der Paulstraße darstellt, die Murmeln spielen (siehe hier auf Wikipedia). Und sie haben mehrere Filme aus dem Buch gemacht.

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Lesekreis im September 2021 gegeben. Wir sollten es Wladimir Putin geben.

Klappentext:

"Budapest 1910. Eine Schar Buben, die Paulstraße im Budapest des alten Österreich und ein dort zwischen hohen Häusern eingezwängter Holzlagerplatz: das sind die Helden und die Kulisse in Franz Molnars Roman. Hier, auf dem 'Grund', tragen Boka, der mannhafte Anführer, und seine Gruppe ihre Spiele und ihre Phantasien aus.

Hier ist ihre Heimat, die sie sich von niemandem streitig machen lassen, für die sie kämpfen. Sie tun es mit allen Kräften, als Gereb, der Verräter, gemeinsame Sache mit der konkurrierenden Bande, den 'Rothemden' macht. Die Verteidigung des Reviers gelingt - doch zu welchem Preis!


'Das Buch ist nicht nur ein unvergänglicher Roman der Jugend, sondern zugleich auch eine Satire auf Vereinsmeierei und ein melancholisches Gleichnis der Vergangenheit. Mit stilistischer Bravour und humorvollem Ernst schildert der damals 29jährige die Kriegsvorbereitungen, den Kampf und die Haltung der unterschiedlichen Gefährten. Eine großartige Geschichte.' Die Furche, Wien

"Ich fürchte mich vor keinem von euch … Jetzt habt ihr mich ins Wasser geworfen, weil ihr die Stärkeren seid! Zehn gehen einen haben leichtes Spiel. Aber ich mache mir nichts daraus. Ihr könnt mich auch schlagen, wenn es euch paßt. Wenn ich gewollte hätte, hätte ich ja nichts ins Wasser gehen müssen. Aber ich bin nicht zu euch übergelaufen. Eher ertränkt mich oder schlagt mich tot, aber ich werde nicht zum Verräter …"

Ähnliche Geschichten sind der französische Roman "La Guerre des Boutons" (Krieg der Knöpfe) von Louis Pergaud (1912) und das deutsche Buch "Das fliegende Klassenzimmer" (1933) von Erich Kästner.

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