Mittwoch, 6. August 2025

Barbery, Muriel "Eine Rose allein"

Barbery, Muriel "Eine Rose allein" (Französisch: Une Rose Seule) - A Single Rose - 2020

Ich habe von Muriel Barbery "Die Eleganz des Igels" (The Elegance of the Hedgehog/L’élégance du hérisson) gelesen und fand dieses sehr schön.

Dieses Buch wurde mir als schönes, leichtes französisches Buch empfohlen. Nun, leicht war es schon, aber es war mir vielleicht ein wenig zu langatmig. Asiatisches Denken ist mir fremd, ich bin kein Yoga- oder Zen-Fan, kann mich auch nicht so in mich hineinversetzen, wie es oft gewünscht wird.

Das ist der Autorin und ihrer Protagonistin wohl gelungen, aber es war für mich nicht wirklich nachvollziehbar. In den ersten Kapiteln geht es nur um Landschaften, Blumen, Essen und Trinken, Tempel usw.. Ich konnte mich auch mit Rose nicht anfreunden, die erst zum Schluss ein wenig auftaute.

Und obwohl ich normalerweise gerne philosophische Bücher lese, war mir dies ein bisschen zu viel des Guten, zu aufgesetzt.

Zwischen den Kapiteln wurde immer wieder eine japanische Geschichte, ein Märchen, eine Fabel, eingebunden. Manche fand ich interessant, andere wiederum, da habe ich mich gefragt, was die mit dem Buch zu tun haben.

Nun, es war schön, mal wieder ein französisches Buch zu lesen und auch eine gute Lektüre für unsere "Paris in July"-Gruppe, aber das war es dann auch schon.

Buchbeschreibung:

"Rose hat mit ihren vierzig Jahren das Gefühl, noch gar nicht richtig gelebt zu haben. Als Botanikerin kennt sie Blumen, aber sie betrachtet sie nicht; nichts dringt zu ihr durch, nichts kann sie berühren. Dann reißt ein unerwarteter Anruf sie aus ihrem Alltag: Sie soll für die Testamentseröffnung ihres Vaters nach Kyoto fliegen. Als sie widerwillig zustimmt, ahnt sie nicht, wie sehr das fremde Land mit seinen Tempeln und Zen-Gärten sie aufwühlen wird. Auf der Reise zu ihren Wurzeln begegnet sie Paul, der ebenfalls mit seiner Trauer zu kämpfen hat. Die beiden nähern sich an und schenken einander die Kraft, die Schönheit des Lebens wiederzuentdecken."

Barbery, Muriel "Die Eleganz des Igels"

Barbery, Muriel "Die Eleganz des Igels" (Französisch: L’élégance du hérisson) - The Elegance of the Hedgehog - 2006

Dieses Buch lag schon viel zu lange auf meinem SUB, und da ich mir fest vorgenommen hatte, ihn bis Ende des Jahres etwas zu verkleinern, habe ich endlich angefangen. Außerdem wollte ich mal wieder mehr auf Französisch lesen.

Obwohl es in diesem Buch um Philosophie und russische Literatur geht, ist es nicht allzu anspruchsvoll, da es auch von ganz normalen Menschen handelt und einen über den Sinn des Lebens nachdenken lässt. Wenn man russische Literatur liebt, ist es umso besser, denn eine der Protagonistinnen liebt sie ebenfalls.

Die Geschichte entfaltet sich durch die Geschichten zweier sehr unterschiedlicher Frauen: der 12-jährigen Paloma Josse und der 54-jährigen Renée Michel, die als Concierge in dem Gebäude arbeitet, in dem Paloma mit ihrer Familie lebt. Man könnte meinen, sie hätten nichts gemeinsam, aber hier lernen wir, dass wir trotz unterschiedlicher Hintergründe überall einen Seelenverwandten finden können.

Eine nette Lektüre. Ich hätte nichts gegen ein zweites Buch einzuwenden, um zu sehen, was in Palomas Leben passiert, wenn sie erwachsen wird.

Buchbeschreibung:

"Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Grenelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, daß niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.

Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue Grenelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, daß die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, daß ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluß gefast: Am Ende des Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen."

Dienstag, 5. August 2025

Ashworth, Andrea "Als unser Haus in Flammen stand"

Ashworth, Andrea "Als unser Haus in Flammen stand" (Englisch: Once in a House on Fire) - 1999

Ich habe dieses Buch absolut geliebt. Der Schreibstil ist einfach wunderbar. Man kann sich vorstellen, dabei gewesen zu sein – das ist das beste Lob, das ich einer Autorin geben kann.

Andrea Ashworth beschreibt ihre Jugend in einem mittellosen Haushalt voller Gewalt und anderer Probleme. Ihre depressive Mutter schickt die Familie durch eine Reihe von Stiefvätern, von denen keiner als "normales" Familienmitglied bezeichnet werden kann.

Ich bewundere Andrea einfach für das, was sie trotz all ihrer Probleme erreicht hat und was sie als Ausrede hätte benutzen können, um in das gleiche Muster wie ihre Mutter zu verfallen. Manchmal tat mir die Mutter leid, manchmal war ich wütend auf andere, aber dann tat sie mir wieder leid, weil ich verstehen kann, wie man so endet wie sie. Sie hatte einfach keine Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte, wenn sie sich änderte.

Auf jeden Fall kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Und nein, ich möchte nichts hören, was meine Bewunderung für das Buch und die Autorin trüben würde.

Buchbeschreibung:

"Die Gespenster der Vergangenheit verbannen, das wollte Andrea Ashworth mit ihrem Buch. Es erzählt die mitreißende, bestürzende Geschichte ihrer Kindheit in Manchester Anfang der siebziger Jahre: unvergeßliche Bilder von Leid und Armut, aber auch Solidarität, Zuneigung und unbeugsamen Überlebenswillen."

Montag, 4. August 2025

Deforges, Régine "Das blaue Fahrrad"

Deforges, Régine "Das blaue Fahrrad" (Französisch: La Bicyclette Bleue) - The Blue Bicycle - 1981

Ich dachte, das könnte ein interessantes Buch sein, die Beschreibung klang gut: eine junge Französin, die während des Zweiten Weltkriegs mit ihrem blauen Fahrrad für die Résistance arbeitet.

Ich war jedoch schockiert, denn je weiter ich im Buch las, desto überzeugter war ich, das Buch zu kennen. Es ist praktisch das französische "Vom Winde verweht" (Gone with the Wind) – dieselbe Geschichte, dieselben Szenen, nur andere  Namen. Anscheinend gibt es mittlerweile zehn Teile, also haben sie vielleicht auch "Scarlett" kopiert.

Ich wollte mehr darüber erfahren und googelte. Ich fand heraus, dass Margaret Mitchells Erben Frau Deforges wegen Plagiats verklagt hatten. Warum sie verloren? Es ist mir schleierhaft, ich nehme an, der Richter hat "Vom Winde verweht" nie gelesen.

Buchbeschreibung:

"Mit Das blaue Fahrrad gelang der französischen Bestsellerautorin Regine Deforges ihr literarischer Durchbruch. Dieser Roman erzählt die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern, zur Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich. Leas blaues Fahrrad, auf dem sie sich - buchstäblich - zwischen den Fronten fortbewegt, wird zum Symbol für eine neue Zeit. Eine Fortsetzung sowie die Verfilmung dieses Romans sind in Vorbereitung."

Samstag, 2. August 2025

Forster, E. M. "Auf der Suche nach Indien"

Forster, E. M. (Edward Morgan) "Auf der Suche nach Indien" (Englisch: A Passage to India) - 1924

Dieser Roman entführt uns in eine andere Zeit und in eine andere Region: Indien in den 1920er Jahren. Natürlich sind die Protagonisten Briten, die zur Zeit der indischen Unabhängigkeitsbewegung leben, doch die Hauptfigur ist ein junger Inder, der allein durch die Nachlässigkeit der Engländer in Schwierigkeiten gerät. Das Buch handelt von Freundschaft, Kolonialismus und dem Wunsch aller Menschen nach Unabhängigkeit.

Da ich klassische britische Literatur liebe, war es keine Überraschung, dass mir dieses Buch so gut gefiel. Ich liebe die Sprache von E.M. Forster, die Art und Weise, wie er sowohl die Figuren als auch die Szenen beschreibt. Er entführt uns an einen weit entfernten Ort, der fast magisch wirkt und dennoch sehr realistisch und verletzlich ist.

Eine tolle Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Eine junge Britin reist in den 1920er Jahren zu ihrem Verlobten nach Indien und taucht ein in eine ihr gänzlich fremde Welt. Englisches Kolonialdenken trifft hier auf indisches Unabhängigkeitsstreben – ein Zwischenfall entlarvt schließlich die Verlogenheit und Brutalität der britischen Herrschaft."

Forster, E.M. "Wiedersehen in Howards End"

Forster, E.M. (Edward Morgan) "Wiedersehen in Howards End" (Englisch: Howards End) - 1910

Ich hatte "Auf der Suche nach Indien" (A Passage to India) gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Als eine Freundin meinte, sie wolle schon immer "Wiedersehen in Howards End" (Howards End) lesen, verabredeten wir uns, es gemeinsam zu lesen. Leider ging ihr E-Reader kaputt, sodass wir es letztendlich nicht gleichzeitig gelesen haben. (Noch ein Grund, warum ich keine E-Reader lese, aber mehr dazu hier.)

Ich wurde nicht enttäuscht. Eine großartige Darstellung des Lebens in der britischen Gesellschaft vor einem Jahrhundert. Die verschiedenen Klassen und was sie für jemanden bedeuteten, der in eine bestimmte hineingeboren wurde.

Obwohl die Geschichte etwa ein Jahrhundert später geschrieben wurde, erinnerte sie mich sehr an Jane Austen, die Brontë-Schwestern, George Eliot - genau diese Art von Literatur, die ich so sehr mag. Es gibt Schwestern, die gebildet, aber nicht reich sind, es gibt die reiche Familie, es gibt den armen Kerl, dessen Leben schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Viele soziale und moralische Fragen werden einfühlsam diskutiert. Trotzdem bietet sie jede Menge Action für alle, die nicht nur über philosophische Fragen lesen wollen.

Buchbeschreibung:

"Kultiviert sind sie, die Schwestern Margaret und Helen Schlegel, und für ihre Zeit überaus emanzipiert. Als sie die Bekanntschaft der konventionellen Familie Wilcox machen, verliebt Helen sich in den jüngeren Sohn, Paul. Eine Liebe, die allerdings nicht von Dauer sein kann, so grundverschieden sind die beiden jungen Leute. Beim Abschied hofft jede der Familien, die andere nie wiedersehen zu müssen. Natürlich kommt es anders als gewünscht..."

Freitag, 1. August 2025

Schreiber, Jasmin "Marianengraben"

Schreiber, Jasmin "Marianengraben" [Mariana Trench] - 2020

Dieses Buch wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt, natürlich nicht ins Englische. Wie immer.

Hier ist die Geschichte von Paula. Aber auch von Tim. Und von Helmut. Und von Helga. Es hat viel mit dem Sterben zu tun, aber auch damit, wie wir damit umgehen. Und vom Leben. Wie wir trotzdem weitermachen.

Man denkt, bei dem Thema muss es sich um ein sehr trauriges Buch handelt. Ganz im Gegenteil. Es ist skurril und witzig. Wie sowohl Paula als auch Helmut mit Trauer umgehen, wie sie sich gegenseitig helfen. Und ich denke, mit diesem Buch hilft auch Jasmin Schreiber vielen, mit Verlust umzugehen.

Ich habe dieses Buch sehr genossen. Es ist berührend. Man kann sich auch gut in die Personen hineinversetzen und sie sind allesamt sehr sympatisch. Das ist für mich immer schon ein gutes Zeichen.

Was hat der Titel mit dem Buch zu tun? Nun, die Autorin ist Meeresbiologin und auch der kleine Bruder interessiert sich sehr für die Tiefsee und deren Bewohner. Ich habe mich während des Lesens gefragt, warum die Kapitel Nummern haben, mit denen ich nichts anfangen konnte. Es beginnt bei 11.000 und endet bei 0. Hmm. Ich bin nicht sehr interessiert an Biologie, eher an Erdkunde. Daher hätte ich es eigentlich ahnen können. Aber manchmal sitzt man wie vor einer Wand. Ich werde es hier nur im Spoiler verraten für die, die es unbedingt wissen wollen, bevor sie selbst zum Buch greifen.

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Spoiler:

Zitate:

"Ein Buch in der Hand kann ein echter Rettungsanker sein - wenn die See des Lebens zu rau ist, klammert man sich an Geschichten und lässt sich von ihnen in Sicherheit bringen." Jasmin Schreiber

"Eigentlich kann man gar kein Buch schreiben, das vom Sterben handelt, gleichzeitig sehr lustig und tieftraurig ist, sich aber anfühlt wie ein Roadmovie. Wie gesagt: Eigentlich!" Sascha Lobo

Ich habe dies im Juli 2025 mit meinem deutschen Lesekreis besprochen. Den meisten anderen Mitgliedern hat es auch sehr gut gefallen und wir konnten uns alle in die Personen und die Geschichte hineinversetzten (bis auf eine Dame). Einfach schräg und schrullig.

Buchbeschreibung:

"Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Ein Roman übes Sterben - aber vor allem darüber, am Leben zu bleiben."