Dienstag, 24. Februar 2026

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus"

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus" Serie (Englisch: Magic Tree House, Series) - 1992 ff.

Jack und Anne sind zwei ganz normale Kinder, die einfach nur ihr Baumhaus betreten müssen und mit Hilfe magischer Bücher in die Vergangenheit reisen können. In den verschiedenen Büchern lernen sie alles über Geschichte, aber auch viel über Naturwissenschaften. Eine sehr interessante Art, Kindern wichtige Themen näherzubringen.

Meine Söhne hatten viel Spaß mit diesen Büchern.

Dies sind alle Bücher, die es in deutsch gibt (amerikanische/britische Titel in Klammern).
[Forschungsleitfäden in Klammern]


Band 1:  Im Tal der Dinosaurier (Dinosaurs Before Dark/Valley of the Dinosaurs) [RG1: Dinosaurs]
Band 2: Der geheimnisvolle Ritter (The Knight at Dawn/Castle of Mystery) [RG2: Knights and Castles] (Goodreads)
Band 3: Das Geheimnis der Mumie" (Mummies in the Morning /Secret of the Pyramid) [RG3: Mummies and Pyramids]
Band 4: Der Schatz der Piraten (Pirates Past Noon/Pirates' Treasure) [RG4: Pirates]
Band 5: Im Land der Samurai (Night of the Ninjas)
Band 6: Gefahr am Amazonas (Afternoon on the Amazon/Adventure on the Amazon) [RG5: Rain Forests]
Band 7: Im Reich der Mammuts (Sunset of the Sabertooth/Mammoth to the Rescue) [RG12: Sabertooths and the Ice Age]
Band 8: Abenteuer auf dem Mond (Midnight on the Moon/Moon Mission) [RG6: Space]
Band 9: Der Ruf der Delfine (Dolphins at Daybreak/Diving with Dolphins) [RG9: Dolphins and Sharks]
Band 10: Das Rätsel der Geisterstadt (Ghost Town at Sundown/A Wild West Ride)
Band 11: Im Tal der Löwen (Lions at Lunchtime/Lions on the Loose)
Band 12:  Auf den Spuren der Eisbären (Polar Bears Past Bedtime Icy Escape) [RG 16: Polar Bears and the Arctic]
Band 13: Im Schatten des Vulkans(Vacation Under the Volcano/Racing with Gladiators) [RG14: Ancient Rome and Pompeii]
Band 14: Im Land der Drachen (Day of the Dragon King) (Palace of the Dragon King)
Band 15: Insel der Wikinger (Viking Ships at Sunrise) (Voyage of the Vikings)
Band 16: Auf der Fährte der Indianer (Buffalo Before Breakfast)
Band 17: Im Reich des Tigers (Tigers at Twilight)
Band 18: Rettung in der Wildnis (Dingoes at Dinnertime)
Band 19: Abenteuer in Olympia (Hour of the Olympics/Olympic Challenge!) [RG10: Ancient Greece and the Olympics]
Band 20: Im Auge des Wirbelsturms. (Twister on Tuesday) [RG8: Twisters and Other Terrible Storms]
Band 21: Gefahr in der Feuerstadt. (Earthquake In the Early Morning)
Band 22: Verschollen auf hoher See. (Tonight on the Titanic) [RG7: Titanic]
Band 21: (Civil War on Sunday)
Band 22: (Revolutionary War on Wednesday) [RG11: American Revolution]
Band 23: Das Geheimnis des alten Theater. (Stage Fright on a Summer Night)
Band 24: Den Gorillas auf der Spur (Good Morning, Gorillas)
Band 25: Im Land der ersten Siedler (Thanksgiving on Thursday) [RG13: Pilgrims]
Band 26: Abenteuer in der Südsee (High Tide in Hawaii) [RG15: Tsunamis and Other Natural Disasters]
Band 27: Im Auftrag des Roten Ritters (Christmas in Camelot)
Band 28: Das verzauberte Spukschloss (Haunted Castle on Hallows Eve)
Band 29: Das mächtige Zauberschwert (Summer of the Sea Serpent)
Band 30: Im Bann des Eiszauberers (Winter of the Ice Wizard)
Band 31: Sturmflut vor Venedig(Carnival at Candlelight)
Band 32: Der gestohlene Wüstenschatz (Season of the Sandstorms)
Band 33: Geheimauftrag in Paris (Night of the New Magicians)
Band 34: Das verwunschene Einhorn. (Blizzard of the Blue Moon)
Band 35: Angriff des Wolkendrachen .(Dragon of the Red Dawn)
Band 36: Der geheime Flug des Leonardo (Monday with a Mad Genius) [RG19: Leonardo da Vinci]
Band 37: Das Ungeheuer vom Meeresgrund (Dark Day in the Deep Sea) [RG17: Sea Monsters]
and 38: Das verborgene Reich der Pinguine (Eve of the Emperor Penguin )[RG18: Penguins and Antarctica]
Band 39: Die geheime Macht der Zauberflöte.  (Moonlight on the Magic Flute)
Band 40: Piratenspuk am Mississippi. (A Good Night for Ghosts) [RG20: Ghosts]
Band 41: Gefangen im Elfenwald  (Leprechaun in Late Winter) [RG21: Leprechauns and Irish Folklore]
Band 42: Geister in der Nebelnacht (A Ghost Tale for Christmas Time) [RG22: Rags and Riches: Kids in the Time of Charles Dickens] (Goodreads)
Band 43: Das Gift der Königskobra (A Crazy Day with Cobras) [RG23: Snakes and Other Reptiles]
Band 44: Lawinenhunde im Schneesturm. (Dogs in the Dead of Night) [RG24: Dog Heroes]
Band 45: Die Feder der Macht (Abe Lincoln at Last!) [RG25: Abraham Lincoln]
Band 46: Pandas in großer Gefahr (A Perfect Time for Pandas) [RG26: Pandas and Other Endangered Species] (Goodreads)
Band 47: Im Bann des schwarzen Hengstes (Stallion by Starlight) [RG27: Horse Heroes]
Band 48: Das Geheimnis des Zauberkünstlers (Hurry Up, Houdini!) [RG 28: Magic Tricks from the Tree House #28]
Band 49: Abenteuer im Tal der Könige (High Time for Heroes)
Band 50: Das beste Fußballspiel aller Zeiten (Soccer on Sunday)
Band 51: Der König der Mayas (Shadows of the Dark)
Band 52: Wettlauf der Schlittenhunde (Balto of the Blue Dawn)
Band 53: Das Tor zur Dracheninsel (Night of the Ninth Dragon)
Band 54: Das große Spiel (A Big Day for Baseball)
Band 55: Helden im Hurrikan (Hurricane Heroes in Texas)
Band 56: Der römische Spion (Warriors in Winter)
Band 57: Narwal in großer Gefahr (Narwhal on a Sunny Night)
Band 58: Das verborgene Reich der Inka (Late Lunch with Llamas)
Band 59: Rettungsmission im Naturpark (Camp Time in California)
Band 60: Die Spur des Schneeleoparden (Sunlight on the Snow Leopard)
Band 61: Das Geheimnis der Nashörner (Rhinos at Recess)
Band 62: Notfall auf der Schildkröteninsel (Afternoon on the Amazon)

Montag, 23. Februar 2026

Navarre, Marguerite de "Das Heptameron"

Navarre, Marguerite de "Das Heptameron" (Französisch: Heptaméron) - The Heptameron - 1578

Ich habe den Titel dieses Buches in Jane Smileys "13 Ways of Looking at the Novel" [13 Sichtweisen auf den Roman] gefunden. Es war eines der älteren Bücher auf der Liste, und da ich Klassiker liebe und "Das Decameron" (The Decameron) (ebenfalls auf ihrer Liste) sehr mag, habe ich es auf meine Leseliste gesetzt.

Die Autorin war offenbar Marguerite de Navarre, die Schwester von Franz I., König von Frankreich. Sie schien "Das Decameron" ebenfalls gelesen zu haben. Es war vermutlich einer der Bestseller der damaligen Zeit, und sie ließ sich davon zu ihren eigenen Geschichten inspirieren. Allerdings hatte sie erst sieben Tage an diesem Buch geschrieben, als sie starb, es gibt also weniger Geschichten, daher nur das "Heptaméron".

Im Gegensatz zu "Das Decameron" war dies eine Kurzgeschichtensammlung, die mir nicht besonders gefiel. Als ich in meiner vorherigen Rezension sagte, die Geschichten in der italienischen Sammlung seien ziemlich gewagt, haben sie es hier völlig übertrieben. Einige der Geschichten sollen wahr sein. Wenn das der Fall ist, sollte man die "Gute alte Zeit" nicht als Vorbild für gläubige Menschen nehmen. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, eine der Geschichten später in einem anderen Kontext gelesen zu haben. Sie dürfte also für andere Autoren keine so große Inspiration gewesen sein wie "Das Decameron".

Es gibt zwar auch eine Diskussion am Ende des Tages, aber sie wirkt sehr künstlich, nichts klingt glaubwürdig, und man kann sich mit keiner der Figuren wirklich anfreunden, obwohl die Autorin sie aus ihrem wirklichen Leben übernommen zu haben scheint.

Normalerweise lerne ich gerne etwas über verschiedene Epochen, indem ich Romane aus dieser Zeit lese, aber ich hatte nicht das Gefühl, viel aus diesem hier gelernt zu haben. Jede Geschichte war nur ein paar Seiten lang und wirkte auf mich eher wie eine Beschreibung einer Geschichte als wie eine echte Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Margarete von Navarra, auch Margarete von Angoulême (1492-1549) war Königin von Navarra und Schwester des französischen Königs Franz I. Sie war auch Schriftstellerin, das Heptameron ist ihr bekanntestes Werk. Reproduktion des Originals in neuer Rechtschreibung."

Samstag, 21. Februar 2026

Roth, Philip "Zuckermanns Befreiung"

Roth, Philip "Zuckermanns Befreiung" (Englisch: Zuckerman Unbound) - 1981

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit Zuckermans erste Geschichte "Der Ghostwriter" (The Ghost Writer) gelesen und fand die Geschichte faszinierend. Teils autobiografisch, teils alternative Geschichte, Liebe und Krieg – eine perfekte Kombination all dieser Themen und eine sehr anspruchsvolle, aber auch unterhaltsame Lektüre.

Deshalb musste ich unbedingt lesen, wie es mit unserem Freund Zuckerman weitergeht. Ich war etwas enttäuscht. Nicht vom Schreibstil, nicht von der Geschichte an sich, sondern davon, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Band so viel Zeit vergangen war. Nicht nur viele Jahre, dem dem Protagonisten ist auch viel in dieser Zeit passiert. Der Autor erzählt uns zwar die wichtigsten Geschehnisse, aber man hat trotzdem das Gefühl, dass etwas fehlt. Als ob man einen alten Schulfreund nach Jahrzehnten wiedertrifft und nicht mehr so ​​recht weiß, wer er ist.

Trotzdem ist die Geschichte genauso interessant und offen wie die erste. Nathan Zuckerman hat sich mehr oder weniger zu dem Schriftsteller entwickelt, den wir von ihm erwartet hatten, und sein Privatleben lässt keine Wünsche offen.

Buchbeschreibung:

"Nathan Zuckerman, inzwischen Mitte dreißig, würde trotz seines neuen Ruhms als Bestsellerautor gern ein zurückgezogenes Leben führen, doch als er im letzten der turbulenten sechziger Jahre durch die Straßen von Manhattan geht, trifft er überall auf selbst ernannte Berater, Mahner und Amateurkritiker. Angesichts der Morde an Robert Kennedy und Martin Luther King beginnt Zuckerman sich zu fragen, ob das Wort 'Zielscheibe' vielleicht nicht bloß eine Metapher ist."

Philip Roth erhielt 2011 den International Booker Prize.

Roth, Philip "Der Ghostwriter"

Roth, Philip "Der Ghostwriter" (Englisch: The Ghost Writer) - 1979

Warum ich vorher noch keine Bücher dieses außergewöhnlichen Autors gelesen hatte, ist mir ein Rätsel.

Was soll ich sagen, ich war von dem Buch wirklich begeistert. Ich fragte mich, ob es teilweise autobiografisch ist, denn es hatte auf jeden Fall Tendenzen, die danach klangen. Mir gefiel der alternative Geschichtsteil, ein Genre, das ich sehr schätze.

Ein junger Autor trifft einen älteren Autoren, sein schriftstellerisches Vorbild. Und dort begegnet er einem interessanten jungen Mädchen mit einer faszinierenden Vergangenheit. Das ist die Grundgeschichte. Doch es ist die Art und Weise, wie Philip Roth die Geschichte erzählt, die sie interessant macht. Sie weckt den Wunsch, alles über Nathan Zuckerman, den jungen Autor, und sein Leben zu erfahren und die ganze Reihe lesen zu wollen.

Auf nur 180 Seiten gelingt es Philip Roth, einen Überblick über die jüdische Geschichte, den Holocaust, Anne Franks Tagebuch und das Leben in den Vereinigten Staaten der 1950er Jahre zu geben, insbesondere über die Situation der Juden damals.

Wenn euch die ersten Sätze gefallen (Übersetzung von mir): "Es war die letzte Stunde Tageslicht an einem Dezembernachmittag vor über zwanzig Jahren – ich war dreiundzwanzig, schrieb und veröffentlichte meine ersten Kurzgeschichten und dachte, wie so mancher Bildungsroman-Held vor mir, bereits über meinen eigenen umfangreichen Bildungsroman nach –, als ich in seinem Versteck ankam, um den großen Mann zu treffen. Das Schindelbauernhaus lag am Ende einer unbefestigten Straße, 350 Meter hoch in den Berkshires, doch die Gestalt, die aus dem Arbeitszimmer kam, um mich feierlich zu begrüßen, trug einen Gabardineanzug, eine gestrickte blaue Krawatte, die mit einer schlichten silbernen Spange an einem weißen Hemd befestigt war, und gut gebürstete schwarze Ministerschuhe, die mich eher an einen Schuhputzstand als an den Hochaltar der Kunst denken ließen", dann wird euch das ganze Buch gefallen. Sein Schreibstil ist wunderschön.

Buchbeschreibung:

"Die Anfänge einer großen Schriftsteller-Karriere

In
Der Ghost Writer lernen wir in den fünfziger Jahren Nathan Zuckerman kennen, einen hoffnungsvollen jungen Autor mit einer Leidenschaft für bedeutende Bücher, der in einem abgelegenen Winkel Neuenglands, als Gast im Haus seines literarischen Idols E. I. Lonoff, die gegensätzlichen Ansprüche von Literatur und Erfahrung entdeckt."

Philip Roth erhielt 2011 den Booker International Prize und war 1980 Finalist für den Pulitzer-Preis.

Freitag, 20. Februar 2026

MacLaverty, Bernard "Cal"

MacLaverty, Bernard "Cal" (Englisch: Cal) - 1983

Ein schwer zu lesendes Buch. Nicht, weil es seltsam geschrieben ist oder schwierige Wörter enthält. Es liegt einfach am Thema. Die Probleme in Nordirland. Katholiken gegen Protestanten. Bruder gegen Bruder. Vater gegen Sohn. Jeder kann dein Feind sein.

Was für eine traurige Geschichte, was für eine traurige Vergangenheit. Gibt es eine Lösung? Selbst wenn sie jemals gefunden wird, gibt es in diesem Buch nichts, was uns Hoffnung gibt. Und selbst wenn, wäre es nicht so authentisch.

Der Autor vermittelt einem das Gefühl, dass die Figuren in ihrem Leben, ihrem Umfeld, ihrer Rolle in der Gesellschaft gefangen sind. Für einen Jungen in Belfast gibt es keine Hoffnung, er bekommt keine vernünftige Ausbildung und selbst mit einer vernünftigen Ausbildung keine Arbeit.

Cal versucht sein Bestes, um da rauszukommen. Er arbeitet sogar als Landarbeiter, obwohl er keine Erfahrung mit der Arbeit auf einem Bauernhof hat, wahrscheinlich war er noch nie auf einem Bauernhof, bevor er eingestellt wurde. Und dann ist da noch seine Liebe zu einer jungen Witwe. Kein einfaches Leben. Aber was tun, wenn man keine andere Wahl hat?

Wenn ihr gerne über unterschiedliche Geschichtsthemen lest und verstehen möchtet, was Menschen durchmachen, ist dieses Buch genau das Richtige. Es wurde vor etwa vierzig Jahren geschrieben, wirkt aber immer noch so authentisch wie damals. Bernard MacLaverty gelingt es, den gesamten Konflikt in diesem recht kurzen (160 Seiten) Buch zu fassen.

Wir sind inzwischen in Belfast gewesen, und es ist eine wirklich interessante und schöne Stadt, aber man merkt immer noch, wie die "Troubles" nachwirken.

Buchbeschreibung:

"Der junge katholische Arbeitersohn Cal McClasky wohnt in einer protestantischen Wohnsiedlung in Nordirland. Die Konflikte beginnen, als er sich in Marcella verliebt, die Witwe des Polizisten, bei dessen Ermordung durch die IRA er geholfen hat."

Donnerstag, 19. Februar 2026

Kaminer, Wladimir "Ich bin kein Berliner"

Kaminer, Wladimir "Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen" [I'm not a Berliner. A travel guide for lazy tourists] - 2007

Wladimir Kaminer ist immer einen Lacher wert. Selbst wenn er eigentlich "nur" einen Städteführer schreiben will. Er kann einfach nicht ohne Humor.

Aber es ist natürlich trotzdem (auch) ein tolles (Sach-)Buch, dass viele Hinweise auf Berlin und seine Eigenheiten gibt.

Ich habe Berlin schon mehrfach besucht sowohl vor als auch nach der Mauer, aber ich kenne es nicht wirklich richtig so richtig. Da muss ich wohl Berliner fragen, ob sie sich wiedererkennen. Aber unterhaltsam ist das Buch auf jeden Fall. Wie alles von Kaminer.

Buchbeschreibung:

"'Ich bin kein Berliner, ich bin auch nicht Deutschland. Ich kenne mich hier nicht wirklich aus. Vor fünfzehn Jahren kam ich nach Ostberlin, aus Gründen die mir bis heute rätselhaft geblieben sind. Die Reise erwies sich als fatale Entscheidung. Einmal hier gelandet, kommt man kaum mehr weg. Berlin bindet.'

Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzustellen. Von einer kurzen Einführung in die Berliner Historie über Geschichten zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder das Verhalten japanischer Touristen bringt Wladimir Kaminer auf gewohnt mitreißende Art dem Leser seine neue Heimat näher. Dabei dürfen natürlich auch praktische Hinweise nicht fehlen: Dazu gehören Adressen origineller Restaurants, Geschäfte und anderer im Buch vorgestellten Attraktionen."

Mittwoch, 18. Februar 2026

Garmus, Bonnie "Eine Frage der Chemie"

Garmus, Bonnie "Eine Frage der Chemie" (Englisch: Lessons in Chemistry) - 2022

Ein Mitglied meines deutschen Lesekreises hatte dieses Buch vorgeschlagen, und obwohl zunächst alle einverstanden waren, wurde es letztendlich nicht ausgewählt. Da ich es aber bereits bestellt hatte, wollte ich es unbedingt lesen.

Es wäre sicherlich eine gute Wahl für eine Diskussion gewesen. Ich bezweifle, dass ich es ausgewählt hätte, wenn ich nur das Titelbild gesehen hätte. Andererseits könnten Leserinnen und Leser, die romantische Frauenliteratur suchen, enttäuscht sein.

Es ist schwer, dieses Buch zu beschreiben. Ich würde es wohl als Frauenliteratur einstufen, obwohl es tiefere Bedeutungen hat. Ich mochte die Protagonistin sehr. Ich wünschte, ich hätte in meiner Jugend eine Elizabeth Zott gehabt. Obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin als sie, gab es all die Hindernisse, die Frauen im Weg standen, schon damals. Und es gab niemanden, absolut niemanden, der mich in meiner Ausbildung unterstützte, weder meine Eltern noch meine Lehrer (außer dem Grundschullehrer, der später aber nicht mehr da war). Im Gegenteil, alles, was ich hörte, war: "Du wirst heiraten und brauchst keinen Job." Und mein Chef hat einen externen Kandidaten eingestellt, anstatt mich zu befördern. Aus demselben Grund.

Genau wie Elizabeth hatte ich mein ganzes Leben lang das Gefühl, für Männer zu arbeiten, die weniger intelligent waren als ich.

Das Buch wird als humorvoll beschrieben, und es enthält auch einige humorvolle Elemente, aber insgesamt überwiegt die Traurigkeit und bleibt uns stärker im Gedächtnis.

Vielleicht spricht diese Geschichte eher ein jüngeres Publikum an; sie hat bei mir einfach zu viele schlechte Erinnerungen geweckt. (Wobei das ja auch für das Buch spricht.) Ich würde nicht sagen, dass mir das Buch völlig missfallen hat, aber es hat mich in eine Zeit zurückversetzt, die ich lieber vergessen würde. Ich hätte es gern mit meinem Lesekreis besprochen und die Meinungen der anderen Frauen dazu gehört.

Und zu guter Letzt: Manches hat sich verändert, aber nicht genug. Was meinst du?

Buchbeschreibung:

"Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Doch es ist 1961, und die Frauen tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden. Außer Calvin Evans, dem einsamen, brillanten Nobelpreiskandidaten, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber auch 1961 geht das Leben eigene Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show 'Essen um sechs' wieder. Doch für sie ist Kochen Chemie. Und Chemie bedeutet Veränderung der Zustände..."

"Eine Frage der Chemie" wurde 2022 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.

Dienstag, 17. Februar 2026

Golding, William "Herr der Fliegen"

Golding, William "Herr der Fliegen" (Englisch: Lord of the Flies) - 1954

Ein sehr verstörender dystopischer Roman, wahrscheinlich weil er Kinder betrifft und uns Menschen noch unmenschlicher erscheinen lässt als einige andere, die ich gelesen habe. (Meine Liste dystopischer Romane findet ihr hier und in englisch hier.)

Was bringt Menschen dazu, sich unmenschlich zu verhalten? In diesem Fall werden Kinder nach einem Flugzeugabsturz sich selbst überlassen. Schon zu Beginn ist klar, dass es zwei verschiedene Arten gibt: Die einen sehen das Endziel, sie wollen gerettet werden und dafür arbeiten, die anderen wollen nur sofortige Befriedigung, d. h. Essen, und sind bereit, dafür zu kämpfen.

Ich kann verstehen, warum dieser Roman so erfolgreich ist. Es liegt nicht nur an der erzählten Geschichte, sondern auch an den dahinterliegenden verborgenen Bedeutungen. Überall finden sich Hinweise. Der Junge mit der Brille (Piggy) zum Beispiel repräsentiert die erste Gruppe, die rational Denkenden.

Wie in den meisten anderen dystopischen Romanen ist der Hintergrund des Romans leicht zu erkennen. 1954, der Zweite Weltkrieg war seit fast einem Jahrzehnt zu Ende. Waren die Menschen wieder menschlich und behandelten sich entsprechend? Ich glaube nicht, dass William Golding das so sah. Im Gegenteil, er befürchtete, dass sich die Hölle, die alle gerade durchlebt hatten, wiederholen könnte. Er hatte selbst in der Marine gekämpft und hatte daher sicherlich viele schlechte Erinnerungen. Er hatte gesehen, dass Menschen nicht zur Friedfertigkeit geboren sind, dass die Zivilisation nur ein schmaler Grat ist, von dem man jeden Moment abfallen kann.

Das ist der Hauptgrund, warum ich dystopische Romane liebe: Sie sind eine andere Art, mit Geschichte umzugehen und zu versuchen, ihre Wiederholung zu vermeiden. Es ist eine weitere Hoffnung, dass es eines Tages eine friedliche Zeit geben könnte.

Ein großartiges Buch, das auf jeder Leseliste stehen sollte.

Buchbeschreibung:

"Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Ralph läßt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der auch Mord nicht ausschließt. Das Beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, daß diese Jungen keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Jungenklasse der Welt zu finden."

William Golding erhielt den Nobelpreis für Literatur 1983 "für seine Romane, die mit der Anschaulichkeit realistischer Erzählkunst und der vieldeutigen Allgemeingültigkeit des Mythos menschliche Bedingungen in der heutigen Welt beleuchten".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 16. Februar 2026

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar"

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar" (Norwegisch: Absalons Haar) - Absalom's Hair - 1894

Ich lese ja immer mal wieder gerne Bücher von Nobelpreisträgern. Als ich auf diesen Roman stieß, musste ich ihn daher begutachten. Es handelt sich hier um eine Novelle, also nicht sehr lang. Etwas mehr Handlung hätte der Erzählung sicher nicht geschadet. Ich war nicht sonderlich begeistert. Die Geschichte hüpfte hin und her, die Protagonisten hatten nichts an sich, was einen faszinieren konnte. Es ist eben ein sehr altes Buch, das die Zeichen der Zeit nicht überstanden hat.

Und wenn es als Satire gedacht war, hätte ich etwas Humor etwartet.

Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (Ja, wir lieben dieses Land)

Da auf meiner Ausgabe nur steht, dass der Verlag "zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur" gedruckt wurde, ich auch keine deutsche Buchbeschreibung finden konnte  und auch der englische Klappentext nicht viel hergab (siehe mein englischer Eintrag), habe ich mal KI befragt. Das war gar nicht mal so schlecht:

"Absaloms Haar von Bjørnstjerne Bjørnson ist eine satirische Erzählung, die Eitelkeit, Selbstüberschätzung und menschliche Natur thematisiert. Die Geschichte nutzt das biblische Motiv von Absalom, dessen üppiges Haar symbolisch für Hochmut steht, um eine allegorische Erzählung über die Gefahren übermäßigen Stolzes zu verweben. 

Inhaltliche Schwerpunkte: Die Erzählung behandelt die Obsession einer Figur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und die daraus resultierenden Konsequenzen, ähnlich dem biblischen Absalom, der durch sein Haar zu Fall kam.

Charakter: Absalom wird als gutaussehend, aber ehrgeizig dargestellt, wobei sein Haar als Symbol für Eitelkeit dient.

Es handelt sich um eine psychologische Charakterstudie, die oft als Allegorie interpretiert wird."

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als einen Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 14. Februar 2026

Defoe, Daniel "Die Pest zu London"

Defoe, Daniel "Die Pest zu London" (Englisch: A Journal of the Plague Year) - 1722

Was für eine Geschichte! Daniel Defoe zeigt uns, wie das Leben zur Zeit der Pest war, wie die Menschen mit der Todesdrohung umgingen (oder auch nicht).

Ich habe viele Bücher gelesen, die während verschiedener Seuchen an unterschiedlichen Orten spielen, aber dieses war das aufschlussreichste und eindringlichste. Es gibt viele unterschiedliche Zahlen darüber, wie viele Menschen tatsächlich starben, aber Tatsache ist, dass diese Katastrophe mehr Todesopfer forderte als jede andere Naturkatastrophe in England. Man spricht immer vom Großen Brand von London zehn Jahre später, aber nur sehr wenige Menschen kamen dabei ums Leben.

Daniel Defoe macht dies greifbar, wir haben das Gefühl, fast dabei gewesen zu sein. Das ist großartiges Schreiben. Allerdings ist es keine leichte Lektüre, es ist eher ein Artikel als ein Roman. Und wir müssen bedenken, dass Romane, wie wir sie heute kennen, gerade erst erfunden wurden, unter anderem von Daniel Defoe, dessen größter Roman "Robinson Crusoe" (Robinson Crusoe) zu den frühesten gehört. Aber ich bin froh, dass ich dies gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"'Bringt eure Toten raus!' Dieser von Glockenläuten begleitete Ruf der in den Straßen umherfahrenden Leichensammler hat Leser über die Jahrhunderte mit kaltem Grauen erfüllt. Daniel Defoe, der bekannte Schriftsteller und Autor von 'Robinson Crusoe', war zur Zeit der in den Jahren 1664/65 grassierenden Pest gerade einmal fünf Jahre alt, griff jedoch 1722 die Erinnerungen der Überlebenden auf, um diese realistische Chronik der Epidemie und ihrer Opfer zu erstellen. Der fiktive Erlebnisbericht folgt Defoes Erzähler, der den verheerenden Fortschritt der Seuche durch die Straßen von London hautnah miterlebt. London wird bald zur Geisterstadt. Einige Straßen sind nahezu ausgestorben, aus den noch bewohnten Häusern sind die Töne menschlichen Leidens zu vernehmen. Derweil nutzen Quacksalber und Beutelschneider die Gunst der Stunde, um die Not der Menschen in klingende Münze zu verwandeln. Jeder Bürger hat seine eigene schreckliche Geschichte zu erzählen und versucht, den Wahnsinn irgendwie zu überleben - und doch werden viele von ihnen sich am Ende trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in die Liste der beinahe hunderttausend Pestopfer einreihen ..."

Defoe, Daniel "Robinson Crusoe"

Defoe, Daniel "Robinson Crusoe" (Englisch: Robinson Crusoe) - 1719
Originaltitel:
Das Leben und die seltsamen und überraschenden Abenteuer des Seefahrers Robinson Crusoe aus York: Der achtundzwanzig Jahre lang ganz allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste Amerikas, nahe der Mündung des Oroonoque, lebte. (The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe, of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque)

"Robinson Crusoe" gilt oft als "Beginn der realistischen Fiktion als literarisches Genre" und als "eines der meistveröffentlichten Bücher der Geschichte".

Klassische Romane sind immer interessant. Wir können in eine längst vergangene Zeit reisen und erfahren, was jemand, der damals lebte, über seine Zeitgenossen, die politische, wirtschaftliche oder soziale Situation dachte.

"Robinson Crusoe" gilt als einer der ersten oder vielleicht sogar als der erste fiktive Roman, der als "realistisch" bezeichnet werden konnte. Möglich, ich habe ein paar ältere Romane gelesen, aber sie haben nicht den gleichen Ton getroffen.

"Eines der meistveröffentlichten Bücher der Geschichte". Nun, wenn sie das sagen, haben sie wahrschienlich recht.

Ich kann mir vorstellen, warum dieses Buch auch dreihundert Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch gelesen wird. Es ist eine interessante Geschichte. Selbst heute können wir uns nicht vorstellen, wie es wäre, ein Jahr auf einer unbewohnten Insel zu verbringen, geschweige denn 28. Das ist länger, als die meisten Menschen für eine lebenslange Gefängnisstrafe bekommen.

Offenbar basierte der Autor die Geschichte lose auf dem Leben von Alexander Selkirk, einem schottischen Seemann, der Anfang des 18. Jahrhunderts auf eine Insel in der Karibik verschifft wurde, wo er vier Jahre verbringen musste – also nur wenige Jahre bevor Daniel Defoe seine berühmte Geschichte schrieb.

Der Roman gibt uns viele Einblicke in die Politik und Wirtschaft der damaligen Zeit. Vor allem aber wirft er viele moralische Fragen auf. "Als er mit den Kannibalen konfrontiert wird, ringt Crusoe mit dem Problem des Kulturrelativismus. Trotz seines Ekels fühlt er sich unberechtigt, die Eingeborenen moralisch für eine Praxis verantwortlich zu machen, die so tief in ihrer Kultur verwurzelt ist." Nichts hat sich geändert. Wir leben immer noch in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird, wie viel von unserer Kultur und unserem moralischen Verständnis wir Menschen mit anderem Hintergrund aufzwingen sollen. Daher bietet Robinson Crusoe eine großartige Gelegenheit, dieses Problem in einem anderen Kontext zu betrachten und vielleicht eine Idee zu bekommen, wie man diese Probleme heute lösen kann.

Ich weiß nicht, in wie vielen Schullehrplänen dieser Roman noch zu finden ist, aber ich denke, er sollte dort stehen. Allein aus dem Grund, den ich gerade genannt habe.

Es gibt wahrscheinlich noch einen weiteren Grund, warum dieses Buch immer noch an neue Leser weitergegeben wird. Die Sprache ist recht einfach, die Geschichte wird chronologisch erzählt, es ist recht leicht zu lesen. Manchmal etwas mühsam, besonders wenn man viel liest, aber es bietet eine fesselnde Geschichte und gleichzeitig verständliches Englisch, was für viele ein Vorteil sein dürfte.

Dies wurde im März 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis diskutiert.

Buchbeschreibung:

"Robinson Crusoe ist ein Roman von Daniel Defoe, der erstmals am 25. April 1719 veröffentlicht wurde. In der Erstausgabe wurde der Protagonist des Werks, Robinson Crusoe, als Autor genannt, was viele Leser zu der Annahme veranlasste, er sei eine reale Person und das Buch ein Reisebericht über wahre Begebenheiten.

Das Buch ist in seiner epistolischen, konfessionellen und didaktischen Form eine Autobiografie der Titelfigur (dessen Geburtsname Robinson Kreutznaer ist), eines Schiffbrüchigen, der 28 Jahre auf einer abgelegenen tropischen einsamen Insel in der Nähe von Trinidad verbringt und dort Kannibalen, Gefangenen usw. begegnet. Es wird angenommen, dass die Geschichte auf dem Leben von Alexander Selkirk basiert, einem schottischen Schiffbrüchigen, der vier Jahre lang auf einer pazifischen Insel namens 'Más a Tierra' lebte, die heute zu Chile gehört und 1966 in Robinson Crusoe Island umbenannt wurde.

Trotz seines einfachen Erzählstils wurde Robinson Crusoe in der Literaturwelt gut aufgenommen und wird oft als Beginn der realistischen Fiktion als literarisches Genre angesehen. Er wird allgemein als Anwärter auf den ersten englischen Roman angesehen. Bis Ende 1719 hatte das Buch bereits vier Auflagen erlebt und entwickelte sich zu einem der meistveröffentlichten Bücher der Geschichte, das zahlreiche Nachahmungen hervorbrachte, nicht nur in der Literatur, sondern auch in Film, Fernsehen und Radio. dass sein Name zur Definition eines Genres, der Robinsonade, verwendet wird."

Freitag, 13. Februar 2026

Webster, Jean "Daddy Langbein"

Webster, Jean "Daddy Langbein" (Englisch: Daddy Longlegs) - 1912

Ein beliebter Klassiker für alle, die ihn damals lesen durften. Ich muss ihn wohl zuerst auf Deutsch gelesen haben, denn ich erinnere mich, dass ich ihn zu einer Zeit gelesen habe, als es – abgesehen von ein paar Klassikern, die wir in der Schule lesen mussten – unmöglich war, Bücher auf Englisch zu bekommen.

Ich habe das Buch von Anfang an geliebt und es immer wieder gelesen. Eine wunderbare Geschichte über ein Waisenkind, das die Chance auf eine höhere Bildung bekommt, weil ein reicher Mann bereit ist, dafür zu bezahlen. Seine einzige Bedingung ist, dass sie ihm einmal im Monat einen Brief über ihr Leben schreibt.

Und so können wir einen wunderschönen Briefroman mit vielen wunderbaren Briefen von Judy an ihren Wohltäter über das Leben eines Waisenkindes lesen, das zur Schule geht und erwachsen wird. Sie hat diesen Mann, der für alles bezahlt, noch nie in ihrem Leben gesehen, nur einmal sah sie ihn verschwinden und bemerkte, dass er sehr lange Beine hatte. Da sie seinen richtigen Namen nicht kennt, nennt sie ihn fortan "Daddy Langbein" (Daddy Longlegs).

Ein schöner Roman für alle, die Jane Austen, die Brontë-Schwestern, "Eine glückliche Zeit" und ähnliche Werke mögen. Auch für Leser jeden Alters geeignet.

Da das Buch über hundert Jahre alt ist, ist es kostenlos auf Gutenberg.com erhältlich (das leider in Deutschland nicht zugänglich ist). Es wurde im Laufe der Zeit auch mehrfach verfilmt.

Buchbeschreibung:

"Dieses Jugendbuch ist ein Liebesroman für junge Frauen. Der berühmte Klassiker wurde mit Fred Astaire verfilmt.Die junge Jerusha kann wunderbar schreiben, deshalb schickt ein reicher Gönner das Waisenkind aufs College. Er erwartet dafür jeden Monat einen Brief, in dem das Mädchen über ihre Fortschritte berichtet. Da ist Jerusha ganz in ihrem Element: freimütig und frech, voller Beobachtungsgabe und übersprudelnder Fantasie schildert sie dem ihr unbekannten Mann, den sie Daddy Langbein nennt, wie sie vorankommt und was sie bewegt. Und ihr Leben steckt voller Überraschungen!Seit Generationen wird die temperamentvolle Heldin von heranwachsenden Mädchen geliebt."

Donnerstag, 12. Februar 2026

Segal, Erich "Love Story"

Segal, Erich "Love Story" (Englisch: Love Story) - 1970

Eine wunderschöne Geschichte, eine der großartigsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Sie lehrt uns, dass Liebe möglich ist, auch wenn die Umstände es scheinbar nicht zulassen. Dass Liebe unendlich ist, auch wenn die Umstände uns das vorgaukeln. Dass Liebe schön sein kann, auch wenn alles um uns herum hässlich und schrecklich ist.

Ich bin sicher, jeder hat von dieser Geschichte gehört, wenn nicht vom Buch, dann sicher vom Film. Außerdem hießen viele kleine Mädchen Jennifer und Jungen Oliver, als der Film herauskam; sie verdanken ihren Namen dieser Geschichte. Komisch, wie manche Bücher das Leben von Menschen beeinflussen, die vielleicht noch nie davon gehört haben.

Auf jeden Fall ist dies sowohl die schönste Liebesgeschichte als auch eine der traurigsten Geschichten, die je geschrieben wurden. Auch die Sprache ist wunderschön. Also definitiv lesenswert.

Dieses wundervolle Buch enthält auch eines der besten Zitate aller Zeiten: "Liebe heißt, niemals um Verzeihung bitten zu müssen."

Buchbeschreibung:

"Der zurückhaltende Jurastudent Oliver und die freche Musikstudentin Jenny: Ein Paar das unterschiedlicher nicht sein könnte und dennoch ist es Liebe auf den ersten Blick. Wenngleich sein Vater strickt gegen die Beziehung ist, heiraten sie, obwohl das Olivers Enterbung zur Folge hat. Das Glück der beiden scheint perfekt, aber das Schicksal hat einen anderen, erbarmungslosen Plan… Wird die junge Liebe bestehen?"

Mittwoch, 11. Februar 2026

Murphy, Jill "Nur fünf Minuten Ruh'"

Murphy, Jill "Nur fünf Minuten Ruh'" (Englisch: Five Minutes Peace) - 1986

Die Familie Large besteht aus Mrs. Large, Mr. Large, Lester, Laura, Luke und Baby Lucy (die allerdings erst in einem der späteren Bücher auftaucht). Sie sind eine Familie wie deine und meine, nur eben Elefanten. Aber Mama und Papa müssen alle Schwierigkeiten durchmachen, die auch menschliche Eltern durchmachen müssen.

In diesem Buch möchte Mrs. Large baden und einfach nur fünf Minuten Ruhe haben. Bekommt sie die? Ich glaube, ich verderbe den Lesespaß nicht zu sehr, wenn ich erwähne, dass sie die nicht bekommt.

Ich habe mich oft gefragt, ob Kinderbuchautoren für die Eltern oder die Kinder schreiben. Die Geschichten der Familie Large sind für beide gleichermaßen lustig. Kinder jeden Alters werden sie genauso genießen wie Mama und Papa. Sie gehörten zu den Lieblingsgeschichten unserer Familie, als unsere Jungs klein waren. Dies ist mein persönlicher Favorit.

Andere Titel in dieser Serie:
Nur fünf Minuten Ruh'" (Five Minutes' Peace)
"Schönen Abend, Mama Elefant / Nur einmal ohne Fleck" (All in One Piece)
"Kein Stück Kuchen mehr" (A Piece of Cake)
"Ein Abend zu zweit" (A Quiet Night In)
(hoffentlich) Noch nicht auf deutsch erschienen:
Mr. Large in Charge
Laura Bakes a Cake
Luke Tidies Up
Lester Learns a Lesson
Lucy Meets Mr Chilly
Grandpa In Trouble
Sebastian's Sleepover
My First Year at Nursery

Buchbeschreibung:

"Mutter Elefant braucht fünf Minuten Ruhe, doch die Kinder wollen mit ihr spielen. Da flüchtet sie ins Badezimmer - mit Teetasse und Zeitung! Es dauert nicht lange, und die drei Elefantenkinder kommen zu ihr: Sie können doch ihre Mama nicht sooo lange allein lassen! Ein Klassiker für alle, die wissen, wie kostbar fünf Minuten Ruhe sind!"

Dienstag, 10. Februar 2026

Austen, Jane "Die Geschichte Englands"

Austen, Jane "Die Geschichte Englands" (Englisch: The History of England: By a Partial, Prejudiced and Ignorant Historian) - 1791

Dies war meine letzte Jane-Austen-Lektüre im Jahr 2025, im Rahmen des Projekts #ReadingAusten

Das Büchlein hat 55 Seiten, sehr kleine Seiten. Doch nur 18 davon behandeln die Geschichte Englands; der Rest besteht aus dem Briefwechsel (hauptsächlich) zweier Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und einer Kurzgeschichte namens "Lesley Castle".

Mir hat der erste Teil sehr gut gefallen. Es war interessant zu lesen, wie die Könige und Königinnen Englands von einer einseitigen und voreingenommenen Person wahrgenommen wurden. Jane mochte die Yorks und hasste die Lancasters, daher betrachtete sie alles, was sie taten, durch ihre rosarote oder schwarze Brille. Urkomisch, und man sollte es nicht unbedingt ernst nehmen.

Auch der zweite Teil hat seine urkomischen Momente. Zum Beispiel, wenn Frauen nach ihrer Größe beurteilt werden und groß zu sein als Makel gilt. Lest es einfach, es dauert nicht lange.

Buchbeschreibung:

"Jane Austen litt als Schülerin offensichtlich arg unter dem Unterricht in englischer Geschichte. Als 16-jährige nahm sie schließlich Rache und schrieb eine eigene höchst vergnügliche Geschichte der Könige und Königinnen von England. Dieses ungemein unzuverlässige Geschichtsbuch besteht aus 13 bitterbösen Porträts englischer Royals."

Montag, 9. Februar 2026

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden"

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden" (Englisch: We need to talk about Kevin) - 2003

Was geht einem Massenmörder durch den Kopf? Was geht seiner Mutter durch den Kopf? Dieses Buch versucht, diese Frage zu beantworten.

Eva schreibt Briefe. Briefe, in denen sie ihrem Mann erklärt, warum sie nie eine enge Bindung zu ihrem Sohn aufgebaut hat. Eine interessante Herangehensweise an das Problem.

Da ich selbst Mutter zweier Söhne bin, fiel mir die Lektüre dieses Buches sehr schwer, und dennoch konnte ich es nicht weglegen. Ich persönlich habe noch nie ein solches Kind getroffen. Ich kann es kaum glauben. Und wenn es ihn wirklich gab, warum bekam sie dann überhaupt keine Hilfe, warum bemerkte niemand, dass sie es nicht alleine schaffte?

Die Ehe der beiden schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und wir alle wissen, dass es die schlechteste Idee ist, in einer solchen Situation ein Kind zu bekommen. Ein Kind, jedes Kind, wird das Leben seiner Eltern verändern, und sie müssen zusammenhalten, um das durchzustehen. Selbst ein unkompliziertes Kind hat schlaflose Nächte, selbst das langsamste Kind versucht, seine Eltern zu "erziehen", und wenn man keine gemeinsamen Regeln aufstellt, merkt das Kind das sofort und spielt die beiden gegeneinander aus.

Ich glaube nicht, dass Eva Schuld daran hat, dass ihr Sohn so geworden ist, wie er geworden ist. Ich glaube auch nicht, dass der Vater Schuld hat, aber mit etwas mehr Verständnis wäre es vielleicht anders gekommen. Natürlich sieht er es wahrscheinlich ganz anders, und wir würden mehr erfahren, wenn er auch seinen Teil der Geschichte hätte erzählen können.

Wie dem auch sei, Lionel Shriver hat es geschafft, sowohl der Mutter als auch dem Sohn unter die Haut zu gehen. Ich kann nicht glauben, dass sie selbst keine Kinder hat, sie hat alles so gut beschrieben.

Obwohl das Buch selbst schon ein Schock war, ist das Ende noch schockierender. Ich will hier nichts verraten für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber ich hätte nicht gedacht, dass das passieren würde. Und trotz allem, was passiert ist, stimmt es sehr hoffnungsvoll, dass Eva Kevin im Gefängnis besucht und sich sogar wünscht, dass er nach Verbüßung seiner Strafe zu ihr zurückkommt.

Ein Buch, das jeder lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Evas Sohn Kevin hat eine furchtbare Gewalttat begangen: In der Schule hat er mehrere Menschen getötet. Von allen verurteilt und von jetzt an auf sich selbst gestellt, findet Eva den Mut, sich in aller Offenheit den quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Hätte sie ihre Ehe retten können? Stilistisch brillant und mit erschütternder Klarheit lotet dieser Roman die Tiefen und Untiefen der modernen Gesellschaft aus. Lionel Shriver erzählt aus der Sicht einer Mutter, die sich auf schmerzhafte und ehrliche Weise mit Schuld und Verantwortung auseinandersetzt."

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Die Stadt der Blinden"

 
Saramago, José "Die Stadt der Blinden" (Portugiesisch: O Ensaio sobre a Cegueira) - Blindness - 1995

Dies ist mein zweites Buch dieses wunderbaren Autors. Genau wie "Kain" (Cain) ist auch dieses Buch absolut fesselnd.

Wir erfahren nichts über die Stadt oder gar das Land, in dem es spielt. Es handelt sich jedoch um einen dystopischen Roman, und dies könnten überall stattfinden. Wir wissen nie, was passiert, wenn uns eine Katastrophe – oder in diesem Fall eine Epidemie – trifft (Merke, das Buch wurde vor Corona geschrieben).

In diesem Buch verlieren die Menschen den Verstand. Jeder erblindet nacheinander und hat Angst. Das heißt aber nicht, dass sie alle gleich reagieren. Es gibt diejenigen, die zusammenhalten und anderen helfen, und andere, die nach dem Motto "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" leben. Es wäre nicht einmal fair gegenüber den Tieren, zu behaupten, sie würden sich wie sie verhalten, denn Tiere nehmen sich zumindest nur, was sie brauchen.

Sowohl die Sätze als auch die Absätze in diesem Buch sind sehr lang, man findet kaum eine Stelle zum Anhalten. Aber das macht es noch fesselnder; man hat das Gefühl, im Buch gefangen zu sein, genau wie die Blinden in ihrem Schicksal gefangen sind. Eine gute Art, die Situation zu verdeutlichen.

Keine der Figuren hat einen Namen. Sie werden nur "der erste Blinde", "die Frau des Arztes" oder "das Mädchen mit der dunklen Brille" genannt. Das macht es uns wohl leichter, uns mit ihnen zu identifizieren. Jeder könnte einer der Jungs oder eines der Mädchen sein.

Er macht es uns definitiv leicht, uns vorzustellen, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Wir können versuchen, uns vorzustellen, wie es ist, wenn man erblindet. Und wir können mit den Menschen mitfühlen, die nicht nur erblinden, sondern auch ihr bisheriges Leben verlieren.

Ein großartiger Roman. Wie viele dystopische Bücher bietet er einen Einblick in die Menschlichkeit oder deren Fehlen.

Buchbeschreibung:

"Saramagos Antwort auf Die Pest von Albert Camus.

Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann …"

Wir haben dieses Buch im April 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar machterhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar machterhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 6. Februar 2026

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung"

Ung, Loung "Der weite Weg der Hoffnung" (Englisch: First they killed my father. A Daughter of Cambodia Remembers) - 2000

Das Buch wurde einem unserer Mitglieder von einer Freundin empfohlen. Wir schätzten die Informationen über die Roten Khmer. Es ist so lange her. Wenn wir es lesen, erinnern wir uns besser an die Geschichte als durch trockene Artikel. Da die Memoiren aus der Sicht einer Fünfjährigen geschrieben wurden, wirkten sie manchmal etwas naiv und schwarz-weiß. Ihr Vater war ihr Held, obwohl er als Teil der ehemaligen Regierung auch Fehler gemacht haben musste.

Die Geschichte war nicht nur deprimierend, wir wussten, dass sie überlebt hatte. Wir lernten, dass es keine einfache Lösung gibt und dass Demokratie auch gefährlich ist. Dieses Buch zeigt, wie grausam Menschen sein können, wie man manche an etwas glauben lassen kann, das es ihnen erlaubt, andere Menschen auf unmenschlichste Weise zu behandeln. Manchmal tut es gut, lange Zeit später über die Ereignisse zu lesen. Außerdem bedeuten uns Sihanouk, Pol Pot, die Roten Khmer, Kambodscha heute mehr. Dieses Buch sollte auf der Leseliste der weiterführenden Schulen stehen.

Ich bin wirklich froh, dass wir dieses Buch gelesen haben, vor allem, nachdem wir nicht besonders zufrieden waren mit dem nordkoreanischen Buch, das wir gelesen hatten ("Somewhere Inside: One Sister's Captivity in North Korea and the Other's Fight to Bring Her Home" von Laura und Lisa Ling).

Mir gefiel, wie Loung Ung die Geschichte aus ihrer Kindheitsperspektive erzählte und wie sie sich in dieser Zeit veränderte. Wie viel sie durchmachen musste, den Tod ihrer geliebten Schwester, dann ihres Vaters, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester. Wie kann jemand so Kleines all diese schrecklichen und grausamen Tode ertragen? Sie wusste, was sie jedem von ihnen wahrscheinlich angetan hatten, besonders ihrem Vater. Besonders leid tat sie mir, als sie im Trainingslager so tun musste, als wäre sie jemand anderes.

Was ich aus diesem Buch gelernt habe, war etwas, das ich schon wusste: Krieg ist schrecklich, ob Bürgerkrieg oder nicht. Und jeder, der mit seinem Schreiben zu diesem Gedanken beiträgt, leistet großartige Arbeit. Die Schwächsten leiden am meisten.

Dieses Buch hat noch zwei Fortsetzungen, leider beide nicht ins deutsche übersetzt, "Lucky Child: A Daughter of Cambodia Reunites with the Sister She Left Behind" (Glückliches Kind: Eine Tochter Kambodschas trifft ihre zurückgelassene Schwester wieder) und "Lulu in the Sky: A Daughter of Cambodia Finds Love, Healing, and Double Happiness" (Lulu im Himmel: Eine Tochter Kambodschas findet Liebe, Heilung und doppeltes Glück). Ich würde diese auch gerne lesen.

Wir haben darüber im April 2013 in unserem internationalen Lesekreis gesprochen.

Buchbeschreibung:

"Nach einunddreißigstündigem Flug über den Pazifik sieht die Besucherin aus Amerika endlich ihre Heimat unter sich auftauchen. Es herrscht Regenzeit in Kambodscha, große Teile des Landes sind von silbrig schimmernden Wasserflächen bedeckt. Voll schwerer Gedanken reist Loung Ung noch einmal zurück in die Schreckenstage ihrer Kindheit.

Eine Kindheit, die für das damals fünfjährige Mädchen eine einzige, nicht enden wollende Fahrt mitten ins Herz der Finsternis bedeutete. Phom Penh, April 1975: Einmarsch der Roten Khmer in die Hauptstadt. Pol Pots Maßnahmen zur Schaffung einer klassenlosen Agrargesellschaft werden brutal in die Tat umgesetzt. Unter dem Vorwand, amerikanische Bombenangriffe stünden bevor, treiben die Truppen die Einwohner Phnom Penhs gnadenlos aufs Land. Der wahre Grund: Pol Pots Befehl zur Ausradierung der Metropolen!

Im beschaulichen Leben der Ungs ist plötzlich nichts mehr wie es war. Eben noch zur gehobenen Mittelschicht Pnomh Penhs zählend, befindet sich die Großfamilie unversehens zusammengepfercht in einem klapprigen Wagen auf der Flucht zu Verwandten auf dem Land. Der kleinen Loung wird eingetrichtert, kein Wort über den privilegierten Stand ihrer Familie zu verlieren, da dies einem Todesurteil gleich käme.

Was nun folgt, ist ein Kriegsalbtraum, der einem die Tränen in die Augen treibt. Loung Ungs lange Flucht, ihre Ausbildung zum Kindersoldaten, der Überlebenskampf der Brüder und Schwestern in den Arbeitslagern, der mörderische Marsch durch die berüchtigten Killing Fields -- schließlich der Verlust der Eltern, ein Horror, der eine Kindheit schlagartig beendet. Allein die Schilderung der "Hinrichtung" eines Khmers nach der Befreiung durch die Vietnamesen (eine wütende Frau schlägt den ehemaligen Peiniger mit einem Hammer tot wie einen Hund), dürfte jedes Kind auf immer traumatisieren."

Donnerstag, 5. Februar 2026

Berenstain, Stan and Jan "Die Lausebären"



Berenstain, Stan and Jan "Die Lausebären" (Englisch: The Berenstain Bears) - 1962ff.

Meine Kinder liebten die Berenstain Bears. Es war nicht nur eine "normale" Familie (die Figuren waren zufällig Bären), sondern auch eine lustige. Sie leben in einem schönen Baumhaus, und es gibt hunderte verschiedene Bücher zu allen möglichen Themen. Alles, was im Leben eines Kindes passieren kann, muss ein eigenes Buch haben – von der Geburt eines neuen Babys über den Umzug und Arztbesuche bis hin zum Schulanfang und allen möglichen Ferien und Aktivitäten. Eine wunderbare Sammlung von Geschichten für Kinder, oft in Reimform geschrieben, aber recht einfach, sodass Leseanfänger diese Bücher genauso genießen können wie kleine Kinder, die noch nicht lesen können.

Leider scheinen nicht viele der Bücher ins Deutsche übersetzt zu sein. Hier sind ein paar Titel, die ich gefunden habe.
Die große Honigjagd.
Die Lausebären und der Streit. 
Die Lausebären und die Angst im Dunkeln. 
Die Lausebären und die Ordnung. 
Die Lausebären und die Wahrheit.

Einige der Bücher, die uns gefallen haben:
The Bear Detectives [Die Bärendetektive]
The Bear Scouts [Die Bärenpfadfinder]
The Bears Picnic [Das Bärenpicknick]
The Berenstain Bears Forget Their Manners [Die Berenstain-Bären vergessen ihre Manieren]
The Berenstain Bears Go to School [Die Berenstain-Bären gehen zur Schule]
The Berenstain Bears Moving Day [Der Umzugstag der Berenstain-Bären]
The Berenstain Bears New Baby [Das neue Baby der Berenstain-Bären]
The Berenstain Bears and the Prize Pumpkin [Die Berenstain-Bären und der Preiskürbis]
Get in a Fight [Kämpfe]
He Bear, She Bear [Bär, Bärin]
The Messy Room [Das unordentliche Zimmer]
The Berenstain Bears' New Neighbours [Die neuen Nachbarn der Berenstain-Bären]
No Girls Allowed [Keine Mädchen erlaubt]
Old Hat, New Hat [Alter Hut, neuer Hut]
The Berenstain Bears and Too Much TV [Die Berenstain-Bären und zu viel Fernsehen]
Trick or Treat [Süßes oder Saures]

Buchberchreibung:

"Die First Time Books® der BERENSTAIN BEARS handeln von neuen Erfahrungen, die Kinder in ihren ersten Lebensjahren machen. Mit gutmütiger Weisheit, Liebe und sanftem Humor erleichtern diese Bücher Kindern – und ihren Eltern – den Weg durch diese ersten Zeiten."

Die Bücher wurden als Zeichentrickserie "Geschichten aus dem Bärenland" verfilmt

Mittwoch, 4. Februar 2026

O'Brian, Patrick "Kurs auf Spaniens Küste"

O'Brian, Patrick "Kurs auf Spaniens Küste" (Englisch: Master & Commander) - 1969

Das scheint nicht meine übliche Lektüre zu sein, aber es hat mir damals (noch vor dem Film) sehr gut gefallen. Es erinnerte mich sehr an meine Lieblingsklassiker wie Jane Austen oder George Eliot, möglicherweise, weil es in derselben Zeit spielt. Die Geschichte ist voller Action und enthält viele Informationen über die Napoleonischen Kriege und das Leben der "Helden der See". Ich mochte die Charaktere, insbesondere die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren. Die Reihe umfasst zwanzig Bände, und ich wollte immer noch mehr davon lesen.

Was den Film betrifft, habe ich ihn mir einmal angesehen, obwohl ich von Anfang an mit der Besetzung von Russell Crowe als Jack Aubrey nicht einverstanden war; ich hatte ihn mir nie so vorgestellt. Paul Bettany, der den Chirurgen spielte, wäre für diese Rolle viel besser gewesen.

Buchbeschreibung:

"Obwohl Captain Jack Aubrey bei seinem ersten eigenen Kommando seine Slup Sophie verliert, steigt sein Ruhm kometenartig zum Navy-Himmel: Kein anderer segelt derart taktisch gewitzt und stört so erfolgreich die feindliche Handelsschifffahrt, keiner erbeutet auch nur halb so viele Prisen wie er. Doch statt der Beförderung folgt ein Kriegsgerichtsverfahren, hat er doch dem falschen Mann zu große Hörner aufgesetzt ... Der Auftaktband zu der weltweit erfolgreichen Serie um den Seehelden Jack Aubrey und seinen Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin."

Dienstag, 3. Februar 2026

Iyengar, B.K.S. "Licht fürs Leben"

Iyengar, B.K.S. "Licht fürs Leben: Die Yoga-Vision eines großen Meisters" (Englisch: Light on Life: The Yoga Journey to Wholeness, Inner Peace, and Ultimate Freedom) - 2005

Dieses Buch wurde mir von einer Freundin geliehen, die Yoga liebt und dachte, es könnte mir helfen. Nun, wenn ich eines aus diesem Buch gelernt habe, dann, dass Yoga definitiv nichts für mich ist. Ich habe vor Jahrzehnten Kurse besucht und es nicht besonders gemocht, und ich hatte ebenso große Schwierigkeiten, den Gedanken des Autors zu folgen. Ich glaube, ich bin zu sehr ein moderner Mensch, um die Philosophie des Yoga zu verstehen. Vor über 10 Jahren habe ich geschrieben, dass sich das vielleicht eines Tages ändert, aber ich habe es damals schon bezweifelt und so ist es auch geblieben.

Trotzdem ist das Buch sehr interessant. Ich habe mehr über die Gedanken und Regeln der östlichen Philosophie gelernt und schätze das. Aber wie gesagt, es ist nichts für mich. Um mit so etwas erfolgreich zu sein, um es wirklich zu einem Teil von sich selbst zu machen, muss man daran glauben. Und das tue ich einfach nicht.

Zitate, die ich interessant fand:
"Wenn du Schmerz erfahren hast, wirst du Mitgefühl empfinden. Geteilte Freuden können uns das nicht lehren." und
"Die Macht der Wissenschaft ist der Beweis unserer Fähigkeit, uns in den Raum zu projizieren. Aber Raum ohne Zeit ist wie Muskel ohne Gehirn."

Buchbeschreibung:

"In diesem Standardwerk zur Philosophie des Yoga geht B. K. S. Iyengar weit über die Vermittlung bloßer Techniken und Übungen hinaus. Der weltberühmte Yoga-Meister eröffnet mit großer Klarheit alle Facetten und Tiefen des Yoga. Jede Ebene der Erfahrung – von der körperlichen über die emotionale und mentale bis hin zur überpersönlichen Dimension – wird miteinbezogen. Ein Wegweiser zum höchsten Ziel des Yoga, der vollkommenen Freiheit."